Biodiversitätsstrategie 2020 der EU


EU-Aktionsplan zur Erhaltung der Biodiversität bekommt Nachfolger

Nachdem bereits im Jahr 2006 der sogenannte „EU-Aktionsplan zur Erhaltung der Biodiversität“ bis zum Jahr 2010 mit Vorgaben glänzte, welche selbst im Jahr 2011 noch meilenweit von ihren Zielvorgaben entfernt sind, machen es sich Europas Regierungen eben einfach und beschließen einen neuen Plan. In meinem Artikel „UN-Artenschutzkonferenz liefert Ergebnisse“ hatte ich schon darauf verwiesen, dass sich die Erfüllung der Hauptziele wohl mehr als Wunschdenken ohne Realitätsbezug herausgestellt hat. Sozusagen eine Proklamation, welche ins Kraut schoss, ohne das damit verbundene Grüne zu treffen.

Und weil die Menschheit in Sachen Verlust der biologischen Vielfalt und deren Möglichkeiten der Verringerung nichts Besseres einfällt als Theorie ohne Praxis, zaubert die EU-Kommission zur Kompensation der eigenen Ratlosigkeit ganz einfach neue Pläne unter den Schreibtischen hervor. Und da sich „2020 Biodiversitätsstrategie: Unsere Lebensversicherung, unser Naturkapital. Eine Biodiversitässtrategie bis 2020“ mindestens genauso gut anhört wie das zu Grabe getragene Vogängermodell, wird ab 04. Mai 2011 der Artenschutz, die biologische Vielfalt und die Verschlechterung der Ökosystemleistungen richtig forciert und in Balance gebracht.

Der Plan wurde schon mehrfach verschoben, die Ausgangslage bleibt aber dieselbe. Die Worte wurden umformuliert, die Sätze geschliffen, die Zielsetzungen wiederholen sich.

– die Verbesserung der Situation von Arten und Wiederherstellung von Lebensräumen,
– die bessere Vernetzung der Schutzgebiete des Netzes „Natura 2000“ (Green Infrastructure),
die bessere Integration des Naturschutzes in die Agrar- und Fischereipolitik,
–  Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel und gegen invasive Arten (Invasive Alien Species, IAS),
–  sowie die Reduzierung des „ökologischen Fußabdrucks“ der EU weltweit.

Natura 2000: Teil der Biodiversitätsstrategie 2020 der EU.Schaut man sich die Definition und Ziele des Natura 2000-Projektes auf der Webseite des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) an, steht dort etwas von einem „EU-weiten Netz von Schutzgebieten zum Erhalt der in der Europäische Union EU gefährdeten Lebensräume und Arten.“ Und als Erklärung, aus welchen Komponenten sich Natura 2000 zusamensetzt, folgt dann folgendes: „Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie (Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten) und den Schutzgebieten der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen).

Jedes Mitglied der EU ist verpflichtet, für diesen Zweck besonders wertvolle Areale zu melden, diese als Natura 2000-schutzwürdig zu deklarieren und in weiterer Folge auch notwendige Managementpläne zur Umsetzung dieser Richtlinien zu erarbeiten. Aus diesem Grunde wurde das bayerische Estergebirge auch als Vogelschutzgebiet und Fauna-Flora-Habiat (FFH)-Gebiet im Sinne dieser Pflicht auserkoren. Auf einer Informationsveranstaltung in Eschenlohe kamen nun aber erste Bedenken der LandwirtInnen, welche dieses Gebiet bewirtschaften. (Natura 2000: Die Skepsis bleibt). Aus Sicht der LandwirtInnen wird die nachzuvollziehende Befürchtung geäußert, dass durch die Kartierung und mögliche Umwidmung Weideflächen verlorengehen. Doch die Behörden versuchen, diese Bedenken zu zerstreuen.

Mit den Argumenten, an der bisherigen Nutzung nicht rütteln zu wollen, Weiderechte werden nicht aufgehoben und überhaupt sei der auszuarbeitende Managemantplan für die privaten Grundstückseigentümer sowieso nicht verpflichtend, wird vorsichtshalber schon einmal der ökologische Rückwärtsgang eingelegt. Und obwohl Josef Glatz, Vorsitzender der Weidegenossenschaft Garmisch, unmissverständlich sagt, dass „ein Schutz dieser Flächen für uns nicht tragbar ist„, sprechen die Regierungsvertreter von „konstruktiver Zusammenarbeit“ und davon, dass es darum gehe, Akzeptanz zu erreichen. Die Floskel der „Glaubwürdigkeit durch Transparenz“ wird bemüht, die Parole „gemeinsam an einem Strang ziehen“ ausgerufen.

Die EU-Kommission möchte durch das neue Regelwerk neue Strategien zur Schaffung eines ökologischen Gleichgewichtes schaffen. Dies ist ihr weder durch den alten Aktionsplan gelungen noch wird es ihr bis zum Jahr 2020 durch die neuen Vorgaben gelingen. Abgesehen davon, dass die Fronten bereits vor Beginn der heissen Phase, das Estergebirge dient hier nur als ein Beispiel, verhärtet sind, schätzt das „Bundesamt für Naturschutz“ die Kosten für die Umsetzung des Projektes auf etwa 6,1 Milliarden Euro (Förderung und Finanzierung von Natura 2000). Wohlgemerkt, wir sprechen hier nur von dem einen Punkt Natura 2000.

Stellen wir doch den rein hypothetischen Fall auf, dass plötzlich in einem Gebiet, welches als FFH-Gebiet unter Schutz gestellt wurde, wertvolle Rohstoffe wie Metalle, riesige Erdgas- oder Erdölvorkommen oder Seltene Erden gefunden werden. Die aktuelle Situation der künstlichen Verknappung der letztgenannten Rohstoffe durch China wird dann wohl die sogenannte Rohstoffdiplomatie auf den Plan rufen. Und ob dann die einmal festgesetzte Kartierung so stehen bleibt wie ursprünglich angeordnet, wage ich zu bezweifeln. Sollten sich Bauern und Behörden tatsächlich auf einem gemeinsamen Nenner geeinigt haben, wird es neue Bauernopfer geben.

Da ist das derzeitige Problem namens Windenergie und Vogelkollisionen: unzureichende EU-Leitlinie zu Windenergie und Natura-2000 wohl nur eines von vielen, welches es bis zum Jahre 2020 noch zu lösen gilt. Aber wie bereits gesagt: Der EU-Aktionsplan zur Erhaltung der Biodiversität wurde auch niemals flügge. Dass Greenpeace im Zuge dieses Vorhabens bis zum anvisierten Zeitpunkt die Schaffung zehn neuer Nationalparks zum Schutz alter Buchenbestände fordert, aber Deutschland gleichzeitig Schlusslicht in Sachen Waldschutz ist, darf dabei nicht weiter stören. Schließlich wurde die Biodiversitätsstrategie 2020 auf Umweltschutzpapier ausgearbeitet. Zumindest hoffe ich dies. Wenn ich ansonsten auch wenig Hoffnung in mir trage.     


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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