Bio Natur - Der Weblog

29.6.2011

Die Manipulation der Minderjährigen

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 09:15

Dem Nachwuchs (k)eine Chance

Wenn es um Konsumterror, Verbrauchertäuschung oder um Konsum- und Werbekritik vom Feinsten geht, bin ich sicherlich nicht der allerbeste Ansprechpartner geschweige denn ein ausgewiesener Experte in Sachen Konsum-Sumpf. Dafür gibt es Bessere wie mich. Also nutze ich diesen kleinen Beitrag, um auf einen in meinen Augen in dieser Sparte Allerbesten kurz hinzuweisen und natürlich auch zum Weiterlesen zu empfehlen. Dies spiegelt selbstverständlich nur meine eigene bescheidene Meinung wider und soll keinesfalls als manipulativer Versuch gewertet werden, auch wenn auf meinem Blog die Minderjährigen wohl in der Minderheit sein dürften.  

Aus diesem Grund möchte ich heute ganz bescheiden sein und, wie es eben so meine Art ist, nur wenige eigene Worte machen und räume das Feld schnellstmöglich für PeterKonsumpf: Forum für kreative Konsumkritik von Peter Marwitz. Marwitz, einen jener 68-Jahrgänge, wie ich selbst einer bin. Also ein alter Hund (Verzeihung, lieber Peter, ich meine selbstverständlich nur mich selbst) oder, um noch einen passenden Bezug zur Preisverleihung des vom NABU gestifteten Dinosaurier des Jahres 2010 an RWE-Chef Jürgen Großmann herzustellen, ein langsam in die Jahre kommendes Blogger-Fossil.

Denn Peter hat wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet und in einem Zweiteiler auf seinem Blog Konsumpf unter dem Titel “Werbung schadet - Manipulierte Jugendliche“ das englische Original “Manipulated Kids” von Roy Fox ins Deutsche übersetzt hat. Ich gab das Versprechen, nicht viele Worte zu machen. Wer also Interesse hat, einmal in die Seele der Jugend von heute zu blicken und dort in die tiefe Kraterlandschaft zu schauen, welche der Sumpf der Marketingabteilungen und seichte Werbeversprechen bei den Minderjährigen hinterlassen, möge sich bitte weiter zu Peter Marwitz begeben. Und ich mache mir heute einen schönen Tag. Auf der Baustelle des Freundes meiner Tochter. Auch eine Kraterlandschaft, aber zumindest werbefrei und mit der baldigen Hoffnung und Aussicht auf Besserung. Zumindest solange, bis der erste Fernseher irgendwo rumsteht. Und Huck Finn wird mich zusammen mit Tom Sawyer gedanklich beim Renovieren dabei unterstützen. So wie vor hundert Jahren, als die Welt ebenfalls schon von Rassismus und Sklaverei geprägt war. Die Botschaften ähnelten sich, alleine die Mittel waren andere. Doch da hatten selbst Peter Marwitz und Paul Bögle noch nicht das Licht der Welt erblickt.   

Zu der Studie von Roy Fox auch sehr interessant: Channel One kids.   

28.6.2011

Dinosaurier des Jahres: Menschliche Fossilien

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 02:39


Die Paläontologen vom NABU haben RWE-Boss Jürgen Großmann ausgegraben

Ich selbst wusste es auch nicht. Schande über mich und mein ungesundes Halb- und noch gesünderes Nichtwissen. Ich bin ein ignorantes Fossil der Trophäenjäger, eineNaturschutzbund Deutschland (NABU) vergibt den Dinosaurier des Jahres. Zum Umwelt-”Dinosaurier 2010″ wurde RWE-Boss Jürgen Großmann ernannt. menschgewordene Versteinerung der Auszeichnungssammler, ein inferiorer Knochenfund der jagenden UND sammelnden Preis-Großverdiener. Und ich bin vollkommen ahnungslos. Ich schreibe leichtfertig über Guerilla-Aktionen, welche die Wirklichkeit abzubilden versuchen, doch selbst geht eben jene Realität sang-, klang- und vor allem grußlos an mir vorüber.

