Der Danone Activia-Schierlingsbecher
Die märchenhaften VerpackungskünstlerInnen von Activia
Es mag durchaus sein, dass sich unter den FreundInnen von Danone einige oder derer viele befinden, welche sich wie der weltberühmte Verpackungskünstler Christo dem Nouveau Réalisme verbunden fühlen. Kann aber genauso sein, dass das von Danone so omnipräsente Produkt Activia nahtlos dort anschließt, wo sie leider 2011 nicht zum Zug gekommen sind: Die Vorbereitungen für den Goldenen Windbeutel 2012 jetzt schon so zu forcieren, dass aus einer Anwärterschaft vielleicht auch ein Titelgewinn wird. Ich habe zwar unter “Milch-Schnitte, die sportlich leichte Werbelüge” meiner Enttäuschung freien Lauf gelassen, weil eben mein heimlicher Favorit, der Activia Joghurt, nicht zum dreistesten Windbeutel gewählt wurde, doch ich nehme die Sache ebenfalls sportlich fair und auf die leichte Schulter.
Doch es scheint, dass Danone mein Flehen erhört hat und sich mit besten Kräften in die Aufgabenstellung stürzt, um endlich aus einem heimlichen Favoriten einen
unheimlichen Gewinner werden zu lassen. Und so passt der neue Newsletter von foodwatch mit dem Titel “Das Activia-Märchen Teil II: Die Verpackungslüge” hervorragend zu zweierlei Dingen. Zum einen lassen sich meine beiden letzten Artikel “Lebensmittelklarheit: Täuschende Trugbilder am Pranger” und wohl auch “Nachhaltigkeit kommt in Mode: Recycling als Modetrend” verlinkungsgerecht in diesen hier mit einbinden, um nicht gleich von einer gewaltigen Themaverfehlung sprechen zu müssen und zum anderen macht Danone seinem Namen alle Ehre, wenn es darum geht, “Verbraucher mit Werbung für Joghurtbecher aus Biokunststoff in die Irre” zu führen, wie es die Bundesbienen von “Honighäuschens Blog” so schön und vor allem sehr ausführlich schreiben.
So wird also aus einem marketinggerechten Verdauungswunder Activia nun zusätzlich auch noch ein regelrechtes Verpackungswunder. Schauen wir doch kurz auf der hauseigenen Danone-Webseite vorbei, so macht uns das Unternehmen unter dem tiefblauen Headliner “Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen” so richtig Lust darauf, dem eigenen trägen Darminhalt mithilfe des im umweltfreundlichen Becher enthaltenen Inhalts regelrecht und ganz im sinne der Umwelt auf die Sprünge zu helfen. Schließlich ist eben jenes neue Behältnis aus pflanzlichen und deshalb nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, was in unserem vorliegenden Trägheitsfall Maispflanzen bedeutet.
Lassen wir weiterhin unseren trägen oder womöglich schon gebrochenen Blick, welcher dank eines Löffelchen Activia jetzt wieder kristallklar dahinhuscht, über die endlos langen Zeilen, Daten und Fakten und damit verbundenen rätselhaften Fachbegriffe einer von Danone selbst in Auftrag gegebenen Studie des IFEU-Instituts Heidelberg mit dem Titel “Ökobilanz von Danone Activia-Verpackungen aus Polystyrol und Polylactid” schweifen, stellen wir oder besser geschrieben die VerfasserInnen Benedikt Kauertz, Andreas Detzel und Susanne Volz unter Punkt 7 Schlussfolgerungen und Empfehlungen auf den Seiten 96 ff. des Endberichtes fest, dass als Beispiel für den ökobilanziellen Vergleich etwa die von Danone so vollmundigen PLA-Becher zwar Vorteile in den Wirkungskategorien Klimawandel, Fossiler Ressourcenverbrauch und Sommersmog (POCP), doch gleichzeitig werden diese schönen Vorteile durch die festgestellten Nachteile in den Kategorien Versauerung, Terrestrische und aquatische Eutrophierung, Humantoxizität: Feinstaub (PM10) und Naturraumbeanspruchung: Agrarfläche im wahrsten Sinne aufgebraucht (Seite 97 des IFEU-Berichtes). Und so kommt, was viele jetzt bereits sehnsüchtig (außer dem Auftraggeber Danone natürlich) erwartet haben: “Auf Grundlage der Ergebnisse der Basisszenarien sowie der durchgeführten
Sensitivitätsanalysen lässt sich unter Anwendung der Auswertestrategie A umfassende Bewertung in Anlehnung an UBA) kein ökobilanzieller Vor-oder Nachteil für eines der beiden Systeme ableiten.”
Mehr möchte ich jetzt eigentlich gar nicht dazu schreiben. Höchstens mich der Feststellung von Greenpeace anschließen: “Danone führt Verbraucher mit Werbung für Joghurtbecher aus Biokunststoff in die Irre.” Aber dies hatten ja auch schon die Bundesbienen proklamiert. Und so kommen doch hoffentlich immer mehr Konsumentinnen und Verbraucher auf den Geschmack, dass der Activia-Geschmack mehr als nur einen bitteren Nachgeschmack nach sich zieht.



