Lebensmittelklarheit: Täuschende Trugbilder am Pranger
“Ist das Kalb ein halbes Schwein?” oder und andere Fragen
möchte das neue VerbraucherInnenportal Lebensmittelklarheit.de des deutschen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) unter Mithilfe eben jener KonsumentInnen beantworten, welche sich durch Aufmachung, Inhalt und Kennzeichnung getäuscht fühlen. “Gut gebrüllt,Löwe!” möchte man dazu im ersten Moment denken.
Die Idee dahinter ist sicherlich nicht die schlechteste. Jene, welche eigentlich unter der zunehmenden Verschleierung, den unhaltbaren Versprechen der Werbeindustrie und den
immer unübersichtlicheren Regelungen am meisten leiden, nämlich die KäuferInnen und anschließenden KonsumentInnen, werden aktiv zur Teilnahme aufgefordert. Das Procedere ist auf den ersten Blick denkbar einfach, wie der nebenstehende Screenshot selbsterklärend beschreibt, welcher Sie auch bei Bedarf gleich dorthin weiterleitet, wo Sie selbst Ihre eigene Meldung abgeben können.
Ob die 750 000,– Euro der deutschen SteuerzahlerInnen, welche in das Projekt gesteckt wurden (Die Erwartungen der Ernährungsindustrie an das Internetportal „Lebensmittelklarheit“, auch eine gute Investition waren, bleibt abzuwarten. Der “Goldene Windbeutel” wird zwar jedes Jahr an jene HeilsversprecherInnen mit den schönsten und besten Werbelügen vergeben, doch solange sich selbst aufgrund dieser mittlerweile sehr bekannten Anprangerung durch die konsumkritische Gesellschaft die an den Pranger gestellten Unternehmen und Konzerne meist äußerst resistent und uneinsichtig gegenüber Kritik und Wunsch nach Änderung der beanstandeten Produkte zeigen, wird auch diese neue Initiative “eher ein Tropfen auf den heißen Stein” bleiben, wie der Basic Thinking Blog so treffend schreibt.
Aber vielleicht müssen wir uns mittlerweile schon mit kleinen Dingen begnügen, um uns überhaupt Gehör zu verschaffen. Aber andererseits muss auch gesagt werden, dass jeder kleine Tropfen irgendwann den berühmten Stein aushöhlt. Und sei dieser auch noch siedend heiß. Also verdammen wir nicht jetzt schon, was erst noch am Köcheln ist, wie andere schreiben. Die Idee von Lebensmittelklarheit ist nicht schlecht, denn die Intention der Plattform folgt immerhin den Zielen, welche wir uns wünschen. Selbstständig und aktiv am Gestaltungsprozess von Produkten und Artikeln mitwirken, welche uns hinsichtlich Kennzeichnung, (Mogel)Packung und Inhalten fadenscheinig erscheinen und deshalb dringend einer Neuorientierung und Änderung bedürfen. Dass dabei die KonsumentInnen gefordert sind, sich selbstständig an diesem Aufklärungsprozess und Informationsfluss zu beteiligen, ist sicherlich nicht das Schlechteste.



