Bio Natur - Der Weblog

24.7.2011

Lebensmittelklarheit: Täuschende Trugbilder am Pranger

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 08:43


Ist das Kalb ein halbes Schwein?” oder und andere Fragen

VerbraucherInnenportal Lebensmittelklarheit.de informiert Verbraucherinnen und Verbraucher kompakt und verständlich über rechtliche Regelungen zur Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln.möchte das neue VerbraucherInnenportal Lebensmittelklarheit.de des deutschen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) unter Mithilfe eben jener KonsumentInnen beantworten, welche sich durch Aufmachung, Inhalt und Kennzeichnung getäuscht fühlen. “Gut gebrüllt,Löwe!” möchte man dazu im ersten Moment denken. 

Die Idee dahinter ist sicherlich nicht die schlechteste. Jene, welche eigentlich unter der zunehmenden Verschleierung, den unhaltbaren Versprechen der Werbeindustrie und denLebensmittelklarheit: Produkte melden, bei denen sich Verbraucherinnen und Konsumenten durch Aufmachung oder Kennzeichnung getäuscht fühlen. immer unübersichtlicheren Regelungen am meisten leiden, nämlich die KäuferInnen und anschließenden KonsumentInnen, werden aktiv zur Teilnahme aufgefordert. Das Procedere ist auf den ersten Blick denkbar einfach, wie der nebenstehende Screenshot selbsterklärend beschreibt, welcher Sie auch bei Bedarf gleich dorthin weiterleitet, wo Sie selbst Ihre eigene Meldung abgeben können.

Ob die 750 000,– Euro der deutschen SteuerzahlerInnen, welche in das Projekt gesteckt wurden (Die Erwartungen der Ernährungsindustrie an das Internetportal „Lebensmittelklarheit“, auch eine gute Investition waren, bleibt abzuwarten. Der “Goldene Windbeutel” wird zwar jedes Jahr an jene HeilsversprecherInnen mit den schönsten und besten Werbelügen vergeben, doch solange sich selbst aufgrund dieser mittlerweile sehr bekannten Anprangerung durch die konsumkritische Gesellschaft die an den Pranger gestellten Unternehmen und Konzerne meist äußerst resistent und uneinsichtig gegenüber Kritik und Wunsch nach Änderung der beanstandeten Produkte zeigen, wird auch diese neue Initiative “eher ein Tropfen auf den heißen Stein” bleiben, wie der Basic Thinking Blog so treffend schreibt.

Aber vielleicht müssen wir uns mittlerweile schon mit kleinen Dingen begnügen, um uns überhaupt Gehör zu verschaffen. Aber andererseits muss auch gesagt werden, dass jeder kleine Tropfen irgendwann den berühmten Stein aushöhlt. Und sei dieser auch noch siedend heiß. Also verdammen wir nicht jetzt schon, was erst noch am Köcheln ist, wie andere schreiben. Die Idee von Lebensmittelklarheit ist nicht schlecht, denn die Intention der Plattform folgt immerhin den Zielen, welche wir uns wünschen. Selbstständig und aktiv am Gestaltungsprozess von Produkten und Artikeln mitwirken, welche uns hinsichtlich Kennzeichnung, (Mogel)Packung und Inhalten fadenscheinig erscheinen und deshalb dringend einer Neuorientierung und Änderung bedürfen. Dass dabei die KonsumentInnen gefordert sind, sich selbstständig an diesem Aufklärungsprozess und Informationsfluss zu beteiligen, ist sicherlich nicht das Schlechteste.     

5 Kommentare »

  1. Ich denke auch, der Ansatz ist nicht schlecht. In wie weit die Idee ein Erfolg wird, hängt davon ab, ob die Menschen die Datenbank auch nutzen. Es werden sicherlich viele Produkte angemeldet, doch dann? Was passiert nun? Werden die Behörden aktiv und kontrollieren jedes angemeldete Produkt? Oder dient die Datenbank nur zur Veröffentlichung von Mogelpackungen und ähnlichem? Dann würde die Website nur Sinn machen, wenn der Verbraucher sich vor dem Einkauf regelmäßig über aktuelle Neueinträge informiert und da erlaube ich mir die Frage: Wer tut das?

    Eines aber bringt diese Seite in jedem Fall: Der Verbraucher kann seinem Ärger Luft machen und hat das Gefühl, den Lauf der Gerechtigkeit etwas beschleunigt zu haben. Ist doch auch etwas, oder?

    Kommentar von Beni Shangul — 24.7.2011 @ 23:24

  2. Sehr geehrter Beni Shangul.
    Das interessiert mich natürlich selbst auch und aus diesem Grunde habe ich diese Fragestellungen auch gleich an die Redaktion weitergeleitet. Mal schauen, welche Antworten uns erwarten. Vielen Dank für die Inspiration und ganz nebenbei: Die Idee mit der Knoblauch-Wassermelone gefällt mir sehr gut. Sollte sich irgendwann einmal das Wetter hier in Wien wieder zum Besseren wenden, wird das Rezept im Selbstversuch getestet. Auf alle Fälle halte ich bezüglich der Fragestellung an die Redaktion von Lebensmittelklarheit alle auf dem Laufenden.
    Liebe Grüße aus dem herbstlichen Wien von Paul

    Kommentar von Paul Boegle — 25.7.2011 @ 19:47

  3. Toll, das ist endlich mal ein gut geschriebener Beitrag, vielen Dank. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Generell finde ich die Seite leicht zugaenglich.

    Kommentar von Schüssler Salze abnehmen — 3.9.2011 @ 07:36

  4. Ich denke auch, dass sich das Projekt “Lebensmittelklarheit” nicht nur als leicht zugängliches, sondern auch informationsspendendes Onine-Medium, in die richtige Richtung entwickelt. Und dass das Projekt massiv “gestürmt” wird, zeigt eigentlich, dass die VerbraucherInnen sehr wohl das Bedürfnis nach Aufklärung und Transparenz haben.

    Kommentar von Paul Boegle — 4.9.2011 @ 14:18

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