Rebound-Effekt: Bumerang Energiesparen 1



2. Das Jevons‘ Paradoxon der Neuzeit

Kehren wir aus der Vergangenheit Mitte des 19. Jahrhunderts wieder zurück und betrachten zum Schluss noch aktuelle Frage- und Problemstellungen, welche sich in unserem Hier und Heute bezüglich des im Artikel Energiesparen = erhöhter Energieverbrauch oder „1. Das Jevons’ Paradoxon: Die Umkehr des Energiespareffektes“ beschriebenen Paradoxons von William Stanley Jevons ergeben können. Können, nicht müssen! Bitte erwarten Sie nun keine tiefgreifenden Erkenntnisse über ökonomische Grundprobleme und der Präsentation von möglichen Lösungen. Ich Berlin: Erste elektrische Strassenbeleuchtung 1882.beschränke mich im folgenden auf drei Fallbeispiele, welche ich aufgrund eigener Erfahrungen, Erkenntnisse und Überlegungen durch bereits in früherer Zeit verfasste Artikel auf meinem Blog Bio Natur einigermaßen trittsicher und vor allem kurz darstellen kann. Und ich werde natürlich auch nicht müde, meine LeserInnen immer und immer wieder zu bitten, sich durch eigene geschriebene Kommentare an meinen Gedanken zu beteiligen.

2.1 Weniger Watt, aber mehr Licht(verschmutzung)

Da wäre zum einen die immer stärker um sich greifende Lichtverschmutzung, ein seltsames Phänomen unserer heutigen „erleuchteten“ Gesellschaft. Ich möchte dies nicht näher erläutern, deshalb dazu Lichtverschmutzung: Wenn der Schein (nicht) trügt. Wir Menschen haben das Bedürfnis und (leider) auch die Möglichkeiten, jeden noch so verborgenen Winkel und jedes noch so finstere Loch mitParis bei Nacht. Oder im taghellen Zustand der Nacht. Licht zu erhellen und aus der Anonymität des Verborgenen zu holen. Was vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar war, ist mittlerweile zur traurigen Realität geworden.  Mit ein Hauptgrund sind sicherlich jene Energiesparlampen, welche uns suggerieren, dass wir durch deren Einsatz einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Keine Frage: Dies tun wir auch durch deren Einsatz. Auch ich natürlich. Doch was wir eben leider bei all unserem Streben nach ressourcenschonendem Einsatz des Instrumentes Licht vergessen ist die Tatsache, dass ein grenzen- und bedenkenloser Einsatz dieser Leuchtmittel auch kontraproduktiv wirkt. Sparen wir also auf der einen Seite Energie durch diese Lampen, setzen wir sie auf der anderen Seite umso verschwenderischer ein.

Dass sich der Stromverbrauch in Deutschland im Zeitraum von 2007 bis 2009 in 4-Personen-Haushalten um durchschnittlich 15 Prozent erhöht hat (um 6 Prozent in 1-Personen- und um 11 Prozent in 2/3-Personen-Haushalten), liegt sicherlich nicht nur alleine am verschwenderischen Einsatz zusätzlicher Beleuchtungskörper. Doch wir sollten uns schon die Frage stellen: Weshalb sinkt nicht der Stromverbrauch, wenn doch Jahr für Jahr neue innovative LED-Fernseher, noch energieeffizientere Kühlschränke und noch stromsparendere Waschmaschinen auf den Markt kommen?  

Abschließend soll gesagt werden, dass neue Technologien wie LED oder interessante Ansätze wie durch den Fahrtwind vorbeifahrender Autos betriebene kleine Turbinen, welche der Stromerzeugung der Strassenbeleuchtung dienen usw., sicherlich im Sinne der Umwelt sind. Aber rein unter dem Gesichtspunkt der Lichtverschmutzung lässt sich die Inflation von künstlichen Lichtquellen einfach nicht wegdiskutieren.

2.2 Im Dunkeln lässt sich gut surfen 

Ein anderes Beispiel, welches mir erst jetzt nach Lesen dieses Artikels und dem bewussten Auseinandersetzen mit der Problematik des Jevons‘ Paradoxon klar wurde. Und ich hoffe in diesem Falle, dass die OrganisatorInnen der Aktion Earth Hour mitlesen. Ich hatte unlängst selbst zum Mitmachen zur Earth Hour aufgerufen. Es mag nun besserwisserisch klingen, aber irgendetwas störte mich an der ganzen Sache. Nicht die Earth Hour selbst, denn diese Aktion muss nächstes Jahr noch mehr forciert werden. Jetzt weiss ich, was es war.

Es war der Aufruf bzw. die Möglichkeit, sich Livebilder im Internet anzusehen. Doch genau dies ist die Crux an der Geschichte. Einerseits bemühen wir TeilnehmerInnen uns, durch Licht ausschalten einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, aber andererseits sitzen wir dann wie gebannt im Dunkeln vor den Bildschirmen und schauen uns per Internet den Erfolg der Aktion an. Wir wollen Energie sparen, verbrauchen diese eingesparten Ressourcen aber wieder postwendend durch Nutzung unserer Computer und Laptops. Und nur, damit wir uns eine unbeleuchtete Stadt anschauen können? Liebe Leute, das muss im nächsten Jahr wesentlich besser werden. Wenn schon Energie sparen, dann bitte konsequent! Also entweder zuhause bei Kerzenlicht einmal das geniessen, was leider viel zu selten vorkommt oder noch besser: Raus auf die Strasse, Kopf nach oben und schauen, ob sich nicht ein paar Sterne finden lassen, welche ansonsten in all dem Kunstlicht im wahrsten Sinne verblassen.

Und weil ich bemerke, dass auch ich mich mit meinem zweiten Artikel zum Thema Umkehreffekt des Energiesparens schon wieder inhaltlich etwas zu weit hinauswage, stelle ich mich nun selbst auf Energiesparflamme und reiche noch einen dritten und letzten Teil nach, welcher sich kurz mit dem Thema Sommerzeit/Winterzeit unter dem Aspekt des Energiesparens beschäftigen wird. Sammeln wir also dementsprechend alle gemeinsam neue Energie und haushalten wir mit den uns verbleibenden Energiereserven. Wir werden es in Zukunft bitter nötig haben.  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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