AKW-Stresstests: Der Stress verkommt zur Farce

Gödöllö: Das Märchenschloss und die europäischen Märchenerzähler

Nachdem sich nun in FAZ und Standard ein Artikel unter der Überschrift “Stresstest ohne Stress” findet und die Süddeutsche “EU kippt strenge Reaktor-Tests” schreibt, könnte ich jetzt als Prophet und Orakel von Wien auftreten und marktschreierisch sagen: “Ich habe es immer schon gewusst.” Und doch ist es irgendwie frustrierend, dass sich mein Artikel “AKW-Stresstests: Nur kein Stress” vom 27.03.11 zu dem entpuppt, was er eigentlich nicht werden sollte, nämlich zur bitteren Wahrheit. 

Jedes schöne Märchen beginnt mit “Es war einmal …”. Im ungarischen Gödöllö steht ein wunderschönes Barockschloss. Doch nicht nur das, war es auch das unbestrittene Lieblingsschloss von Kaiserin Elisabeth oder Sisi, wie die österreichische Märchenkaiserin immer noch liebevoll genannt wird. Dort lebt die Geschichte, steht förmlich auf und zeugt vom vergangenen Glanz der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie. Und wie es der Zufall will, haben sich erst neulich die Europäischen EnergieministerInnen in jenem ungarischen Städtchen Gödöllö getroffen, um ihr eigenes Märchen von der großen weiten Welt der Atomkraftwerke neu zu spinnen.

Es war einmal …” das Bestreben vor nicht allzu langer Zeit, nach der Kernreaktorkatastrophe von Fukushima alles zum Besseren zu wenden. Heroisch traten die Granden der europäischen MärchenerzählerInnen-Gilde an, charmant getarnt als gestiefelte Kätzchen und Kater im Fell der Umwelt- und EnergieministerInnen, den BürgerInnen die schöne Mär vom rigorosen und scharfen AKW-Stresstest zu erzählen. Ein Märchen mit Happyend sollte es werden. Eine wunderschöne Geschichte voll von leidgeplagten Prüfungen der Atomkraftwerke bezüglich Terrorgefahr, Naturkatastrophen, menschlichem Versagen, Flugzeugabstürzen und noch vieles mehr.

Man wollte sich wie das altbekannte Rumpelstilzchen aufführen und all jene unsicheren Atommeiler in Grund und Boden treten, welche den strengen Standards nicht genügen. Doch wie das leider in modernen Märchen manchmal so ist: Nicht jedes Aschenputtel verliert den gläsernen atomverstrahlten Schuh und findet danach trotzdem den heißgeliebten Prinzen. Schlimmer noch im Falle unserer Märchentanten und Geschichtenerzähler. Anstatt die Guten ins Töpfchen zu legen und die Schlechten ins Kröpfchen zu tun, lassen wir den ganzen Reaktorbrei lieber von den eilig herbeigerufenen atomaren Tauben bis zum Rand zuscheissen (Entschuldigen Sie die drastische Wortwahl bitte, aber manches Mal hilft nur dieses).

Es war einmal …” oder besser “Es soll sein …”. In Brüssel werden sich die Schwestern und Brüder Grimm treffen, um über eventuelle Gefahren durch Naturkatastrophen zu beraten. Sonst nichts! Keine Rede ist mehr von Terrorgefahren, Flugzeugabstützen oder menschlichem Versagen. Und das, obwohl im spanischen AKW Asco 1 und im japanischen Tsugura 2 erneut die Suppe aus Brennstoffelementen leise vor sich hin köchelt (siehe Asco 1 und Tsugura 2: Atomkraft außer Kontrolle). Und weil die kleinchen Schweinchen im gleichnamigen Märchen riesengroße Angst vor dem bösen Wolf hatten, so blasen nun der britische und der französische Lupus mächtig auf die Dächer der anderen Atommeiler ein und anstatt die eigenen vier AKW-Wände zu verstärken, stimmen alle anderen lieber kräftig in das Geheul mit ein. Denn vielstimmig heult es sich besser, da fällt das einzelne Dementi nicht auf und geht im Geschrei der anderen unter.

Brüssel hat wieder einmal vor der mächtigen Atomlobby katapultiert. Der Vorschlag, die einzelnen Atomkraftwerksbetreiber nur zu Stresstests bezüglicher potentieller Gefahren durch Naturkatastrophen zu verpflichten, sieht doch laut EU wie ein Happyend aus. Dass dabei unabhängige Fachleute keinen Zutritt zu den AKWs haben, soll Hänsel und Gretel auf ihrem Weg durch den finsteren Wald nicht weiter stören. Dass weiterhin strengere Stresstests nur auf freiwilliger Basis erfolgen, gleicht da schon eher einer gut geplanten Hexenverbrennung auf europäischem Niveau. Dass es nun auch nicht mehr in Frage kommt, die Funktionalität von Notstromaggregaten, Stromversorgung und Kühlsysteme nach solchen Szenarien auf ihre Sicherheit zu testen, macht das “Tischlein deck dich” geradezu zu einem Buffet für Bulimie.

Es war einmal …” und ist noch immer der EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Und aus seinem märchenhaften Umfeld kommt trotz all dieser 27 störrischen und bockigen EU-Geißlein die Erkenntnis, dass in jedem Fall die Einführung dieser Tests ein Fortschritt für die Sicherheit der Kernkraftwerke in Europa sei. Wer sich diesen gläsernen Schuh anziehen soll, steht allerdings noch hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Natürlich ohne Beisein von Schneewittchen. Denn dieses ist bereits an all diesen Märchengeschichten erstickt.    

1 comment for “AKW-Stresstests: Der Stress verkommt zur Farce

  1. 13.12.2011 at 16:46

    Ich bin generell begeistert von den Schüssler Salzen . Diese haben mir schon in unterschiedlichen Situationen geholfen. Gegen Stress nehme ich z.B. 5 und 14. Ich rate immer zu dem Gang zu einem Heilpraktiker. Der kann einen richtig einstellen und beraten welche Salze bei dem Problem ratsam sind.

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