Schwarze Jahrzehnte in Nigeria dank Shell



Die Leuchtfeuer der Petrodollars im Schein von Gas Flaring

1. Nachwort zur aktuellen Diskussion rund um den WWF

Paul Bögle: “That’ s hell or that is Shell. Shell, BP und andere Konzerne auf der skrupellosen Jagd nach dem schwarzen Gold Erdöl. Gas Flaring oder das Abfackeln der menschlichen Hoffnungen in Nigeria.Es gibt Tage, welche einem vor Augen führen, dass die Welt zu grossen Teilen nicht mehr von politischen Verantwortlichen oder staatlichen Institutionen gelenkt wird, sondern einzig und allein von der Wirtschaftskraft, dem Gewinnstreben und der rücksichtslosen Ausbeutung unserer Bodenschätze durch einige wenige Konzerne geleitet wird. Dass sich Firmen wie Monsanto, Syngenta, Nestlé oder Bayer Crop Science dabei der ebenfalls im Vordergrund stehenden Wirtschaftsinteressen von gemeinnützigen Organisationen bedienen und sich sogar an einen gemeinsamen runden Tisch setzen, hat uns unlängst der viel diskutierte Film “Der Pakt mit dem Panda – Was uns der WWF verschweigt” (13. Juli 2011 SWR und SR) von Wilfried Huismann schonungslos aufgezeigt.

Dazu vielleicht noch, dass auch die Nachbeben zur Doku sehr vielfältige Meinungen, wenige Pro-Statments und sehr viele Kontra-Meldungen Tag für Tag nach sich ziehen. Natürlich hat der beschuldigte WWF in einem sogenannten Faktencheck zu den geäußerten Vorwürfen Stellung bezogen und versucht anhand eigener Darstellung der Lage und Entkräftung der Vorwürfe die Wogen zu glätten. Doch so einfach dürfte es für den Pandabären nicht sein, die wachgerüttelte Öffentlichkeit von den altruistischen Zielen zu überzeugen. So hat sich nun auch Kathrin Hartmann mit jenem WWF-Faktencheck beschäftigt und quasi einen Gegenfakten-Faktencheck unter dem Titel „WWF wehrt sich – mit Lügen“ ins Netz gestellt. Ich empfehle nicht nur den Artikel selbst, sondern auch die anschließende Diskussion unten, da sich dort einige wertvolle Links zum Thema verstecken.

Und ich verweise noch auf die Plattform WWF-Doku „Pakt mit dem Panda“ Wikia, welche ähnlich der sicherlich noch in bester Erinnerung bleibenden GuttenPlag-Wiki den erhobenen Vorwürfen gegen den WWF nachgeht und einiges an Quellenmaterial bereitstellt. Fairerweise muss ich sagen, dass ich mir bei Weitem nicht alles an zusammengetragenen Beiträgen und Artikeln durchgelesen habe, welche in Form von Print- und Onlinemedien, im Fernsehen oder Radio oder anhand von Blogbeiträgen dort aufgelistet werden. Und, bevor es nach Afrika und dort nach Nigeria geht, ein sehr schöner Artikel mit dem Titel „Auf der Jagd nach dem Guten“ von Robert Basic, welcher die verzögerte Reaktion des WWF auf die Doku mit den Augen des philosophischen Analysten betrachtet.

