Milch-Schnitte, die sportlich leichte Werbelüge



Ferrero, nach Zott und Danone der neue Windbeutel des Jahres

Milch-Schnitte von Ferrero erhält Goldenen Windbeutel des Jahres 2011.43,5 Prozent der VerbraucherInnen können nicht irren. 51 000 von insgesamt fast 120 000 konsumkritischen Menschen waren bei der Wahl zum „Goldenen Windbeutel des Jahres“ der Meinung, dass die Milch-Schnitte der Firma Ferrero ein würdiger Nachfolger des Monte Drink von Zott sei. Aus dem Einheitsbrei dreister Werbelügen wurde jetzt der absolute Topfen (österreichisch für Quark) 2011 gerührt und dementsprechend von abgespeist.de und Foodwatch gekürt. So dürfen sich also die Damen und Herren von Ferrero genauso über einen Preis freuen, welchen keiner will wie die KonsumentInnen über eine Marke, die in dieser Form auch niemand möchte.

Ich bin zwar persönlich der Meinung, dass auch die Nimm 2-Bonbons der Firma Storck und mein heimlicher Favorit, der Activia Joghurt von Danone, durchaus würdige Preisträger gewesen wären, doch die „sportlich-leichte Zwischenmahlzeit“ mit einem Zucker- und Fettgehalt von 60 Prozent liegt voll im Trend dreister Werbelügen und Verbrauchertäuschung und hat sich den Sieg sicherlich genauso verdient.

Naturgemäß sieht der Hersteller dies etwas anders und versteht die (Werbe)Welt nicht mehr. Schließlich widerspreche der Konsum einer Milch-Schnitte prinzipiell nicht einem „ausgewogenen, sportlichen Lebensstil„, wie Ferrero zu erklären versucht. Die Eltern von bereits 15 Prozent übergewichtigen Kindern in Deutschland mögen dieser Argumentation wohl kaum folgen können, doch wer sich Sportler als Werbepartner ins konzerneigene Boot holt, welche im Dienste der Milch-Schnitte zum Ausdruck bringen sollen, „dass Ernährung und Bewegung zusammen gehören„, steht natürlich über den Dingen.

Und „Foodwatch“-Geschäftsführer Thilo Bode nimmt die Wahl auch gleich zum Anlass, in einem dapd-Interview mit dem Werbepartner DFB ins Gericht zu ziehen.

dapd: „Ferrero hat noch andere „süße“ Produkte wie Nutella, für die auch unter anderem DFB-Fußballer werben. Wie sehen Sie das?

Bode: „Das ist hochproblematisch. Der DFB ist ein gemeinnütziger Verband, eine Institution, die das Gemeinwohl fördern soll. Wenn der DFB sich eng mit Firmen der Lebensmittelindustrie verbindet, dafür Geld bekommt und die Firmen im Gegenzug den guten Namen des größten Sportverbandes der Welt und seiner äußerst populären Spitzensportler nutzen können, um ihre als harmlose Zwischenmahlzeiten getarnten Dickmacher unters Volk zu bringen, ist das ein inakzeptabler Zustand. Dazu muss sich der DFB mal öffentlich äußern. Das kann nicht angehen, dass man alles für Geld macht und die Jugend- und Sportförderung davon abhängig gemacht wird, wie viel Geld Privatkonzerne geben. Es gehört schließlich zu den in der Satzung des DFB festgeschriebenen gemeinnützigen Aufgaben, eine gesunde Ernährung präventiv zu fördern.“

Dass die beiden nominierten Kandidaten Storck und Stockmeyer (Ferdi Fuchs Mini-Würstchen”) den InitiatorInnen bereits im Vorfeld per Fax untersagten, am Tag der Preisverleihung das firmeneigene Gelände zu betreten bzw. Kontakt mit den Unternehmen aufzunehmen, macht allerdings deutlich, wie ernst die betroffene Firmen mittlerweile die befürchteten Negativschlagzeilen nehmen. Andererseits zeigt es aber auch, dass in vielen Fällen immer noch keine Kooperation in Form von Diskussionsbereitschaft zu erwarten ist, weil sich die eigenen Werbelügen schwerlich durch überzeugende Gegenargumente entkräften lassen.

Und noch etwas wird deutlich. Nahmen 2009 bei der ersten Wahl zum Goldenen Windbeutel an die 35 000 VerbraucherInnen teil, hat sich diese Zahl nun verdreifacht. Die Fokussierung der Menschen auf Produkte, welche durch Werbemaßnahmen a la Milch-Schnitte im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen, wird also durch solche Proteste von Jahr zu Jahr größer. Dass die Veranstalter dabei mit keinen rechtlichen Schritten der an den Pranger gestellten Unternehmen zu kämpfen haben, hat einen guten Grund. Was behauptet wird, beruht auf Tatsachen. Bis auf jene unrühmliche Tatsache, dass Ferrero die Annahme des Goldenen Windbeutels verweigert hat. Aber dies wird sicherlich auch gute Gründe haben.      


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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