Isar 1 trotz Moratorium immer noch in Betrieb 3


Betreiber E.ON nimmt Isar 1 nicht vom Netz

Obwohl sich die deutsche Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel entschlossen hat, aufgrund der Katastrophe von Japan die Laufzeitverlängerungen für deutsche AKWs zumindest einmal für drei Monate außer Kraft zu setzen, findet der Betreiber E.ON nichts Anstössiges dabei, den Reaktor weiter am Sieden zu halten. Nachdem sogar der bayerische Umweltminister Michael Söder (CSU) offen davon sprach, dass Isar 1 nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze gesichert sei und der Koalitionspartner der FDP (Wirtschaftsminister Martin Zeil) aus dieser Folgerung ableitete, dass „er nicht glaube, dass Isar 1 noch eine Zukunft habe“ (Süddeutsche: Entschiedenes Abwarten), bleibt der Siedewasserreaktor nun doch am Netz.

Eigentlich hatte Johann Seidl, Sprecher des Konzerns, vollmundig angekündigt: „Wir reduzieren seit dem Spätvormittag die Leistung„. Und dieser Plan sah vor, den Reaktor bis zum Abend komplett herunterzufahren. Jetzt herrscht allerdings Verwirrung (Eon lässt Isar 1 weiterlaufen – Grund unklar), denn entgegen der Ankündigung fährt Isar 1 weiterhin mit 15 Prozent Leistung und ein Zeitpunkt für das endgültige Abschalten steht plötzlich im leeren niederbayerischen Raum. Laut E.ON seien einige technische Prüfungen für den Weiterbetrieb verantwortlich, dass der Meiler weiter im atomaren Saft stehe. Doch andererseits wollen die Atom(Pilz)köpfe solange den Reaktor am Leben erhalten, bis es eine offizielle Anweisung des deutschen Umweltministeriums gebe.

Und erstaunlicherweise geht E.ON nicht einmal davon aus, dass der veraltete Atomstrom-Samenspender für immer in der Versenkung verschwinde. Nach eigenem Bekunden erfülle der Reaktor alle Sicherheitsvorschriften. Und die neue CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt spricht im Münchner Merkur ganz im Sinne der Atomlobby: „Nach allem, was ich über das Kraftwerk Isar 1 weiß, gehört auch diese Anlage in die Kategorie: ergebnisoffen prüfen“ (Münchner Merkur online: Hasselfeldt: Wiedereinschaltung von Isar 1 prüfen). Was de facto bedeutet, dass bei den in Frage kommenden Abschaltungen von Isar 1 und wohl auch den anderen in der Schusslinie stehenden Kernkraftwerken noch lange nicht das letzte Wort gesprochen wurde.

Es steht vielmehr zu erwarten, dass sich die deutsche Bundesregierung nach dem dreimonatigen Moratorium, sollte es denn überhaupt solange dauern, mit weitreichenden Schadensersatzforderungen der verschiedenen Betreiber konfrontiert sieht. Da passt es gut ins Bild, dass sich nun auch der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen zu Wort meldet und plötzlich zurückrudert. Das beschlossene Moratorium sei „politisch zu verstehen, nicht rechtlich.“ Im Jargon der Rechtsanwälte, welche wohl schon im Hintergrund händereibend Schlange stehen, bedeutet dies nichts anderes, als dass die von Kanzlerin Merkel getroffene Entscheidung über die Aussetzung der Laufzeitverlängerungen möglicherweise sogar außerhalb der Gesetzgebung steht.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) geht so weit, dass die jüngsten atompolitischen Entscheidungen ohne gültige gesetzliche Regelungen getroffen wurden und demnach ohne Zustimmung des Bundestages unzulässig sind (Berliner Zeitung: Verwirrung um Aussetzung der Atomlaufzeiten). Thomas Oppermann von der SPD siehr ähnliche rechtliche Bedenken: „Merkel operiert damit außerhalb der Verfassung.“

Nun ja, in einer Demokratie haben wir die gesetzlichen Bestimmungen natürlich einzuhalten und auch zu befolgen. Das ist sogar mir bewusst. Aber ebenso steht es jeder denkenden Bürgerin und jedem mündigen Bürger auch frei, sich den eigenen Stromanbieter auszusuchen. Und wer bei E.ON Verbraucherin und Kunde ist, kann schließlich auch den Anbieter wechseln. Man kann selbstverständlich E.On weiterhin als Stromlieferant nutzen, muss aber nicht. In diesem Sinne wünsche ich frohes Schaffen und vielleicht auch fröhliches Wechseln.

Paul Bögle       


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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3 Gedanken zu “Isar 1 trotz Moratorium immer noch in Betrieb

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Aber scheinbar doch nicht genug. Es ist in diesem Fall schon erstaunlich, dass die Verantwortlichen von E.ON erst auf Anweisung des Umweltministeriums gehandelt haben, bevor sie sich für die Abschaltung von Isar 1 entschieden haben. Sonst wird auch nicht lange gefragt, bevor die eigenen (wirtschaftlichen) Interessen durchgesetzt werden.