2. Die Gier nach dem schwarzen Gold

Ich hatte vor einiger Zeit schon einmal über das sogenannte, aber hierzulande immer noch wenig bekannte Gas Fracking oder Gas Fracing berichtet. Wenn ich einen anschaulichen Vergleich herstellen müsste, würde ich jenes Fracing oder eben Fracking, welches Erdgasförderung mithilfe von Chemikalien bedeutet, als den tief im Wasser schlummernden Eisberg bezeichnen und die Abfackelung von Erdöl oder Erdgas mit der Technik des Gas Flarings als Spitze des Eisberges.
Und auf dieser Spitze stehen Konzerne wie Agip, Shell oder BP (die untergetauchte Deepwater Horizon war nur ein kleiner Schneeball), welche durch diese Methode der Ressourcenvernichtung aus schmutzigem Öl über den Umweg des Abfackelns für einen jährlichen CO2-Ausstoss von 400 Millionen Tonnen an Treibhausgasen sorgen, was einer Menge von 500 Millionen Autos entspricht oder einem Drittel des gesamten europäischen Erdgasbedarfs.Weshalb diese Energiereserven nicht gefördert, gesammelt, weitertransportiert und verwertet werden? Warum dieser natürliche Energieträger nicht den Menschen vor Ort z.B. als Treibstoff für Generatoren und Motoren zur Verfügung gestellt wird? Die Petrodollars warten in der Erde in Form des schwarzen Goldes Erdöl darauf, schnellstmöglich in den Bilanzen der Konzerne verbucht zu werden. Und weil Länder wie Nigeria nicht über die erforderliche Infrastruktur verfügen, bedient sich etwa Shell schon seit 1958 dieser Prozedur, um durch das Entzünden der ausströmenden Gase die Gier der Aktionäre zu befriedigen.Angesichts des Films „Abgefackelt – Wie Ölkonzerne unser Klima killen“ von Inge Altemeier und Steffen Weber lassen sich nur schwerlich  Worte für das Vorgehen von Shell und den anderen finden. Nnimmo Bassey, der Träger des Alternativ-Nobelpreises 2010 und Vorsitzender von Friends of the Earth, spricht in einem Interview (ARTE-Themenabend “Schmutziges Öl” – Interview mit Nobelpreisträger Nnimmo Bassey) einerseits zwar die Hoffnung aus, dass sich Regierung und Unternehmens(un)verantwortliche auch aufgrund einer ersten erfolgreichen Klage vor dem Internationalen Gerichtshof von vier nigerianischen Bauern in Zukunft an einen gemeinsamen Tisch setzen, doch selbst Bassey sieht der erdölgetränkten Zukunft in seiner Heimat pessimistisch entgegen. Selbst wenn sich die Bauern durchsetzen sollten, bleiben sie nur das Bauernopfer in einem Spiel der alles vernichtenden Könige einer skrupellosen Industrie.Die Lebenserwartung der Bevölkerung ist auf durchschnittlich 41 Jahre gesunken. Innerhalb der letzen 50 Jahre hat Shell im Nigerdelta sämtliche Lebensgrundlagen durch die expansive Ausbeutung der Ölreserven zerstört. Die Fischbestände sind komplett ausgelöscht worden. Die natürlichen CO2-Speicher der Mangrovenwälder sind seit Jahren völlig tot. Die Gasfackeln und Abfackelstationen stehen mitten in den Dörfern und belasten durch die giftigen Emissionen die Lungen der Menschen, zerstören die Atemwege und austretendes Öl verseucht das Erdreich. Doch anstatt die kontaminierte Erde abzutragen, greift Shell auch hier wieder auf das seit Jahrzehnten erprobte Konzept zurück. Verbrennen statt entsorgen. Denn verbrannte Erde ist billiger als die kostenintensive Beseitigung. Unmengen an giftigen Dämpfen werden in die Luft geblasen und mit diesem schwarzen Rauch steigen weitere ungezählte Tonnen an Treibhausgasen in den afrikanischen Himmel. Aus schmutzigem Öl wird tödliches Öl. (dazu auch Abgefackelt. Arte-Sender bringt „Schmutziges Öl“ und Freigeisterhaus: Abgefackelt).Und was sagt Shell dazu? Am besten lesen Sie sich den hauseigenen Bericht „Shell in Nigeria. Gas Flaring“ durch. Noch besser, Sie lesen zuerst den Bericht und schauen sich dann den Film an. Sie werden Sätze unter dem Punkt „Health“ auf Seite 2 wie „In general, flares were originally located away from where people were living“ oder „SPDC (Anm. Shell Petroleum Developement Companies) are designed to be clean (smokeless) and in walled environments with no radiation impact outside the walls“ lesen. Inge Altemeier und Steffen Weber haben andere Bilder eingefangen. Beklemmend, schockierend und wohl auch wesentlich näher an der Wirklichkeit dran als die Damen und besonders die Herren von Weltbank, aus der Politik und natürlich von Shell oder BP selbst. Immer vorausgesetzt, man betrachtet die Wirklichkeit nicht durch die Augen der betroffenen Menschen.  

Was bleibt zum Schluss. Am besten gebe ich die Worte des Umweltaktivisten Sunny Ofehe wieder, welcher an einer Shell-Zapfsäule sein eigenes Auto betankt. „Mein Tank ist leer. Und das hier ist die nächste Tankstelle. Deshalb muss ich hier tanken. Shell ist überall. Man kann ihnen nicht entgehen.“ Das mag vielleicht schon richtig sein. Aber jeder Albtraum hat irgendwann ein Ende.   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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