Penglai 19-3: Ölkatastrophe wochenlang verschwiegen 1



Chinesisch-amerikanische Vertuschungspolitik

Penglai 19-3: Ölkatastrophe in der Bohai Bucht im chinesischen Gelben Meer. Vertuschungsaktion von ConocoPhillips und China National Offshore Oil Cooperation (CNOOC). Schöne Grüße von der Deepwater Horizon.Ein weiteres Mal lässt das große Vorbild Deepwater Horizon von BP aus den Tiefen der Meere grüßen. Dieses Mal kommen die schwarzen öligen Grüße vom anderen Ende der Welt. In der Bohai-Bucht im Gelben Meer vor der nordöstlichen chinesischen Küste läuft und läuft und läuft seit Wochen aus mindestens zwei Öllecks das schwarze Gold dorthin zurück, woher es im ersten Schritt gepumpt wird: Wieder einmal ins Meer. Und wieder wollten sich die Betreiber, das größte chinesische Offshore-Ölfeld wird von der texanischen ConocoPhillips-Gruppe (49 Prozent Anteile laut China Daily: Watchdog deems oil leak in bay a ‚disaster‘) und dem inländischen Partner China National Offshore Oil Cooperation (CNOOC) ausgebeutet, durch Stillschweigen aus der Affäre ziehen (Weitere Öllecks in der Bohai-Bucht gefunden oder Stille Katastrophe in der Bohai-Bucht).

Erst durch die chinesische Microblogging-Plattform Sina Weibo, einem Pendant zu Twitter und mit 140 Milionen NutzerInnen Chinas führender Dienst, wurde die ganze Tragweite des Unglücks durch BloggerInnen an die Öffentlichkeit gebracht (Blogs brachten die Wahrheit ans Licht). Nebenbei gesagt wieder ein gutes Beispiel, dass die Blogosphäre scheinbar immer noch gewaltig unterschätzt wird, wenn es um Mobilmachung und Informationsweitergabe brisanter Themen geht.

Bereits am 4. und am 17. Juni ereigneten sich die beiden bisher bekannten Ölunfälle am Ölfeld Penglai 19-3, doch erst am 5. Juli gingen die Behörden damit an die Öffentlichkeit (Ölpest vor Chinas Küste: Jetzt kommen Algen). Und sie sprachen anfänglich von einer Verschmutzung in der Größenordnung von etwa 840 Quadratkilometern. Im Vergleich mit der von BP verursachten Katastrophe im Golf vom Mexico, der Ölteppich hatte dort nach wenigen Tagen eine Fläche von 10 000 Quadratkilometern erreicht, wirken diese Zahlen geradezu lächerlich. Doch neben diesen 840 qkm hat die Staatliche Ozeanbehörde SOA zusätzlich eine Fläche von 3400 qkm hinsichtlich der Wasserqualität von 1 auf 3 oder sogar 4 abgewertet, was in etwa dem entspricht, was wir gemeinhin in unserern städtischen Abwässerkanalisationen vorfinden und wahrscheinlich weder zum Schwimmen noch zum Trinken in Erwägung ziehen.

Wie es weitergeht, bleibt natürlich vorläufig unklar. Was aber doch sehr schmerzhaft ist: Für solche Vergehen werden durch das chinesische Gesetz Geldstrafen in Höhe von maximal 200 000 Yuan verhängt. Nach derzeitigem Umrechnungskurs entspricht dies 22 000 Euro. Was soll man dazu jetzt noch viel schreiben? Eines vielleicht noch, auch wenn ich weiß, dass es eigentlich zwecklos ist. Der US-amerikanische Ölkonzern ConocoPhillips betreibt unter anderem die Tankstellenkette JET in Deutschland. Jetzt zu einem ähnlichen Boykott wie damals bei BP aufzurufen, wäre aufgrund der Tatsache, dass die autofahrenden LeserInnen unter uns ja schließlich auch irgendwo tanken müssen, des Guten zuviel. Aber wer sich einmal die Mühe macht, auf dem deutschen Webseiten-Ableger mit Namen ConocoPhillips Germany vorbeizuschauen, um dort mit dem Slogan „Schlauer ist das!“ begrüßt zu werden, sollte vielleicht doch zumindest kurzzeitig in Versuchung kommen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Langfristig wäre natürlich noch besser, denn wirkliche Alternativen zu JET kann ich Ihnen keine bieten, da es keine gibt.

Oder um zum wiederholten Male jene Worte des Umweltaktivisten Sunny Ofehe wiederzugeben, welche ich bereits in meinem Artikel „Schwarze Jahrzehnte in Nigeria dank Shell“ benutzt habe: „Mein Tank ist leer. … Shell ist überall. Man kann ihnen nicht entgehen!“ Ob Sie nun statt Shell, JET, BP, ESSO oder welchen Namen der immergleichen Dieselschwestern und Benzinbrüder auch immer einsetzen. Es ändert nichts an der Tatsache, dass im Falle der unzähligen Umweltkatastrophen, welche durch Konzerne wie vorgestern Shell und Agip, gestern BP, heute ConocoPhillips und morgen möglicherweise alle zusammen hervorgerufen werden, immer die Maxime „Schweigen ist Gold“ ein probates Mittel ist. Zumindest solange, bis sich das Schweigen immerhin noch durch schöne Reden versilbern lässt. 

  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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