Bio Natur - Der Weblog

21.6.2011

Roundup: Finanzspritze oder Giftspritze?

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 02:31


Finanzielle Hilfe für Griechenland oder Gift von Monsanto

In Zeiten wie diesen lese ich tagtäglich über das finanzielle Desaster Griechenlands. Als sogenanntes Roundup tüfteln FinanzexpertInnen, Banken, Regierungen und wer sonst noch Geld zu verlieren hat oder zukünftig als monetärer Kriegsgewinnler dastehen möchte am ultimativen und ständig erneuerungsbedürftigen hellenistischen Rettungsplan. Der Kollaps der Heimat von Platon, Sokrates oder Heraklit beherrscht die Schlagzeilen, die Medien überschlagen sich mit immer wieder neuen Horrormeldungen, die Ängste der Menschen werden Tag für Tag aufs Neue geschürt, im gleichen Atemzug Geldpakete geschnürt und unisono kommen alle zu jenem unvermeidlichen Schluss: Der hellenistische Zug ist nicht nur abgefahren, sondern richtiggehend entgleist.

Nun ja, eine schlimme Sache, keine Frage. Oder in Anlehnung eines schönen Satzes aus Asinaria, der Eselskomödie des römischen Dichters Plautus: “Pecunia est homo homini.” Der MenPaul Bögle: Monsanto macht Schluss mit der Umwelt. Die unkontrollierbare Sprengkraft einer genmanipulierten Chemiekonzern-Handgranate.sch ist nicht des Menschen Wolf, sondern eben des Menschen Geld. Wobei ich hier das Zitat nicht nur verändert, sondern auch noch verkürzt wiedergebe und die Gelegenheit nutzen möchte, die immer wieder fälschlicherweise angeführte Quelle des “Leviathan” des englischen Philosophen Thomas Hobbes in diesem Zusammenhang schleunigst zu vergessen. Aber nun genug der Philosophie der Neuzeit, der Komödie der Zeit vor der Neuzeit und der Philosophen der Zeit vor der Zeit vor der Neuzeit.

Wenn ich das Wort “Roundup” (Link gibt’s in diesem Falle keinen, ich bin doch auf gut Wienerisch nicht “deppert“) höre, lese oder in sonstigem Zusammenhang finde, denke ich weniger an Finanzspritzen für Griechenland, sondern unwillkürlich an Giftspritzen aus dem Hause der Herbizid-Krake und des Gentechnikkonzerns Monsanto, welchen ich schon desöfteren auf meinem Blog verewigt habe. Vorab eines: Ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass ich gegen einen Konzern, welcher durch gentechnisch verändertes Saatgut, transgenen Mais (sehr guter Artikel dazu: Friendly Fire gegen die Völker des Maises oder im spanischen Original von Silvia Ribeiro in La Jornada: Fuego amigo contra los pueblos del maíz) oder eben ein Unkrautvernichtungsmittel namens “Roundup” jährliche Milliardenumsätze im zweistelligen Bereich macht, in etwa so dastehe wie eine literarische Figur von Miguel de Cervantes auf seinem Pferd Rosinante saß.

Aber macht nichts, schließlich bleibt immer die Hoffnung, dass auch solch genverseuchten Windmühlen wie Monsanto irgendwann einmal die Luft ausgeht. Und so möchte ich also hier auf ein Neues die Gelegenheit nutzen, um mit den eigenen und vor allem fremden Flügeln gegen solche globalen Schädlinge ein paar wirklich sehr interessante und vielleicht auch zum Nachdenken anregende Links anführen. Dazu möglicherweise auch wissenswert und oftmals verschwiegen, dass Monsanto bereits im Vietnamkrieg eine tragende Rolle als Lieferant des berüchtigten Entlaubungsmittels “Agent Orange” (siehe z.B. Günter Giesenfeld: Monsanto unter Druck. Der ehemalige Lieferant von Agent Orange hat viel Dreck m Stecken) spielte.

Etwa 35 Millionen Liter des Dioxins wurden über dem dichten Blätterdach des südvietnamesichen Dschungels versprüht, um die Vietcong des Nordvietnam dadurch aus ihren Verstecken zu treiben. Dass die amerikanische Regierung dabei keine Rücksicht auf die eigenen GIs und die mit ihnen verbündeten südvietnamesichen Soldaten nahm, dass die Menschen immer noch unter den Spätfolgen von ”Agent Orange” wie Fehlgeburten, Missbildungen, Nervenleiden oder Krebs leiden, stellte weder Kriegsmaschinerie noch Kriegsgewinnler vor große Probleme.

Die derzeitige Schadensersatzklage gegen Monsanto und den US-Chemiekonzern Dow Chemical mit einer Entschädigung der Opfer in Höhe von umgerechnet 50 Millionen Euro als “Späte Buße für Agent-Orange-Einsatz in Vietnam” mag auf den ersten Blick als lobenswerte Wiedergutmachung an den Opfern erscheinen, doch bei den kolportierten Jahresumsätzen und einem Jahresgewinn 2010/2011 von einer Milliarde Dollar (Ministerium vertraut Konzernen: Monsanto darf sich selbst kontrollieren) wirken die Beträge eigentlich wie eine Verhöhnung der Betroffenen und ihrer Familien. Dass in die Berechnung die Missbildungen und Krankheiten der zukünftigen und bisher noch nicht geborenen Leidtragenden unberücksichtigt bleiben, wird wohl erst in Jahrzehnten in den Gerichten verhandelt werden. Vorausgesetzt natürlich, die Chemiekonzerne können sich nicht auf Verjährung oder andere juristische Kniffe berufen.

