Bio Natur - Der Weblog

30.7.2011

Shell: Für maximale Beschleunigung

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 09:57

Shell. Für maximale Beschleunigung.“Unser weitaus größter sozialer Beitrag besteht darin, die Energie bereitzustellen, die die Welt für ihre wirtschaftliche und soziale Entwicklung benötigt.” Schreibt Shell Deutschland unter Gesellschaft. Sozusagen als vollmundige Unterstützungserklärung für wirtschaftliche Entwicklung. Und um dieses Ziel auch der gewöhnlichen Frau und dem normalen Herrn “Auf 4 Rädern unterwegs” näherzubringen, macht Shell gleich Eigenwerbung in Sachen Energie bereitstellen und diese möglichst effektiv und auf kürzestem Wege wieder dorthin zu senden, wo sie die Welt für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung so dringend benötigt. Das macht doch gleich rasende Lust auf mehr Autobahnraserei.

Erst der Oktanzahlrausch und dann der Geschwindigkeitsrausch. Dankeschön und natürlich “Herzlich tanke!” an Shell für diese aufklärerische Maßnahme in Sachen Umweltschutz und natürlich wirtschaftliches Denken.

28.7.2011

Virtueller Marktplatz Internet: Anno Domini gegen Kaufrausch

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 18:01


Tauschhandel, Mietplatz und Leihgeräte oder die Substitution des Kaufzwangs

Nachdem Petrus sich scheinbar spontan entschlossen hat, die Sommer- und Badesaison ab sofort zu beenden, die sommerliche Himmelspforte zu schließen und stattdessen die Himmelsschleusen auf regnerischen Dauerbetrieb umzustellen, bleibt natürlich viel Zeit, um sich anderen Dingen zuzuwenden. Gut, Einkaufsstrassen und andere Konsum-Hochburgen kommen für mich weder bei schönem noch bei regnerischem Wetter oder eigentlich bei gar keiner Wetterlage in Betracht, der Garten muss warten (welch schöner Einzeiler) und bei Anne Lefik auf “Fairer Handel Aktuell” habe ich auch schon auf einen kurzen virtuellen Sprung vorbeigeschaut.

Sebastian Backhaus: Tauschen, leihen und mieten 2.0. Online-Plattformen für Dinge des Alltags, welche wir nicht unbedingt selbst kaufen müssen.Blieben zwar noch viele andere Sachen zu erledigen, doch heute drängt es mich, auf den Spuren unserer Vorfahren zu wandeln. Natürlich wieder rein kryptisch geschrieben und sozusagen auf das heutige Thema sanft hinsteuernd. So, ich muss mich kurz fassen, da schon wieder reihenweise LeserInnen ob dieser ausdruckslosen, nichtssagenden und inhaltsleeren Phrasen und Zeilen abwandern, um sich wichtigeren Themen zu widmen. Also mache ich dies (oder auch nicht).

Nun denn! Am 16.07. des Jahres 2011 nach Christi Geburt oder Anno Domini oder im Jahre des Herrn, also eben nicht der Zeitraum jener unserer Ahnen, welche Ante Christum natum oder eben vor Anno Domini, was natürlich wiederum gleichbedeutend mit der Zeitrechnung vor Christi Geburt ist, den Planeten Erde bevölkerten und wohl auch schon ausbeuteten, was aber aufgrund der Tatsache, dass ich damals, also nicht Anno Domini oder A.D., sondern Ante Christum, also A.C. denselben Planeten mit diesen jenen Menschen teilte, was jedoch insofern für den Moment sowieso alles irrelevant ist, also am 16. Juli stellte ich einen Artikel unter dem ebenfalls äußerst zwielichtig undurchsichtig oder einfachhalber kryptischen Titel “Collaborative Consumption oder Gemeinschaftskonsum” ins Licht der Öffentlichkeit.

Sie werden sich jetzt denken. Ein einziger Satz und nichts dabei gesagt. Gratulation, Herr Bögle! Mehr davon! Nein, mache ich nicht, sondern ich beende deshalb diesen Beitrag und sage schlicht und einfach: Schauen Sie sich doch einmal die Liste “Tauschen, leihen und mieten 2.0” von Sebastian Backhaus auf seinem gleichnamigen Blog an. Auf einfache Art und Weise, also vollkommen konträr zu meinen ausufernden wirren und selbst für mich selbst nicht immer nachzuvollziehenden Gedankengängen, welche sich in verbalen Konstrukten niederschlägt, deren tieferer Sinn, meist als Syntax bezeichnet und durch klar definierte grammatikalische Regeln definiert, sollte es denn überhaupt eine Sinnhaftigkeit geben, sich mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht offenbart und deshalb in Niederungen des geschriebenen Nichtssagenden verschwindet bzw. erst gar nicht an die Oberfläche dringt.

So, Sie stehen oder sitzen immer noch ante portas oder wie dazumals Hannibal ad portas? Bitte, es gibt nichts mehr zu sagen geschweige denn zu schreiben. Also satteln Sie ihren Elefanten und tauschen diesen doch bei Bedarf gegen ein Surfbrett oder was auch immer Sie möchten ein. Denn Sebastian Backhaus hat wirklich zu (fast) jedem Thema nützliche Links parat, wenn es darum geht, statt Neukauf die wesentlich kostengünstigere Variante Miete, Ausleihe oder eben Tausch in Erwägung zu ziehen. Ich ziehe jetzt or allem in Erwägung, in Zukunft einfachere Sätze zu schreiben. Nein, natürlich tue ich dies nicht. War nur so ein Gedanke.   

27.7.2011

Fairer Handel Aktuell - Ein ambitioniertes Projekt

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 15:32


Ein Blog für faires Miteinander abseits des Mainstream

Fairer Handel Aktuell: Anna Lefik bloggt zu den Themen Fairtrade und Fairer Handel. Ohne Effekthascherei und wertneutral.Wer sich für die Themen Fairer Handel, Fairtrade und ein faires Miteinander im (meist) wirtschaftlichen Bereich interessiert, und ganz nebenbei geschrieben, sollten wir kleinen, pubertierenden und erwachsenen Kinder der freien Marktwirtschaft und EnkelInnen des Kapitalismus dies als werbewirtschafterbrochenen “Kauf mich!“-Teile und konsumgierige “Jetzt besonders günstig!“-Bausteine von reichen Industrienationen mittlerweile alle tun, wird bei entsprechender Recherche und Suche meist auf Seiten landen, welche dieses Themengebiet zwar reichhaltig abdecken, aber doch auf subjektive Art und Weise. Sicherlich nicht so subjektiv und unterschwellig, wie die sensationelle neue Allzweckwaffe von Danone, welche ihr sensationelles Produkt Activia auf geradezu sensationelle Weise in einen PLA-Becher füllen, welcher nach eigenem Bekunden des Herstellers als Bio-Becher ab sofort neben den sensationellen Eigenschaften des Becherinhalts nun auch sensationell gut für die Umwelt ist, was Sie aber unter “Der Danone Activia-Schierlingsbecher” ohne sensationelles Getöse selbst nachlesen können.   

So, die ersten beiden Schachtelsatz würden eigentlich schon genügen, um die meisten meiner LeserInnen wieder zu vergraulen bzw. dazu verführen, einen fertigen Artikel ad acta zu legen. Aber bleiben Sie trotzdem noch ein bisschen hier. Ich mache es ab jetzt einfacher. Warum also eine subjektive Sichtweise? Wer sich die Mühe macht und einige Ergebnisse, welche uns die Suchmaschine von Tante Google präsentiert, näher betrachtet, wird erkennen, dass sich die Plattformen, Projekte, Initiativen oder wer auch immer etwas zum Thema Fairer Handel zu schreiben und zu sagen hat, fast immer aus Sicht der Wirtschaftstreibenden dieser Sache annehmen. Natürlich möchte jedes Unternehmen, welches etwas auf sich hält und jeder Konzern, welcher nach dem erfolgreich vollzogenen Auf-sich-halten die KonsumentInnen bei guter Laune und letztendlich bei der Stange hält, auf den in rasanter Fahrt und ungebremst dahinbrausenden Zug namens Fairtrade aufspringen und als nachhaltiger und mit grüner Mütze bewaffneter Schaffner, für die weibliche Zugbegleitung gilt dies natürlich ebenso, die eigenen Produkte und Dienstleistungen als fair gehandelte, verantwortungsbewusste Tickets unter einem lockend flüsternden “Wir sind für eine gerechte Welt!” feilbieten.

So, dieser Schachtelsatz zwingt mich endgültig, endlich auf den Punkt zu kommen. Denn da gibt es eine Bloggerin mit Namen Anna Lefik, welche einen ganz entzückenden und vollkommen von all dieser Denk- und Handelsweise losgelösten Blog führt, welcher unter dem Namen “Fairer Handel Aktuell” ohne kommerzielle Interessen nicht auf eben diesen Zug aufgesprungen ist, sondern sozusagen als kleine, aber feine Draisine mit ganzer Frauen-Power einen eigenen Schienenstrang befährt, welcher Neuigkeiten und Informationen zu jenen Themen reicht, aber dies auf unaufdringliche Art und Weise und besonders wohltuend neutral macht. Keine Effekthascherei, keine Lobhudeleien, keine sensationellen Schierlingsbecher! Also schauen Sie doch einmal bei Anna vorbei und lassen Sie sich ruhig von ihr inspirieren. 

Und eines kann ich Ihnen versprechen: Anna kommt ohne komplizierte und langwierige Verschachtelungen auf den Punkt. So, jetzt kann auch ich diesen Artikel ad acta legen.    

26.7.2011

Der Danone Activia-Schierlingsbecher

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 22:31


Die märchenhaften VerpackungskünstlerInnen von Activia

Es mag durchaus sein, dass sich unter den FreundInnen von Danone einige oder derer viele befinden, welche sich wie der weltberühmte Verpackungskünstler Christo dem Nouveau Réalisme verbunden fühlen. Kann aber genauso sein, dass das von Danone so omnipräsente Produkt Activia nahtlos dort anschließt, wo sie leider 2011 nicht zum Zug gekommen sind: Die Vorbereitungen für den Goldenen Windbeutel 2012 jetzt schon so zu forcieren, dass aus einer Anwärterschaft vielleicht auch ein Titelgewinn wird. Ich habe zwar unter “Milch-Schnitte, die sportlich leichte Werbelüge” meiner Enttäuschung freien Lauf gelassen, weil eben mein heimlicher Favorit, der Activia Joghurt, nicht zum dreistesten Windbeutel gewählt wurde, doch ich nehme die Sache ebenfalls sportlich fair und auf die leichte Schulter.

Doch es scheint, dass Danone mein Flehen erhört hat und sich mit besten Kräften in die Aufgabenstellung stürzt, um endlich aus einem heimlichen Favoriten einenDer Danone Activia-Schierlingsbecher: Die märchenhaften VerpackungskünstlerInnen von Activia. unheimlichen Gewinner werden zu lassen. Und so passt der neue Newsletter von foodwatch mit dem Titel “Das Activia-Märchen Teil II: Die Verpackungslügehervorragend zu zweierlei Dingen. Zum einen lassen sich meine beiden letzten Artikel “Lebensmittelklarheit: Täuschende Trugbilder am Pranger” und wohl auch “Nachhaltigkeit kommt in Mode: Recycling als Modetrend” verlinkungsgerecht in diesen hier mit einbinden, um nicht gleich von einer gewaltigen Themaverfehlung sprechen zu müssen und zum anderen macht Danone seinem Namen alle Ehre, wenn es darum geht, “Verbraucher mit Werbung für Joghurtbecher aus Biokunststoff in die Irre” zu führen, wie es die Bundesbienen von “Honighäuschens Blog” so schön und vor allem sehr ausführlich schreiben.

So wird also aus einem marketinggerechten Verdauungswunder Activia nun zusätzlich auch noch ein regelrechtes Verpackungswunder. Schauen wir doch kurz auf der hauseigenen Danone-Webseite vorbei, so macht uns das Unternehmen unter dem tiefblauen Headliner “Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen” so richtig Lust darauf, dem eigenen trägen Darminhalt mithilfe des im umweltfreundlichen Becher enthaltenen Inhalts regelrecht und ganz im sinne der Umwelt auf die Sprünge zu helfen. Schließlich ist eben jenes neue Behältnis aus pflanzlichen und deshalb nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, was in unserem vorliegenden Trägheitsfall Maispflanzen bedeutet.

Lassen wir weiterhin unseren trägen oder womöglich schon gebrochenen Blick, welcher dank eines Löffelchen Activia jetzt wieder kristallklar dahinhuscht, über die endlos langen Zeilen, Daten und Fakten und damit verbundenen rätselhaften Fachbegriffe einer von Danone selbst in Auftrag gegebenen Studie des IFEU-Instituts Heidelberg mit dem Titel “Ökobilanz von Danone Activia-Verpackungen aus Polystyrol und Polylactid” schweifen, stellen wir oder besser geschrieben die VerfasserInnen Benedikt Kauertz, Andreas Detzel und Susanne Volz unter Punkt 7 Schlussfolgerungen und Empfehlungen auf den Seiten 96 ff. des Endberichtes fest, dass als Beispiel für den ökobilanziellen Vergleich etwa die von Danone so vollmundigen PLA-Becher zwar Vorteile in den Wirkungskategorien Klimawandel, Fossiler Ressourcenverbrauch und Sommersmog (POCP), doch gleichzeitig werden diese schönen Vorteile durch die festgestellten Nachteile in den Kategorien Versauerung, Terrestrische und aquatische Eutrophierung, Humantoxizität: Feinstaub (PM10) und  Naturraumbeanspruchung: Agrarfläche im wahrsten Sinne aufgebraucht (Seite 97 des IFEU-Berichtes). Und so kommt, was viele jetzt bereits sehnsüchtig (außer dem Auftraggeber Danone natürlich) erwartet haben: “Auf Grundlage der Ergebnisse der Basisszenarien sowie der durchgeführten
Sensitivitätsanalysen lässt sich unter Anwendung der Auswertestrategie A umfassende Bewertung in Anlehnung an UBA) kein ökobilanzieller Vor-oder Nachteil für eines der beiden Systeme ableiten
.”

Mehr möchte ich jetzt eigentlich gar nicht dazu schreiben. Höchstens mich der Feststellung von Greenpeace anschließen: “Danone führt Verbraucher mit Werbung für Joghurtbecher aus Biokunststoff in die Irre.” Aber dies hatten ja auch schon die Bundesbienen proklamiert. Und so kommen doch hoffentlich immer mehr Konsumentinnen und Verbraucher auf den Geschmack, dass der Activia-Geschmack mehr als nur einen bitteren Nachgeschmack nach sich zieht.        

25.7.2011

Nachhaltigkeit kommt in Mode: Recycling als Modetrend

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 23:25


Gegen die Schnelllebigkeit in der Modebranche

Dass sich die Begriffe Bio, Fairtrade, Öko usw. mittlerweile sehr gut und damit auch gewinnbringend vermarken lassen und dementsprechend der stetig steigenden Klientel mit vollmundigen Versprechen und Kampagnen unter die grünen Nasen gerieben wird, hat sich wohl bis in die hintersten Winkel herumgesprochen. Dass die schwarzen Schafe dabei dicke Mäntel aus biologisch angebauter Schurwolle zu Markte tragen, ist deshalb auch eine Modeerscheinung mit Gewinnabzielungsabsicht. Aber trotzdem lässt sich manchmal die grüne Spreu vom gentechnisch manipulierten Weizen trennen.

Auf Global 2000 bin ich also auf ein Interview mit zwei jungen, aber schon äußerst erfolgreiche DesignerInnen gestoßen. Im Artikel “Bio und Fairtrade - Trendwende zurAustrianfashion.net: Austauschform für Modeschaffende namens Austrianfashion.net, eine Initiative und ein Netzwerk, welche österreichisches Modedesign über die Grenzen des Landes hinaustragen möchte. grünen Modelandschaft” erklären Claudia Rosa Lukas und Wolfgang Langeder, was es für sie bedeutet, in Zukunft nachhaltige Mode langfristig und trotzdem erfolgreich auf dem rasanten und sich ständig verändernden Modesektor zu etablieren. Denn, wie ich unlängst in meinem Artikel Magischer Abfall: Künstlerische Ader der Umweltbelastung bereits geschrieben habe, entdecken immer mehr Menschen besonders der jüngeren Generation jene Dinge, Materialien und Werkstoffe welche für “Normalsterbliche”, man möge mir diesen Ausdruck nachsehen, als wertlos und unnütz erachtet werden.

