Guerilla-Aktionen: Abbildung der Wirklichkeit
Design als politisches Stilmittel oder ![]()
Dass der Mensch eigentlich ein politisches Wesen ist, haben uns schon die griechischen Stadtstaaten mit ihrer Institutionalisierung der Poleis (Plural von Polis) bewiesen. Aus
der Notwendigkeit heraus, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen regierender Aristokratie und regierten Bürgern zu schließen, standen letztendlich Verfassungen, welche das Recht auf aktives und passives Wahlrecht, die Wahrnehmung politischer Ämter oder der Mehrheitsentscheid in der Ekklesia (Volksversammlung) garantierten. Dass politische Verwaltung und die Möglichkeit, dementsprechende Funktionen und Positionen den freien männlichen Bürgern dabei vorbehalten war, lassen wir jetzt einmal außen vor, da es ansonsten den Zweck und Sinn dieses Beitrages ein weiteres Mal archaisch sprengen würde und ich mich beileibe nicht als Tyrann meines kleinen virtuellen Stadtstaates “Weblog Bio Natur“ aufspielen möchte.
Passend zur Vorstellung des RecyclingDesignpreises 2012 und meiner dilettantischen Performance von Paul Bögle: Guerilla Gardening für Anfänger bleibe ich doch gleich meiner eingeschlagenen Linie treu und führe das Thema Design auf politischer und gesellschaftlicher Ebene fort. Natürlich bezugnehmend auf die Fragestellung Was wäre wenn grüne.de? in sehr indirekter Weise und mit fremden Augen und Zungen. Die drei angehenden Grafik-Designer Felix Beirau, Benjamin Scholz und Daniel Hobein wollen mit selbst gestalteten sogenannten Guerilla-Aktionen das politische Bewusstsein der/des in letzter Zeit so oft gehörten oder leider durch die neuzeitlichen politischen EntscheidungsträgerInnen ungehörten Wutbürgerin/Wutbürgers etwas auffrischen.
Das Trio möchte mit seinen Guerilla-Aktionen neue Wege gehen, um das nach ihrem Verständnis eingeschlafene Aktivsein und aktive Auseinandersetzen der Menschen mit grünen Themen, Atompolitik, sozialer Verantwortung und nachhaltigen Lebensstil durch unkonventionelle visuelle Ansätze und visualisierte Projekte abseits der üblichen Normen wieder zu pushen. Ein Sammelsurium an Ideen und Materialien, ein Umsetzen, Gestalten und Neuformen von subjektiver sowie objektiver Betrachtung, die Suche nach zeitgemäßen Wegen, mithilfe dieser visuellen Konfrontation die BetrachterInnen zum entsprechenden Thema hinzuführen und sich vor allem auch damit auseinanderzusetzen.
Stilmittel in Form von Feldberichten (Felix
Beirau), Plakatserien von Daniel Hobein und Ambient Media von Benjamin Scholz laden dazu ein, sich selbst auf kritische Weise mit jenen Themen unserer neuen Welt zu beschäftigen, welche für manche (viele?) Missstände auf dem Planeten Erde verantwortlich zeichnen. Die Idee ist sicherlich nicht so neu wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Gewisse Adbusting-Kampagnen erinnern, wenngleich durch eine differenzierte Herangehensweise, doch in ähnlicher Weise an die Aussagekraft jener visuellen Botschaften.
Aber, und hier liegt für mich der grösste Unterschied begründet, das Dreigespann nutzt wesentlich drastischer die Bandbreite der Hilfsmittel und gestalterischen Elemente aus und arbeitet dementsprechend auch mit wesentlich härterer Optik (ausgenommen die sehr kompromisslose Adbusting-Kampagne gegen den Kitkat-Schokoriegel unter dem Link etwas weiter oben). Doch angesichts der damit verbundenen Botschaften ein durchaus legitimes Vorgehen.



