Wheelmap.org: Mobilmachung mit Hindernissen 1



Ein kleiner Schritt für mich, aber ein (zu) großer Sprung für RollstuhlfahrerInnen

Die erste bemannte Mondlandung hat seit dem 21. Juli auch schon wieder ihren 42. Jahrestag hinter sich. Doch was den einstigen Helden Armstrong und Aldrin damals trotz all der Schwierigkeiten als selbstverständlich erschien, nämlich auf einer schmalen Leiter eine darunterliegende Ebene zu erreichen und später in umgekehrter Richtung diese horizontale Verbindung auch wieder zu erklimmen, bedeutet auch vier Jahrzehnte später für andere Menschen ein oftmals unüberbrückbares Hindernis. Oder in Anlehnung an meinen letzten Beitrag: Viele Menschen gehen selbst in der schönsten Badesaison baden, obwohl ihnen keinesfalls danach ist.

Wir sprechen von Menschen, welche in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind und aufgrund dieses Handicaps mitunter vor offenen und trotzdem verschlossenen TürenWheelmap.org: Raúl Krauthausen und die Berliner Sozialhelden für eine behindertengerechte und barrierefreie Welt. stehen respektive im Rollstuhl sitzen. Doch nicht nur jene, welche den Rollstuhl als hauptsächliches Fortbewegungsmittel nutzen müssen, haben mit der Barrierefreiheit einer grenzenlosen Welt ihre liebe Mühe. Alte Menschen mit Krücken und Mütter oder Väter mit dem Nachwuchs im Schlepptau, welcher sich an oder besser in der Reissleine namens Kinderwagen befindet, bewegen sich vielfach mehr stolpernd und polternd als flüssig rollend durch die Restriktionen fehlender Rampen, nicht behindertengerechter Aufzüge und durch Stufen abgetrennter Supermärkte. Eine schöne Melange in einem Wiener Kaffeehaus? An und für sich eine feine Sache, wenn da nur nicht die viel zu schmale Türe wäre. Die dringende Notdurft verrichten? Manchmal eine geradezu herrliche Sache, wenn neben den wunderschönen Fliesen und den auf Hochglanz polierten Armaturen auf dem WC zumindest eine Behinderten-Toilette eingebaut wäre.

Raúl Krauthausen ist durch die Glasknochenkrankheit selbst auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch das hindert ihn nicht, für mehr Bewegungsfreiheit zu kämpfen. Zusammen mit den Sozialhelden, dessen Mitgründer er selbst auch ist, einem gemeinnützigen Verein aus Berlin, hat er sich daran gemacht, all jene verrückten Ideen umzusetzen, welche andere Menschen als „schlicht unmöglich“ abtun würden. Und eine dieser Ideen war es, anhand einer Karte online jene Antworten darauf zu geben, welche Institutionen, Supermärkte, Sehenswürdigkeiten, Gasthäuser, Banken, U-Bahn-Stationen und und und behinderten Menschen durch bedarfsgerechte Hilfestellungen das Leben erleichtern oder eben das Leben nur aus der Sicht des „unabhängigen“ Menschen betrachten.

Ein Ampelsystem zeigt dabei, wo es sich auszahlt, doch einmal vorbeizuschauen oder welche Plätze aus Sicht der Betroffenen mit unüberbrückbaren Hindernissen und Barrieren vom Alltagsleben ausgrenzen. Und, Sie werden es schon erahnen, weshalb ich diesen Artikel schreibe, das größte Hindernis für den Ausbau und die Weiterentwicklung sind wie so oft die fehlenden Mittel für solche sozialen Projekte. Wenn ich lese, dass die Kärntner Landesregierung unter Führung der Freiheitlichen der Caritas 92 000,– Euro ersatzlos streichen, welche dringend für die Obdachlosenbetreuung benötigt werden, aber im Gegenzug ein Zuschuss von 300 000,– Euro für die sogenannte „Starnacht am Wörthersee“ locker gemacht werden soll (Blauer Förderregen für „Starnacht am Wörthersee“), könnte sich einem wie mir schon die Frage nach dem Grad der geistigen Behinderung mancher ZeitgenossInnen aufdrängen. „Könnte“ wohlgemerkt, schließlich möchte ich ja nicht als Nestbeschmutzer für die kulturpolitischen Belange, Vorhaben und Vorgaben mancher hochwichtiger Veranstaltungen dastehen. Außerdem hat so ein makellos ausgerollter, faltenfreier und meist roter Teppich für Politik, Wirtschaft, Stars und Sternchen auch den unschätzbaren Vorteil, dass sich darauf auch mit einem Rollstuhl wunderbar fahren lässt. Vorausgesetzt natürlich, die fehlende Einladungskarte stellt nicht die letzte Barriere auf dem Weg dorthin dar.  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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