Costa Rica: Buckelwal oder Krokodil?


Buckelwale am Horizont

So saßen wir also (siehe Wale vor der Isla del Caño) gemeinsam mit unseren neuen Bekannten am Tisch, tranken einen Cafe negro und warteten auf bessere Zeiten. Unten am Strand trieb ein amerikanisches Krokodil zusammen mit unseren Tagesplänen faul im warmen Wasser des Pazifik und wir saßen mit den trockenen Handtüchern buchstäblich auf dem Trockenen. Von einem nahen Baum blickte uns ein wunderschöner Leguan hämisch an, freute sich wahrscheinlich mit seiner großen Verwandtschaft drunten am Wasser über unsere Angst vor vier Meter langen Baumstämmen mit spitzen Zähnen, welche unerkannt im Wasser treiben. Sozusagen von Reptil zu Reptil.

Costa Rica: Ein grüner Leguan fühlt sich wohl.

Der junge Mann aus Süddeutschland, der Benzintank war mittlerweile gut gefüllt, fragt nebenbei, ob es die Möglichkeit gibt, hier eine Whale-Watching-Tour zu buchen. Heute noch? Die Boote fahren normalerweise vor 8:00 Uhr am Strand weg. Und jetzt ist es schon 10:00 Uhr. Martina schaut aus ihrem kleinen Büro heraus. Fragen kann man ja einmal. „Martina, wir wollen Wale sehen. Am besten sofort und gleich. Mach was!

Und Martina macht etwas. Ich habe es zwar schon erwähnt, aber sicher ist sicher: Martina Wegener ist eine Deutsche, welche in der Drake Bay ihre Zelte dauerhaft aufgeschlagen hat und jederzeit bei der Buchung von Touren behilflich ist. Wie es der Zufall will, hat ihr Freund Evaristo eben erst sein neues SpielzeugEvaristo und sein neues Spielzeug. Sogar mit Toilette, was beim Wale beobachten ein Vorteil ist. bekommen. Und jenes Spielzeug hat selbst noch keine Wale gesehen. Ein Telefonat von ihr und nun wird Evaristo auf die Suche nach Sprit geschickt. „In eineinhalb Stunden können wir loslegen“ sagt sie freudestrahlend und macht sich schon wieder davon, um für uns eine Kühlbox mit kalten Getränken und anderen Dingen herzurichten. Wir bleiben sitzen und trinken einen weiteren Cafe. Der Leguan schüttelt bedächtig seinen Kopf und schleicht langsam eine Etage höher.

Um 11:45 Uhr macht sich unsere kleine Gruppe auf. Hinunter zum Strand, genau zu unserem Freund, dem Baum mit den vielen Zähnen. Kein Krokodil weit und breit, doch das Schnellboot von Evaristo treibt träge im seichten Wasser wenige Meter entfernt. Und was, wenn das Paul Bögle im Pazifik. Das einzige Krokodil weit und breit.Krokodil doch noch da ist? Auch schon egal, wir wollen Wale sehen. Also Schuhe ausziehen, Hosen raufkrempeln und rein in feindliches Gebiet, zumindest für wenige Meter.

Die beiden Außenbordmotoren heulen auf, weisser Schaum bildet sich am Heck des Bootes und in einer sanften Kurve nehmen wir Kurs nach Westen aufs offene Meer. Weit draussen liegt die kleine unbewohnte Insel Isla del Caño, übrigens ein gutes Tauch- und Schnorchelgebiet, schemenhaft über der wabernden bläulichen Wasserlinie, hebt sich nur schemenhaft gegen den fast im selben Blauton lastenden Himmel ab. Welle für Welle springt unser Boot darauf zu, schiebt links und rechts das Wasser vom Bug nach hinten und zieht die Gischt hinter sich her, bevor sich die Spuren in der Weite der sich kräuselnden Oberfläche verlieren.

Über dem Festland türmt sich eine breite Front dunkler Wolken. Doch je weiter wir uns von der Drake Bay wegbewegen, umsoCosta Rica: Der Pazifik in all seinen Facetten. Von San Jose nach Palmar del Sur mit Nature Air. blauer steht der Himmel über uns. Wir fahren im wahrsten Sinne des Wortes ins Blaue, während die Sonne ihr gnadenloses heisses Tageswerk über uns verrichtet. Hunderte kleiner Wasserzungen reflektieren die Strahlen. Unzählige kleine Spiegel glitzern lüstern auf der Wasseroberfläche und blenden uns, bis wir den Blick schmerzhaft abwenden müssen.

Das streng monotone Heulen der beiden starken Benzinmotoren bringt uns Meter für Meter der dunkelgrünen Masse der Insel näher. Langsam schälen sich die Konturen erster Bäume aus dem grünen Halbdunkel, das Branden des Wassers gegen vorgelagerte Felsen wird sichtbar und das helle Band des Strandes hebt sich gegen den Hintergrund des Waldes ab. So gleiten wir bereits 20 Minuten über das azurblaue und von tieferen und helleren Blau-, und Türkistönen geäderte Wasser, als plötzlich dunkle Dreiecke neben unserem Boot im selben Tempo dahinjagen. Nur für Sekundenbruchteile werden die Rückenflossen der Delfine sichtbar, tauchen kurz an der Oberfläche auf und durchschneiden die Wellen, bevor sie wieder im Wasser verschwinden. Evaristo drosselt die Motoren, das verstummende Lärmen dröhnt in unseren Ohren nach, während das Boot langsam schaukelnd zum Stillstand kommt. Mit unverminderter Geschwindigkeit gleiten die Meeressäuger backbord an uns vorüber, immer wieder im gleichen Rhythmus durch die plätschernden Wogen pflügen sie sich ihrem Ziel entgegen. Unsere Begegenung ist nur von kurzer Dauer, rastlos bahnen sich die Tiere ihren Weg und lassen uns alleine auf dem Meer zurück.

