Klimafolgenforschung: Bewältigung des Klimawandels


Wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen zum globalen Wandel

Es gibt manchmal Begriffe aus dem Bereich der Nachhaltigkeit, des Klimawandels und allem, was sonst noch dazugehört, welche einem bis dato unbekannt waren. „Klimafolgenforschung“ ist solch ein verbales Ungetüm. Aber der Inhalt hinter dieser sprachlichen Lautmalerei ist sehr ernst und überaus interessant. Wer sich beispielsweise auf den Seiten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) umsieht, wird bemerken, dass Klimafolgenforschung weit über die elementare Analyse des Klimawandels hinausgeht. Und interessanterweise vertritt hierbei das PIK den Ansatz, dass interdisziplinäres Forschen auf diesem Gebiet nicht nur die verschiedenen Naturwissenschaften zum Inhalt hat, sondern dass in zunehmendem Maße die Sozialwissenschaften mit eingebunden werden müssen, um der Gesellschaft „robuste Optionen für die Bewältigung des Klimawandels aufzuzeigen. Denn es bleibt nicht mehr viel Zeit, um das Unbeherrschbare noch zu vermeiden und das Unvermeidbare sicher zu beherrschen.“

Nehmen wir also als recht verständliches und vor allem gängiges Beispiel die Gletscherschmelze. Fakt ist etwa, dass es in zunehmendem Maße zu einer spür- und leider auch messbaren Erwärmung der Höhenlagen bestimmter Regionen, z.B. im Himalaya, kommt. Das wiederum führt dazu, dass Gletscher mehr und mehr abschmelzen. Doch wie kommt es zu diesem Phänomen?

Die Klimafolgenforschung beschäftigt sich mit solchen und anderen Dingen des Klimawandels, jedoch nicht vom Standpunkt der Resultate aus, sondern dieser Forschungsbereich hinterfragt vielmehr, welche Faktoren für die Gletscherschmelze verantwortlich sind. Dass die Treibhausgase und der uns allen mehr oder weniger bekannte Treibhausgaseffekt eine entscheidende Rolle für die Erderwärmung spielen, steht für die meisten Menschen mit gesundem Menschenverstand mittlerweile außer Frage. Die Tatsache, dass etwa der deutsche Wissenschaftler Klaus-Peter Kolbatz im Jahr 2008 eine Petition an den Deutschen Bundestag gerichtet hat, welche die Auforderung beinhaltete, die Klimapolitik noch einmal neu zu überdenken, ist sicherlich sehr löblich. Seine Begründung, „dass es keinen Treibhauseffekt geben kann, da Wärme grundsätzlich nach oben steigt und ungehindert in das Weltall entweichen kann”, lässt sich nach physikalischen Gesichtspunkten sicherlich nicht von der Hand weisen, lässt aber wiederum die Vermutung zu, dass möglicherweise mit diesem physikalischen Phänomen auch der gesunde Menschenverstand nach oben gestiegen ist und ungehindert in den Weiten des Weltalls verschwunden ist (siehe auch „Geo-Engineering, ein Himmelfahrtskommando). Aber dies nur nebenbei.

Welch gefährliche Mischung jedoch neben den CO2-Emissionen für die globale Gletscherschmelze im allgemeinen und regional bedingtes Dahinschmelzen am Beispiel des Himalaya letztendlich in ihrer Gesamtheit verantwortlich sind, gilt es erst noch intensiver zu erforschen. So kommen die KlimafolgenforscherInnen zu dem Schluss, dass als weitere bisher noch wenig beachtete Faktoren Ruß und Staub tiefschürfend in diesen Prozess eingreifen. Und diese Schmutzpartikel sind in weiterer Folge für Veränderungen von Feuchtigkeits- und Energiegehalt der Atmosphäre verantwortlich. All dies muss jedoch noch erforscht werden.

Dss sogar der Vatikan als Sprachrohr für mehr als eine Milliarde Menschen mittlerweile den Klimawandel mit anderen Augen sieht und diesen als potentielle Gefahr für die Schöpfung betrachtet, ist nach Hans Joachim Schellnhuber, dem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, ein gutes Zeichen oder besser „ein wichtiges Signal“ (Gletscherschmelze ist Vorbote des Klimawandels). Wiederum beiläufig erwähnt: Wer im Moment schneller schmilzt, die Gletscher oder die Mitgliederzahlen der katholischen Kirche, wäre sicherlich auch einmal ein ausgiebiges Thema für eine Forschungsarbeit. Aber ich möchte nun nicht die Probleme der christlichen Glaubensgemeinschaft unnötig ins Lächerliche ziehen, sondern ganz im Gegenteil diese neue Soziallehre der Kirche als Beispiel für fortschrittliches Denken erwähnt wissen. Dazu siehe auch die äußerst interessante Abhandlung von Ottmar Edenhofer „Eine Ethik der Nachhaltigkeit. Die deutschen Bischöfe zu den Gefahren des Klimawandels„.    

Eine andere Forschungsgruppe regionaler Klimafolgenforschung wurde nun im brandenburgischen Neuglobsow ins Leben gerufen. Am dortigen Stechlinsee untersuchen Klima- und in erster Linie Gewässerforscher unter Mark Gessner anhand eines weitweit einzigartigen Pilotprojektes, welche Faktoren für die Erwärmung des oberflächennahen Wasser entscheidend sind. Ausgehend von der Tatsache, dass zwischen 1958 und 2009 die Wassertemperatur um + 1,5 Grad Celsius angestiegen ist, sollen die Messungen zum Verstehen dieses Wandels beitragen. Dass es aber Jahre dauern wird, bis die wichtigsten Fragen auf diesem weitgehend unbekannten Gebiet, der sogenannten Limnologie, beantwortet sein werden, stellt Gessner jetzt schon klar. (Weltweit einmalige Versuchsanlage zur Klimafolgenforschung in Neuglobsow eingeweiht).
Je früher die Klimafolgenforschung also vorzeigbare Ergebnisse liefern kann, desto eher wird es uns vielleicht noch möglich sein, durch interdisziplinäres Forschen brauchbarer Lösungskonzepte „das Unbeherrschbare noch zu vermeiden und das Unvermeidbare sicher zu beherrschen.“ Während des Verfassens dieses Artikels sind sicherlich schon wieder etliche Liter Gletscherwasser den Himalaya und andere Hänge hinuntergeflossen. Ich weiss nicht, wie viele es waren. Aber mit Sicherheit viel zu viele.      


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen