Windkraft: Google bläst zur Attacke
Der Internet-Riese auf erneuerbaren Wegen
Dieser Artikel ist in gewissem Sinne ein nahtloser Übergang von der Thermodynamik und der scheinbaren Unverträglichkeit mit Nachhaltigkeit. Denn der Internet-Konzern Google streckt seine virtuellen Flügel wie einst Ikarus zur Sonne hin. Nachdem ein kleiner Teil der Gewinne (38 Mio Dollar) in jüngster Vergangenheit bereits in North Dakota in zwei Windfarmen gesteckt wurde und weitere 40 Mio Dollar in Greentech (auch 3,5 Mio in Photovoltaik in Brandenburg) investiert wurden, setzt Google nun diesen Weg fort. 100 Mio Dollar sollen nicht in den Sand gesetzt werden, sondern ganz im Gegenteil sollen sich in der Luft auflösen. Und im konkreten Falle in eine Windkraftanlage, welche bereits 2012 ans Netz gehen soll.
Geht Google nun den richtigen Weg, um aus rein ideologischen und womöglich sogar altruistischen Gründen die eigenen CO2-Emissionen durch nachhaltige Energieformen zu kompensieren oder stecken doch bilanztechnische Gründe hinter dieser grünen Firmenpolitik? Wenn es nach Bill Weihl geht, welcher seit vier Jahren für die Nachhaltigkeitsstrategien des Suchmaschinen-Riesen zuständig ist, möchte Google durch publikumsträchtige Aktionen das eigene Image grün aufpolieren. 200 Ziegen, welche statt Rasenmähern die firmeneigenen Rasenflächen umweltfreundlich abgrasen oder eigene Fahrräder für die MitarbeiterInnen sollen Zeugnis von den lauteren Absichten ablegen. (Zeit Online: “Wir machen uns unabhängiger von Stromkonzernen“)
Immerhin wurde der intern als “grüner Energie-Zar” bezeichnete Weihl und früher am Massachusetts Institute of Technology tätige Professor im Jahr 2009 vom Times Magazin zum “Heroe of Environment” gekürt. Lorbeeren, welchen er nun auch im Namen seines Brötchengebers Taten folgen lässt. Und so stellen die kolportierten 100 Millionen, welche in den Windpark Shepherds Flat im Bundesstaat Oregon fließen, wohl nicht nur ein probates Mittel dar, um die eigene CO2-Bilanz auszugleichen. Immerhin benötigen die riesigen Rechenzentren von Google selbst genügend Energie, welche gerade in den jetzigen Zeiten immer öfter kritischen Betrachtungen standhalten müssen. Und weil einige dieser Datenzentren eben auch zufälligerweise in der selben Gegend angesiedelt sind wie der nun entstehende Windpark, stellt das Interesse von Google wohl nicht nur auf gemeinwirtschaftlichen Füßen.
Aber Google-Manager Rick Needham macht auf dem firmeneigenen Blog aus dieser Firmenpolitik auch keinen Hehl: “We believe in investing in projects that make good business sense and further the development of renewable energy.” (The Official Google Blog: “The wind cries transmission“). Und wenn wir bedenken, dass wir alle durch unseren fleissigen Suchmaschinengebrauch und sonstige tagtägliche Dinge immerhin fast 37 Milliarden Dollar bis Ende März durch Werbeeinnahmen in die Kassen des Giganten gespült haben, machen diese Millionen, welche in nachhaltige Energieprojekte investiert wurden, nur einen verschwindend geringen Teil aus.
Doch in Summe hat Google immerhin nach eigenen Angaben schon 350 Millionen in erneuerbare Energien gesteckt und dies sollte man bei den kritischen Äusserungen gegen die Monopolstellung doch honorieren. (Handelsblatt: 100 Millionen für Windpark). Und da Offshoore-Windanlagen in den USA immer noch in den Kinderschuhen festgewachsen sind, könnte durch solche Projekte und zahlungskräftige Investoren daraus eine gewisse Initialzündung entstehen. Die Aussage von Needham, sich zukünftig nach weiteren lohnenswerten Objekten umzusehen, macht da eigentlich schon Hoffnung. Immerhin lässt man Taten folgen. Auch wenn diese sicherlich aus betriebswirtschaftlichen Aspekten geschehen, wie dies der Manager ausdrückt: “Es ist sowohl ein gutes Geschäft als auch gut für die Umwelt.”
Dass die Börse aufgrund dieser Vorhaben mit einem Minus reagierte, ist eigentlich nicht weiter verwunderlich. Immerhin bedeuten solche riskanten Investitionen auch für die Aktionäre, dass mööglicherweise weniger Gewinn vom grossen Kuchen abfällt. Und wer möchte schon im Namen der Umwelt auf sein eigenes Geld verzichten (Hamburger Abendblatt: “Google investiert 100 Millionen Dollar in Windpark“). Es ist doch bedeutend schöner, am eigenen Geld zu ersticken als an Treibhausgasen.
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Zugegebenermaßen, diese recht sperrige Definition könnte man auch etwas einfacher und natürlich kinderfreundlicher umschreiben. Michael Vielhaber, Pressesprecher von Welios, drückt sich da zwar schon ein bisschen einfacher und verständlicher aus, wenn er sagt: “Nach dem Reaktorunglück in Fukushima hat die Frage nach alternativen Energien eine neue Brisanz erhalten.” Und dies wird es hoffentlich erleichtern, dass der im oberösterreichischen Wels neugebaute Betonbau in Niedrigstenergiebauweise die benötigten 250 000 BesucherInnen erreicht, um schwarze Zahlen zu schreiben.








