Virtuelles Wasser, der unsichtbare Wasserverbrauch 1


Der wässrige Fußabdruck menschlicher WesenVirtuelles Wasser: Der Wasserfussabdruck europäischer Menschen liegt bei über 4000 Liter Wasser pro Tag.

Wir legen unser höfliches Wesen aus ergonomischen Gesictspunkten wieder für kurze Zeit ad acta und schlagen aus diesem Grunde die Türe des gegenseitigen Respekts zu, um andererseits im selben Augenblick eine andere Türe einen Spalt breit zu öffnen. Bewusst nur ein wenig, denn je weiter wir die unscheinbare und vielfach unbeachtete Türe mit dem seltsam klingenden Namen „Virtuelles Wasser“ aufstoßen, desto größer wird dadurch unser ökologischer Wasserfußabdruck.

Unser täglicher Wasserverbrauch errechnet sich aus der Benutzung der Toilette, unserem Bedürfnis nach einer Dusche oder noch schlimmer, einem Vollbad in der Badewanne. Wir verbrauchen Wasser beim Kochen der Spaghetti, für die Zubreitung einer schönen Tasse Kaffee, beim Zähneputzen lassen wir grundsätzlich einmal das Wasser fröhlich laufen, die Wäsche wird im Trockengang auch nicht so sauber wie wir uns dies vorstellen. Im Garten schreit der braune Rasen nach Wasser, die Fensterscheiben starren vor Dreck, das Geschirr wirkt ungewaschen auch nicht gerade appetitlich und unser liebstes Spielzeug Auto erfordert jeden Samstag Nachmittag unsere ganze liebevolle Aufmerksamkeit. Und so kommen in Summe pro Tag doch einige Liter Wasser zusammen, welche wir manchmal weniger und oftmals mehr in den Tiefen der Kanalisation versenken.

Oder um mit handfesten Zahlen zu hantieren: Pro Kopf und pro Tag bringt es ein durchschnittlicher europäischer Mensch auf etwa 130 Liter des kostbar köstlichen Nass. Doch dies ist eben nur jene sichtbare Oberfläche, sozusagen die Wasseroberfläche, welche wir gedankenlos abschöpfen. Denn unter diesem Wasserspiegel schlummert jenes virtuelle Wasser, welches viele Menschen vergessen. Jener Wasserverbrauch, welcher indirekt von uns Menschen konsumiert oder verschwendet wird.

Davy Vanham beschäftigt sich mit dem unsichtbaren Wasserabdruck des Wassers.Der 36-jährige belgische Umwelttechniker Davy Vanham, welcher sein Können schon in Ecuador, Südafrika oder Südindien unter Beweis gestellt hat und sich im Moment für das österreichische Lebensmittelministerium mit eben jenem Wasserabdruck der ÖsterreicherInnen beschäftigt, hat sich als Flachländer in das Tiroler Bergland an die Universität Innsbruck begeben. Besonders die Alpen und die damit verbundene gegenwärtige und zukünftige Wasserwirtschaft dieser Gebirgskette haben es dem Umwelttechniker angetan (In Zukunft: Genug Wasser für die Alpen).

Doch weil sich auch heutige Umweltwissenschaftler nicht mehr als Naturburschen unter Beweis stellen müssen, sitzt auch Vanham fast nur noch am Rechner und entwickelt am elektronischen Reissbrett seine Theorien hinsichtlich Verfügbarkeit, Bedarf, Gleichgewicht, Sicherheit oder Knappheit der Ressource Wasser. „Der Alpenraum ist der bestdokumentierte Gebirgszug weltweit, und Österreich als Gebirgsregion mit dünner Besiedelung in einer Luxussituation“ begründet der Belgier seine Forschungstätigkeit abseits der realen Gebirgspfade und in Echtzeit fließenden Bergbäche.

Und so haben die Details unserer alltäglichen Konsummuster ergeben, dass das sichtbar oder tatsächlich verbrauchte Wasser gerade einmal einen Bruchteil unseres gesamten Wasserverbrauchs ausmacht. Nur ein Dreißigstel stammt aus Kochen, Waschen oder Trinken. Der überwiegende Rest fällt als virtuelles Wasser im Produktionsprozess unserer Konsumgüter an. Und wenn wir diese beiden Größen addieren, kommen wir auf einen Wasserverbrauch von stolzen 4 400 Litern Wasser. Pro Kopf und pro Tag! Und Vanham kommt zum kuriosen Ergebnis, dass das wasserreiche Land Österreich im Endeffekt eigentlich ein Wasserimporteur ist. Denn 63 Prozent der für diese Rohstoffe- und Konsumgüter notwendigen Wassermenge wird im Ausland produziert. Das Schlimme daran: Meist müssen es Länder wie Spanien (Gemüse), Indien (Baumwolle) oder Pakistan (Reis) bereitstellen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen.

Und wer glaubt, zukünftig die heimische Wirtschaft anzukurbeln und die ausländischen Wasserressourcen schonen zu können, indem nur noch Rindfleisch ausThe Water Footprint Assessment Manual: Den eigenen Wasser Fußabdruck berechnen. österreichischer Zucht konsumiert wird, der irrt. Das Futtermittel stammt oftmals aus brasilianischen Monokulturen. Und um diese anbauen zu können, muss wiederum Regenwald weichen. Oder bleiben wir bei der eingangs erwähnten Tasse Kaffee. Sie glauben, ein paar Kaffeebohnen und etwas Wasser genügt? Leider weit gefehlt. Denn um ein Kilogramm Röstkaffee zu erzeugen, werden 21 000 Liter Wasser benötigt. Umgerechnet auf durchschnittlich 7 Gramm Kaffee pro Kaffeetasse bedeutet dies 140 Liter virtuelles Wasser, welches durch unsere Kehlen rinnt. Dies heißt, pro Tasse Kaffee brauchen wir mehr virtuelles Wasser pro Tag als unser gesamter täglicher Wasserbedarf ausmacht. Schauen Sie sich ruhig einmal selbst auf der Seite „Virtuelles Wasser versteckt im Einkaufskorb“ um und machen Sie sich ein Bild davon, wie und wo wir unser Wasser verschwenden.

John Anthony Allan hat in den 90er Jahren den Begriff des virtuellen Wassers geprägt. Ihm wurde 2008 der „Stockholmer Wasserpreis“ für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der aussagekräftigen Messungen von virtuellem Wasserverbrauch verliehen. Doch nur wer sich dessen bewusst ist, welche Wassermengen für die Produktion von Erzeugnissen notwendig sind, bevor diese auf auf unseren heimischen Tischen landen, wird sich vielleicht dieser viel zu wenig beachteten Problematik widmen können.

Bei Klick auf das nebenstehende Schaubild können Sie einmal selbst berechnen, wie hoch Ihr ganz persönlicher Fußabdruck Ihres Wasserverbrauches ist. Und ich muss Ihnen gestehen: Mir hat es bei meinem virtuellen Wasserverbrauch die Tränen in die Augen getrieben. Doch dies waren beileibe keine virtuellen. Aber deshalb beschäftige ich mich schließlich mit Themen wie diesen. Um darüber zu reflektieren, darüber zu berichten und schlussendlich aus diesen Erkenntnissen zu lernen.          

       


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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