Und weil dies auch publik gemacht werden sollte, verweise ich neben dem oben erwähnten Interview auch auf zwei Plattformen. Zum einen sei hier die von Claudia Rosa Lukas und Wolfgang Langeder mit begründete Austauschform für Modeschaffende namens Austrianfashion.net genannt, eine Initiative und ein Netzwerk, welche österreichisches Modedesign über die Grenzen des Landes hinaustragen möchte. Und zum anderen möchte ich das Wiener Unternehmen Backhausen namentlich nennen, welches durch ein sogenanntes Cradle-to-Cradle System die verkauften Stoffe nach Ende eines hoffentlich langen Lebenszyklus wieder zurücknimmt und einer Wiederverwertung zuführt. Von der Wiege zurück zur Wiege und nicht, wie so oft in der Modebranche üblich, von der Hand in den Mund und danach auf die Mülldeponie, sondern Returnity-Stoffe, welche nach Gebrauch ein neues Leben zu beginnen.

So, zum Schluss wieder einmal der obligatorische Hinweis: Für die Nennung der Firma bzw. der Plattform bekomme ich weder Geld noch andere geldwerte Vorteile. Wäre zwar schön, aber dies geschieht aus freien Stücken, freiem Willen und sonstigen Freiheiten, welche sich Paul Bögle eben so nimmt. Bezahlte Artikel werden deutlich von mir gekennzeichnet, aber dies wissen viele meiner LeserInnen sowieso schon.  

24.7.2011

Lebensmittelklarheit: Täuschende Trugbilder am Pranger

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 08:43


Ist das Kalb ein halbes Schwein?” oder und andere Fragen

VerbraucherInnenportal Lebensmittelklarheit.de informiert Verbraucherinnen und Verbraucher kompakt und verständlich über rechtliche Regelungen zur Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln.möchte das neue VerbraucherInnenportal Lebensmittelklarheit.de des deutschen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) unter Mithilfe eben jener KonsumentInnen beantworten, welche sich durch Aufmachung, Inhalt und Kennzeichnung getäuscht fühlen. “Gut gebrüllt,Löwe!” möchte man dazu im ersten Moment denken. 

Die Idee dahinter ist sicherlich nicht die schlechteste. Jene, welche eigentlich unter der zunehmenden Verschleierung, den unhaltbaren Versprechen der Werbeindustrie und denLebensmittelklarheit: Produkte melden, bei denen sich Verbraucherinnen und Konsumenten durch Aufmachung oder Kennzeichnung getäuscht fühlen. immer unübersichtlicheren Regelungen am meisten leiden, nämlich die KäuferInnen und anschließenden KonsumentInnen, werden aktiv zur Teilnahme aufgefordert. Das Procedere ist auf den ersten Blick denkbar einfach, wie der nebenstehende Screenshot selbsterklärend beschreibt, welcher Sie auch bei Bedarf gleich dorthin weiterleitet, wo Sie selbst Ihre eigene Meldung abgeben können.

Ob die 750 000,– Euro der deutschen SteuerzahlerInnen, welche in das Projekt gesteckt wurden (Die Erwartungen der Ernährungsindustrie an das Internetportal „Lebensmittelklarheit“, auch eine gute Investition waren, bleibt abzuwarten. Der “Goldene Windbeutel” wird zwar jedes Jahr an jene HeilsversprecherInnen mit den schönsten und besten Werbelügen vergeben, doch solange sich selbst aufgrund dieser mittlerweile sehr bekannten Anprangerung durch die konsumkritische Gesellschaft die an den Pranger gestellten Unternehmen und Konzerne meist äußerst resistent und uneinsichtig gegenüber Kritik und Wunsch nach Änderung der beanstandeten Produkte zeigen, wird auch diese neue Initiative “eher ein Tropfen auf den heißen Stein” bleiben, wie der Basic Thinking Blog so treffend schreibt.

