Play Ludwig: Physikalische Phänomene spielend lernen


Bruchlandung auf der Erde: Roboter Ludwig aus dem All

Lassen wir in doch einmal die unsägliche PISA-Studie außen vor, wenngleich der Titel „Bruchlandung “ dieses suggerieren könnte, und konzentrieren uns lieber auf jene Möglichkeiten, wie den Lernschwächen der heutigen Generation möglicherweise effektiv zu begegnen ist. Bewegen wir uns weg von Biodiversitätsstrategien und hin zu den spielerischen Elementen des Lebens und in diesem Falle Lernens. Und weil ich in letzter Zeit sowieso auf dem spielerischen Trip (CO2-frei in Evolta City, Education und Entertainment in Welios, Nachhaltige Online- und Umweltspiele) unterwegs bin, passt die Vorstellung des Lernspiels „Play Ludwig“ ganz gut in den Kontext der letzten Artikel.

Aufmerksam geworden auf den namensspenden Roboter Ludwig bin ich eigentlich durch meine Tochter, welche sich an der FH Krems für den Studiengang Tourismusmanagement beworben hat. Und weil Krems auch die Donau-Uni beheimatet und den sogenannten Fachbereich „Applied Game Studies“ des Departments für Bildwissenschaften, stieß ich zufällig auf das Lernspiel Ludwig.

Play Ludwig: Lernspiel des österreichischen Lehrplans für den Physikunterricht.

Besagter Roboter ist eigentlich im weiten All unterwegs. Ob er dabei Mr. Spock und Captain Kirk getroffen hat, weiss ich nicht. Was allerdings bekannt ist: Ludwig erleidet eine kapitale Bruchlandung und wie es der Zufall will, landet er unversehrt auf unserem Heimatplaneten Erde. Und hier beginnt seine Reise durch die unbekannten physikalischen Phänomene. Der Roboter wird mit den verschiedenen Naturgesetzen konfrontiert, welche bereits zu meiner Schulzeit Gültigkeit hatten. Ludwig lernt, wie diese Gesetzmäßigkeiten miteinander verzahnt sind, experimentiert und löst Aufgabenstellungen mithilfe des erworbenen Wissens.

Alexander Pfeiffer und Thomas Wernbacher vom Fachbereich für Angewandte Spielewissenschaften, welche die Entwicklung des Spiels durch das Wiener Entwicklungsstudio Ovos begleiten, sehen im Konzept von Ludwig eine Modernisierung der Unterrichtsmethoden. „Frühere Lernkonzepte von Lernspielen konnten nur abtesten, ob Antworten richtig oder falsch sind, sie boten serielles Lernen als Vokabel- oder Mathematiktrainer.“ Wenn ich selbst retrospektiv die damals üblichen Lerntechniken der Multiple-Choice-Aufgaben meiner eigenen Schulzeit betrachte, sicherlich ein wahres Wort. Entweder die Anwort „passte“ oder sie war eben falsch. Ähnlich verhielt es sich mit Fremdwörtervokabeln. Französisch und Englisch wurde vielfach so vermittelt und von uns erledigt, in dem wir uns die Wörter einfach „reinzogen“ und hofften, bis zur nächsten Prüfung noch möglichst viel rekapitulieren zu können. So einfach war das damals. Oder so schwierig.

Doch die heutige Medienwelt erfordert ein Umdenken. „Es ist notwendig geworden, auf die zunehmende Kluft zwischen schulischer und medialer Lebensumwelt der Jugendlichen zu reagieren und die Herausforderung dieser Entwicklung aktiv anzunehmen.“ (Standard: Spielen mit den Naturgesetzen)

Doch die Gratwanderung wird nicht einfach werden. Um für ein Spielkonzept wie Ludwig bei den heutigen von Internet, Onlinespielen und Playstation infizierten SchülerInnen Akzeptanz zu schaffen, bedarf es sicherlich ausgefeilter audio-visueller und grafischer Techniken. Die heutigen 3-D-Welten von Avatar & Co haben die Messlatte sehr hoch gelegt. Um hier konkurrieren zu können und neben dem Spieltrieb auch das Interesse für gemeinhin als nicht gerade interessant geltende Schulfächer wie Physik langfristig zu wecken, bedarf es sicherlich aufwändiger Programmierungen.

Daneben ist es sicherlich auch nicht gerade ein Leichtes, die Lehrkräfte von der Notwendigkeit und Effektivität solcher Hilfsmittel zu überzeugen respektive das notwendige Hintergrundwissen von heute auf morgen zu vermitteln. 80 Prozent der SchülerInnen halten es für absolut wünschenswert, durch den Einsatz solcher Lernspiele den Unterricht zu bereichern. Doch damit die Lehrkräfte nicht als Schüler Mephistopheles‘ enden und im Sinne von Goethe den Gedankengängen des Teufels ein „Kann Euch nicht eben ganz verstehen.“ ausrufen müssen, sondern  

Ich wünschte recht gelehrt zu werden,
Und möchte gern, was auf der Erden
Und in dem Himmel ist, erfassen,
Die Wissenschaft und die Natur.

Motivation durch spielerisches Lernen: Das Lernspiel Play Ludwig kommt ab Herbst 2011 in Österreichs Schulen.bedarf es nach Pfeiffer noch gründlicher Aufklärungsarbeit. Denn die Grundidee von „Play Ludwig“ orientiert sich schließlich an den vielfach erprobten und bei den meist jüngeren SpielerInnen bestens bekannten Mechanismen. Zunehmend schwierigere Aufgabenstellungen und immer komplexere Handlungsstränge werden durch Learn-by-doing gelöst oder eben: Übung macht den Meister! Ab Herbst 2011 tritt der Roboter Ludwig an, um zunächst den SchülerInnen der fünften bis achten Jahrgangsstufen dieses physikalische Wissen anhand einer großen Bibliothek von Anwendungen, Phänomenen und Prinzipien auf spielerische Weise zu vermitteln.

Wer sich nun schon einmal vorab über das Spielprinzip und die damit verbundenen Lernziele von „Play Ludwig“ informieren möchte, findet bei Klick auf das nebenstehende Bild die Weiterleitung. Allerdings betonen die Entwickler des Spiels, dass solche Hilfsmittel immer nur eine begleitende Maßnahme neben dem eigentlichen Lernen darstellen können und natürlich dementsprechend auch als solche aufgefasst werden sollen. Wernbacher dazu: „Es kann nur so sein, dass man ein Spiel wie Ludwig als Ergänzung einsetzt. Die Vielfalt an Unterrichtsmethoden sollte alle Schüler dort abholen, wo sie sich befinden.“

Ab Herbst 2011 erfolgt die flächendeckende Evaluation von Ludwig. Lassen wir uns also überraschen, ob und besonders in welchem Maße sich positive Transfereffekte bezüglich der FaktorenWissen, Motivation und in Interesse einstellen.   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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