Konsum: Wahnsinn, Terror und zu zahlender Preis



The Price of Consumption: Wenn Genuss außer Kontrolle gerät

Immer mehr Menschen stehen tagtäglich vor der Entscheidung, sich für oder gegen den Überfluss oftmals überflüssiger Gebrauchs-, Verbrauchs- und Luxusgüter in einer Überflussgesellschaft zu stemmen. Dieses Überborden an meist ähnlichen Artikeln in den Verkaufsregalen, diese Überschwemmung mit organischen, synthetischen, natürlichen, künstlichen Waren stellt die KonsumentInnen immer und immer wieder vor die gleiche Frage: „Welchen Produkten kann ich bedenkenlos vertrauen, ohne Menschen, Lebewesen, Regenwald, Pflanzen, Ressourcen, Bodenschätze oder weiss der Teufel was noch zu gefährden?“

Kauf mich!“ flüstern uns begehrlich die Artikel mit unsichtbaren Zungen in die mittlerweile tauben Ohren. Untermalt mit dem lautlosen Gesang toter Tiere, hinterlegt mit den endlos langen Listen trotz Artenschutzabkommen stündlich verschwindender pflanzlicher Organismen, erstickt unter den achtlos begrabenen Leichen, welche im Namen des Fortschritts dem Vorwärtskommen im Wege standen. Doch wir zollen diesen Tribut gerne, denn der Wahnsinn hat eben seinen Preis.

Ströme von Blut spülen unsere anfänglichen Bedenken leise mit sich fort. Aus den Lautsprechern wird das Sickern gekonnt durch die Werbeversprechen wohltönender Frauenstimmen und volltönender Männerbässe übermalt. Bomben pfeifen durch die Luft, doch die zeternden Kinderstimmen der Wohlstandsgesellschaft betteln lauter als die Granaten fallen. Baumstämme fallen Stück für Stück, doch die Geräusche knisternder Geldscheine machen diesen ohrenbetäubenden Lärm mehr als wett. Doch wir zücken unsere Geldbörsen gerne, denn der Terror hat eben seinen Preis.

Ein Video mit dem Titel „The Price of Consumption“ der Userin/des Users (?) vftr, eingestellt auf Portland Independent Media Center, hat sich mit eben diesem Thema befasst. In teils sehr drastischen und für manchereins auch schockierenden Bildern wird entlarvt, was eigentlich alle schon wissen. Der Preis ist hoch, welcher von uns für unser täglich Stückchen Konsumglück zu bezahlen ist. Wer bedenkenlos konsumiert, hat wohl in vielen Fällen auch die damit verbundenen Konsequenzen vor Augen. Doch der Verdrängungswettbewerb ist glücklicherweise genauso erfolgreich in unsere heile Konsumwelt eingezogen wie unsere Fähigkeit, diese Bilder und Folgen aus unserem Gedächtnis zu verdrängen. Doch wir sind schließlich Meister der Verdrängung, denn Glück hat eben seinen Preis.

Aber möglicherweise müssen wir immer und immer wieder durch solche Bilder an jene Seiten bedenkenloser Konsumismus erinnert werden. Wir wollen nur wahrhaben, was wir mit eigenen Augen sehen können. Doch andererseits möchten wir nur sehen, was uns als bequem und bedenkenlos erscheint. Wir wälzen uns im Dreck, ohne uns schmutzig machen zu wollen. Porentiefe Reinheit ist käuflich. Wir suhlen uns in der Konsumkloake, ohne stinken zu wollen. Das Parfüm ist mehr als ein Buch mit sieben Siegeln. Wir stecken bis zum Hals im käuflichen Dreck. Doch die Glitzerwelt macht diesen Dreck strahlend. Wir fressen uns Tag für Tag durch die Eingeweide der Industriegesellschaft. Doch Fastfood nährt uns von innen.

Der Film ist möglicherweise nicht für empfindsame Gemüter geeignet und im Sinne des Jugendschutzes soll vorab auch gleich gewarnt werden, dem liebevoll gehegten Nachwuchs die Freude am Konsumrausch durch solche Aufnahmen zu verderben. Doch wer sich heutzutage das angebotene Fernsehprogramm und die Videospiele für die Minderjährigen ansieht, wird sowieso wissen, dass solche Warnungen im allgemeinen ad eins ins Leere laufen und ad zwei sicherlich nur noch die wenigsten Kinder schocken können.          


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen