Paradox: Kontraproduktives Energiesparen 3



Nachdem ich eigentlich mit dem Vorhaben ans Werk gegangen bin, einen kleinen Artikel zum wenig beachteten und dementsprechend auch nicht allzu bekannten Jevons‘ Paradoxon zu verfassen, habe ich wider Erwarten doch wieder drei Beiträge daraus gemacht. Wer die beiden vorangegangenen Berichte (Energiesparen = erhöhter Energieverbrauch und Rebound-Effekt: Bumerang Energiesparen) nicht gelesen hat: William Stanley Jevons hat bereits im Jahr 1865 die Beobachtung gemacht, dass trotz technischer Neuerungen in Bezug auf den sinkenden Energieverbrauch von Dampfmaschinen in Summe der Energieverbrauch der englischen Bevölkerung anstieg. Oder anders ausgedrückt: Je weniger Kohle eine einzelne Dampfmaschine verbaucht, desto höher ist im Endeffekt der gesamte Verbrauch dieses fossilen Brennstoffes. Klingt seltsam? Ist es auch. Aber trotzdem soll der vorliegende Artikel definitiv den Abschluss bilden. 

Sommerzeit, Winterzeit, Energiesparzeit?2.3 Winterzeit, Sommerzeit, Energiesparzeit? 

1980 schrieb die Menschheit Geschichte. Zum wiederholten Male natürlich. Aber in diesem speziellen Fall stand ein neuer Programmpunkt abrufbereit: Die Sommerzeit wurde eingeführt. Einige findige Köpfe beschlossen, aus Gründen der Stromersparnis am Stundenzeiger zu drehen und uns abends eine Stunde mehr Licht zu schenken. Schuld war die damalige Ölkrise, welche mit Beginn des Jahres 1973 ihre (Strom)Kreise zog. Durch eine bessere Nutzung des Tageslichtes in den Abendstunden sollte die natürliche Lichtausbeute erhöht und der Stromverbrauch gesenkt werden. 0,15 Prozent an Strom sollte sich durch diese Maßnahme einsparen lassen. Zumindest hatten dies ExpertInnen ausgerechnet. 

Sie werden es nicht glauben. Die Idee war gar nicht so neu. Sogar Jahrhunderte alt. Geistiger Vorreiter in Sachen Sommerzeit war ein gewisser Benjamin Franklin. Richtig, DIESER Benjamin Franklin. 1784 schrieb er einen Brief an das „Journal of Paris“, in dem er die hohen Kosten beklagte, welche die bei Dunkelheit notwendigen Kerzen verursachten.

MESSIEURS,
You often entertain us with accounts of new discoveries.
Permit me to communicate to the public, through your paper, one that has lately been made by myself, and which I conceive may be of great utility. …“

waren die Einleitungssätze seines „Essay on Daylight Saving„, in welchem er schlussfolgerte und anhand von Zahlen belegte, dass verlängertes Tageslicht eine erheblicheBenjamin Franklin: 1784 schrieb er einen Brief an das “Journal of Paris”, in dem er die hohen Kosten beklagte, welche die bei Dunkelheit notwendigen Kerzen verursachten. Kostenersparnis für die Pariser Bevölkerung bedeute. Doch ob nun ernstgemeinter Vorschlag oder eher hintergründiger Humor des Staatsmannes und Erfinders, machte sich 1907 der Brite William Willett erneut auf, den Oberhäuptern den Nutzen einer Zeitumstellung schmackhaft zu machen. Neun Jahre später war es dann endlich soweit. Deutschland, Irland und die Donaumonarchie Österreich-Ungarn führten die Sommerzeit ein. Aus Gründen des Energiesparens? Nein, selbstverständlich nicht. Der Erste Weltkrieg hatte Europa fest im Griff. Und um die Produktivität der Rüstungsindustrie zu steigern, war eine Stunde mehr Tageslicht ein höchst willkommener Grund für die Umstellung. 

Aber bleibt nun die Hauptfrage: Lässt sich durch die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit wirklich Strom sparen? Ganz ehrlich gesagt habe ich keine Studien gefunden, welche zu der klaren Aussage eines eindeutigen „Ja, sicher doch!“ kommen. Es ist eher schon das Gegenteil der Fall. Unbestritten bleibt an schönen Tagen abends der Griff zum Lichtschalter aus. Aber dafür hat sich auch unser Freizeitverhalten geändert. Wenn ich dabei an mich denke, kann ich mir diesbezüglich gleich selbst die Hand schütteln und mir gratulieren.

Jede helle Minute wird draussen in unserem kleinen, aber sehr feinen Garten ausgenutzt. Die Schlagbohrmaschine griffbereit, das Radio spielt leise Musik im Hintergrund, die Stichsäge rattert, der Elektrogrill vom Nachbarn reizt die Magensäfte, die Elektroautos der Nachbarskinder fahren um die Wette, die Nachbarin gegenüber bügelt auf ihrem kleinen Balkon die Wäsche, die eigene Tochter sitzt mit ihrem Laptop auf der Terrasse, der andere Nachbar mäht noch schnell den Rasen, sein Freund geht mit dem Rasentrimmer hinterher. Sie wissen, auf was ich hinaus möchte?