Aber vielleicht müssen wir uns mittlerweile schon mit kleinen Dingen begnügen, um uns überhaupt Gehör zu verschaffen. Aber andererseits muss auch gesagt werden, dass jeder kleine Tropfen irgendwann den berühmten Stein aushöhlt. Und sei dieser auch noch siedend heiß. Also verdammen wir nicht jetzt schon, was erst noch am Köcheln ist, wie andere schreiben. Die Idee von Lebensmittelklarheit ist nicht schlecht, denn die Intention der Plattform folgt immerhin den Zielen, welche wir uns wünschen. Selbstständig und aktiv am Gestaltungsprozess von Produkten und Artikeln mitwirken, welche uns hinsichtlich Kennzeichnung, (Mogel)Packung und Inhalten fadenscheinig erscheinen und deshalb dringend einer Neuorientierung und Änderung bedürfen. Dass dabei die KonsumentInnen gefordert sind, sich selbstständig an diesem Aufklärungsprozess und Informationsfluss zu beteiligen, ist sicherlich nicht das Schlechteste.     

22.7.2011

Je voller der Mond, desto fauler der Löwe

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 03:43


Nachts sind alle Katzen grau …

Paul Bögle: Zwei faule Hunde mit Blick für das Wesentliche.… ist nur bedingt richtig, wenn wir davon ausgehen, dass die Kategorie Katzen in diesem Falle aus hungrigen Löwen besteht und das Schweigen im Walde in den offenen Savannen Afrikas vom Brüllen der Löwen durchzogen wird. Denn richtig gefährlich wird es für den Menschen erst dann, wenn sich der Mond hinter Wolken versteckt oder eine dünne Sichel nach dem Vollmond über dem Himmel steht. Dies soll bedeuten, nicht nur das Meer richtet seine regelmäßigen Phasen Ebbe und Flut nach dem Mond, sondern auch die Löwen haben ihren ganz eigenen Mondkalender. Natürlich weniger, um im Meer zu schwimmen, sondern um Herr über die eigenen Fressattacken zu sein. Oder vereinfacht ausgedrückt: Bei Vollmond endet der zwar nicht zum Beuteschema der Löwen gehörende Homo sapiens wesentlich weniger im knurrenden Löwenmagen als in Nächten abnehmender Mondsicheln. Was das Bild mit dem Artikel zu tun hat? Rein gar nichts, doch die Überschrift wirkte geradezu verführerisch, den faulen Löwen bei Vollmond auch noch zwei faule Hunde bei vollem Tageslicht zur Seite zu stellen.

Aber was uns der Film “Der Geist und die Dunkelheit” mit Michael Douglas und Val Kilmer schon anhand wirklicher Tatsachen aus dem Jahr 1898 im heutigen Tsavo-Nationalpark in Kenia (damals Britisch-Ostafrika) lehrte: Angriffe von Löwen auf Menschen sind etwas Alltägliches in Afrika. Dass Hollywood natürlich in dem Actionfilm gehörig an den Zahlen schraubte bzw. vollkommen überzogene Zahlen übernahm, darf nicht weiter verwundern. Wer sich aber für die angepassten Daten über die tatsächliche Anzahl der Opfer durch die beiden Menschenfresser interessiert, sollte sich doch einmal den englischsprachigen Artikel “A Body Count for Two Man-Eating Lions” von Michael Torrice durchlesen. Ich nehme es vorweg. Wenn Quellen von kolportierten 135 Toten sprechen, haben dies die beiden Forscher Nathaniel Dominy und Justin Yeakel auf 35 Opfer nach unten korrigiert (siehe auch dazu “Cooperation and individuality among man-eating lions.”). Immer noch eine erschreckend hohe Zahl, aber eben nicht ganz im Sinne des blutrünstigen Hollywood.

Und wenn wir schon dabei sind. Die beiden menschenfressenden Löwen, welche im richtigen Löwenleben Bongo und Caesar hießen oder noch heißen, waren auch schon inPaul Bögle im Tsavo-East Nationalpark in Kenia. Tsavo-Löwen tragen keine Löwenmähne. Haarsträubender Fehler im Hollywood-Film “Der Geist und die Dunkelheit”. anderen Filmproduktionen am Set. Wer “George - Der aus dem Dschungel kam” kennt, wird verblüffende Ähnlichkeiten zu den beiden Menschenfressern aus dem oben angesprochenen Film erkennen können. Aber genug jetzt. Nein, etwas doch noch! Ich war selbst schon sowohl im Tsavo-East als auch im Tsavo-West Nationalpark im ostafrikanischen Kenia und im angrenzenden Tansania. Nicht bei Nacht, nicht bei Vollmond, nicht alleine zu Fuß. Also schon auch bei Nacht, auch zu Fuß, aber nicht allein. Mit dem Vollmond bin ich mir nicht mehr so sicher, doch über eine Tatsache bin ich mir doch sehr sicher. Die Tsavo-Löwen, wie Sie auf nebenstehendem Bild, welches ich damals machte, unschwer erkennen können, tragen keine Löwenmähne. Weder Weibchen noch Männchen. Doch wenn Sie den Film Der Geist und die Dunkelheit” jetzt im ebensolchen Geiste Revue passieren lassen bzw, irgendwann einmal anschauen sollten, achten Sie doch auf die prachtvollen Löwenmähnen in der Hollywood-Produktion. Selbstverständlich wunderschön anzusehen, solch ein prachtvoller Löwe mit dem Haupthaar, aber eben so an der Wirklichkeit vorbeigedreht, dass es schon wieder dazu verführt, die Produzenten, Regie und Drehbuch allesamt den Löwen zum Fraß vorzuwerfen.        

Doch zurück zu Vollmond, Löwen und den damit verbundenen statistischen Kennzahlen über Angriffe auf Menschen. Die Löwen folgen also einem bestimmten Muster und dies bedeutet: Je voller der Mond über der ostafrikanischen Savanne scheint, desto ungefährlicher wird Ihr potentieller Spaziergang in freier Wildbahn. Zumindest gibt diesen kostenlosen Tipp der auf dem Gebiet der Verhaltensforschung für Löwen führende Experte Craig Packer all jenen Menschen, welche sich vielleicht mit dem Gedanken tragen, in einer lauen Sommernacht in der Savanne im afrikanischen Tansania einen solchen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen zu wollen. Keine Frage, der Gedanke daran erscheint durchaus reizvoll, sich auf den telegenen Spuren eines Dr. Marsh Tracy, welcher mir noch als Held der Serie Daktari bestens in Erinnerung ist, durch die Wildnis Afrikas zu bewegen. Also habe ich mir, um diesem Ziel des gefahrlosen Gehens durch Mutter Natur im Ursprungsland der menschlichen Rasse ein kleines Stückchen näher zu kommen, den im Fachblatt PLoS ONE publizierten Artikel “Fear of Darkness, the Full Moon and the Nocturnal Ecology of African Lions” durchgelesen.

Und, wie Craig Packer in seiner Studie ausführt, das Reich der wilden Tiere bietet doch immer wieder Erstaunliches. Und sei es auch nur die Tatsache, dass selbst ein nächtliches Abenteuer zu einer gemütlichen Nachtwanderung werden kann. Obwohl, darauf ankommen lassen möchte ich persönlich es doch nicht. Nachts sind zwar alle Katzen grau, doch dafür garantieren wird wahrscheinlich auch nicht Craig Packer.

21.7.2011

Penglai 19-3: Ölkatastrophe wochenlang verschwiegen

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 02:56


Chinesisch-amerikanische Vertuschungspolitik

Penglai 19-3: Ölkatastrophe in der Bohai Bucht im chinesischen Gelben Meer. Vertuschungsaktion von ConocoPhillips und China National Offshore Oil Cooperation (CNOOC). Schöne Grüße von der Deepwater Horizon.Ein weiteres Mal lässt das große Vorbild Deepwater Horizon von BP aus den Tiefen der Meere grüßen. Dieses Mal kommen die schwarzen öligen Grüße vom anderen Ende der Welt. In der Bohai-Bucht im Gelben Meer vor der nordöstlichen chinesischen Küste läuft und läuft und läuft seit Wochen aus mindestens zwei Öllecks das schwarze Gold dorthin zurück, woher es im ersten Schritt gepumpt wird: Wieder einmal ins Meer. Und wieder wollten sich die Betreiber, das größte chinesische Offshore-Ölfeld wird von der texanischen ConocoPhillips-Gruppe (49 Prozent Anteile laut China Daily: Watchdog deems oil leak in bay a ‘disaster’) und dem inländischen Partner China National Offshore Oil Cooperation (CNOOC) ausgebeutet, durch Stillschweigen aus der Affäre ziehen (Weitere Öllecks in der Bohai-Bucht gefunden oder Stille Katastrophe in der Bohai-Bucht).

