Dendrochronologie: Auf dem Holzweg
Von der Auswertung der Jahresringe der Bäume

Bildquelle: Würmeiszeit
Dendrochronologie! Welch Wortschatz wissenschaftlicher Sprache. Klingt fast so schön wie Anthropozän. Vielleicht sogar noch etwas lieblicher, aber ganz einfach sensationell. Und was bedeutet dieses Wort? Eigentlich nichts anderes als das Zählen der Jahresringe von Bäumen, das anschließende Auswertung derselben und endgültig das Ziehen von Rückschlüssen.
Besonders uralte Bäume wecken dabei die begehrlichen Finger von Forschern wie Kurt Nicolussi vom Institut für Geographie an der Universität Innsbruck. Besonders jene hölzernen Zeugen unserer Vergangenheit sind für die Wissenschaftler von großem Interesse, welche in Mooren, Gletschern oder Gewässern dem nagenden Zahn der Zeit ein kleines Schnippchen schlagen konnten und oftmals unbeschadet nun wieder wie Phoenix aus der Asche, eigentlich ein Sakrileg im Zusammenhang mit brennbaren Materialien, unverhofft zur detaillierten Klimaentwicklung der letzten Jahrtausende beitragen. Sehr interessant dazu: Kurt Nicolussi: Alpine Dendrochronologie – Untersuchungen zur Kenntnis der holozänen Umwelt- und Klimaentwicklung.
Da sich Bäume und die zugrundeliegenden Indikatoren der Jahresringe allerdings nur im Sommer in die Breite bewegen, störte die Wissenschaftler dabei kaum, da es kaum einen signifikanten Unterschied zwischen Sommer- und Jahresmittelwerten gibt. Kalte Sommertemperaturen bedeuten also einen geringeren Wachstum der Ringe und aus dieser Erkenntnis konnte Nicolussi Rückschlüsse auf die damaligen Temperaturen ziehen.
“Proxies” nennen die Forscher diese Indikatoren oder gespeicherten Klimaarchive, welche Aufschlüsse über Klima und Temperaturen lange vor unserer Zeit zulassen. Einer Zeit, als Messdaten und hochempfindliche Instrumente noch fernab jeglicher Zivilisation in der Natur gefangen wurden und bis zu ihrer Revitalisation schlummerten. Und dank Tropfsteinhöhlen, Korallenriffen, Ozeansedimenten, Pollen oder Bohrungen im leider nicht mehr “ewigen Eis” lässt sich weit in unserer Zeit zurückschauen. Es fragt sich nur, wie lange wir noch diesen roten Faden der Geschichte aufrollen können.
Auch eine sehr kurzweilige Lektüre: Archive des Klimas
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