Bei Tageslicht lässt sich genauso gut Strom verbrauchen, wenn nicht sogar noch besser. Und dann kommt noch jener Faktor hinzu, welchen ich oben bereits beschrieben habe. Durch die wesentlich effizienteren Energiesparlampen ist die Stromersparnis bei weitem nicht so hoch wie sich dies die ExpertInnen noch zu Beginn der Einführung der Sommerzeit ausgerechnet hatten. Dafür heizen wir in den noch kalten Monaten März, April und im wieder kalten Oktober morgens dementsprechend deutlich mehr, weil wir ja eine Stunde früher aufstehen. Rein theoretisch natürlich, doch die Heizkosten sind leider nicht theoretischer, sondern völlig praktischer und realer Natur.

Und um noch ein stromverschwenderisches Schäufelchen nachzulegen, bleibt immer noch der gemeinsame Familienausflug mit dem Auto. Wer also keinen Garten hat, aber die schönen lauen Sommerabende nicht in den stickigen vier Wänden verbringen möchte, setzt sich ins eigene Auto und besucht den Badesee gleich nebenan, den Gastgarten in der Stadt oder was auch immer bei solch herrlichem Wetter. Aber das hatten wir bereits im ersten Teil besprochen. Sparen wir Benzin durch sparsamere Motoren, können wir das postwendend in andere Autofahrten investieren.         

Sie sehen selbst, dass Energiesparen kein leichtes Unterfangen ist. Besonders dann, wenn man einen Mann wie William Stanley Jevons kennengelernt hat. Nicht persönlich natürlich. Aber sein lange nachhallendes Paradoxon kann einem wie mir schon den Rest geben. Und alles nur, weil er beobachtet hat, dass Dampfmaschine nicht gleich Dampfmaschine ist.

Insgeheim kommt da ein kleines bisschen Neid auf, wenn ich an die seeligen NeandertalerInnen denke. Saßen gemütlich am Lagerfeuer, über ihren Häuptern die funkelnden Sterne und keine tickenden Uhren weit und breit. Allerdings hatten sie auch keine Dampfmaschine. Aber vielleicht hätten wir dadurch ganz andere Paradoxien, wer will dies schon wissen. Jetzt, nach so langer Zeit. Und weil ich nun vor lauter Energieverschwendung wieder einmal Ihre kostbare Sommer-, Winter- und in erster Linie Lebenszeit verschwendet habe, ist es nun an der eben solchen, aufzuhören. 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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3 Gedanken zu “Paradox: Kontraproduktives Energiesparen

  • petra

    hallo
    Ich finde auch man verbraucht heutzutage zu viel strom, auch mit tageslicht …
    ich hab gehört man kann durch so genannte home manager der firma eaton verschiedene steckdosen, lichtschalter, heizung, jalosien, usw.. zu hause regeln.
    Da ich kein uto besitze, spare ich auch dadurch energie und fahre mit dem zug oder anderen öffentlichen verkehrsmittel zum See. Fall es in den nächsten Jahren autos mit solarenergie zu einem vernünftigen preis angeboten werden, werde ich mir diese investition mal überlegen.
    schöne grüße

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Diese auch unter Room Manager, Smart Meter oder intelligenter Stromzähler usw. bezeichneten Geräte werden sicherlich in naher Zukunft auch in unserem Alltag Einzug halten. Alleine schon durch die Novellierung des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes sollen bis zum Jahr 2020 z.B. 80 Prozent der österreichischen Haushalte mit diesen Smart Metering Systemen ausgestattet werden. Das mit Eaton ist richtig. Die Firma Eaton Moeller bietet bereits eine Komplettlösung an, welche sie mit der Firma Echelon entwickelt haben. Dann gibt es noch die Firma Kapsch. Die haben ein System im Programm, welches Messdaten aufzeichnet und auswertet und dann auch den aktuellen Energieverbrauch abrufbar macht. Ich bin gespannt, wie sich diese sogenannten Smart Grids (Intelligente Netze) in Zukunft weiterentwickeln und vor allem für den privaten Gebrauch einsetzen lassen. Besonders die Möglichkeit, den Strom dann zu beziehen, wenn er am günstigsten ist, scheint mir eine gute Möglichkeit, das eigene Haushaltsbudget zu entlasten.
    Wobei wir doch immer im Hinterkopf behalten sollten, dass energieeffizientes Verhalten, also Stromsparen, trotzdem über günstigen Strombezug zu stellen ist. Denn nur das genaue Wissen über „Stromfresser“ kann uns vor Augen führen, wo wir letztendlich auch stromsparend eingreifen können. Ein „Haus mit Hirn“ ist sicherlich kein schlechter Ansatz, aber viele diese Probleme sitzen eben leider vor diesem Hirn und heißen Mensch.
    Eine kurze Anmerkung zu den Solarautos. Also nicht jene fälschlicherweise mit Fotovoltaik betriebenen, sondern die „echten“ mit Solarzellen. Auch hier glaube ich, dass wir uns in den nächsten 10 Jahren auf eine echte Alternative zu den heutigen Benzinmotoren freuen dürfen. Ich bin zwar Gegner jeder Motorsportveranstaltung, aber wenn ich irgendwo einen Bericht über die australische „Solar World Challenge“ sehe oder lese, freue ich mich dementsprechend.
    Liebe Grüsse aus Wien von Paul.