Carrotmob: Flashmob im Zeichen der Karotte 1



Wenn der nachhaltige Pöbel richtig einkauft

Während die Vorbereitungen und Einbauten für den neuen segelnden Regenbogen von Greenpeace im Hamburger Haufen auf Hochtouren laufen, macht sich auch das gemeine Volk so seine Gedanken über aktiven Umweltschutz. Doch weil alleine Gedanken kein probates Allheilmittel sind, wurde aus einem dieser Gedanken eine neue Bewegung mit dem schönen, wenngleich undurchsichtigen Namen „Carrotmob„.

Vorab eines, um gleich einmal Missverständnisses vorzubeugen. Mit dem Pöbel, Plebs, Mob oder bleiben wir im deutschen Sprachraum, mit dem gemeinen Volk habe ich einesCarrotmob: Win-Win-Situation für Gastronomie, Einzelhandel und KonsumentInnen durch Carrot Mobbing. gemein: Ich komme selbst aus diesem Teil der Gesellschaft, fühle mich wohl in diesem Teil der Gesellschaft und bezeichne mich selbst stolz als kleiner Teil eben dieses Gesellschaft. Und deshalb das heutige Thema „Carrotmob„. Nie davon gehört? Kann ich Ihnen nicht verübeln, schließlich handelt es sich um eine relativ junge Bewegung, welche in den USA im Jahr 2008 entstand. Genauer gesagt, in San Francisco und noch präziser dahergeschrieben initierte ein Herr namens Brent Schukin den ersten Carrotmob.

Was zum Teufel oder besser zur Karotte ist aber dieses verbal vegetarische Ungetüm? Nun, eigentlich eine andere Form des wirtschafltichen Flashmobs, wobei aber hier besser der Begriff „Smart Mob“ greifen würde. Hauptsächlich durch die neuen Medien und die damit verbundenen Kommunikationswege werden Menschen dazu aufgerufen, spontan an einer vorher organisierten und strukturierten Aktion teilzunehmen. D.h., InitiatorInnen einer Carrotmob-Aktion nutzen Plattformen wie Facebook und andere soziale Netzwerke, um den geplanten und terminlich meist vorab fixierten Protest einer grossen Masse präsent zu machen, den Bekanntheitsgrad zu steigern und schlussendlich den Erfolg sicherzustellen. Dass Mundpropaganda dabei ein weiteres Element und in meinen Augen immer noch sehr effektiven und entscheidenden Faktor darstellt, sei nur am Rande erwähnt.

In diesem speziellen Fall werden in einer Stadt Geschäfte oder mittlerweile auch die Gastronomie befragt, welche Interesse zeigen, Carrot Mobbing aktiv zu betreiben, welchen Teil der (Tages)Einnahmen sie bereits sind, für umweltfreundliche Investitionen und Restrukturierungsmaßnahmen zu investieren. Dass sich dabei meist nur kleine Lebensmittelbetriebe beteiligen, ist wohl auch ein Zeichen dafür, welche Wertigkeit die führenden Supermarktketten dem Thema Nachhaltigkeit angedeihen lassen. Eine willkommene Gelegenheit, noch einmal auf meinen Artikel Supermarktmacht: Gegen die Super Markt Macht hinzuweisen, aber auch dies nur am Rande.

Und jener Betrieb, welcher aus all den abgegebenen Angeboten das höchste abliefert, also bereits ist, die meisten Prozentpunkte der erzielten Einnahmen in sinnvolle und in erster Linie umweltfreundliche Investitionen zu stecken, erhält den Zuschlag. Dies bedeutet, der Carrotmob, also jener schon angesprochene grüne nachhaltige Pöbel kauft an diesem bestimmten Termin nur dort ein, wohin er durch die OrganisatorInnen per Aufruf, Weitersagen und soziale Vernetzung dirigiert wird. Als alter Soziologe mit angeborenem Spieltrieb, welcher mit dem klassischen Gefangenendilemma der Spieltheorie konfrontiert wurde und leider tagtäglich immer noch wird, zeigen sich beim Carrot Mobbing jedoch gravierende Unterschiede. Und zwar glücklicherweise positiver Art.

Denn anstatt auf nicht kooperatives Verhalten zu setzen, welches in Summe allen Beteiligten unterm Strich nur Nachteile einbringt, entsteht aus diesem spontanen Einkaufs- oder Konsumverhalten, welches paradoxerweise aber letztendlich im Vorfeld gut durchdacht und geplant war, eine Win-Win-Situation für alle die an der Aktion Beteiligten und kooperierenden TeilnehmerInnen. Für die KonsumentInnen bietet sich eine willkommene Gelegenheit, einen Boykott durch wirklich nachhaltige und nicht in der Leere der Wirtschaft und Politik verpuffende zum Erfolg zu führen. Einkaufen müssen wir alle, aber durch die Zusicherung der Betriebe, die Einnahmen in Klimaschutz, Energieeffizienz und Senkung der eigenen CO2-Bilanz einzusetzen, macht Konsum hier wirklich Sinn. Dass daneben noch Gleichgesinnte zueinander finden, ist sicherlich ein angenehmer Nebeneffekt.

Und für die LebensmittelhändlerInnen, GastwirtInnen oder wer auch immer sich am Carrot Mobbing beteiligt, lassen überdurchschnittlich hohe Umsätze an diesem Tag und wohl auch in der Zukunft die Kassen kräftig klingeln. Ganz abgesehen davon, dass solch positives Public Relations in der Öffentlichkeit Image und Bekanntheitsgrad kräftig aufpoliert und neben umweltfreundlicher Nachhaltigkeit sicherlich auch finanzielle Nachhaltigkeit bedeutet.

Wer nun mehr darüber erfahren möchte, wie aus dem normalen Mob ein schlagkräftiger Carrotmob wird, sollte sich vielleicht einmal den Leitfaden Der ultimative Carrotmob Do-it-yourself-Kit – Anleitung zum Möhrenmob Selberbacken von Carrotmob Berlin anschauen bzw. Hilfe auf „Wie organisiere ich einen Carrotmob? “ von „Klima sucht Schutz“ anfordern. Und weil der Begriff ein englischsprachiger ist, käme für alle potentiellen oder bereits aktiven Carrot MobberInnen noch die Seite Carrotmob.org in Frage, welche allerdings immer noch „Under construction“ (Stand 07.07.2011) ist.

Sollte ich etwas vergessen haben oder auf eine Carrotmob-Veranstaltung auf meinem Blog hinweisen. Paul Bögle ist per Email für (fast) alles zu haben.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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