Das gibt es doch tatsächlich seit dem Jahr 1993, also quasi seit kurz nach der Kreidezeit, einen Umweltpreis mit dem hoffnungsfrohen Namen “Dinosaurier des Jahres” und ich weiss nichts davon. Möglicherweise nicht gerade das, was ich mir gemeinhin unter einer neuzeitlichen Ehrenauszeichnung mit paläontologischen Wurzeln und für prähistorisches Denken vorstelle, aber immerhin handelt es sich trotz alledem um einen Preis. Ich bitte Sie aber, diese Dinos nicht mit jenen Dinos zu verwechseln, welche laut Anhängerschaft des Kreationismus sogar noch auf der Arche Noah in die Riemen griffen und der Sintflut davonruderten.

Und weil Ehre, wem Ehre gebührt, keine leere Floskel ist, hat sich der Naturschutzbund Deutschland eben in diesem Fall verpflichtet gefühlt, dem RWE-Chef Dr. Jürgen Großmann den Knochen hinzuwerfen oder besser geschrieben den Dinosaurier zu überreichen. Das war zwar schon, wie es der Preis so treffend umschreibt, Ende des Jahres 2010, aber bis Paul Bögle von seinem Baum heruntergeklettert ist, ein sehr guter Anlass für das Jahr der Wälder übrigens, dauert es dementsprechend seine (Stein)Zeit.

“RWE, richtig, da war doch was“, werden Sie jetzt denkenderweise vor sich hin sinnieren und grüblerisch vor sich her denken. “Ja, genau, das ist die sogenannte atomare DÖF” kann ich Ihnen darauf unbedachterweise antworten, ohne viel darüber nachzudenken. Die Deutsch Österreichische Freundschaft der Atomlobbyisten oder eben kurz DÖF. Ich weiss, es gab zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle auch einmal ein Projekt namens Deutsch Österreichisches Feingefühl oder eben auch DÖF mit dem genialen Song über Codo, welcher im Sauseschritt durchs All düst und gegen den Herrn des Hasses rebelliert. Aber nein, in diesem Fall dann doch eher die Deutsch Österreichische Freundschaft von Herrn Dr. Großmann und dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel. Richtig, jene Herren, welche seit Cordoba oder so kurz danach im Sekundentakt ihre Atomuhren abgleichen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben.

Jetzt klingelt es? Genau, die Bundeshauptstadt der Energie namens Grevenbroich oder die tickenden und sündhaft teuren österreichischen RWE-Uhren im Atomzeitalter am Handgelenk des ehemaligen Bundeskanzler der Republik Österreich. So nebenbei. Schade, dass der NABU nur einen Dino pro Kreidezeit vergibt, denn verdient hätten ihn sich nach meinem Dafürhalten viele. Aber gut, wir wollen nicht gierig sein, schließlich muss solch ein prähistorisches Ungetüm erstmal gefunden werden. Also nicht die PreisträgerInnen, sondern eben der zu den PreisträgerInnen zu tragende Preis.

So, jetzt habe ich eigentlich alles geschrieben, was es zu sagen gibt. Außer natürlich den Grund, Herrn Großmann diesen negativen Umweltpreis zu überreichen. Sicher. dafür gibt es Gründe genug. Aber ein ganz bestimmter war es in diesem Falle dann doch.Aus reinem Machtkalkül und Profitstreben wird an einer Risikotechnologie festgehalten und gleichzeitig der notwendige Aus- und Umbau einer umweltfreundlichen Energieversorgung in Deutschland ausgebremst.” (“Dinosaurier des Jahres” für RWE-Chef Großmann).

Mal sehen, wen NABU-Präsident Olaf Tschimpke nächstes Jahr für die Übergabe ausgräbt. Wäre sebstverständlich schön, wenn bis dahin RWE und Herr Großmann über den Dinosaurier 2010 ein kleines bisschen grübeln würden. Oder vielleicht sogar nachdenken. Sinnieren wäre ebenso von Vorteil. Und Handeln erst.

27.6.2011

Guerilla-Aktionen: Abbildung der Wirklichkeit

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 20:58


Design als politisches Stilmittel oder Grüne Guerilla Aktionen als neue Formen der politischen Kommunikation. Die visuelle Sensibilisierung für Atompolitik.