So, aber nun endlich jene ausgewählten Links, welche sich mit dem Monsanto-Konzern in geradezu “liebevoller” Weise beschäftigen und deshalb auf jeden Fall einen Blick wert sind. Wobei ich noch anmerken darf, dass ich innerhalb des Artikels schon einige der Verlinkungen untergebracht habe und deshalb nicht mehr explizit anführe.

Aktuell: Am 28. Juni 2011 Akopol: Monsanto auf Deutsch – Seilschaften zwischen Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen. Vortrag und Diskussion in Flensburg (für Paul Bögle aus Wien natürlich aus verständlichen Gründen fast unerreichbar).

Monsanto - Mit Gift und Genen 2010: Dokumentation über das genmanipulierte Reich des Konzerns “Monsanto Chemical Works“. Ich hoffe, die Verlinkung zu dem Youtube-Video bleibt erhalten. Der Film wurde auch 2010 auf Arte gezeigt. Wäre schön, ihn wieder einmal zu sehen. Denn manchmal sind TV-Wiederholungen durchaus angebracht.

infosperber: Gen-Saatgut: Monsanto wälzt Haftung auf Käufer ab. Kleingedrucktes in den Lizenzverträgen zwischen den Bauern und Monsanto.

Und noch ein Womblog-Beitrag: Argentinien: Genmanipuliertes Saatgut: “Monsanto hat keinen Respekt vor dem Leben”. Politische und mediale Lobbyarbeit von Monsanto für den Anbau genmanipulierter Baumwolle.

Greenpeace Austria: Rote, Weiße, Grüne Gentechnik. Unterscheidungsmerkmale innerhalb der Anwendungsgebiete von Gentechnik.

20.6.2011

Zug fährt ab: Train of Ideas

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 02:04


Großer Bahnhof quer durch ein zukünftiges Europa

Die Umwelthauptstadt Hamburg schickt den Train of Ideas mit Visionen und Ideen für die Städte der Zukunft auf Reisen.Ich weiss, für diese Meldung ist es fast schon ein bisschen zu spät. Aber eben nicht zu spät. Auch wenn es mittlerweile bereits nach 2:00 Uhr in der Früh ist, opfere ich mich, natürlich nicht, da ich sowieso am besten des nächtens schreiben kann, um Ihnen noch den “Train of Ideas” ans Herz zu legen, welcher vom 20. bis zum 22. Juni 2011 im Bahnhof Heiligenstadt in Wien Halt macht und der im Auftrag der Umwelthauptstadt 2011 Hamburg seit April dieses Jahres auf grüne Reisen durch das unvereinbar vereinte uneinige Europa auf Schiene ist.

Machen wir es also so kurz wie möglich. Eintritt kostenlos, keine Voranmeldung notwendig, grüne Visionen, Begeisterung für Umweltschutz, interaktive Ausstellung,Train of Ideas der Umwelthauptstadt Hamburg zu Gast in Wien. ökologische Zukunftsideen. So, jetzt wissen Sie Bescheid. Richtig, die Öffnungszeiten. Montag, 20.06.2011 von 13:00 - 19:00 Uhr, Dienstag, den 21.06. und Mittwoch, den 22.06. jeweils von 10:00 - 19:00 Uhr. Wie bereits geschrieben, im Bahnhof Heiligenstadt in Wien.

Sie wohnen nicht in Wien oder sind selbst irgendwo unterwegs. Womöglich sitzen Sie gerade in einem Kinosessel in Salzburg und denken über den (ganz normalen) atomaren Wahnsinn unseres Planeten nach. Oder ich darf Ihnen ganz einfach einen schönen Urlaub wünschen. Sei es, wie es ist. Der “Train of Ideas” besucht nach Wien auch noch andere europäische Städte. Bei Klick auf das nebenstehende Bilder erfahren Sie natürlich, wo sich die nachhaltigen Visionen und umweltfreundlichen Ideen für lebenswerte Städte der Zukunft in den insgesamt sieben Containern (sechs für die Hightech-Ideen, einer als Kommunikationsplattform) des Zugs noch besichtigen lassen.

Und wer schon immer einmal nach Hamburg wollte, könnte sich am “Train of Ideas“-Gewinnspiel beteiligen. Kreative Lösungen sind gefragt, wenn es darum geht, die bestehenden Probleme der urbanen Trabanten zu einem rühmlichen und erfolgreichen Ende zu bringen. Drei Viertel der ausgestoßenen Treibhausgase entstehen in jenen Ballungszentren, welche wir Leben oder Lebensmittelpunkt nennen. Wenn wir schon nicht jenen Mittelpunkt der Erde, wie ihn Jules Verne so schön in seiner gleichnamigen literarischen Reise beschrieben hat, erreichen können, so kann jede gute Idee zumindest dazu beitragen, unseren persönlichen Mittelpunkt um eine winzige Facette grüner zu gestalten.

So, nun ist es Punkt 3:00 Uhr im nächtlichen und friedlich schlafenden Wien. Und wenn Sie sich diesen Artikel durchlesen, träume ich hoffentlich gerade von literarischen Werken. Es muss nicht unbedingt Jules Verne sein. Meine eigenen finde ich auch ganz o.k.

In diesem Sinne grüsst der grüne Lokomotivführer Paul Bögle aus dem herrlich grünen Lummerland und Schlummerland Wien.     

19.6.2011

Salzburg: Das Kino in der Mozartstadt

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 02:59


Wolfgang Amadeus hätte seine Freude

Das Kino Salzburg: Der atomare Wahnsinn. Filme zum Thema Atomkraft.Nein, nein, verehrte Leserschaft. Es ist hier weder von der Komposition Milch-Schnitte der Ferrero-Zampanos die Rede, für die es nun den Goldenen Dirigentenstab oder gemeinhin den Goldenen Windbeutel gab noch spreche ich von meiner grünen Lieblingspartei, welche im Moment eher selbst mit politischen Ver- und Entführungen aus dem Serail ohne entsprechenden Tiefgang zu kämpfen hat. 

Erinnern Sie sich noch an den leider viel zu früh verstorbenen Johann Hölzel? Nein, tun Sie nicht. Nun ja, möglicherweise liegt dies daran, dass er dem grössten Teil der Menschheit unter dem Namen “Falco” besser bekannt war und sicherlich auch noch ist. Ich sehe, jetzt lichtet sich der Horizont. Und besagter Falco, bleiben wir bei seinem Künstlernamen, hatte es doch tatsächlich geschafft, als bisher einziger Künstler einen deutschsprachigen Song, wobei “deutschsprachig” und “Song” nicht gerade durch besondere Phantasie glänzt, also eben ein Lied, in den amerikanischen Single-Charts auf der Spitzenposition unterzubringen.

Im Jahre 1985 war es, als Falco selig die Welt mit seinem “Rock Me Amadeus” verzückte und alle ”Amadeus, Amadeus” mitgrölten. Manche sagen, der echte, also in Österreich liebevoll und beileibe nicht despektierlich der ”Woiferl” genannt oder eben Wolfgang Amadeus Mozart hat sich irgendwann vor lauter Kummer im Grabe umgedreht. Sind natürlich alles nur Gerüchte, schließlich war kein Mensch dabei. Aber bleiben wir doch gleich im Jahr 1985. Was ereignete sich noch oder, um weiter im musikalischen Jargon zu bleiben, was spielte es denn sonst für Geschichten rund um Salzburg vor mehr als 25 Jahren.

Tschernobyl lag noch in den Geburtswehen, soviel kann ich Ihnen gleich jetzt schon sagen. Aber auch andere Dinge rund um den atomaren GAU der Zukunft waren am Köcheln, bevor sie überkochten. Die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf in der bayerischen Oberpfalz stand damals im Brennpunkt der Öffentlichkeit ( und spaltete so wie der letzendlich mit für den Baustopp der Wiederaufbereitungsanlage (WAA) im Jahr 1989 verantwortliche Super-GAU die Bundesrepublik Deutschland. Der sogenannte “WAAhnsinn von Wackersdorf” forderte entlang der belagerten Bauzäune damals sogar Tote (Störfall Wackersdorf: Der WAAhsinn in der Oberpfalz oder auch Focus online: 25 Jahre Wackersdorf: Die Pfingstschlacht am Bauzaun).

Ich möchte nun nicht in der Vergangenheit graben, sondern vielmehr sanft ins benachbarte Salzburg überleiten, wo sich bereits zu dieser Zeit Filmemacher dem Thema Kernkraft stellten und sich mit filmischen Mitteln an die Öffentlichkeit wandten. Spaltprozesse: Wackersdorf 001 (1985/87), eine außergewöhnliche Dokumentation der beiden Regisseure Bertram Verhaag und Claus Strigel beschäftigte sich rund um die Ereignisse eines umweltpolitischen Schauplatzes, welcher sich zu einem ideologischen Kriegsschauplatz entwickelte. Eindringlich zeigen die beiden, wie sich friedliche und unter anderen Prämissen höchstwahrscheinlich “gesetzestreue” Menschen unter dem Druck einer zu allem entschlossenen Regierung plötzlich selbst zu allem entschließen und das Heft in die Hand nehmen.

Das Kino Salzburg. Filmkulturzentrum der besonderen Art.Doch “Das Kino - Salzburger Filmkulturzentrum” hat bis zum 01. Juli weit mehr zu bieten. In der Spezialreihe “Rund um den atomaren Wahnsinn” knüpft “Das Kino“ jetzt nahtlos dort an, wo vor 30 Jahren schon die Spiegelbilder unserer Gesellschaft über die Leinwand flimmerten. Wer also vorhat, laut grölend und “Amadeus, Amadeus” intonierend durch die enge Salzburger Getreidegasse zu defilieren, könnte ja für einen Moment innehalten und sich das Filmprogramm nur wenige Meter Luftlinie der berühmten Gasse ansehen. Einfach über die Staatsbrücke gehen und Sie stehen schon davor. Und wenn Sie Lust haben, können Sie ja für unseren “Woiferl” auch einen Sitzplatz reservieren. Wer weiss, ob der grosse Komponist nicht auch Interesse für solch ein brennendes Thema hätte. Aber wenn nicht, befindet er sich möglicherweise gerade im trauten Zwiegespräch mit Falco. Lassen wir die beiden Herren also doch ruhen und ruhen selbst nicht eher, bis das letzte Atomkraftwerk endlich von diesem wunderschönen Planeten Erde verschwunden ist.       

