Günther Oettinger: Energiepolitische Visionen 1


Europas Zukunft auf dem (alternativen) Energiesektor 

Solarenergie im tiefen Süden, Windkraft im hohen Norden – und dazwischen ein paneuropäisches Energienetz, das die regenerative mit der konventioneller Technik verbinden könne.“ (Rheinische Post: EU-Kommissar im Tagebau). Wenn es um die europäische Energiepolitik der Zukunft geht, hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger klare Vorstellungen. Insbesondere dann, wenn er diese weisen Worte vor versammelter Mannschaft, bestehend aus PolitikerInnen und WirtschaftsvertreterInnen, im westdeutschen Grevenbroich spricht.

Grevenbroich? Kennen Sie nicht? Ein großer Fehler, glauben Sie mir. Denn schließlich handelt es sich, zumindest den gewichtigen Worten der dortigen Bürgermeisterin Ursula Kwasny folgend, um die „Bundeshauptstadt der Energie„. Das hört sich doch wirklich nach energiesparendem Lustgewinn an. Und weil eben der EU-Energiekommissar einer Einladung hoher CDU-Funktionäre zu einem sogenannten „Energiepolitischen Fachgespräch“ auf die Neurather Kraftwerksbaustelle gefolgt war, bei welchem auch RWE-Chef Jürgen Großmann anwesend war, folgte auch gleich ein gar wunderschönes kleines Präsent. Eine Krawattennadel mit der Skyline von Grevenbroich. Das macht jetzt wirklich Lust auf mehr, denn ich darf Ihnen gestehen, dass ich bisher der Skyline von Grevenbroich noch nicht wirklich meine Aufmerksamkeit zuteil werden ließ. Ein verhängnisvoller Fehler, wie ich mir und Ihnen zähneknirschend eingestehen muss. Sozusagen der schlipslose Offenbarungseid des Paul Bögle.

Und so kann sich Herr Oettinger nun, gut gerüstet mit der stacheligen energiepolitischen Deckung der Bundeshauptstadt der Energie, weiter aufmachen, gegen die atomaren Windmühlen aus Frankreich und Großbritannien anzukämpfen. Ob er dabei bis zum geplanten 01. Juni sein europäisches Pferd Rosinante unter die Kandare gemeinschaftlicher Richtlinien für die Stresstests der Atomkraftwerke bringen kann, bleibt mehr als fraglich. Aber möglicherweise genügt ja schon ein kleiner Stich mit der Grevenbroicher Krawattennadel, um das lahme Ross wieder auf volle Touren zu bringen.

Bleibt zum Schluss nur die offene Frage: Weshalb bezeichnet sich Grevenbroich so volltönend als „Bundeshauptstadt der Energie„? Wie so viele Dinge unseres täglichen Lebens, denken Sie doch nur an die so vielversprechenden Werbelügen für den Goldenen Windbeutel, schießt auch dieser griffige Slogan voll am Ziel vorbei. Denn während eines Wettbewerbes für einen neuen Werbeslogan durch den früheren Bürgermeister Axel Prümm der 65 000 EinwohnerInnen zählenden bis dato titellosen Gemeinde wurde Sabine Kottmann mit ihrem eingängigen Slogan zur Siegerin gekürt (Bürgerinitiative gegen BoA-Erweiterung Niederaußem e.V. Big BEN). Und so kürte sich Grevenbroich eben zu jener „Sie wissen schon-Bundeshauptstadt„.

Dass allerdings Mitte Juli 2010 die Direktive „Energie“-Slogan wird eingedampft ausgegeben und auch umgesetzt wurde, die Gründe hierfür waren verkehrspolitischer Art, ist nur ein Teil der Geschichte. Bei ihrer Amtsübernahme als Bürgermeisterin kündigte Frau Kwasny an, jene restlichen Kohle-Briketts, welche in Folie verpackt als Werbeträger des Slogans dienten, einzustampfen. Was sie wohl auch tat. Dass diese Kohle-Briketts mit Sponsorengeldern von RWE-Power finanziert wurden, macht die Sache natürlich erst so richtig rund. Denn RWE-Power ist, Sie können es sich denken, Teil des RWE-Konzerns (RWE-Power AG). Doch das partnerschaftliche Verhältnis von Grevenbroich und RWE dürfte nicht im mindesten getrübt sein. „Das ist Sache der Stadt. Wir haben nach wie vor ein gutes, partnerschaftliches Verhältnis zu Grevenbroich.“ sagte damals RWE-Sprecher Manfred Lang diplomatisch.

Schließen wir jetzt den Kreis und kommen zurück auf EU-Ebene, ohne irgendwelche Hintergedanken in den Raum zu stellen. Die AKW-Stresstests befinden sich also im Nirwana europäischer Entscheidungsfreudigkeit. Doch EU-Energekommissar Oettinger stellt während seines „Energiepolitischen Fachgespräches“ klar, dass „die damit verbundene Energiewende dürfe aber nicht die Industrie gefährden.“ In meinen Augen ein deutliches Zeichen, dass auch weiterhin fossile Energieträger wie die im Tagebau abgebaute Braunkohle eine wichtige Überlegung in den Entscheidungen des EU-Funktionärs spielen. Und zwar nicht als Übergangslösung, sondern als planerisch weitreichender Schritt in die so euphemistisch proklamierte Energiewende.

Keine Frage, strukturschwache und touristisch reizlose Gebiete, welche ihre Wirtschaftskraft und die dringend benötigten Arbeitsplätze aus Wirtschaftszweigen wie der Braunkohle schöpfen, spielen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene eine große Rolle. Denn neben genannten Faktoren stehen auch unzählige WählerInnen hinter den getroffenen Entscheidungen. Aber dann sollten die Verantwortlichen auch Farbe bekennen und dies der Öffentlichkeit mitteilen, anstatt um den heißen Brei herumzureden. Vielleicht sollte sich die Europäische Gemeinschaft der Energie- und UmweltministerInnen deshalb erst einmal daran versuchen, die leichter zu bändigenden fossilen Hühner zu satteln, anstatt sich am Entwirren des morschen Zaumzeugs namens Stresstest der wilden Rosinante zu versuchen.  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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