Was wäre wenn grüne.de? Ambient Media von Benjamin Scholz.Dass der Mensch eigentlich ein politisches Wesen ist, haben uns schon die griechischen Stadtstaaten mit ihrer Institutionalisierung der Poleis (Plural von Polis) bewiesen. AusWas wäre wenn grüne.de? Feldberichte von Felix Beirau. der Notwendigkeit heraus, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen regierender Aristokratie und regierten Bürgern zu schließen, standen letztendlich Verfassungen, welche das Recht auf aktives und passives Wahlrecht, die Wahrnehmung politischer Ämter oder der Mehrheitsentscheid in der Ekklesia (Volksversammlung) garantierten. Dass politische Verwaltung und die Möglichkeit, dementsprechende Funktionen und Positionen den freien männlichen Bürgern dabei vorbehalten war, lassen wir jetzt einmal außen vor, da es ansonsten den Zweck und Sinn dieses Beitrages ein weiteres Mal archaisch sprengen würde und ich mich beileibe nicht als Tyrann meines kleinen virtuellen Stadtstaates “Weblog Bio Natur“ aufspielen möchte.

Passend zur Vorstellung des RecyclingDesignpreises 2012 und meiner dilettantischen Performance von Paul Bögle: Guerilla Gardening für Anfänger bleibe ich doch gleich meiner eingeschlagenen Linie treu und führe das Thema Design auf politischer und gesellschaftlicher Ebene fort. Natürlich bezugnehmend auf die Fragestellung Was wäre wenn grüne.de? in sehr indirekter Weise und mit fremden Augen und Zungen. Die drei angehenden Grafik-Designer Felix Beirau, Benjamin Scholz und Daniel Hobein wollen mit selbst gestalteten sogenannten Guerilla-Aktionen das politische Bewusstsein der/des in letzter Zeit so oft gehörten oder leider durch die neuzeitlichen politischen EntscheidungsträgerInnen ungehörten Wutbürgerin/Wutbürgers etwas auffrischen.

Das Trio möchte mit seinen Guerilla-Aktionen neue Wege gehen, um das nach ihrem Verständnis eingeschlafene Aktivsein und aktive Auseinandersetzen der Menschen mit grünen Themen, Atompolitik, sozialer Verantwortung und nachhaltigen Lebensstil durch unkonventionelle visuelle Ansätze und visualisierte Projekte abseits der üblichen Normen wieder zu pushen. Ein Sammelsurium an Ideen und Materialien, ein Umsetzen, Gestalten und Neuformen von subjektiver sowie objektiver Betrachtung, die Suche nach zeitgemäßen Wegen, mithilfe dieser visuellen Konfrontation die BetrachterInnen zum entsprechenden Thema hinzuführen und sich vor allem auch damit auseinanderzusetzen.

Stilmittel in Form von Feldberichten (FelixWas wäre wenn grüne.de? Plakatserien von Daniel Hobein. Beirau), Plakatserien von Daniel Hobein und Ambient Media von Benjamin Scholz laden dazu ein, sich selbst auf kritische Weise mit jenen Themen unserer neuen Welt zu beschäftigen, welche für manche (viele?) Missstände auf dem Planeten Erde verantwortlich zeichnen. Die Idee ist sicherlich nicht so neu wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Gewisse Adbusting-Kampagnen erinnern, wenngleich durch eine differenzierte Herangehensweise, doch in ähnlicher Weise an die Aussagekraft jener visuellen Botschaften.

Aber, und hier liegt für mich der grösste Unterschied begründet, das Dreigespann nutzt wesentlich drastischer die Bandbreite der Hilfsmittel und gestalterischen Elemente aus und arbeitet dementsprechend auch mit wesentlich härterer Optik (ausgenommen die sehr kompromisslose Adbusting-Kampagne gegen den Kitkat-Schokoriegel unter dem Link etwas weiter oben). Doch angesichts der damit verbundenen Botschaften ein durchaus legitimes Vorgehen.

    

26.6.2011

RecyclingDesignpreis: Mist, ich mach mit!

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 04:21


Kreative Mülltrennung oder schöpferische Müllverwertung?

