Asco 1 und Tsugura 2: Atomkraft außer Kontrolle


Neue AKW-Störfälle in Spanien und Japan

Die Katastrophe von Fukushima scheint langsam in den Fluten der Menschheitsgeschichte zu versinken. Der atomare Super-GAU wird Tag für Tag zum lauen Lüftchen und löst sich mitsamt den Schlagzeilen in Wohlgefallen auf. Nur noch sporadische Meldungen in den Medien berichten über die Bemühungen von Betreiber Tepco, mit Luftfiltern radioaktiv kontaminierte Teilchen aus dem Inneren des Kernreaktors zu eliminieren. Eine weitere in Diensten von Tepco stehende Arbeiterin wurde verstrahlt, doch über all dem stehen die Meldungen über den nun endlich zur Strecke gebrachten Osama Bin Laden. Keine Frage, die Terrorpatenschaft des Al-Kaida-Chefs beschäftigt und bewegt völlig zurecht die Welt. Doch es zeigt auch wieder einmal, wie schnelllebig wir mit Katastrophen umgehen. Sie werden solange hochstilisiert und oftmals künstlich am Leben erhalten, bis sie sich durch „einträglichere“ mediale Ereignisse selbst auflösen.   

Die Zielrunde von Fussballmeisterschaften nimmt unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch, auf dem glatten rutschigen Parkett suchen andere Sportler ihren Eishockey-Weltmeister. Wir sind von Prince William und seiner nun endlich angetrauten Kate immer noch vollkommen hingerissen, während der ehemalige Papst Johannes Paul II unter dem Motto „Santa Subito“ in Rekordzeit von seinem direkten Nachfolger selig gesprochen wurde. Doch morgen schon werden aktuelle Geschehnisse unsere ganze Aufmerksamkeit beanspruchen, bis auch diese innerhalb kürzester Zeit Auflösungserscheinungen zeigen.

Doch unter der Oberfläche brodelt es trotz toten Päpsten, ebenso toten Terroristen, frisch vermählten blaublütigen Menschen oder Meisterschaften fast unbeachtet von der Öffentlichkeit atomar weiter. Im spanischen Tarragona wird ein Störfall des Atommeilers Asco 1 vermeldet, in Japan flackern die Lichter des AKW Tsugura 2 bedenklich radioaktiv. Ein Ventil soll sich aus bisher noch ungeklärter Ursache geöffnet haben. Schlimm genug, doch es hätte weitaus schlimmer kommen können. Aufgrund neu zu bestückender Brennelemente war der Atommeiler nicht in vollem Betrieb. „El Pais“ schrieb, dass die darin befindlichen Arbeiter nicht schwer verstrahlt worden seien. Was bedeutet „nicht schwer verstrahlt„?

An der japanischen Westküste wurde im AKW Tsugura 2 Kühlwasser durch austretendes Xenon radioaktiv kontaminiert. Daneben wurde die Hülle der Brennelemente offenbar beschädigt. Der Reaktorkern wurde daraufhin manuell heruntergefahren. Strahlung wurde scheinbar keine festgestellt. Und einen Grund für den Zwischenfall können die Verantwortlichen auch nicht nennen. Angeblich besteht keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt. Was bedeutet „angeblich„?

Im Jahre 1981 stand Tsugura schon einmal in den Schlagzeilen, wobei damals der Betreiber Japan Atomic Power Co. die Bevölkerung den Austritt von radioaktiven Substanzen nicht informierte und die ganze Causa zu vertuschen versuchte. Und auch jetzt dürfte die Atomenergiebehörde in Wien über die Vorfälle im Dunkeln gelassen worden sein (Japan fürchtet zweites Fukushima).

Der spanische Reaktorbetreiber Endesa wählte genau dasselbe Procedere für einen Störfall im 2007 in eben jenem Asco 1. Am 26. November 2007 wurden aufgrund menschlichen Versagens 50 Liter strahlenverseuchtes Wasser sowie ebenfalls kontaminierter Schlamm in das Notbelüftungssystem geleitet. Drei Tage später führte ein weiterer Fehler dazu, dass jenes radioaktive Material über das normale Lüftungssystem in die Atmosphäre gelangte. Erst als Greenpeace 2008 auf den Störfall aufmerksam gemacht wurde und publik machte, war Endesa gezwungen, die Fehler einzugestehen. Was aber weitaus schlimmer war: Der radioaktive Austritt wurde weder an die Aufsichtsbehörde weitergeleitet, sondern es wurde sogar noch eine Gruppe Studenten durch das Kraftwerk geführt. Obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits feststand, dass eine unbekannte Menge radioaktives Material ausgetreten war. (Störfall im AKW Asco 1 schwerer als angegeben)

Doch diese beiden Fälle dürften wohl nur eine Vielzahl von vertuschten Störfällen sein. Wieviel Beinahe-Katastrophen sich wirklich in den Atomkraftwerken ereignet haben und zukünftig „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ noch ereignen werden, dürfte im Sinne des unbdingten Strebens nach Profit verborgen bleiben. Der Mensch ist des Menschen Wolf. Doch die niemals zu kontrollierenden Atomkraftwerke zeigen ihre kontaminierten Zähne auch jenen, welche das Licht der Öffentlichkeit scheuen. Denn Atomkraft leuchtet auf kurz oder lang jeden noch so verborgenen Winkel aus. Mit oder ohne Aufklärung.

        


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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