Dinosaurier des Jahres: Menschliche Fossilien


Die Paläontologen vom NABU haben RWE-Boss Jürgen Großmann ausgegraben

Ich selbst wusste es auch nicht. Schande über mich und mein ungesundes Halb- und noch gesünderes Nichtwissen. Ich bin ein ignorantes Fossil der Trophäenjäger, eine menschgewordene Versteinerung der Auszeichnungssammler, ein inferiorer Knochenfund der jagenden UND sammelnden Preis-Großverdiener. Und ich bin vollkommen ahnungslos. Ich schreibe leichtfertig über Guerilla-Aktionen, welche die Wirklichkeit abzubilden versuchen, doch selbst geht eben jene Realität sang-, klang- und vor allem grußlos an mir vorüber.

Das gibt es doch tatsächlich seit dem Jahr 1993, also quasi seit kurz nach der Kreidezeit, einen Umweltpreis mit dem hoffnungsfrohen Namen „Dinosaurier des Jahres“ und ich weiss nichts davon. Möglicherweise nicht gerade das, was ich mir gemeinhin unter einer neuzeitlichen Ehrenauszeichnung mit paläontologischen Wurzeln und für prähistorisches Denken vorstelle, aber immerhin handelt es sich trotz alledem um einen Preis. Ich bitte Sie aber, diese Dinos nicht mit jenen Dinos zu verwechseln, welche laut Anhängerschaft des Kreationismus sogar noch auf der Arche Noah in die Riemen griffen und der Sintflut davonruderten.

Und weil Ehre, wem Ehre gebührt, keine leere Floskel ist, hat sich der Naturschutzbund Deutschland eben in diesem Fall verpflichtet gefühlt, dem RWE-Chef Dr. Jürgen Großmann den Knochen hinzuwerfen oder besser geschrieben den Dinosaurier zu überreichen. Das war zwar schon, wie es der Preis so treffend umschreibt, Ende des Jahres 2010, aber bis Paul Bögle von seinem Baum heruntergeklettert ist, ein sehr guter Anlass für das Jahr der Wälder übrigens, dauert es dementsprechend seine (Stein)Zeit.

„RWE, richtig, da war doch was„, werden Sie jetzt denkenderweise vor sich hin sinnieren und grüblerisch vor sich her denken. „Ja, genau, das ist die sogenannte atomare DÖF“ kann ich Ihnen darauf unbedachterweise antworten, ohne viel darüber nachzudenken. Die Deutsch Österreichische Freundschaft der Atomlobbyisten oder eben kurz DÖF. Ich weiss, es gab zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle auch einmal ein Projekt namens Deutsch Österreichisches Feingefühl oder eben auch DÖF mit dem genialen Song über Codo, welcher im Sauseschritt durchs All düst und gegen den Herrn des Hasses rebelliert. Aber nein, in diesem Fall dann doch eher die Deutsch Österreichische Freundschaft von Herrn Dr. Großmann und dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel. Richtig, jene Herren, welche seit Cordoba oder so kurz danach im Sekundentakt ihre Atomuhren abgleichen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben.

Jetzt klingelt es? Genau, die Bundeshauptstadt der Energie namens Grevenbroich oder die tickenden und sündhaft teuren österreichischen RWE-Uhren im Atomzeitalter am Handgelenk des ehemaligen Bundeskanzler der Republik Österreich. So nebenbei. Schade, dass der NABU nur einen Dino pro Kreidezeit vergibt, denn verdient hätten ihn sich nach meinem Dafürhalten viele. Aber gut, wir wollen nicht gierig sein, schließlich muss solch ein prähistorisches Ungetüm erstmal gefunden werden. Also nicht die PreisträgerInnen, sondern eben der zu den PreisträgerInnen zu tragende Preis.

So, jetzt habe ich eigentlich alles geschrieben, was es zu sagen gibt. Außer natürlich den Grund, Herrn Großmann diesen negativen Umweltpreis zu überreichen. Sicher. dafür gibt es Gründe genug. Aber ein ganz bestimmter war es in diesem Falle dann doch.Aus reinem Machtkalkül und Profitstreben wird an einer Risikotechnologie festgehalten und gleichzeitig der notwendige Aus- und Umbau einer umweltfreundlichen Energieversorgung in Deutschland ausgebremst.“ („Dinosaurier des Jahres“ für RWE-Chef Großmann).

Mal sehen, wen NABU-Präsident Olaf Tschimpke nächstes Jahr für die Übergabe ausgräbt. Wäre sebstverständlich schön, wenn bis dahin RWE und Herr Großmann über den Dinosaurier 2010 ein kleines bisschen grübeln würden. Oder vielleicht sogar nachdenken. Sinnieren wäre ebenso von Vorteil. Und Handeln erst.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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