Boreale Wälder und weiteres Waldsterben 1


Nachdem wir uns während der letzten Artikel lesenderweise und hoffentlich auch klickenderweise durch das Jahr der Wälder bewegt haben und ich meinem erklärten Favoriten Regenwald den Vorzug gab, gleichzeitig aber kurz den Terminus „borealer Wald“ in die von Jahr zu Jahr weniger werdenden Waldlichtungen warf, habe ich für heute ein paar Filmbeiträge zusammengetragen, welche sich diesen anderen, aber nicht minder wichtigen Formen des Waldes widmen. Darüberhinaus empfehle ich aber, sich einmal selbst das reichhaltige Filmmaterial zum Themenkreis „Ideas for a cooler world“ auf der „Deutschen Welle“ anzusehen. 

1. Europas letzte Urwaldbestände im russischen Komi

Im Nordwesten Russlands, in der Republik Komi, wird die karge Landschaft von riesigen Waldflächen bestimmt. Noch. Denn die Holz- und Papierindustrie macht auch vor den ausgewiesenen Schutzzonen auf der Suche nach dem unbegrenzt begrenzten Rohstoff Holz nicht halt. Denn genau diese Stämme für jenes Papier, auf welchem die Vorschriften über den Waldschutz geschrieben stehen und jene Schutzgebiete, welche auf diesen Blättern gekennzeichnet sind, werden im gleichen Atemzug ohne Erlaubnis abgeholzt. Eines der letzten intakten Urwaldgebiete innerhalb Europas, welches Millionen von Tonnen Kohlenstoff speichert und damit einen wichtigen Beitrag für unser Klima leistet, wird rigoros zerstört, ohne für Ersatz zu sorgen.

Denn während im waldreichen Skandinavien eine Aufforstung von 60 Prozent der abgeholzten Baumbestände an der Tagesordnung ist, kommt die russische Region gerade einmal auf 10 Prozent. Viel zu wenig, um das empfindliche Ökosystem auf Dauer im Gleichgewicht zu halten. KlimaforscherInnen wie Swetlana Sagirowa schlagen deshalb Alarm. Denn um diese letzten Urwälder auch für unsere Nachfolgegenerationen zu bewahren, muss Politik und Wirtschaft mehr tun als nur Bestimmungen ausarbeiten, gesetzliche Regelungen schaffen und Kontrakte unterzeichnen. Auf Papier, welches im nächsten Moment gefällt wird, um darauf schreiben zu können.

Boreale Wälder in Russland

2. Costa Rica: Zunehmender Kahlschlag trotz vorbildlichem Naturschutz

Obwohl das kleine mittelamerikanische Land Costa Rica in Sachen Umweltschutz und Aufforstung der Waldbestände eine Vorreiterrolle einnimmt, stellen die Viehzüchter mittlerweile eine ernsthafte Bedrohung für die Waldbestände des Landes dar. Hektar für Hektar von Urwald wird gerodet und abgeholzt, um auf dem gewonnenen Land die eigenen Rinderherden weiden zu lassen. Denn nur die Bepflanzung der höheren Hanglagen gewährleistet einen natürlichen Schutzschirm im Kampf gegen den zunehmenden Klimawandel, steigende Temperaturen und sinkende Niederschlagsmengen sowie die direkte Sonneneinstrahlung des Erdreiches.

Dass der Wald wichtig, sogar überlebenswichtig ist, muss auch in Costa Rica der jungen Bevölkerung anhand von Schulbesuchen in den Waldschutzgebieten erst noch vermittelt werden. Um ein komplexes Ökosystem wie den Regenwald zu verstehen, ist noch viel Aufklärungsarbeit und noch mehr Geduld nötig. Weniger in Costa Rica als vielmehr in sogenannten Industrienationen, denn in Mittelamerika sieht die einheimische Bevölkerung wesentlich schneller die Auswirkungen der fehlenden Waldgebiete als jene Gesellschaft fernab der sterbenden Regenwälder.

Naturparadiese in Costa Rica

3. Teeplantagen verdrängen die Bergnebelwälder in Ruanda

Seit deutsche Wissenschaftler im Jahr 1984 mit der Erforschung des Bergnebelwaldes in Ruanda begonnen haben, sind bis zu 90 Prozent der Fläche in bestimmten Gebieten des Landes hauptsächlich den Teeplantagen der Bevölkerung gewichen. Denn Tee ist im Land der 1000 Hügel eines der wenigen Exportgüter, welches den Menschen zum Bestreiten des eigene Lebensunterhaltes dienen. Es wäre deshalb auch vollkommen schwachsinnig, die Menschen für den Raubbau an diesen natürlichen Speichern für Kohlenstoff verantwortlich machen zu wollen. Denn wir als Abnehmer und Konsumenten von Tee tragen sicherlich in gleichem Maß die Verantwortung für diesen Rückgang der Wälder und sind deshalb gefordert, Lösungen zu präsentieren. Denn Wälder können die Bevölkerung nicht ernähren. Und da das Land arm an Rohstoffen und bodenschätzen ist, bleibt nur der Weg über den Ackerbau.

Fehlende Epiphyten, welche als natürliche Wasserspeicher dienen und diese Vorräte nach und nach an die Umgebungsluft abgeben, führen auch in Ruanda zu einer zunehmenden Veränderung des Klimas. Fehlende Bäume, welche durch die Wurzeln den Boden gegen Erosion schützen, führen zu immer größeren Überschwemmungen. Und diese schwemmen mehr und mehr fruchtbaren Boden mit sich fort. Und dies macht die Urbarmachung neuer Ackerflächen notwenig. Ein Teufelskreis, welcher das afrikanische Land gefangenhält.

Erste Konzepte gegen die fortschreitende Erosion sind vielversprechend. Gepflanze Hecken um die Felder binden das Erdreich mit ihren Wurzeln, das abfallende Blätterwerk dient als natürlicher Dünger und somit läst sich der Ernteertrag steigern. Denn die Hecken bedeuten wiederum einen Verlust der Anbaufläche und damit auch eine kleinere Ernte für die Bauern.

Schutz der Bergwälder in Ruanda


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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