Nachhaltigkeit und Thermodynamik: Ein Widerspruch


„Langfristig gesehen sind wir alle tot!“

sagt nicht Paul Bögle, sondern Peter Skalicky (Rektor TU Wien). Und genau aus diesem Grund widerspricht das sooft bemühte Thema Nachhaltigkeit sowohl in wirtschaftlicher als auch in gesellschaftspolitischer Sicht unserer vorherrschenden Kultur des Denkens und unserer Haltung zum Leben. Unsere Reflexion über Nachhaltigkeit kann niemals von Erfolg gekrönt sein, solange wir nicht einen zeitlichen Rahmen setzen. Doch Skalicky kommt zu einem noch fataleren Schluss: Nachhaltigkeit widerspreche grundlegend dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.

Ich bin, ehrlich gesagt, etwas überfordert mit dieser Aussage. Peter Skalicky folgert daraus die Konklusion: „Langfristig gesehen sind wir alle tot!“ Selbst nach Lesen der verschiedenen Merkmale oder Hypothesen dieses zweiten Hauptsatzes will sich mir der Sinn dieser Aussage nicht erschließen. Vielleicht gibt es klügere Köpfe, welche mich dahingehend aufklären können. Dass die Entropie in der Thermodynamik eine physikalische Zustandsgrösse ist, welche die Ordnung oder besser Unordnung eines Systemes misst und beschreibt, will mir noch einleuchten. Dass daraus gefolgert werden kann: Je weniger Umwandlung (Entropie) vorhanden ist, desto geringer die zur Verfügung stehende Energie, erschließt sich mir gerade noch. Ein System, welches sich also in völligem Gleichgewichtszustand befindet, kann also keine Arbeit verrichten, sondern nur aufnehmen.

So weit, so gut. Oder eben nicht gut. Denn warum unsere Gesellschaft und wir als darin befindlicher und unabdingbar zur Vergängnis verdammter Teil dieser Ordnung aber keinen Beitrag zu nachhaltiger Zustandsveränderung beitragen können, möchte sich meinem Gehirn nicht offenbaren. Dass wir von einer grundlegenden Haltungsänderung und dringend notwendigen Wandlung dieses Ist-Zustandes aus ökologischen, sozialen und vor allem ökologischen Aspekten noch meilenweit entfernt sind, ist keine Frage. Doch weshalb sollten sich fortschrittliche Denkansätze und neue Denkmuster nicht umsetzen lassen? Zweiter Hauptsatz hin und begrenzte Lebenszeit her.   

Und deshalb kommt Erwin Wagenhofer (Regisseur von „We feed the World“ und „Let’s make MONEY„) zum Schluss, dass Nachhaltigkeit erst dann auf Unternehmensebene und aus betriebswirtschaftlicher Sicht zum Ziel führen, wenn die herkömmlichen Strukturen aufgebrochen werden. Das derzeit praktizierte Wirtschaftswachstumsmodell und die darauf abzielende Nachhaltigkeit, welcher eben aufgrund dieses Fehlens allerhöchstens theoretisch und latent vorhanden ist, sage ich zumindest, können aus diesen Gesichtspunkten auf keinen gemeinsamen Nenner gebracht werden.

Wenn man sich mit jungen Menschen und ihren Visionen und Plänen zum Thema Nachhaltigkeit unterhält, sehe ich durchaus Licht am Horizont. Ich finde es dementsprechend sogar kontraproduktiv, wenn die Thermodynamik für unsere Unfähigkeit herhalten muss, um damit leichtfertig die Aussage in den Raum zu stellen, dass Nachhaltigkeit ein (physikalisches) Ding der Unmöglichkeit sei. Genau dies fördert nämlich in meinen Augen jenen Unwillen, den derzeitigen Zustand ändern zu wollen und in weiterer Folge auch ändern zu können.     


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen