Windkraft: Mit vollen Segeln gegen den Wind
Windräder in Österreich drehen sich im Kreis

Quelle: Windkraftfakten
Die einen sollten wollen, die anderen dürften, können aber nicht und die dritten wiederum dürften, aber können oder wollen nicht. So lässt sich die aktuelle Situation zum Ausbau der Windkraft in Österreich umreissen. Was 2010 endlich wieder neuen Schwung erhalten hat, nämlich die Errichtung neuer Windparks und Windräder, droht im Jahre 2011 aufgrund der Politik und fehlender Fördergelder zur erneuten lauen Brise zu werden. Und ganz ehrlich: Wir bewegen uns nun schon lange genug auf der schlüpfrigen Strasse der (schwarzen) Ölsardinen. Und dass diese ein Holzweg in Spiralform ist, bestreiten wirklich nur noch die schärfsten Klimaskeptiker.
Nach der bereits angesprochenen Flaute kommt wieder Bewegung in die Causa Ökostrom dank Windkraft. 2010 wurden acht zusätzliche Anlagen mit einer Gesamtleistung von 16 Megawatt errichtet, Tendenz im Jahre 2011 steigend (Großer Ausbau der Windenergie im Jahr 2011). Umgerechnet auf Österreichs Haushalte bedeutet dies, dass 617 fertige Winkraftanlagen mit einer gesamten Kapazität von 995 Megawatt den Stromverbrauch von 600 000 österreichischen Haushalten abdecken können. Dies bedeutet, 20 Prozent der BürgerInnen können mit umweltfreundlichem und sauberem Strom versorgt werden. Umgerechnet auf die Verminderung des CO2-Ausstosses fallen dadurch 1,3 Millonen Tonnen weniger Schadstoffbelastung an.
Doch die Fördermittel für neue Windkraft-Projekte sind erschöpft. Nicht für das Jahr 2011, sondern darüberhinaus bis zum Jahr 2015. Ein Problem dabei ist sicherlich, dass aus dem großen Topf nicht nur Windkraft-Projekte finanziert werden, sondern in der gleichen Schlange der Bittsteller auch Vertreter von Biomasse, Geothermie und Biogas stehen und ebenfalls ihr um Subventionen kämpfen. Und weil insgesamt nur 21 Millionen Euro zur Verfügung stehen, bläst der Wind aus allen Richtungen und vor allem jedem ins Gesicht. Hauptproblem dabei ist aber im Moment das Ökostromgesetz und die damit verbundene Einspeisetarif-Verordnung, welche als Grundlage für die Einspeisetarife des Ökostroms herangezogen werden. Und weil Österreich eben auch ein Land der Ministerien ist, müssen die damit verbundenen Verordnungen, Novellen und Bestimmungen ihren jeweiligen Sanktus auch von den jeweiligen Ministerien erhalten.
Das österreichische Wirtschaftsministerium unter Reinhold Mitterlehner hat zwar bereits im Dezember den Vorschlag eingebracht, als Basis für die Tarife einfach die
Verlängerung der Vorjahrestarife von 9,7 Cent pro Kilowattstunde anzusetzen, aber das österreichische Umweltministerium von Nikolaus Berlakovich sagt dazu bis dato “Nein“. Dass der Umweltminister nicht alleine für die limitierten Fördermittel verantwortlich ist, ist schon klar. Aber wenn das Ziel und die Vorgaben des Ökostromgesetzes, nämlich ein Plus von 700 Megawatt Windkraft bis zum Jahre 2015, erreicht werden sollen, bedarf es doch eines etwas größeren Drucks auf die Bundesregierung. Der “Österreichische Nationale Aktionsplan Erneuerbare Energien” hat sich seine Ziele sogar noch höher gesteckt und spricht von 950 Megawatt bis 2015 und einem Ausbau auf 1570 MW Energie aus Windkraft bis 2020.
Der geschäftsführende Gesellschafter der ImWind Group, DI Johannes Trauttmansdorff-Weinsberg, fasst die aktuelle Misere zusammen: “Beim aktuellen Ökostromgesetz beißt sich die Katze in den Schwanz. Wir könnten Projekte sofort bauen, sind damit in der Reihung aber zu weit hinten. Mit anderen Projekten sind wir zwar in der Reihung früher dran, diese haben aber wiederum längere Realisierungszeiten. Somit blockieren wir uns selbst. Für die Finanzierung der millionenschweren Projekte sind die nicht aufeinander abgestimmten Regelungen sehr problematisch.” (Dazu auch: Wirtschaftsblatt: Heimische Windkraft hat wieder Rückenwind).
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Katze nicht solange im Kreis dreht und einen artfremden Rattenschwanz sucht, bis sämtliche Lichter infolge fehlender Windenergie in Österreich ausgegangen sind.
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