Erst durch die chinesische Microblogging-Plattform Sina Weibo, einem Pendant zu Twitter und mit 140 Milionen NutzerInnen Chinas führender Dienst, wurde die ganze Tragweite des Unglücks durch BloggerInnen an die Öffentlichkeit gebracht (Blogs brachten die Wahrheit ans Licht). Nebenbei gesagt wieder ein gutes Beispiel, dass die Blogosphäre scheinbar immer noch gewaltig unterschätzt wird, wenn es um Mobilmachung und Informationsweitergabe brisanter Themen geht.

Bereits am 4. und am 17. Juni ereigneten sich die beiden bisher bekannten Ölunfälle am Ölfeld Penglai 19-3, doch erst am 5. Juli gingen die Behörden damit an die Öffentlichkeit (Ölpest vor Chinas Küste: Jetzt kommen Algen). Und sie sprachen anfänglich von einer Verschmutzung in der Größenordnung von etwa 840 Quadratkilometern. Im Vergleich mit der von BP verursachten Katastrophe im Golf vom Mexico, der Ölteppich hatte dort nach wenigen Tagen eine Fläche von 10 000 Quadratkilometern erreicht, wirken diese Zahlen geradezu lächerlich. Doch neben diesen 840 qkm hat die Staatliche Ozeanbehörde SOA zusätzlich eine Fläche von 3400 qkm hinsichtlich der Wasserqualität von 1 auf 3 oder sogar 4 abgewertet, was in etwa dem entspricht, was wir gemeinhin in unserern städtischen Abwässerkanalisationen vorfinden und wahrscheinlich weder zum Schwimmen noch zum Trinken in Erwägung ziehen.

Wie es weitergeht, bleibt natürlich vorläufig unklar. Was aber doch sehr schmerzhaft ist: Für solche Vergehen werden durch das chinesische Gesetz Geldstrafen in Höhe von maximal 200 000 Yuan verhängt. Nach derzeitigem Umrechnungskurs entspricht dies 22 000 Euro. Was soll man dazu jetzt noch viel schreiben? Eines vielleicht noch, auch wenn ich weiß, dass es eigentlich zwecklos ist. Der US-amerikanische Ölkonzern ConocoPhillips betreibt unter anderem die Tankstellenkette JET in Deutschland. Jetzt zu einem ähnlichen Boykott wie damals bei BP aufzurufen, wäre aufgrund der Tatsache, dass die autofahrenden LeserInnen unter uns ja schließlich auch irgendwo tanken müssen, des Guten zuviel. Aber wer sich einmal die Mühe macht, auf dem deutschen Webseiten-Ableger mit Namen ConocoPhillips Germany vorbeizuschauen, um dort mit dem Slogan “Schlauer ist das!” begrüßt zu werden, sollte vielleicht doch zumindest kurzzeitig in Versuchung kommen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Langfristig wäre natürlich noch besser, denn wirkliche Alternativen zu JET kann ich Ihnen keine bieten, da es keine gibt.

Oder um zum wiederholten Male jene Worte des Umweltaktivisten Sunny Ofehe wiederzugeben, welche ich bereits in meinem Artikel “Schwarze Jahrzehnte in Nigeria dank Shell” benutzt habe: “Mein Tank ist leer. … Shell ist überall. Man kann ihnen nicht entgehen!” Ob Sie nun statt Shell, JET, BP, ESSO oder welchen Namen der immergleichen Dieselschwestern und Benzinbrüder auch immer einsetzen. Es ändert nichts an der Tatsache, dass im Falle der unzähligen Umweltkatastrophen, welche durch Konzerne wie vorgestern Shell und Agip, gestern BP, heute ConocoPhillips und morgen möglicherweise alle zusammen hervorgerufen werden, immer die Maxime “Schweigen ist Gold” ein probates Mittel ist. Zumindest solange, bis sich das Schweigen immerhin noch durch schöne Reden versilbern lässt. 

  

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