18.6.2011

Milch-Schnitte, die sportlich leichte Werbelüge

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 07:24


Ferrero, nach Zott und Danone der neue Windbeutel des Jahres

Milch-Schnitte von Ferrero erhält Goldenen Windbeutel des Jahres 2011.43,5 Prozent der VerbraucherInnen können nicht irren. 51 000 von insgesamt fast 120 000 konsumkritischen Menschen waren bei der Wahl zum “Goldenen Windbeutel des Jahres” der Meinung, dass die Milch-Schnitte der Firma Ferrero ein würdiger Nachfolger des Monte Drink von Zott sei. Aus dem Einheitsbrei dreister Werbelügen wurde jetzt der absolute Topfen (österreichisch für Quark) 2011 gerührt und dementsprechend von abgespeist.de und Foodwatch gekürt. So dürfen sich also die Damen und Herren von Ferrero genauso über einen Preis freuen, welchen keiner will wie die KonsumentInnen über eine Marke, die in dieser Form auch niemand möchte.

Ich bin zwar persönlich der Meinung, dass auch die Nimm 2-Bonbons der Firma Storck und mein heimlicher Favorit, der Activia Joghurt von Danone, durchaus würdige Preisträger gewesen wären, doch die “sportlich-leichte Zwischenmahlzeit” mit einem Zucker- und Fettgehalt von 60 Prozent liegt voll im Trend dreister Werbelügen und Verbrauchertäuschung und hat sich den Sieg sicherlich genauso verdient.

Naturgemäß sieht der Hersteller dies etwas anders und versteht die (Werbe)Welt nicht mehr. Schließlich widerspreche der Konsum einer Milch-Schnitte prinzipiell nicht einem “ausgewogenen, sportlichen Lebensstil“, wie Ferrero zu erklären versucht. Die Eltern von bereits 15 Prozent übergewichtigen Kindern in Deutschland mögen dieser Argumentation wohl kaum folgen können, doch wer sich Sportler als Werbepartner ins konzerneigene Boot holt, welche im Dienste der Milch-Schnitte zum Ausdruck bringen sollen, “dass Ernährung und Bewegung zusammen gehören“, steht natürlich über den Dingen.

Und “Foodwatch”-Geschäftsführer Thilo Bode nimmt die Wahl auch gleich zum Anlass, in einem dapd-Interview mit dem Werbepartner DFB ins Gericht zu ziehen.

dapd: “Ferrero hat noch andere “süße” Produkte wie Nutella, für die auch unter anderem DFB-Fußballer werben. Wie sehen Sie das?

Bode: “Das ist hochproblematisch. Der DFB ist ein gemeinnütziger Verband, eine Institution, die das Gemeinwohl fördern soll. Wenn der DFB sich eng mit Firmen der Lebensmittelindustrie verbindet, dafür Geld bekommt und die Firmen im Gegenzug den guten Namen des größten Sportverbandes der Welt und seiner äußerst populären Spitzensportler nutzen können, um ihre als harmlose Zwischenmahlzeiten getarnten Dickmacher unters Volk zu bringen, ist das ein inakzeptabler Zustand. Dazu muss sich der DFB mal öffentlich äußern. Das kann nicht angehen, dass man alles für Geld macht und die Jugend- und Sportförderung davon abhängig gemacht wird, wie viel Geld Privatkonzerne geben. Es gehört schließlich zu den in der Satzung des DFB festgeschriebenen gemeinnützigen Aufgaben, eine gesunde Ernährung präventiv zu fördern.”

Dass die beiden nominierten Kandidaten Storck und Stockmeyer (Ferdi Fuchs Mini-Würstchen”) den InitiatorInnen bereits im Vorfeld per Fax untersagten, am Tag der Preisverleihung das firmeneigene Gelände zu betreten bzw. Kontakt mit den Unternehmen aufzunehmen, macht allerdings deutlich, wie ernst die betroffene Firmen mittlerweile die befürchteten Negativschlagzeilen nehmen. Andererseits zeigt es aber auch, dass in vielen Fällen immer noch keine Kooperation in Form von Diskussionsbereitschaft zu erwarten ist, weil sich die eigenen Werbelügen schwerlich durch überzeugende Gegenargumente entkräften lassen.

Und noch etwas wird deutlich. Nahmen 2009 bei der ersten Wahl zum Goldenen Windbeutel an die 35 000 VerbraucherInnen teil, hat sich diese Zahl nun verdreifacht. Die Fokussierung der Menschen auf Produkte, welche durch Werbemaßnahmen a la Milch-Schnitte im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen, wird also durch solche Proteste von Jahr zu Jahr größer. Dass die Veranstalter dabei mit keinen rechtlichen Schritten der an den Pranger gestellten Unternehmen zu kämpfen haben, hat einen guten Grund. Was behauptet wird, beruht auf Tatsachen. Bis auf jene unrühmliche Tatsache, dass Ferrero die Annahme des Goldenen Windbeutels verweigert hat. Aber dies wird sicherlich auch gute Gründe haben.      

17.6.2011

Die grüne Partei, der neue Einheitsbrei?