Angestrengt schauen wir noch lange dorthin, wo sich die schwarzen Schatten zum letzten Mal zeigten. Doch ausser dem schmerzenden Glitzern reflektierender Sonnenstrahlen bleibt alleine das Meer in ständiger Bewegung. Wieder nehmen wir Fahrt auf, die Frequenzen der Schallwellen werden höher und höher und das Boot schießt wieder über den Pazifik. Wieder ist ein Schatten auf der Oberfläche zu sehen, grünlich-gelb undeutlich, aber unverkennbar eine grüne Meeresschildkröte. Träge treibt sie dicht an der Oberfläche dahin, doch kaum kommen die Motoren zum Stillstand, taucht sie langsam ab und entschwindet in den Tiefen der See. Ein paar Brauntölpel fliegen uns hinweg, gleiten mit dem wind auf das Festland zu. Einer der Vögel stürzt sich plötzlich steil nach unten, verschwindet hinter dem Boot. Als ich ihn wieder zu Gesicht beomme, treibt er langsam auf der Oberfläche und schaukelt im Takt der Wellen auf dem Meer dahin.

Ein weiteres Mal startet unser Gastgeber die Motoren und dieses Mal sollte es für längere Zeit keine Unterbrechung mehr geben. Immer näher kommt die Küstenlinie desDer Wal ist ein Säugetier. Der Mensch ebenfalls. kleinen Eilandes, immer schärfer zeichnet sich der Sandstrand gegen den Wald ab, immer deutlicher lasse sich die einzelnen Bäume unterscheiden. Felsnadeln ragen aus dem Meer, das Wasser brandet giftig gegen die rauhe Oberfläche der steinernen Zacken, färbt sich weiss, bleibt sekundenlang in der Luft stehen, um erschöpft wieder zurückzufallen. Unser Boot gleitet an der Küste entlang und wir umrunden in schneller Fahrt die Insel. Immer wieder hält Evaristo per Funk Kontakt zu anderen Booten. Krächzend dringen unbekannte Stimmen aus dem Äther. Plötzlich wendet unser Kapitän und im 90 Grad Winkel geht es von der Insel weg auf das offene Meer hinaus. Haben wir endlich die erhofften Riesen der Meere geortet?

Überzeugen Sie sich selbst, denn ich will Sie nun mit dem zweiten Teil meines gedrehten Videos alleine lassen. Einige werden nach Betrachten meiner Aufnahmen wahrscheinlich sagen, dass die Qualität doch zu wünschen übrig lässt. Lassen Sie mich zu meiner Rechtfertigung sagen, dass es ungleich schwieriger ist, auf einem schaukelnden und teilweise in voller Fahrt dahinrauschenden Schnellboot aus der Hand zu filmen als auf festem Boden und womöglich mithilfe eines Statives ruhige Filmsequenzen zu drehen. Lassen Sie mich weiterhin anmerken, dass es teilweise sehr ermüdend ist, über mehrere Stunden das Auge am Sucher der Videokamera zu haben und permanent auf die Oberfläche des Meeres zu starren. Und lassen sich mich zu guter Letzt, und das war wirklich der schwierigste Teil, zu meiner Verteidigung sagen, dass es einerseits zwar sehr spannend ist, die Meeresoberfläche nach dem gewünschten Objekt abzusuchen, aber andererseits auch sehr nervenaufreibend, den alles entscheidenden Sprung des Wales zu verpassen.

Es war über Stunden, denn ich hatte zum Schluss etwa vier Stunden Filmmaterial, eine geradezu paranoides Verhalten, welches ich teilweise an den sonnigen Tag legte. „Was, wenn der Wal jetzt zum alles entscheidenden Sprung aus dem Wasser ansetzt und ich gerade in die verkehrte Richtung schaue? Und noch schlimmer: Was, wenn die Kamera plötzlich nicht mehr funktioniert? Oder wenn der Akku plötzlich leer ist? Oder wenn das Boot gerade aus einem Wellental nach oben schaukelt und ich den Himmel anstatt den Wal im Visier habe? Oder wenn jemand auf dem Boot in diesem Moment die Hand in die Kamera hält? Oder wenn ich aus Versehen auf den Stop-Schalter drücke?“ Sie sehen, Wale (gilt aber eigentlich für alle Lebewesen außer für Faultiere, denn diese Zeitgenossen legen ein sehr kamerafreundliches Verhalten an den Tag) in freier Wildbahn zu filmen kann mit mörderischem Stress verbunden sein.

Was bleibt als Schlusssatz? Der obligatorische Hinweis, mich wieder auf dem Weblog Bio Natur zu besuchen. Denn ebenso wie es die Wale mit uns taten wende ich bei Ihnen die gleiche Taktik, auch als Hinhaltetaktik bekannt, an. Sehen Sie also im zweiten Teil eine Walmutter mit ihrem Schutzbefohlenen und schließlich das langsame Herantasten an unseren Hauptakteur. Aber ganz im Sinne von Alfred Hitchcock werde ich die Spannung steigern und in meinem Falle bedeutet dies, dass ich Ihnen erst im dritten und wirklich letzten Teil die absoluten Highlights präsentieren werde. Aber dann richtig, dies kann ich Ihnen definitiv versprechen.

Bis dahin sage ich „Danke“ und bleiben Sie mir gewogen.                      


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen