Goldener Windbeutel: Den Preis, den niemand will
Ein Jahr ist schnell vorüber …
singt die “Münchner Freiheit” nun doch schon einige Jahre. Der Liedtext hat sich ebenso wenig geändert wie jene Werbetexte, deren MacherInnen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln eine riesige Propagandamaschine aus Schönfärberei, Unwahrheiten und Unverschämtheiten die VerbraucherInnen zum Narren halten. Und so sitzen jene Werbeprofis und Marketing-ExpertInnen in ihrem Narrenturm aus Lug und Trug, gebaut auf einem Fundament aus seichter Belanglosigkeit in den morastigen medialen Tümpeln des Werbefernsehens, hinter dicken Mauern aus versprochenen, aber im selben Augenblick gebrochenen Träumen, und schauen von dort auf die Konsumköpfe ihres zahlenden Publikums.
Doch genau jenes zahlende Publikum zahlt seit dem Jahr 2009 mit gleicher klingender Münze heim. In Form des Goldenen Windbeutels, welcher nun schon zum dritten Mal von abgespeist.de unter tatkräftiger Unterstützung kritischer KonsumentInnen jenem Unternehmen überreicht wird, welches sich aus einem Meer von dreisten Werbelügen um das gewisse Etwas von den Mitbewerbern abhebt.
Wieder ist ein Jahr ins Land gegangen, hat sich das Klima gewandelt, hat sich die Einstellung vieler Menschen zur Atomkraft nach Fukushima geändert oder wurde das Erbgut weiterer Nutzpflanzen dank Gentechnik verändert. Doch bei all diesem unbeabsichtigten Wandel, gewollten Streben nach Veränderung und nicht zu beeinflussender Naturkatastrophen ist eine Sache gleich geblieben: Die Werbelügen der Wirtschaft. Marketingabteilungen verkaufen uns immer noch ihre fadenscheinigen Produkte unter dem Siegel der Nützlichkeit, propagieren dreist den haltlosen Mehrwert ihrer Güter und belügen uns mit inexistenten Eigenschaften ihrer Erzeugnisse und schöngefärbter Farblosigkeit nutzloser Konsumversprechen.
Und aus dieser riesengroßen Menge an täuschenden Werbebotschaften und enttäuschenden Produkteigenschaften hat abgespeist.de auch für 2011 wieder die fünf besten der
besten Werbelügen herausgefiltert, um aus diesen den endgültigen Sieger mit dem Goldenen Windbeutel 2011 zu küren. Im Vorjahr durfte sich der unglaubliche Monte Drink von Zott über den Preis, den kein Unternehmen haben möchte, nicht freuen. Mein heimlicher Favorit, der fast noch unverschämtere Gelbe Zitrone-Physalis von Pfanner, musste sich damals mit dem undankbaren zweiten Platz begnügen, aber eigentlich gibt es unter den nominierten Firmen für den Goldenen Windbeutel nur Verlierer. Nein, natürlich nicht nur, denn Umsatzeinbußen und negative Berichterstattung hat auch schon manchmal zum Umdenken beigetragen.
Und weil Verlieren auch schön sein kann, in diesem Falle für die KonsumentInnen, welche die dreisteste Werbelüge wählen dürfen, stehen Ihnen bis zum 16. Juni 2011 die virtuellen Wahlurnen zur Verfügung. Treten Sie also ein und machen Sie mit bei der Wahl des Goldenen Windbeutels, um jenen Kandidaten der Werbewirtschaft zu zeigen, was Sie von deren Konsumgütern halten. Nämlich nichts!
Ich bin natürlich höchst erfreut, dass abgespeist.de auch der Firma Ferrero ihre volle Aufmerksamkeit mit der so sagenhaften “Milch-Schnitte“ geschenkt hat, wobei dies nicht als Beeinflussung der Wahl gedacht ist, sondern nur als Weiterführung auf meinen Artikel “Die Extra-Portion Milch … sicher nicht vom Ferrero Kinder-Riegel“. Denn ich kann mich ebenso mit jenen anderen vier potentiellen Werbelügen anfreunden oder besser anfeinden, welche sich berechtigte Hoffnungen auf den Goldenen Windbeutel machen dürfen.
Ob ich dabei auf das feine Gürkchen-Schlemmertöpfchen von Kühne mächtig sauer bin, der immer wieder gerne gesehenen Firma Danone, immerhin Goldener Windbeutel 2009-Sieger mit Actimel und nun mit Activia erneut ganz vorne dabei, den Inhalt meines Verdauungstrakts offenbare, meinen Ärger und gleichzeitig den Bluthochdruck mit den “Ferdi Fuchs Mini-Würstchen” von Stockmeyer ins Unermessliche steigere oder besser “Nimm0″ anstatt ”Nimm2“ von Storck in Betracht ziehe, die Qual der Wahl ist furchtbar schwierig. Doch weil jede Qual irgendwann ein Ende hat, heißt es nun für Sie ab zur Abstimmung.