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 08:14


Die seltsamen Methoden der Grünen

Paul Bögle bittet: Die Grünen müssen wieder Herz zeigen!Dass ich bei der Ausübung meines demokratischen Wahlrechts den “Grünen” meine Stimme gebe, dürfte kaum überraschend sein. Doch wenn ich mir im Moment die Ideen und Pläne, die politischen Annäherungen zu anderen Großparteien im deutschsprachigen Raum oder die Zukunftsvisionen mancher Parteimitglieder der obersten Ebene anschaue, durchlese und im Nachhinein wohl auch darüber reflektiere, könnte sich dies in Zukunft doch ändern. Keine Angst, es wird sich nicht ändern, aber darüber nachdenken darf Herr Paul Bögle schon. Denn derzeit unterscheiden sich die Grünen für meinen Geschmack ganz gehörig von jenen Freunden der Erde, welchen ich meine besten Glückwünsche entgegengebracht hatte. 

Ich habe mich in der jüngsten Vergangenheit über zweierlei Dinge ganz besonders gefreut. Zum einen, dass in der Bundesrepublik Deutschland im schönen Schwabenland endlich die politische Kruste der alteingesessenen Parteien zu bröckeln begann und der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Geschicke in Baden-Württemberg leitet. Und, wenn wundert’s! Wien hat endlich und zum ersten Male in der Geschichte der kleinen Alpenrepublik eine rot-grüne Landesregierung und stellt mit Maria Vassilakou auch die Vize-Bürgermeisterin. Doch nicht genug damit, haben sich die Grünen auch das umweltpolitisch so wichtige Ressort Verkehr, Stadtplanung, Klimaschutz und Energie unter den grünen Nagel gerissen.

Jetzt wird alles besser“, dachte ich aufgrund dieser politischen Entwicklungen damals und denke es eigentlich immer noch. Doch auch bei mir hat sich mittlerweile ein gewisses Maß an nüchternem Pragmatismus, verbunden mit einem leichten Aufschlagen auf dem harten Boden der Realität, eingestellt. Wiewohl ich dieses auch bei jenen sehe, welche von der Wählerschaft aufgefordert wurden, die Geschicke im Sinne einer ökologisch verantwortungsvollen und den so oft propagierten parteipolitischen Grundsätzen verpflichteten Denkweise zu lenken.

Keine Frage: Sowohl die deutschen als auch die österreichischen Grünen haben (leider) durch Fukushima und der anschließenden Kernfrage um die Atomkraft stark partipiziert und sicherlich einige WählerInnen auf ihre Seite bringen können. Doch wenn ich mir im Moment den deutschen Kurs weg von Atom und hin zu erneuerbarer Energie anschaue, muss ich mir leider eingestehen, dass Kanzlerin Angela Merkel hier fest das Heft in ihrer Hand hält und eigentlich die treibende Kraft ist. Und Frau Merkel ist, zumindest liegt die Vermutung nahe, kein Parteimitglied der grünen Partei.

Wenn ich weiterhin die neu entfachte Diskussion um den im Schwabenland in Planung befindlichen Bahnhof Stuttgart 21 verfolge, so stellt sich für mich die Frage, weshalb eigentlich die dortige werkelnde rot-grüne Landesregierung um den grünen Verkehrsminister Winfried Herrmann keine Verlängerung des Baustopps beantragt hat. Ganz im Gegenteil: Eine neuerliche Sitzblockade, welche von GegnerInnen des Projektes initiiert wurde, wurde von der Polizei geräumt. Dies lässt fatalerweise den Schluss zu, dass auch Grün diese GegnerInnen von Stuttgart 21 im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg räumen möchte. Sieht so das neue grüne Denken und Handeln aus?

Dazu nebenbei noch eine andere Sache. Wenn der Parteivorsitzende Cem Özdemir über die Neue Presse Hannover dem Bahn-Chef Rüdiger Grube mit auf den Weg gibt: “Herr Grube sollte sich auf seinen Job konzentrieren. Er hat genug damit zu tun, dafür zu sorgen, dass die Bahn pünktlich ist, die Klimaanlage im Sommer funktioniert und die Bahn auch in der Fläche halbwegs anständigen Service liefert.”, wäre vielleicht zu überdenken, ob solch ein klimatischer Luxus wie Klimaanlagen mit ihrem immer noch horriblen Stromverbrauch wirklich zu den primären Problemen einer umweltpolitisch vernunftbegabten Ausrichtung zählen sollten.

Österreich wiederum hat mit derzeit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Zumindest versuchen uns dies die beiden Grünen-Politikerinnen Eva Glawischnig und Maria Vassilakou einzureden. Die Demontage der Zigarettenautomaten im Sinne des Jugendschutzes erinnert stark an die Zeiten, als Amerika mit dem 18. Zusatzartikel zur Prohibition von 1919 bis 1933 die Herstellung, den Transport und den Verkauf von Alkohol untersagte. Wenn sich Grün jetzt auf solch ein neuerliches “noble experiment” a la staatlich verordnete Enthaltsamkeit einschießt, können einem schon solch sündige Gedanken wie “Öko-Diktatur” oder “SpießbürgerInnentum” durch die Raucherlunge und die letzten liberalen Gehirnzellen schießen. Missionarischer Eifer in allen Ehren, aber nicht nur GrünwählerInnen haben ein Recht auf einen öffentlichen Raum, in welchem sie sich wohlfühlen sollten.

