Salzburg: Das Kino in der Mozartstadt


Wolfgang Amadeus hätte seine Freude

Das Kino Salzburg: Der atomare Wahnsinn. Filme zum Thema Atomkraft.Nein, nein, verehrte Leserschaft. Es ist hier weder von der Komposition Milch-Schnitte der Ferrero-Zampanos die Rede, für die es nun den Goldenen Dirigentenstab oder gemeinhin den Goldenen Windbeutel gab noch spreche ich von meiner grünen Lieblingspartei, welche im Moment eher selbst mit politischen Ver- und Entführungen aus dem Serail ohne entsprechenden Tiefgang zu kämpfen hat. 

Erinnern Sie sich noch an den leider viel zu früh verstorbenen Johann Hölzel? Nein, tun Sie nicht. Nun ja, möglicherweise liegt dies daran, dass er dem grössten Teil der Menschheit unter dem Namen „Falco“ besser bekannt war und sicherlich auch noch ist. Ich sehe, jetzt lichtet sich der Horizont. Und besagter Falco, bleiben wir bei seinem Künstlernamen, hatte es doch tatsächlich geschafft, als bisher einziger Künstler einen deutschsprachigen Song, wobei „deutschsprachig“ und „Song“ nicht gerade durch besondere Phantasie glänzt, also eben ein Lied, in den amerikanischen Single-Charts auf der Spitzenposition unterzubringen.

Im Jahre 1985 war es, als Falco selig die Welt mit seinem „Rock Me Amadeus“ verzückte und alle „Amadeus, Amadeus“ mitgrölten. Manche sagen, der echte, also in Österreich liebevoll und beileibe nicht despektierlich der „Woiferl“ genannt oder eben Wolfgang Amadeus Mozart hat sich irgendwann vor lauter Kummer im Grabe umgedreht. Sind natürlich alles nur Gerüchte, schließlich war kein Mensch dabei. Aber bleiben wir doch gleich im Jahr 1985. Was ereignete sich noch oder, um weiter im musikalischen Jargon zu bleiben, was spielte es denn sonst für Geschichten rund um Salzburg vor mehr als 25 Jahren.

Tschernobyl lag noch in den Geburtswehen, soviel kann ich Ihnen gleich jetzt schon sagen. Aber auch andere Dinge rund um den atomaren GAU der Zukunft waren am Köcheln, bevor sie überkochten. Die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf in der bayerischen Oberpfalz stand damals im Brennpunkt der Öffentlichkeit ( und spaltete so wie der letzendlich mit für den Baustopp der Wiederaufbereitungsanlage (WAA) im Jahr 1989 verantwortliche Super-GAU die Bundesrepublik Deutschland. Der sogenannte „WAAhnsinn von Wackersdorf“ forderte entlang der belagerten Bauzäune damals sogar Tote (Störfall Wackersdorf: Der WAAhsinn in der Oberpfalz oder auch Focus online: 25 Jahre Wackersdorf: Die Pfingstschlacht am Bauzaun).

Ich möchte nun nicht in der Vergangenheit graben, sondern vielmehr sanft ins benachbarte Salzburg überleiten, wo sich bereits zu dieser Zeit Filmemacher dem Thema Kernkraft stellten und sich mit filmischen Mitteln an die Öffentlichkeit wandten. Spaltprozesse: Wackersdorf 001 (1985/87), eine außergewöhnliche Dokumentation der beiden Regisseure Bertram Verhaag und Claus Strigel beschäftigte sich rund um die Ereignisse eines umweltpolitischen Schauplatzes, welcher sich zu einem ideologischen Kriegsschauplatz entwickelte. Eindringlich zeigen die beiden, wie sich friedliche und unter anderen Prämissen höchstwahrscheinlich „gesetzestreue“ Menschen unter dem Druck einer zu allem entschlossenen Regierung plötzlich selbst zu allem entschließen und das Heft in die Hand nehmen.

Das Kino Salzburg. Filmkulturzentrum der besonderen Art.Doch „Das Kino – Salzburger Filmkulturzentrum“ hat bis zum 01. Juli weit mehr zu bieten. In der Spezialreihe „Rund um den atomaren Wahnsinn“ knüpft „Das Kino“ jetzt nahtlos dort an, wo vor 30 Jahren schon die Spiegelbilder unserer Gesellschaft über die Leinwand flimmerten. Wer also vorhat, laut grölend und „Amadeus, Amadeus“ intonierend durch die enge Salzburger Getreidegasse zu defilieren, könnte ja für einen Moment innehalten und sich das Filmprogramm nur wenige Meter Luftlinie der berühmten Gasse ansehen. Einfach über die Staatsbrücke gehen und Sie stehen schon davor. Und wenn Sie Lust haben, können Sie ja für unseren „Woiferl“ auch einen Sitzplatz reservieren. Wer weiss, ob der grosse Komponist nicht auch Interesse für solch ein brennendes Thema hätte. Aber wenn nicht, befindet er sich möglicherweise gerade im trauten Zwiegespräch mit Falco. Lassen wir die beiden Herren also doch ruhen und ruhen selbst nicht eher, bis das letzte Atomkraftwerk endlich von diesem wunderschönen Planeten Erde verschwunden ist.       


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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