Mundräuber im Netz: Soziale Gefräßigkeit pur 3



Mundraub: Plattform für Obstallmende. Freie Fundstellen von Obst und Gemüse zur freien Ernte.Obstallmende: Obst und Gemüse zur freien Entnahme

Es passt zu meinem gestrigen Artikel über die Gentechnik-Krake Monsanto mit ihren „Roundup„-Abräumern, „Agent Orange„-Aufräumern und transgenen Maiskolben-Wegräumern wie die grüne Faust auf das gentechnisch manipulierte Auge.

Ich war ja der Meinung, eigentlich so ziemlich alles im virtuellen Netz namens Internet gesehen zu haben und dementsprechend mit sämtlichen virtuellen Wassern gewaschen zu sein. Aber glücklicherweise gibt es Tage, da sitze ich, nachdenklich einen Apfel kauend oder symbolisch Kirschen aus Nachbars Garten pflückend, vor meinem heiligen Blechtrottel oder umgangssprachlich auch Computer genannt, vergesse vor lauter Lesen das Kauen und notwendige Hinunterschlucken und bin ganz hin und selten gleich wieder weg.Mundraub.org: Moderner Mundraub im Dienste der Gemeinschaft. Gefahrlos, vollkommen legal und unentgeltlich.

Der Terminus „Allmende“ kommt, sofern ich mir die richtige Definition herausgepickt habe, aus dem Mittelhochdeutschen und steht für Allgemeingut, welches etwa in Form einer Dorfwiese oder eines Waldstücks allen gemein ist. Also Grundeigentum einer Allgemeinheit, auf deren Nutzung jede(r) Angehörige der Gemeinschaft Anspruch erheben darf. Und genau diesem Prinzip folgen die MacherInnen von „Mundraub.org„. Vergessene Obstbäume, Gemüsebeete oder Beerensträucher, welche damen- und herrenlos im öffentlichen Raum vor sich hin dümpeln, ohne dass die kostbaren und gesunden Früchte von irgendjemandem abgeerntet werden. Und so haben die MacherInnen und modernen MundräuberInnen auf geradezu bezaubernde und wunderbare Art mit ihrer Initiative eine Art virtuelles Erntedankfest geschaffen. Ich wäre sogar versucht zu sagen, es handelt sich um WegelagerInnen des Internets, wäre dieser Begriff nicht meist negativ besetzt, aber so belasse ich es eben beim Mundraub der besonders feinen Art.

Machen wir es doch kurz und bündig. Der folgende Screenshot der Plattform „Mundraub.org“ sagt eigentlich ebenso kurz und bündig aus, welche Zielsetzungen verfolgt werden. Kartographierte „Futterstellen“ oder freies Obst für freie BürgerInnen in Form einer interaktiven Karte, welche einerseits den hungrigen Menschen unter uns die Möglichkeit bietet, regionale Fundstellen oder eben besitzlose Obstbäume und Beerensträucher aufzufinden und andererseits aber besonders von jenen findigen Menschen lebt, welche bereit sind, ihre geheimen Futterplätze oder neu entdeckten natürlichen Obstquellen der Allgemeinheit zu Verfügung zu stellen, damit die Gemeinschaft an dieser Art Obstallmende in ihrer Gesamtheit partizipieren kann.

Die eigenen Ziele und Intentionen der Plattform „Mundraub.org“ werden dabei als Erinnerung von in Vergessenheit geratener Früchte der Kulturlandschaft im öffentlichen Raum definiert, um diesen eine neue Wertigkeit zu verleihen und wieder in unser Bewusstsein und Wahrnehmungsempfinden zu rücken. Und letztendlich soll dies dazu beitragen, das Obst wieder Teil unserer Kulturlandschaft werden zu lassen und die mehr und mehr schwindende Biodiversität zu erhalten und zu fördern.

Als Mann der Gaumenfreuden sage ich im Gedenken an das Jahr 1973, welches ich oftmals im Garten meiner Großeltern unter schattigen Marillenbäumen (österreichisch für Aprikose), ausladenden Zwetschgenbäumen und schwer tragenden Kirschenbäumen verbringen durfte: Das große Fressen kann beginnen! Und damit auch zukünftig so bleibt, wäre es wunderbar, dieser Plattform etwas an Bekanntheitsgrad zu verschaffen. Also machen Sie es wie ich und schreiben Sie doch einen kurzen Artikel über „Mundraub.org„. Gerne auch mit vollem Mund. Manche Projekte im Netz sind einfach zu nützlich, als dass sie wieder in der Versenkung oder in diesem Falle im virtuellen Erdreich verschwinden sollten.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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3 Gedanken zu “Mundräuber im Netz: Soziale Gefräßigkeit pur

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Ich bin eigentlich über mich selbst etwas beschämt. Wenn ich mir unser schönes Wien auf der Karte der Fundorte ansehe, weiss ich eigentlich erst jetzt, dass nicht nur Äpfel oder Birnen mitten in der Stadt für jederfrau und jedermann über unseren Köpfen wachsen und dort nur auf jene wissenden Hände warten, welche sich ihrer bedienen. Maulbeeren, Kirschen, Quitten, Kirschpflaumen, Kornelkirschen, ja sogar Felsenbirnen und Zwetschgen wachsen und gedeihen vollkommen kostenlos. Ich werde mir jetzt einmal die Mühe machen, was letztendlich keine grosse Mühe ist, und einige soziale Netzwerke und Hilfsorganisationen anschreiben, denn ich glaube, dass dies sicherlich eine „gewinnbringende“ Art der Propaganda ist.
    So sende ich ganz liebe Grüsse aus dem österreichischen Garten Eden der Neuzeit (zumindest in einigen Bereichen).
    Paul