War früher die typische Radfahrerin und der Pedalritter mit Birkenstock die Stammwählerschaft in persona, so könnte auch dies sich bald zum Nachteil der grünen Bewegung ändern. Vize-Bürgermeisterin Vassilakou überlegt die Einführung von Nummerntafeln für Fahrräder. Denn es ist Gefahr im Verzug. Zumindest wittert die Wiener Grünen-Chefin dies. Nur noch Rowdys auf zwei Rädern auf Wiens Strassen. Auf Speichen dahinfahrende und zu allem entschlossene Frauen und rücksichtslos jede noch so kleine Lücke ausnutzende männliche Rüpel, welche bis an die Zähne bewaffnet sich ihren Weg durch den urbanen Dschungel der Großstadt freitreten. Wo denn sonst, wenn es keine Radwege gibt? (Siehe dazu meine beiden Artikel “Nicht das Rad neu erfunden. Einfach ausbauen” und “Hoch zu Ross auf dem Drahtesel“).

Ein Knigge soll jetzt her. Sozusagen ein Anstandswauwau für all jene, welche ohne reglementierten und staatlich sanktionierten Beiss- oder besser Fahradkorb die Spur nicht halten können. Ich war bisher der Meinung, dass die FPÖ rund um Herrn HC Strache für das Schaffen von Feindbildern zuständig ist. Aber scheinbar haben die Grünen dies- und jenseits der Grenzen ganz schön dazugelernt.

Also, meine vergangene, gegenwärtige und sicherlich auch zukünftige Lieblingspartei. Alles schön und gut mit Konformität, Regelwerk und Ge- sowie Verbotstafeln. Aber ein bisschen Nonkonformität, Anarchodenken und Eigenverantwortlichkeit muss schon noch sein. Die grüne Szene lebt schließlich auch und vielfach noch durch dieses Statement des Anderssein. So, und jetzt werde ich erst mal eine rauchen.      

16.6.2011

Friends of the Earth International: 40 Jahre und ein Tag

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 01:50


Herzliche Gratulation für 40 Jahre aktiver Umweltschutz

Friends of the Earth International feiert 40-jähriges Jubliläum.Vor lauter bevorstehender Troubles und bereits feststehender Probleme, Vorwürfe und Unregelmäßigkeiten des WWF und eines kleinen Spaziergangs durch Wien abseits der breiten Masse hätte ich doch fast vergessen, mich den vielen Glückwünschen rund um das weltweit grösste Netzwerk für Umweltschutz mit Namen “Friends of the Earth International” oder kurz FoEI anzuschließen.

Friends of Earth International: Nostalgie pur in Schweden des Jahres 1972.Wer es noch nicht weiß bzw. wissen möchte. Der deutsche Ableger von FoEI ist der BUND (der Link befindet sich natürlich neben weiteren guten grünen Seiten und Projekten in meiner Blogroll auf der unteren rechten Seite) und in Österreich ist Global 2000 (auch hier hilft meine Blogroll) als Teil der Freunde der Erde im vollen Einsatz gegen die Umweltkrise und für eine lebenswerte Umwelt. Schauen wir noch kurz zu unseren Schweizer Nachbarn und statten wir dort eine kurze Stippvisite Pro Natura (jaja, die Blogroll, werden Sie sagen) ab, bevor ich zusammenfassend sagen kann, dass in diesen mehr als vier Dekaden globaler Veränderung, atomarer Katastrophen, nicht mehr gutzumachender Umweltschäden und was Sie auch immer an negativen Folgen für Mensch, Tier und Pflanzen anführen möchten, mittlerweile Dutzende nationaler Umweltschutzorganisationen, Tausende lokale Gruppen und (zwei) Millionen einzelne Menschen aktiven und passiven Natur- und Umweltschutz vor-, aus- und hoffentlich noch lange erleben.

Zu feiern gäbe es natürlich immer etwas. Z.B. im Moment die Tatsache, dass Cavaliere Silvio Berlusconi nach seinem für ihn vernichtenden Referendum für den Wiedereinstieg Italiens in die Atomenergie nichts zu feiern hat. Aber lassen wir das Nichtfeiern den anderen über und konzentrieren wir uns gemeinsam auf die nächsten 40 Jahre Umweltschutz. Oder wie es einer jener Vertreter der Benzinbrüder (und wohl auch Schwestern) marketingtechnisch so treffend vor einigen (oder waren es viele?) Jahren formulierte: “Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an!”

Das nebenstehende Bild, welches ich mir vom BUND “entliehen” habe, führt Sie beim Klicken darauf übrigens auf die umfassende Bildergalerie. Es ist zwar immer wieder schön, nostalgische Momente zu genießen, doch um alle gemeinsam noch einiges bewegen zu können, müssen wir alle unseren Blick vorwärts richten. Dorthin, wo sich irgendwann einmal die Zukunft unserer Kinder hoffentlich in eine grüne Gegenwart verwandelt.

Ich darf vielleicht die Gelegenheit nutzen, noch einmal auf meinen Artikel “Klimawandel und Generationengerechtigkeit” zu verweisen. Denn wer, wenn nicht die heutigen Generationen, sind zu großen Teilen für die zukünftigen Schäden auf dem Planeten Erde verantwortlich. Das Problem dabei: Wie sollen uns jedoch zukünftige Menschen, welche die Erde besiedeln, zur Rechenschaft ziehen. Wir stehlen uns mit unserem Tod aus dieser Verantwortung. Natürlich eine schlechte Sache für uns. Aber wahrscheinlich auch nicht viel besser für unsere Kindeskinder, wenn wir so weiter machen wie bisher.

