Die grüne Partei, der neue Einheitsbrei?



Die seltsamen Methoden der Grünen

Paul Bögle bittet: Die Grünen müssen wieder Herz zeigen!Dass ich bei der Ausübung meines demokratischen Wahlrechts den „Grünen“ meine Stimme gebe, dürfte kaum überraschend sein. Doch wenn ich mir im Moment die Ideen und Pläne, die politischen Annäherungen zu anderen Großparteien im deutschsprachigen Raum oder die Zukunftsvisionen mancher Parteimitglieder der obersten Ebene anschaue, durchlese und im Nachhinein wohl auch darüber reflektiere, könnte sich dies in Zukunft doch ändern. Keine Angst, es wird sich nicht ändern, aber darüber nachdenken darf Herr Paul Bögle schon. Denn derzeit unterscheiden sich die Grünen für meinen Geschmack ganz gehörig von jenen Freunden der Erde, welchen ich meine besten Glückwünsche entgegengebracht hatte. 

Ich habe mich in der jüngsten Vergangenheit über zweierlei Dinge ganz besonders gefreut. Zum einen, dass in der Bundesrepublik Deutschland im schönen Schwabenland endlich die politische Kruste der alteingesessenen Parteien zu bröckeln begann und der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Geschicke in Baden-Württemberg leitet. Und, wenn wundert’s! Wien hat endlich und zum ersten Male in der Geschichte der kleinen Alpenrepublik eine rot-grüne Landesregierung und stellt mit Maria Vassilakou auch die Vize-Bürgermeisterin. Doch nicht genug damit, haben sich die Grünen auch das umweltpolitisch so wichtige Ressort Verkehr, Stadtplanung, Klimaschutz und Energie unter den grünen Nagel gerissen.

Jetzt wird alles besser„, dachte ich aufgrund dieser politischen Entwicklungen damals und denke es eigentlich immer noch. Doch auch bei mir hat sich mittlerweile ein gewisses Maß an nüchternem Pragmatismus, verbunden mit einem leichten Aufschlagen auf dem harten Boden der Realität, eingestellt. Wiewohl ich dieses auch bei jenen sehe, welche von der Wählerschaft aufgefordert wurden, die Geschicke im Sinne einer ökologisch verantwortungsvollen und den so oft propagierten parteipolitischen Grundsätzen verpflichteten Denkweise zu lenken.

Keine Frage: Sowohl die deutschen als auch die österreichischen Grünen haben (leider) durch Fukushima und der anschließenden Kernfrage um die Atomkraft stark partipiziert und sicherlich einige WählerInnen auf ihre Seite bringen können. Doch wenn ich mir im Moment den deutschen Kurs weg von Atom und hin zu erneuerbarer Energie anschaue, muss ich mir leider eingestehen, dass Kanzlerin Angela Merkel hier fest das Heft in ihrer Hand hält und eigentlich die treibende Kraft ist. Und Frau Merkel ist, zumindest liegt die Vermutung nahe, kein Parteimitglied der grünen Partei.

Wenn ich weiterhin die neu entfachte Diskussion um den im Schwabenland in Planung befindlichen Bahnhof Stuttgart 21 verfolge, so stellt sich für mich die Frage, weshalb eigentlich die dortige werkelnde rot-grüne Landesregierung um den grünen Verkehrsminister Winfried Herrmann keine Verlängerung des Baustopps beantragt hat. Ganz im Gegenteil: Eine neuerliche Sitzblockade, welche von GegnerInnen des Projektes initiiert wurde, wurde von der Polizei geräumt. Dies lässt fatalerweise den Schluss zu, dass auch Grün diese GegnerInnen von Stuttgart 21 im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg räumen möchte. Sieht so das neue grüne Denken und Handeln aus?

Dazu nebenbei noch eine andere Sache. Wenn der Parteivorsitzende Cem Özdemir über die Neue Presse Hannover dem Bahn-Chef Rüdiger Grube mit auf den Weg gibt: „Herr Grube sollte sich auf seinen Job konzentrieren. Er hat genug damit zu tun, dafür zu sorgen, dass die Bahn pünktlich ist, die Klimaanlage im Sommer funktioniert und die Bahn auch in der Fläche halbwegs anständigen Service liefert.“, wäre vielleicht zu überdenken, ob solch ein klimatischer Luxus wie Klimaanlagen mit ihrem immer noch horriblen Stromverbrauch wirklich zu den primären Problemen einer umweltpolitisch vernunftbegabten Ausrichtung zählen sollten.

Österreich wiederum hat mit derzeit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Zumindest versuchen uns dies die beiden Grünen-Politikerinnen Eva Glawischnig und Maria Vassilakou einzureden. Die Demontage der Zigarettenautomaten im Sinne des Jugendschutzes erinnert stark an die Zeiten, als Amerika mit dem 18. Zusatzartikel zur Prohibition von 1919 bis 1933 die Herstellung, den Transport und den Verkauf von Alkohol untersagte. Wenn sich Grün jetzt auf solch ein neuerliches „noble experiment“ a la staatlich verordnete Enthaltsamkeit einschießt, können einem schon solch sündige Gedanken wie „Öko-Diktatur“ oder „SpießbürgerInnentum“ durch die Raucherlunge und die letzten liberalen Gehirnzellen schießen. Missionarischer Eifer in allen Ehren, aber nicht nur GrünwählerInnen haben ein Recht auf einen öffentlichen Raum, in welchem sie sich wohlfühlen sollten.

War früher die typische Radfahrerin und der Pedalritter mit Birkenstock die Stammwählerschaft in persona, so könnte auch dies sich bald zum Nachteil der grünen Bewegung ändern. Vize-Bürgermeisterin Vassilakou überlegt die Einführung von Nummerntafeln für Fahrräder. Denn es ist Gefahr im Verzug. Zumindest wittert die Wiener Grünen-Chefin dies. Nur noch Rowdys auf zwei Rädern auf Wiens Strassen. Auf Speichen dahinfahrende und zu allem entschlossene Frauen und rücksichtslos jede noch so kleine Lücke ausnutzende männliche Rüpel, welche bis an die Zähne bewaffnet sich ihren Weg durch den urbanen Dschungel der Großstadt freitreten. Wo denn sonst, wenn es keine Radwege gibt? (Siehe dazu meine beiden Artikel „Nicht das Rad neu erfunden. Einfach ausbauen“ und „Hoch zu Ross auf dem Drahtesel„).

Ein Knigge soll jetzt her. Sozusagen ein Anstandswauwau für all jene, welche ohne reglementierten und staatlich sanktionierten Beiss- oder besser Fahradkorb die Spur nicht halten können. Ich war bisher der Meinung, dass die FPÖ rund um Herrn HC Strache für das Schaffen von Feindbildern zuständig ist. Aber scheinbar haben die Grünen dies- und jenseits der Grenzen ganz schön dazugelernt.

Also, meine vergangene, gegenwärtige und sicherlich auch zukünftige Lieblingspartei. Alles schön und gut mit Konformität, Regelwerk und Ge- sowie Verbotstafeln. Aber ein bisschen Nonkonformität, Anarchodenken und Eigenverantwortlichkeit muss schon noch sein. Die grüne Szene lebt schließlich auch und vielfach noch durch dieses Statement des Anderssein. So, und jetzt werde ich erst mal eine rauchen.      


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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