Anti-Atomstrom-Gipfel: Eine Frage bleibt! 1


„Der gelernte Österreicher weiß, dass …

die Schere zwischen politischer Ankündigung und realer Umsetzung in diesem Land besonders weit offen steht. Greenpeace wird daher den österreichischen Ausstieg aus dem Atomstrom-Import gerne mit Expertise und Engagement unterstützen, aber auch die Regierung an den Taten und nicht an den Worten messen.“ Nun, es scheint so, dass der für Zentral- und Osteuropa zuständige Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit die politische Landschaft in der schönen Alpenrepublik doch aus dem richtigen Blickwinkel des Betrachtenden sieht, welcher dann aus dem Betrachteten auch die richtigen Schlüsse zu ziehen vermag.

Wir wollen jetzt nicht unbescheiden sein und die beim eben zu Ende gegangenen Anti-Atomstrom-Gipfel im Wiener Rathaus beschlossenen Ziele und in erster Linie deren Umsetzung als vorbehaltlos rückhaltlos abtun. Da gab es in letzter Zeit schlimmere Dinge über fossile Preisverleihungen oder höllische Konzerne a la „That‘ S hell“ [sic] zu verbreiten als die wiederholten angekündigten Ankündigungen eines Ankündigungskanzlers. Schließlich konnten sich die verschiedenen VertreterInnen aus Politik, der unvermeidlichen Wirtschaft und NGOs wie Greenpeace oder Global 2000 immerhin darauf verständigen, den so lautstark geforderten Komplettausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahre 2015 endlich mit vereinten Kräften anzugehen bzw. anzusitzen und anzusprechen. Unter kompletter Verzicht auf Atomenergie steht dabei die Hauptforderung, bis zum genannten Zeitpunkt verlässlich und lückenlos nachvollziehbar den Bezug des Saftes aus der Steckdose rückverfolgen zu können und natürlich impliziert diese Aufgabenstellung den Bezug von sauberem Strom ohne Wenn und Aber.Umfrage von Greenpeace und Global 2000 zu Atomstrom. 80 % der ÖsterreicherInnen sagen “Nein” zu Atomstrom.

Diese vollständige Transparenz des Strommarktes macht es aber erforderlich, genau zu wissen, woher Stromimporte stammen und aus welchen Quellen diese hergestellt werden. Oder um es auf den grünen PUNK(t) zu bringen: Um zu gewährleisten, dass E-control, welche bisher eigentlich zu grossen Teilen alleine für die Stromkennzeichnung verantwortlich waren, nicht nur auf dem Papier Atomstromfreiheit der verschiedenen Stromversorger als solche propagieren, bedarf es der Einbeziehung unabhängiger Organisationen wie eben Global 2000 oder Greenpeace, welche mitentscheidend als Kontrollorgan fungieren. Zumindest in diesem Punkt hat die Bundesregierung um Kanzler Faymann ein offenes Ohr, was wohl aber auch damit erklärt werden kann, dass laut einer Umfrage von Greenpeace und Global 2000 (Klick auf nebenstehendes Diagramm) Ende Juni 2011 die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung den Regierungsverantwortlichen nicht viel andere Optionen einräumt als endlich den Wünschen nachzukommen.

Österreichischer Stromtransfer: Import- und Exportanalyse 2010 nach Daten von E-control.

Aber die „gelernten Österreicherinnen und Österreicher“ haben auch noch andere Wünsche, wenn es um die atomfreie Stromzukunft des eigenen Landes und wohl auch des angrenzenden Umlandes mit den (teils schrottreifen) AKWs Temelin, Bohunice, Mochovce oder Dukovany geht. Und es ist nicht auszuschließen, dass Studien wie jene mit dem Titel „Wie viel Atomstrom braucht Österreich?“ von Radko Pavlovec, früherer Anti-Atombeauftragter des Landes Oberösterreich, auch ihren Weg in die obersten Umweltministeriumsetagen zu Niki Berlakovich gefunden haben und aufgrund dieser Analysen der unvermeidliche Vorwärtsgang endlich eingelegt werden muss, auch wenn die E-Wirtschaft noch so stark bremst. Zum Abgang von Radko Pavlovec als Anti-Atombeauftragter ist es übrigens ganz interessant, sich einmal den Artikel und die folgenden Kommentare zu „Pavlovec: Die Ablöse und Abrechnung des Atom-Beauftragten“ durchzulesen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, welche Interessen und atomare Süppchen auch Landesregierungen leise köchelnd verfolgen und zubreiten.