15.6.2011

WWF: Pakt mit dem Panda oder Pakt der Wölfe?

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 00:47


Natur- und Umweltschutz zwischen den Fronten

Der Pakt mit dem Panda - Was uns der WWF verschweigt. Ein Film von Wilfried Huismann über den WWF.Leider sehr passend zu meinem letzten Beitrag über eine Art von gesellschaftlichem Wahnsinn un den damit verbundenen zu zahlenden Preis möchte ich heute dringend auf eine Dokumentation aufmerksam machen, welche, wie ich glaube, ein absoluter Pflichttermin ist.  

Vorab eines, bevor heute schon irgendwelche Scharfrichterinnen und Henker das Beil der Verdammnis über dem Haupte des WWF schärfen und womöglich nach unten krachen lassen. Auch ich möchte den 22.06.2011 abwarten und mir zuerst die Doku mit dem vielsagenden Titel “Der Pakt mit dem Panda - Was uns der WWF verschweigt” von Wilfried Huismann ansehen, bevor ich mir ein vorläufiges oder möglicherweise schon endgültiges Urteil über die im Raum stehenden Machenschaften und Vorwürfe gegenüber den Umweltschützern dieser Organisation erlauben werde.

Ich bin vor nicht allzu langer Zeit schon einmal durch eine fahrlässige und nicht tief genug recherchierte Propaganda auf die Nase gefallen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen unbedachten und leider auch unrühmlichen Aufruf gegen das sogenannte Heilpflanzenverbot, was sich im Nachhinein als Fake herausgestellt hat. Das sollte mir, wenn möglich, nicht mehr so schnell passieren.

Doch im vorliegenden Fall gegen den WWF stimmen mich mehrere Dinge bereits vor dem Aussendungstermin (ARD 22.6.2011, 23:30 Uhr; Eins Extra 24.6.2011, 21:00 Uhr; SR 13.7.2011, 20:15 Uhr) nachdenklich. Denn die Vorwürfe gegen die Organisation sind nicht neu. Und leider sind die Anschuldigungen gegen den WWF mittlerweile auch massiv und sehr vielfältig. Einen sehr guten Überblick dazu bietet etwa die Plattform tierschutznews.ch und dem dort veröffentlichten Artikel “Der Pakt mit dem Panda - Was uns der WWF verschweigt“, welcher am Ende des Berichtes eine geradezu erschreckend lange Liste an wirklichen Verfehlungen und nicht von der Hand zu weisenden Anschuldigungen anführt.

Ich habe mir noch nicht alle Quellen durchgelesen, doch besonders interessant erscheint mir der auf Profil online veröffentlichte Artikel “Grünspäne: Zu seinem 50.Natur- und Umweltschutz oder Geldmaschine im Zeichen des Pandabären. Der WWF auf Beutezug. Jubiläum wird der WWF als intriganter Elite-Club demaskiert” von Angelika Hager, welcher aufgrund seiner Aktualität und weiterführenden Informationen über andere kritische Werke zum WWF als gute Einstiegslektüre zu empfehlen wäre. Von den unheilvollen Allianzen der Pandabären mit solch elitären Unternehmen wie Shell oder Coca-Cola ist dort übrigens auch die Rede.

Weniger interessant, dafür umso bedenklicher halte ich die Liaison des amerikanischen Ablegers der Umweltstiftung mit der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA. Hinter dem von der Behörde initiierten “Endocrine disruptor screening programme (EDSP)” verbirgt sich, wenn man externen Quellen (z.B. rage and reasonWWF International und Tierversuche oder PETA: Sir Paul kritisiert WWF wegen Tierversuchen) Glauben schenken darf, das wohl grösste Tierversuchsprogramm der USA, welches dank kräftiger Unterstützung der US-amerikanischen Pandas die Tötung von Millionen Versuchstieren durch Chemikalientestreihen zur Folge hat.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht selbst mit Steinen werfen. Dieses alte Sprichwort hat sich Achim Stößer mit seinem sehr umfassenden Artikel “PeTA – eine Organisation gegen Tierrechte? ” zu Herzen genommen. Ich darf allerdings anmerken, dass ich in vielen Punkten NICHT mit Herrn Stößer konform gehe. Natürlich bietet der Bericht interessante Ansätze, welche sich die interessierten LeserInnen durchaus in ein paar ruhigen Minuten durchlesen sollten. Aber die Art und Weise, wie hier zu Werke gegangen und in manchen Fällen auch zu Gericht gesessen wird, hat für mich teilweise schon mit Verunglimpfung und Anfeindung zu tun. Bei allem Respekt vor der sehr fundierten Recherche sollte nicht vergessen werden, dass ein gewisses Maß an Toleranz und sachlichem Umgangston auch zum gegenseitigen Verständnis beiträgt. Und in meinen Augen hat sich PETA in der Vergangenheit und gegenwärtig immer noch durch sehr originelle Ideen und Aktionen im Sinne des Tierschutzes ausgezeichnet.

Aber nun lassen wir PETA wieder beiseite und schließen zumindest bis zum Sendetermin über den WWF diesen Artikel ab. Ob sich manche dann auch dazu entschließen werden, mit dem WWF abzuschließen, vermag ich selbst heute (auch für mich selbst) noch nicht zu sagen. Doch die Zeiten stehen auf Sturm.   

