Magischer Abfall: Künstlerische Ader der Umweltbelastung 1



Die nützliche Seite des Nutzlosen in der Kunsthalle Krems

Kunsthalle Krems Forum Frohner: Die Ausstellung “Magischer Abfall”.Nachdem für diesen und wohl auch die darauf folgenden nächsten Augenblicke die Magie nebst verzauberter Luft aus dem WWF-Pandabären heraus ist, nutze ich die Gelegenheit, wieder einmal für Österreich etwas Werbung zu betreiben.

Also, ich bitte sie, meine lieben Leserinnen und Leser aus dem benachbarten Deutschland. Den RecyclingDesignpreis, welcher sich auf ähnliche Weise mit der Wiederverwertung menschlicher und industrieller Abfälle in unserer Wegwerf- und Überflussgesellschaft beschäftigt, habe ich doch bereits auf meinem Blog vorgestellt. Also wieder einmal zurück nach Österreich und ausnahmsweise nicht nach Wien, sondern in das niederösterreichische Krems an der (meist) noch schönen blauen Donau. Wer mich übrigens in der Schweiz oder anderen Ländern liest, darf mir gute Vernstaltungstipps ebenfalls zukommen lassen, denn nur mit vereinten Kräften können wir etwas bewegen. Gutes jüngstes Beispiel dazu ist selbstverständlich Italien, wo ein gewisser selbstherrlicher Berlusconi (den Herrn lasse ich aus Zeitgründen weg) gegen die unzähligen Kernkraftgegner mit dem erfolgreichen Slogan „I pazzi siete voi!“ oder auf deutsch „Die Verrückten seid ihr!“ so richtig schön abgewatscht wurde.

Aber genug der Tiefschläge und ab in die Kunsthalle Krems. Genauer gesagt in das nach dem verstorbenen österreichischen Künstler Adolf Frohner benannte Forum Frohner. Denn dort breitet sich bis zum 2. Oktober 2011 noch gehörig Mist, Müll und andere Verlassenschaften menschlicher Existenz aus. Doch Mist ist eben nicht gleich solcher und so finden sich im Forum Frohner Abfallhaufen, aus Mist erschaffene und geschaffene Skulpturen und Gebilde, müllbelastetes Material und wiederaufbereitete Alltäglichkeiten des Sinn- und Nutzlosen ein, welche zu betrachten ganz sicherlich Freude bereitet. Unter dem Titel „Magischer Abfall“ oder „Metamorphosen des Alltags in der Kunst“ beschäftigen sich KünstlerInnen in der Ausstellung mit einem weitgehend unbeachteten Thema unseres ständigen Wegbegleiters, welcher uns auf Schritt und Tritt sowohl als umweltbelastendes als auch als gesellschaftlich-ästhetisches Problem beschäftigt.

Und genau diesen anrüchigen Problemstellungen haben sich die Schaffenden gestellt. Sozusagen die ohnehin schon knappen Ressourcen unseres Planeten Erde noch ein weiteres Mal wiederzubeleben, um aus Verschwendung neue Werte zu schaffen und in einen revitalisierten Prozess zu führen. Aus abgefertigter Massenfertigung und nicht mehr weiter zu verwendender Massenproduktion, welche ansonsten auf dem großen Haufen des Vergessens landen, werden manuell produzierte Einzelstücke, deren Sinnhaftigkeit eigentlich erst durch die vorhergegangene Sinnentleerung begreifbar und ersichtlich wird. Verbrauch wird zu Gebrauch. Die vielfache Unmöglichkeit des Recyclings, vorgegeben durch finanzielle Unmachbarkeit oder wirtschaftliche Nutzlosigkeit, bestimmter belastender Konsumgüter wird durch diese Form neuerlicher Belastung nahtlos in die Kette eines zwar nicht endlosen Kreislaufes aufgenommen, aber zumindest wird durch diesen Schaffensprozess ein Teil unserer Müllberge zumindest symbolisch minimiert.

Dass die Ausstellung „Magischer Abfall“ weder zur Reduktion der Müllberge beiträgt noch konstruktive Ansatzpunkte für Mülltrennung bietet, steht außer Frage. Doch zumindest ein Hinterfragen unseres eigenen Konsumverhaltens sollten wir uns uns nach Verlassen der Räume schon stellen. Denn die Endlichkeit beschränkt sich nicht alleine auf die menschliche Existenz, sondern setzt eigentlich oder gerade bereits dort an, wo die Menschen durch die eigene Existenz ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen. Dass hierbei in den wenigsten Fällen künstlerische Aspekte vorrangig sind, soll uns jetzt nicht weiter beschäftigen.  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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