RecyclingDesignpreis 2012. Paul Bögle: “Mist, ich mach mit!”Also, nach den letzten Beiträgen über den WWF und sein in Mitleidenschaft gezogenes und über alle Maßen missbrauchtes Maskottchen “Schweig still, Panda!” im Sinne eines engmaschigen Netzes aus Wirtschaft, Politik und eines vollkommen außer Kontrolle geratenen Umweltschutzes reiht sich der heutige Beitrag nahtlos in die einmal begonnene Bandbreite über Mist, Müll, Unrat und Abfall auf allerhöchstem Niveau. Aber auf meinen Slogan “Mist, ich mach mit!” im Zusammenhang mit dem ausgerufenen RecyclingDesignpreis bin ich mächtig stolz. So viel Imperativ mit so wenigen Worten gelingt mir selten.

Aber um auf den grünen Punkt zu kommen. Der auch mir bis zum jetzigen Zeitpunkt unbekannte “Arbeitskreis Recycling e.V./ RecyclingBörse!” ruft bereits zum fünften Mal eben jenen Preis zum Thema “Nutzloses nutzbar machen” aus. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Eine altbekannte und nicht aus der Bio-Tonne, der Müllverbrennungsanlage und wohl auch nicht von der Hand zu weisende Tatsache, wie uns die stetig wachsenden Müllberge tagtäglich beweisen. Deshalb sind nun DesignerInnen, GestalterInnen und, um die Gesamtheit einzubeziehen, Kreative mit professioneller oder semiprofessioneller (dies zu interpretieren überlasse ich Ihnen) Ausbildung eingeladen, die eigenen Arbeiten und Werke bis zum 31. Oktober 2011 einzureichen.

Die TeilnehmerInnen zum RecyclingDesignpreis 2012 stehen dabei vor der Aufgabe, aus Abfall (auch hier überlasse ich Ihnen den Interpretationsspielraum) bzw. aus Produktionsrückständen handwerklicher oder industrieller Betriebe einen neuen Wertschöpfungsprozess in Gang zu setzen. Diese Transformation von wertlosen Dingen in neue redesignte Gegenstände, welche entweder wirtschaftlich genutzt werden können oder einfach nur durch die wiedergewonnene Sinnhaftigkeit in künstlerischer Hinsicht zu neuem Leben erweckt werden bzw. eine sozial verträgliche (eigentlich ein unschönes Wortspiel) Komponente erfüllen, gilt es dabei zu erfüllen. Lassen Sie mich bei nochmaliger Überlegung dieses euphemistische und politisch floskelhafte ”sozial verträglich” in sozial nutzbar ändern, wie es auch der Beschreibungstext des RecyclingDesignpreis 2012 verwendet. Ist zwar nicht sehr einfallsreich von mir, aber manchmal muss auch ich einen Konsens eingehen.

Wer sich also dazu berufen fühlt, achtlos oder bewusst Weggeworfenes, welches im Regelfall zu keiner Weiterverwendung bestimmt ist, als recyclebarem Phoenix aus der müllgetrennten Asche des konsumierten Vergessens zu verhelfen, sollte sich mit dem Gedanken befassen, in nächster Zeit mit beiden oder noch mehr helfenden Händen im fleischgewordenen Konsumterror unserer Gesellschaft zu graben, um sich die besten Filetstücke und Relikte unserer gesellschaftlichen Zwangsneurosen zu sichern, um daraus neue Formen, Gegenstände oder warum nicht auch Skulpturen zu entwickeln.

Oder, um nun noch einmal einen Bezug zum Originaltext, welchen Sie sich aber sowieso bei Interesse durchlesen sollten, herzustellen: “Das Spektrum gefragter Entwicklungen reicht von Deko-Artikeln über Möbel und Kleidung/Textilien bis Accessoires. Es gilt, den “verborgenen Sinn weggeworfener Dinge” zu entdecken und nutzbar zu machen.”

So, ich denke, dass ich Sie wieder einmal bestens mit meinem verbalen Unrat unterhalten habe und steige dementsprechend wieder in die eigenen Niederungen meines träge dahinfließenden Styx voller Einwegprodukte hinab, um dort auf den jüngsten Tag meiner räumlichen und seelischen Mülltrennung zu warten. Und um mir die Zeit bis dahin etwas zu verkürzen, werde ich mit dem Zerberus namens Konsumwahnsinn ein kleines Tänzchen wagen. Entweder er tritt mir auf die Zehen oder ich kauf mir gleich neue Schuhe. Meine alten sind doch immerhin schon drei Wochen alt. Und von Ferne höre ich verlockend und süß die Posaunen von Jericho ihr ewiges Hohelied “Komm und kauf mich!” blasen. Auf dass die dicken Mauern der heiligen Konsumtempel nicht am siebten Tage einstürzen, sondern besser noch alle sieben Tage der Woche ganz im Gegenteil ihre Pforten öffnen mögen. Oder so ähnlich eben.

25.6.2011

Paul Bögle: Guerilla Gardening für Anfänger

Abgelegt unter: Naturfotos — Paul Boegle @ 09:12

Auf abwegigen Umwegen zum eigentlichen Ziel

Heute hat Paul Bögle einmal so gar keine Lust, seine Zeit auf seinem Blog Bio Natur zu verschwenden. Das Wetter ist einfach zu verlockend, um die knapp bemessene Zeit innerhalb der virtuellen Welt Internet oder im Kino zu verbringen. Also habe ich die allerbeste Ehefrau der Welt gebeten, mich beim Guerilla Gardening im eigenen kleinen Garten zu begleiten. Umgeben von Wildstauden, mit den Lilien im Bunde, ein Naheverhältnis zum Basilikum aufbauend, den Duftmarken der Rosen folgend und den Wilden Wein auf Distanz. Sozusagen wildern ohne Samenbomben, aber mit Bombenstimmung in der urbanen Wildnis der eigenen vier grünen Wände aus Chlorophyll und Photosynthese. Manche würden auch sagen: Ein Guerillagärtner beim Üben für den Ernstfall.

Und eine andere Geschichte trägt übrigens auch dazu bei, dass meine Laune nicht zum Besten steht. Der Film von Wilfried Huismann über den “Pandabären” WWF nagt doch ordentlich an meinem Verständnis über die Weltordnung in Sachen Umweltschutz. Irgendwie bekomme ich den Kopf einfach heute nicht frei für konstruktive Dinge. Einzig die Erinnerung, am Samstag oder Sonntag auf dem Wiener Heldenplatz bei der ersten grünen Zukunftsausstellung “greenEXPO” vielleicht selbst einmal vorbeizuschauen, lasse ich Ihnen deshalb als Hinterlassenschaft dieses Beitrages.

Jetzt stellt sich natürlich aufgrund der wenigen geschriebenen Sätze für manchen Menschen die Frage: “Was bitte schön ist Guerilla Gardening?” Nutzen Sie doch ganz einfach die Suchfunktion auf meinem Blog und Sie werden die Antwort finden. Bis dahin mache ich mir einen schönen Vormittag im Garten. Und am Nachmittag dann einen kleinen Spaziergang über den Heldenplatz. Hoffentlich mit besserer Laune.  

24.6.2011

Der Pakt mit dem Panda: Zerstörte Illusionen

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 09:33

WWF: Umweltschutz oder Umweltsumpf?

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Ich hatte bereits in meinem Artikel WWF: Pakt mit dem Panda oder Pakt der Wölfe auf den Sendetermin 22.06.2011 der Doku über die weltweit grösste Umweltschutzorganisation, den WWF, hingewiesen. Wilfried Huismann, welcher für den Film verantwortlich zeichnet, hat ganze Arbeit geleistet. Der WWF in meinen Augen allerdings auch. Hoffnungen wurden nun endgültig begraben, Illusionen zerstört, meine Sicht über den WWF hat sich schlagartig geändert.

Ich musste mir den Film zweimal ansehen, um zu verstehen, welche Dimensionen und wohl auch Abgründe sich hier auftun. Was hier gezeigt wurde, auch über den auf meinem Blog schon desöfteren erwähnten Gentechnik-Riesen Monsanto, lässt mehr als einen fahlen Geschmack zurück. Eigentlich könnte ich sogar von einem Brechreiz sprechen, denn der Film räumt nicht mit bestimmten Klischees über eine Umweltschutzorganisation auf, sondern mit sämtlichen Moralvorstellungen.