Dazu passend aus dem WDR-Pressetext zur Vorankündigung der Sendung heißt es:

Weltweit schließt der WWF Partnerschaften mit großen Firmen aus dem Energie-und Agrobusiness. Sogar gentechnisch manipuliertes Soja des Chemieriesen Monsanto hat den Segen des Panda bekommen. Hilft der Deal des WWF mit der Industrie, die letzten noch intakten Ökosyteme der Welt zu retten, oder beschleunigt er ihre Vernichtung? Die Dokumentation will die Geheimnisse des WWF ergründen. Sie wird zu einer Reise ins Herz des grünen Empire und sie erschüttert den Glauben an den Panda“.

Der Nimbus des schwarzweißen Maskottchens bröckelt seit langer Zeit, auch wenn ich und wohl auch viele andere dies in dieser Form nicht wahrhaben wollen oder wollten. Lassen wir uns also überraschen, welche grünen Mauern am 22.06.2011 noch einstürzen werden.

14.6.2011

Konsum: Wahnsinn, Terror und zu zahlender Preis

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 13:57


The Price of Consumption: Wenn Genuss außer Kontrolle gerät

Immer mehr Menschen stehen tagtäglich vor der Entscheidung, sich für oder gegen den Überfluss oftmals überflüssiger Gebrauchs-, Verbrauchs- und Luxusgüter in einer Überflussgesellschaft zu stemmen. Dieses Überborden an meist ähnlichen Artikeln in den Verkaufsregalen, diese Überschwemmung mit organischen, synthetischen, natürlichen, künstlichen Waren stellt die KonsumentInnen immer und immer wieder vor die gleiche Frage: “Welchen Produkten kann ich bedenkenlos vertrauen, ohne Menschen, Lebewesen, Regenwald, Pflanzen, Ressourcen, Bodenschätze oder weiss der Teufel was noch zu gefährden?”

Kauf mich!” flüstern uns begehrlich die Artikel mit unsichtbaren Zungen in die mittlerweile tauben Ohren. Untermalt mit dem lautlosen Gesang toter Tiere, hinterlegt mit den endlos langen Listen trotz Artenschutzabkommen stündlich verschwindender pflanzlicher Organismen, erstickt unter den achtlos begrabenen Leichen, welche im Namen des Fortschritts dem Vorwärtskommen im Wege standen. Doch wir zollen diesen Tribut gerne, denn der Wahnsinn hat eben seinen Preis.

Ströme von Blut spülen unsere anfänglichen Bedenken leise mit sich fort. Aus den Lautsprechern wird das Sickern gekonnt durch die Werbeversprechen wohltönender Frauenstimmen und volltönender Männerbässe übermalt. Bomben pfeifen durch die Luft, doch die zeternden Kinderstimmen der Wohlstandsgesellschaft betteln lauter als die Granaten fallen. Baumstämme fallen Stück für Stück, doch die Geräusche knisternder Geldscheine machen diesen ohrenbetäubenden Lärm mehr als wett. Doch wir zücken unsere Geldbörsen gerne, denn der Terror hat eben seinen Preis.

Ein Video mit dem Titel “The Price of Consumption“ der Userin/des Users (?) vftr, eingestellt auf Portland Independent Media Center, hat sich mit eben diesem Thema befasst. In teils sehr drastischen und für manchereins auch schockierenden Bildern wird entlarvt, was eigentlich alle schon wissen. Der Preis ist hoch, welcher von uns für unser täglich Stückchen Konsumglück zu bezahlen ist. Wer bedenkenlos konsumiert, hat wohl in vielen Fällen auch die damit verbundenen Konsequenzen vor Augen. Doch der Verdrängungswettbewerb ist glücklicherweise genauso erfolgreich in unsere heile Konsumwelt eingezogen wie unsere Fähigkeit, diese Bilder und Folgen aus unserem Gedächtnis zu verdrängen. Doch wir sind schließlich Meister der Verdrängung, denn Glück hat eben seinen Preis.

Aber möglicherweise müssen wir immer und immer wieder durch solche Bilder an jene Seiten bedenkenloser Konsumismus erinnert werden. Wir wollen nur wahrhaben, was wir mit eigenen Augen sehen können. Doch andererseits möchten wir nur sehen, was uns als bequem und bedenkenlos erscheint. Wir wälzen uns im Dreck, ohne uns schmutzig machen zu wollen. Porentiefe Reinheit ist käuflich. Wir suhlen uns in der Konsumkloake, ohne stinken zu wollen. Das Parfüm ist mehr als ein Buch mit sieben Siegeln. Wir stecken bis zum Hals im käuflichen Dreck. Doch die Glitzerwelt macht diesen Dreck strahlend. Wir fressen uns Tag für Tag durch die Eingeweide der Industriegesellschaft. Doch Fastfood nährt uns von innen.

Der Film ist möglicherweise nicht für empfindsame Gemüter geeignet und im Sinne des Jugendschutzes soll vorab auch gleich gewarnt werden, dem liebevoll gehegten Nachwuchs die Freude am Konsumrausch durch solche Aufnahmen zu verderben. Doch wer sich heutzutage das angebotene Fernsehprogramm und die Videospiele für die Minderjährigen ansieht, wird sowieso wissen, dass solche Warnungen im allgemeinen ad eins ins Leere laufen und ad zwei sicherlich nur noch die wenigsten Kinder schocken können.          

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