Dass jetzt endlich der schon lange notwendige Schritt einer Erweiterung im Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG), nämlich das Verbot von Strom unbekannter Herkunft, vollzogen werden soll, ist sicherlich wünschenswert. Wenn man sich vor Augen hält, dass Atomstrom bisher unter bestimmten Voraussetzungen so kaschiert werden konnte, dass die VerbraucherInnen glaubten, sauberen Strom für den eigenen Verbrauch von den Energieversorgern zu beziehen, obwohl in Wahrheit Atomstrom enthalten war, ist dies ein richtiger Schritt in die ebensolche Richtung. So ist es im Moment etwa zwar nicht möglich, den Endkunden eine atomare Nebelgranate als solche zu verkaufen, doch wenn z.B. der Verbund Atomstrom zukauft, um auf indirektem Wege die eigenen Wasserkraftwerke damit speist, welche daraus „sauberen Strom“ produzieren, so stellt sich die Frage, ob diese saubere Lösung auch als solche verkauft werden darf.

Ja, was hat sich sonst noch auf dem Anti-Atomstrom-Gipfel getan? Ich mache Ihnen einen Vorschlag, um meine Samstagnacht noch mit gemütlichem Lesen zu verbringen und Ihnen etwas zum Lesen an die Hand zu geben. Auf der einen Seite dazu vertiefend vielleicht die beiden kurzen Aussendungen der Anti-Atomstrom-Gipfel-Teilnehmer (welch Konglomerat!) Greenpeace (Raus aus Atomstrom) und von Global 2000 (Greenpeace und GLOBAL 2000: Zwischenerfolg für österreichische Anti-Atompolitik, wobei Sie sich daran stören sollten, dass Global bereits am 02. Juli 2011 einen Artikel mit 06. Juli 2011 datiert. Mich stört es ja auch nicht, aber es fällt natürlih schon auf. Und dann noch auf als Antipode die österreichische Bundesregierung unter Führun der SPÖ mit dem Artikel Anti-Atom-Gipfel: Herkunftskennzeichnung für alle Stromimporte. Gut, viel Neues werden Sie jetzt nicht erfahren, außer möglicherweise die Tatsache, dass im Herbst ein neuer Anti-Atomstrom-Gipfel tagen soll, um die alten Ziele wohl neu zu definieren oder neue Forderungen zu den alten Zielen hinzuzufügen oder womöglich sogar erste Ergebnisse auf den Tisch zu legen.

Aber bis dahin bleibt ja noch etwas Zeit. Abgesehen von der eingangs gestellten Formulierung „Anti-Atomstrom-Gipfel: Eine Frage bleibt!“ Und diese lautet dann: „Warum wurden eigentlich nur handverlesene Umweltschutzorganisationen zu dem Treffen eingeladen?“ „Viele KöchInnen verderben den Brei„, werden vielleicht einige sagen. Mag stimmen, doch irgendwie erscheint der ganze Gipfel als geschlossene Gesellschaft einer elitären Gruppe weniger Privilegierter. Etwas mehr Bandbreite hätte ich persönlich mir schon gewünscht. Doch was sind schon meine nichtssagenden Wünsche im Vergleich zu jenen Vorstellungen des Ankündigungskanzlers und der im Schlepptau daherkommenden Elite politischer Debattierfreudigkeit und Entschlussfeindlichkeit.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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