Ich bitte deshalb alle, welche den ersten Termin verpasst haben, sich heute, am 24.06.2011 auf Eins extra um 21:00 Uhr unbedingt für 45 Minuten Zeit zu nehmen, um die Wiederholung der Sendung “Der Pakt mit dem Panda - Was uns der WWF verschweigt” zu verfolgen. Es wird sicherlich wieder die ZweiflerInnen und KritikerInnen auf den Plan rufen, welche sagen werden: “Das habe ich schon immer gewusst!” Ich darf gestehen, dass ich es nicht gewusst habe und deshalb umso enttäuschter bin. Leider!

Es bleibt mir deshalb nur die Hoffnung, dass sich nun andere Umweltschutzverbände an die Öffentlichkeit begeben, um durch geeignete Maßnahmen und Stellungnahmen die Menschen von den eigenen Zielsetzungen und besonders die Verwendung der (Spenden)Gelder zu informieren, um jenes Vertrauen, welches durch diesen Film wohl bei einigen Menschen bis in die Grundmauern erschüttert wurde, wieder zurückzugewinnen. 

23.6.2011

greenEXPO Wien: Erste grüne Zukunftsausstellung

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 07:37

Freier Eintritt in die Zukunftswelt am Wiener Heldenplatz

greenEXPO 2011: 24.-26.06.2011 Wien HeldenplatzDer ”Train of Ideas” hat Wien in Richtung Barcelona, Marseille, Nantes usw. schon wieder verlassen, die Kirschen aus Nachbars Garten sind gepflückt und trotzdem sieht die Welt von morgen aus Sicht von heute nicht viel besser aus. Was bleibt also zu tun? Gute Frage, nächste Frage. Doch wer zwischen dem 24.- 26. Juni 2011 sowieso nichts mit seiner Zeit anzufangen weiss, könnte einen kleinen Spaziergang zum Wiener Heldenplatz unternehmen. Ich weiss, die meisten Wienerinnen und Wiener sehen den Heldenplatz ein einziges Mal im Jahr aus der Nähe. Und zwar dann, wenn sie mit Hundertausenden den Silvesterpfad bevölkern, um sich inmitten der Massen mit Glühwein vollschütten zu lassen, welcher wiederum von jenen ausgeschüttet wird, welche zuvor schon zuviel des zuckersüssen Gesöffs in sich hineingeschüttet haben.

Aber dies ist wieder eine ganz andere Geschichte und kann dementsprechend noch etwas warten. Was aber eben nicht warten kann, ist die Tatsache, dass an besagten Tagen die greenEXPO oder mit den Worten der VeranstalterInnen zu schreiben, ”Österreichs erste grüne Zukunftsausstellung” bei freiem Eintritt um die Gunst der Menschen buhlt. Eine Welt des Staunens, eine grüne Zukunftswelt voller Nachhaltigkeit, alternative Mobilität, grünen Lebensstil, Green Jobs, Finanzen, Architektur, Design und vieles mehr soll uns geboten werden. Markige Worte, mit welchen hier geworben wird.

Also lassen wir uns überzeugen, ob auch Österreich und stellvertretend hierfür die greenEXPO unser Leben hin zu einem grünen nachhaltigen und bewussten Lifestyle verändern kann und wird. Und vor allem, ob jene versprochenen Innovationen, Ideen und Zukunftsvisionen, welche die Aussteller präsentieren, auch den grünen Geschmack des Publikums finden oder ob das Schaulaufen unter Ausschluss desselben stattfindet. Und natürlich betrachte ich selbst solche Präsentationen auch immer mit jenem kritischen Auge des Greenwashings, welches leider mehr und mehr von Firmen und Unternehmen genutzt wird, sich in einem fahlen Licht der Öffentlichkeit zu präsentieren, welches konträr zu den wirklich verfolgten Zielen und Plänen steht. Ich würde deshalb empfehlen: “Schauen kostet nichts. In diesem Falle wortwörtlich. Und wenn Sie die greenEXPO besuchen, lassen Sie das Auto zuhause. Mit der Ringlinie oder der U2/U3 kommen Sie viel besser und bequemer zum Heldenplatz.” 

22.6.2011

Mundräuber im Netz: Soziale Gefräßigkeit pur

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 03:00


Mundraub: Plattform für Obstallmende. Freie Fundstellen von Obst und Gemüse zur freien Ernte.Obstallmende: Obst und Gemüse zur freien Entnahme

Es passt zu meinem gestrigen Artikel über die Gentechnik-Krake Monsanto mit ihren “Roundup“-Abräumern, “Agent Orange“-Aufräumern und transgenen Maiskolben-Wegräumern wie die grüne Faust auf das gentechnisch manipulierte Auge.

