RecyclingDesignpreis: Mist, ich mach mit!
Kreative Mülltrennung oder schöpferische Müllverwertung?
Also, nach den letzten Beiträgen über den WWF und sein in Mitleidenschaft gezogenes und über alle Maßen missbrauchtes Maskottchen “Schweig still, Panda!” im Sinne eines engmaschigen Netzes aus Wirtschaft, Politik und eines vollkommen außer Kontrolle geratenen Umweltschutzes reiht sich der heutige Beitrag nahtlos in die einmal begonnene Bandbreite über Mist, Müll, Unrat und Abfall auf allerhöchstem Niveau. Aber auf meinen Slogan “Mist, ich mach mit!” im Zusammenhang mit dem ausgerufenen RecyclingDesignpreis bin ich mächtig stolz. So viel Imperativ mit so wenigen Worten gelingt mir selten.
Aber um auf den grünen Punkt zu kommen. Der auch mir bis zum jetzigen Zeitpunkt unbekannte “Arbeitskreis Recycling e.V./ RecyclingBörse!” ruft bereits zum fünften Mal eben jenen Preis zum Thema “Nutzloses nutzbar machen” aus. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Eine altbekannte und nicht aus der Bio-Tonne, der Müllverbrennungsanlage und wohl auch nicht von der Hand zu weisende Tatsache, wie uns die stetig wachsenden Müllberge tagtäglich beweisen. Deshalb sind nun DesignerInnen, GestalterInnen und, um die Gesamtheit einzubeziehen, Kreative mit professioneller oder semiprofessioneller (dies zu interpretieren überlasse ich Ihnen) Ausbildung eingeladen, die eigenen Arbeiten und Werke bis zum 31. Oktober 2011 einzureichen.
Die TeilnehmerInnen zum RecyclingDesignpreis 2012 stehen dabei vor der Aufgabe, aus Abfall (auch hier überlasse ich Ihnen den Interpretationsspielraum) bzw. aus Produktionsrückständen handwerklicher oder industrieller Betriebe einen neuen Wertschöpfungsprozess in Gang zu setzen. Diese Transformation von wertlosen Dingen in neue redesignte Gegenstände, welche entweder wirtschaftlich genutzt werden können oder einfach nur durch die wiedergewonnene Sinnhaftigkeit in künstlerischer Hinsicht zu neuem Leben erweckt werden bzw. eine sozial verträgliche (eigentlich ein unschönes Wortspiel) Komponente erfüllen, gilt es dabei zu erfüllen. Lassen Sie mich bei nochmaliger Überlegung dieses euphemistische und politisch floskelhafte ”sozial verträglich” in sozial nutzbar ändern, wie es auch der Beschreibungstext des RecyclingDesignpreis 2012 verwendet. Ist zwar nicht sehr einfallsreich von mir, aber manchmal muss auch ich einen Konsens eingehen.
Wer sich also dazu berufen fühlt, achtlos oder bewusst Weggeworfenes, welches im Regelfall zu keiner Weiterverwendung bestimmt ist, als recyclebarem Phoenix aus der müllgetrennten Asche des konsumierten Vergessens zu verhelfen, sollte sich mit dem Gedanken befassen, in nächster Zeit mit beiden oder noch mehr helfenden Händen im fleischgewordenen Konsumterror unserer Gesellschaft zu graben, um sich die besten Filetstücke und Relikte unserer gesellschaftlichen Zwangsneurosen zu sichern, um daraus neue Formen, Gegenstände oder warum nicht auch Skulpturen zu entwickeln.
Oder, um nun noch einmal einen Bezug zum Originaltext, welchen Sie sich aber sowieso bei Interesse durchlesen sollten, herzustellen: “Das Spektrum gefragter Entwicklungen reicht von Deko-Artikeln über Möbel und Kleidung/Textilien bis Accessoires. Es gilt, den “verborgenen Sinn weggeworfener Dinge” zu entdecken und nutzbar zu machen.”
So, ich denke, dass ich Sie wieder einmal bestens mit meinem verbalen Unrat unterhalten habe und steige dementsprechend wieder in die eigenen Niederungen meines träge dahinfließenden Styx voller Einwegprodukte hinab, um dort auf den jüngsten Tag meiner räumlichen und seelischen Mülltrennung zu warten. Und um mir die Zeit bis dahin etwas zu verkürzen, werde ich mit dem Zerberus namens Konsumwahnsinn ein kleines Tänzchen wagen. Entweder er tritt mir auf die Zehen oder ich kauf mir gleich neue Schuhe. Meine alten sind doch immerhin schon drei Wochen alt. Und von Ferne höre ich verlockend und süß die Posaunen von Jericho ihr ewiges Hohelied “Komm und kauf mich!” blasen. Auf dass die dicken Mauern der heiligen Konsumtempel nicht am siebten Tage einstürzen, sondern besser noch alle sieben Tage der Woche ganz im Gegenteil ihre Pforten öffnen mögen. Oder so ähnlich eben.



