Hoch zu Ross auf dem Drahtesel 1



Niederlande, Dänemark, Deutschland: Wo die Räder nie still stehen

Kopenhagen, Stadt der RadfahrerInnen.Willkommen zurück auf „Bio Natur – Der Weblog“ von und natürlich mit Haupt-, Vor- und Nachwörtern von Paul Bögle. Ich habe seit meinem letzten Artikel das Rad immer noch nicht neu erfunden, muss ich zu meiner Schande gestehen. Die nackten Zahlen sagen also im Falle der Alpenrepublik Österreich, dass eine Viertelmillion die Hügel rauf und wohl in den meisten Fällen auch wieder runter fahren. Eine runde Sache aud zwei Rädern, könnte man meinen. Aber weil auch die Meinungsfreiheit manches Mal an ihre natürlichen Grenzen stößt, ohne gleich als Ökodiktatur dazustehen, haben eben diese auf den ersten Blick runden Sachen Ecken und Kanten. 

Denn eigentlich ist das Ergebnis eher ernüchternd als befriedigend. Betrachtet man sich die Zahlen, steht oder besser radelt Österreich eigentlich auf Europas Strassen genauso hinterher wie besagter Bernhard Kohl ungedopt der Spitze des Pelotons nachgehechelt wäre. Wobei, ich muss in diesem Falle für den gefallenen Speichenengel eine Lanze brechen. Denn wer den Profizirkus im Radsport aus der Nähe betrachtet und die täglichen Schlagzeilen über Dopingverfahren und Dopinggerüchte mitverfolgt, kommt unweigerlich zum Schluss, dass hier wohl die Fahrradschläuche noch das sauberste am kompletten Radrennsport sind. So besehen hätte Herr Kohl unter regulären Umständen sicherlich allerbeste Chancen auf eine erfolgreiche Karriere gehabt. Aber so ist es eben im Leben: No dope, no hope!

Aber gut, wir wollen das Rad nicht neu erfinden und schon gar nicht aus einer geklonten Mücke einen Elefanten machen. Schauen wir uns jenen Anteil an den Alltagswegen an, welcher in Österreich mit dem Fahrrad zurückgelegt wird, steht da klein und deutlich sieben Prozent, wobei die grüne Steiermark mit 16 Prozent unangefochten Austrias Pedalritter sind. Doch die wirklich strammen Wadln besitzen jene Menschen, welche in den Niederlanden oder Dänemark zuhause sind. So radeln z.B. im holländischen Groningen sage und schreibe 38 Prozent vom alltäglichen A ins benachbarte B und vielleicht sogar noch weiter. Und wir hören, staunen und verneigen uns. Ebenfalls 38 Prozent geben ihrem Drahtesel im deutschen Münster die Peitsche.

Das erklärt jetzt auch einiges in Sachen Tatort. Denn sooft ich, und das ist eigentlich immer der Fall, meinem Lieblingsduo Hauptkommissar Thiel und dem Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne bei ihren sonntäglichen Ermittlungen im besagten Münster nach Leibeskräften und natürlich Kipferl beissend meine bestmögliche Unterstützung bei der Aufklärung eines Mordfalles anbiete, sehe ich den Hauptkommissar eigentlich nur tretend und keuchend vom Tatort A ins Hauptkommissariat B und manches Mal auch darüberhinaus strampeln. Gut, ab und zu bringt ihn sein kiffender Vater auch mit dem Taxi von Punkt A nach B. Aber da wären wir wieder bei der lapidaren Floskel: No dope, no hope!

Lassen wir aber Drogen und andere Rauschmittel wie etwa mein Kipferl aus dem Spiel und berauschen wir uns stattdessen am puren Adrenalin des Rades. Das niederländische Zwolle, Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen, das schwedische Vaesteras oder Utrecht und Odense, selbst Ferrara in Italien sind die wirklichen Radsportnationen für den Hausgebrauch. Lauter sattelfeste 30-Prozent Kapazunder, welche sich dort mit zwei Rädern auf den Strassen fortbewegen (siehe „Kein Leiberl beim Alltagsradfahren„).

So, jetzt werden hoffentlich wieder einige aufschreien und die Motoren aufheulen lassen. Denn ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich es wiederum verstehen kann, wenn z.B. in Wien viele Menschen auf die Nutzung des Fahrrades dankend verzichten. Und diesen fünf Prozent Wagemutigen gehört mein ganzer Respekt. Wer eine ursprünglich geplante gesetzliche Verankerung von Fahrradstrassen in der StVO wieder ersatzlos streicht, wer keine Mittel für den Ausbau der Infrastruktur für RadfahrerInnen zur Verfügung stellt, wer auf die Sensibilisierung der Bevölkerung durch Kampagnen für den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad verzichtet, wer über die effektive Möglichkeit sogenannter Fahrradschnellstrassen nur nachdenkt anstatt diese in Angriff zu nehmen und viele Dinge mehr, braucht sich nicht zu wundern, wenn Tag für Tag die Garagentore geöffnet werden und die Autos mit Einzelpersonen ihren einsamen Weg von A nach B oder kürzer antreten.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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