Ich war ja der Meinung, eigentlich so ziemlich alles im virtuellen Netz namens Internet gesehen zu haben und dementsprechend mit sämtlichen virtuellen Wassern gewaschen zu sein. Aber glücklicherweise gibt es Tage, da sitze ich, nachdenklich einen Apfel kauend oder symbolisch Kirschen aus Nachbars Garten pflückend, vor meinem heiligen Blechtrottel oder umgangssprachlich auch Computer genannt, vergesse vor lauter Lesen das Kauen und notwendige Hinunterschlucken und bin ganz hin und selten gleich wieder weg.Mundraub.org: Moderner Mundraub im Dienste der Gemeinschaft. Gefahrlos, vollkommen legal und unentgeltlich.

Der Terminus “Allmende” kommt, sofern ich mir die richtige Definition herausgepickt habe, aus dem Mittelhochdeutschen und steht für Allgemeingut, welches etwa in Form einer Dorfwiese oder eines Waldstücks allen gemein ist. Also Grundeigentum einer Allgemeinheit, auf deren Nutzung jede(r) Angehörige der Gemeinschaft Anspruch erheben darf. Und genau diesem Prinzip folgen die MacherInnen von “Mundraub.org“. Vergessene Obstbäume, Gemüsebeete oder Beerensträucher, welche damen- und herrenlos im öffentlichen Raum vor sich hin dümpeln, ohne dass die kostbaren und gesunden Früchte von irgendjemandem abgeerntet werden. Und so haben die MacherInnen und modernen MundräuberInnen auf geradezu bezaubernde und wunderbare Art mit ihrer Initiative eine Art virtuelles Erntedankfest geschaffen. Ich wäre sogar versucht zu sagen, es handelt sich um WegelagerInnen des Internets, wäre dieser Begriff nicht meist negativ besetzt, aber so belasse ich es eben beim Mundraub der besonders feinen Art.

Machen wir es doch kurz und bündig. Der folgende Screenshot der Plattform “Mundraub.org” sagt eigentlich ebenso kurz und bündig aus, welche Zielsetzungen verfolgt werden. Kartographierte “Futterstellen” oder freies Obst für freie BürgerInnen in Form einer interaktiven Karte, welche einerseits den hungrigen Menschen unter uns die Möglichkeit bietet, regionale Fundstellen oder eben besitzlose Obstbäume und Beerensträucher aufzufinden und andererseits aber besonders von jenen findigen Menschen lebt, welche bereit sind, ihre geheimen Futterplätze oder neu entdeckten natürlichen Obstquellen der Allgemeinheit zu Verfügung zu stellen, damit die Gemeinschaft an dieser Art Obstallmende in ihrer Gesamtheit partizipieren kann.

Die eigenen Ziele und Intentionen der Plattform “Mundraub.org” werden dabei als Erinnerung von in Vergessenheit geratener Früchte der Kulturlandschaft im öffentlichen Raum definiert, um diesen eine neue Wertigkeit zu verleihen und wieder in unser Bewusstsein und Wahrnehmungsempfinden zu rücken. Und letztendlich soll dies dazu beitragen, das Obst wieder Teil unserer Kulturlandschaft werden zu lassen und die mehr und mehr schwindende Biodiversität zu erhalten und zu fördern.

Als Mann der Gaumenfreuden sage ich im Gedenken an das Jahr 1973, welches ich oftmals im Garten meiner Großeltern unter schattigen Marillenbäumen (österreichisch für Aprikose), ausladenden Zwetschgenbäumen und schwer tragenden Kirschenbäumen verbringen durfte: Das große Fressen kann beginnen! Und damit auch zukünftig so bleibt, wäre es wunderbar, dieser Plattform etwas an Bekanntheitsgrad zu verschaffen. Also machen Sie es wie ich und schreiben Sie doch einen kurzen Artikel über “Mundraub.org“. Gerne auch mit vollem Mund. Manche Projekte im Netz sind einfach zu nützlich, als dass sie wieder in der Versenkung oder in diesem Falle im virtuellen Erdreich verschwinden sollten.

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