Roundup: Finanzspritze oder Giftspritze?


Finanzielle Hilfe für Griechenland oder Gift von Monsanto

In Zeiten wie diesen lese ich tagtäglich über das finanzielle Desaster Griechenlands. Als sogenanntes Roundup tüfteln FinanzexpertInnen, Banken, Regierungen und wer sonst noch Geld zu verlieren hat oder zukünftig als monetärer Kriegsgewinnler dastehen möchte am ultimativen und ständig erneuerungsbedürftigen hellenistischen Rettungsplan. Der Kollaps der Heimat von Platon, Sokrates oder Heraklit beherrscht die Schlagzeilen, die Medien überschlagen sich mit immer wieder neuen Horrormeldungen, die Ängste der Menschen werden Tag für Tag aufs Neue geschürt, im gleichen Atemzug Geldpakete geschnürt und unisono kommen alle zu jenem unvermeidlichen Schluss: Der hellenistische Zug ist nicht nur abgefahren, sondern richtiggehend entgleist.

Nun ja, eine schlimme Sache, keine Frage. Oder in Anlehnung eines schönen Satzes aus Asinaria, der Eselskomödie des römischen Dichters Plautus: „Pecunia est homo homini.“ Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf, sondern eben des Menschen Geld. Wobei ich hier das Zitat nicht nur verändert, sondern auch noch verkürzt wiedergebe und die Gelegenheit nutzen möchte, die immer wieder fälschlicherweise angeführte Quelle des „Leviathan“ des englischen Philosophen Thomas Hobbes in diesem Zusammenhang schleunigst zu vergessen. Aber nun genug der Philosophie der Neuzeit, der Komödie der Zeit vor der Neuzeit und der Philosophen der Zeit vor der Zeit vor der Neuzeit.

Wenn ich das Wort „Roundup“ (Link gibt’s in diesem Falle keinen, ich bin doch auf gut Wienerisch nicht „deppert„) höre, lese oder in sonstigem Zusammenhang finde, denke ich weniger an Finanzspritzen für Griechenland, sondern unwillkürlich an Giftspritzen aus dem Hause der Herbizid-Krake und des Gentechnikkonzerns Monsanto, welchen ich schon desöfteren auf meinem Blog verewigt habe. Vorab eines: Ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass ich gegen einen Konzern, welcher durch gentechnisch verändertes Saatgut, transgenen Mais (sehr guter Artikel dazu: Friendly Fire gegen die Völker des Maises oder im spanischen Original von Silvia Ribeiro in La Jornada: Fuego amigo contra los pueblos del maíz) oder eben ein Unkrautvernichtungsmittel namens „Roundup“ jährliche Milliardenumsätze im zweistelligen Bereich macht, in etwa so dastehe wie eine literarische Figur von Miguel de Cervantes auf seinem Pferd Rosinante saß.

Aber macht nichts, schließlich bleibt immer die Hoffnung, dass auch solch genverseuchten Windmühlen wie Monsanto irgendwann einmal die Luft ausgeht. Und so möchte ich also hier auf ein Neues die Gelegenheit nutzen, um mit den eigenen und vor allem fremden Flügeln gegen solche globalen Schädlinge ein paar wirklich sehr interessante und vielleicht auch zum Nachdenken anregende Links anführen. Dazu möglicherweise auch wissenswert und oftmals verschwiegen, dass Monsanto bereits im Vietnamkrieg eine tragende Rolle als Lieferant des berüchtigten Entlaubungsmittels „Agent Orange“ (siehe z.B. Günter Giesenfeld: Monsanto unter Druck. Der ehemalige Lieferant von Agent Orange hat viel Dreck m Stecken) spielte.

Etwa 35 Millionen Liter des Dioxins wurden über dem dichten Blätterdach des südvietnamesichen Dschungels versprüht, um die Vietcong des Nordvietnam dadurch aus ihren Verstecken zu treiben. Dass die amerikanische Regierung dabei keine Rücksicht auf die eigenen GIs und die mit ihnen verbündeten südvietnamesichen Soldaten nahm, dass die Menschen immer noch unter den Spätfolgen von „Agent Orange“ wie Fehlgeburten, Missbildungen, Nervenleiden oder Krebs leiden, stellte weder Kriegsmaschinerie noch Kriegsgewinnler vor große Probleme.

Die derzeitige Schadensersatzklage gegen Monsanto und den US-Chemiekonzern Dow Chemical mit einer Entschädigung der Opfer in Höhe von umgerechnet 50 Millionen Euro als „Späte Buße für Agent-Orange-Einsatz in Vietnam“ mag auf den ersten Blick als lobenswerte Wiedergutmachung an den Opfern erscheinen, doch bei den kolportierten Jahresumsätzen und einem Jahresgewinn 2010/2011 von einer Milliarde Dollar (Ministerium vertraut Konzernen: Monsanto darf sich selbst kontrollieren) wirken die Beträge eigentlich wie eine Verhöhnung der Betroffenen und ihrer Familien. Dass in die Berechnung die Missbildungen und Krankheiten der zukünftigen und bisher noch nicht geborenen Leidtragenden unberücksichtigt bleiben, wird wohl erst in Jahrzehnten in den Gerichten verhandelt werden. Vorausgesetzt natürlich, die Chemiekonzerne können sich nicht auf Verjährung oder andere juristische Kniffe berufen.

So, aber nun endlich jene ausgewählten Links, welche sich mit dem Monsanto-Konzern in geradezu „liebevoller“ Weise beschäftigen und deshalb auf jeden Fall einen Blick wert sind. Wobei ich noch anmerken darf, dass ich innerhalb des Artikels schon einige der Verlinkungen untergebracht habe und deshalb nicht mehr explizit anführe.

Aktuell: Am 28. Juni 2011 Akopol: Monsanto auf Deutsch – Seilschaften zwischen Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen. Vortrag und Diskussion in Flensburg (für Paul Bögle aus Wien natürlich aus verständlichen Gründen fast unerreichbar).

Monsanto – Mit Gift und Genen 2010: Dokumentation über das genmanipulierte Reich des Konzerns „Monsanto Chemical Works„. Ich hoffe, die Verlinkung zu dem Youtube-Video bleibt erhalten. Der Film wurde auch 2010 auf Arte gezeigt. Wäre schön, ihn wieder einmal zu sehen. Denn manchmal sind TV-Wiederholungen durchaus angebracht.

infosperber: Gen-Saatgut: Monsanto wälzt Haftung auf Käufer ab. Kleingedrucktes in den Lizenzverträgen zwischen den Bauern und Monsanto.

Und noch ein Womblog-Beitrag: Argentinien: Genmanipuliertes Saatgut: „Monsanto hat keinen Respekt vor dem Leben“. Politische und mediale Lobbyarbeit von Monsanto für den Anbau genmanipulierter Baumwolle.

Rote, Weiße, Grüne Gentechnik. Unterscheidungsmerkmale innerhalb der Anwendungsgebiete von Gentechnik.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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