Ökodiktatur? Grüne Alleinherrschaft?


Wird der Staat zum energiesparenden Regime?

Ökodiktatur. Im Wortlaut ein hässlicher Begriff, welcher auch bei mir zu Anfang jene negativen Assoziationen weckte, welchen wir mit einer Diktatur im herkömmlichen Sinn verbinden. In Verbindung mit der Vorsilbe „Öko“, eigentlich eine durchwegs positiv besetzter Begriff, war mir diese Form des politischen, wirtschaftlichen oder geistigen Terrors allerdings neu. Und selbst nach intensiver Suche habe ich keine für mich befriedigende Definition für „Ökodikdatur“ gefunden. 

Auf maennerherz bin ich auf ein interessantes Interview (Interview: Ökodiktatur oder ökosoziale Marktwirtschaft? Prof. Dr. Dr. Radermacher) mit dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Dr. Radermacher gestossen. Laut Prof. Radermacher haben wir drei verschiedene Szenarien zur Verfügung, welche uns aus der 2008 begonnenen Wirtschaftskrise zukünftig den Weg weisen können. Diese vorgestellten Szenarien implizieren in diesem Zusammenhang Lösungsansätze oder Mittel und Wege, wie sich letztendlich die Gesellschaft aus dem Würgegriff wirtschaftlicher Depression befreien kann. Siehe auch das Interview von Peter Mühlbauer unter Kollaps, Brasilianisierung oder weltweite ökosoziale Marktwirtschaft).

Radermacher, der selbst Mitglied der Global Marshall Plan Initiative (Grundlage und Idee hierfür ist eine gerechtere Globalisierung) ist, bietet als mögliche Alternativen drei verschiedene Wege aus dieser Geiselhaft an. Zum einen und an erster Stelle nennt er den möglichen Zusammenbruch der herrschenden Ökosysteme. Welche Kriterien hierfür die Vorherrschaft einnehmen, bleibt in den beiden Interviews allerdings aussen vor. Denkbar sind aber vor allem die Ressourcenverschwendung, welche darin gipfelt, dass wir im wahrsten Sinne über unsere Verhältnisse leben. Ich möchte dabei auf meinen Ende September 2009 verfassten Artikel Erschöpfungszustände verweisen, welcher den sogenannten Welterschöpfungstag Jahr für Jahr immer weiter nach vorne im Kalenderjahr rücken lässt. Grund hierfür ist, dass wir von Jahr zu Jahr mit den uns zur Verfügung stehenden jährlichen Ressourcen des Planeten Erde immer verschwenderisch umgehen und weder maßhalten und schon gar nicht haushalten können. Es fragt sich jedoch, ob es aus demokratischen Gesichtspunkten lohnenswert ist, Ziele, und seien sie auch noch so altruistisch, mit Mitteln des Zwangs durchzusetzen.

Menschen brauchen meiner Meinung kein autoritäres System, und zu diesen zähle ich staatliche Restriktionen, welche als sogenannte Öko-Diktatur den Weg von den Medien in die Haushalte finden, um durch politischen Zwang Ziele des Umweltschutzes durchzusetzen. Denn es sollte immer eines bedacht werden: Diktaturen jeder Couleur haben die unangenehme Eigenschaft, starr in ihren Systemen zu verharren und damit reagieren sie meist höchst unflexibel auf überraschende Veränderungen. Und gerade die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Gesellschaft und Politik oftmals von Entwicklungen derart schnell überrollt werden, dass ein Gegensteuern oftmals nur zeitverzögert erfolgen kann.

Der Mensch ist weder unpolitisch und schon gar nicht blind für die gegenwärtigen Umweltprobleme und zivilgesellschaftliches Tagesgeschehen. Doch wenn uns, wie es z.B. der Fall Stuttgart 21 in Deutschland gezeigt hat, die Möglichkeit genommen wird, an der Entscheidungsfindung teilzunehmen und die eigene Meinung und die eigenen Wünsche an den verantwortlichen Stellen einzubringen, wird sich auch eine Öko-Diktatur schnell in ihr Gegenteil verwandeln und die mündige Bürgerin und verantwortungsbewussten Bürger knebeln. Die Demokratie hat die Verpflichtung, das gesellschaftliche Potential, welches wohl in den meisten Menschen steckt, zu fördern und nicht durch vorgefertigte Exekutionen im Keim zu ersticken. Und so halte ich den Begriff Öko-Diktatur auch mehr für ein euphemistisches Wortspiel als eine effektive Möglichkeit, Ziele des Umweltschutzes durchzusetzen.         



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen