Seltene Erden auf Mutter Erde


Künstliche Verknappung von Metallen

Gar Seltsames las ich wieder einmal über China. Nein, liebe LeserInnen, die künstliche Verknappung der Menschenrechte im Reich der Mitte war nicht Inhalt und schon gar nicht Gegenstand und überhaupt kein Thema des Artikels, denn diese sind auch ohne weiteres Zutun eine gedrosselte Ressource. „China verknappt wichtige Metalle“ war darin zu lesen.

Hochtechnologie-Metalle aus China sind gefragt. Heute mehr denn je. In Europa, den USA und Japan heiߠbegehrt. Für die Herstellung und die Produktion von Laptops, Handys oder Smartphones und iPhones werden diese sogenannten Seltenen Erden dringend benötigt. Die Welt will miteinander kommunizieren und China steht als wichtigstes Bindeglied, als Hüter dieser Schätze namens Yttrium, Scandium, Lanthan und seinen zugehörigen Lanthanoiden, zwischen meinen Gesprächspartnern und mir. Ich nehme an, bei Ihnen wird es sich ähnlich verhalten? (Sehr ausführlich dazu: Daniel Mehl: „Seltene Erden Metalle Von der Lagerstätte bis zur Verwendung„). Seltene Erden oder speziell Seltene Metalle finden ihre Verwendung übrigens auch in der Auto- bzw. Rüstungsindustrie, aber dies sei hier nur von nebensächlicher und vollkommen untergeordneter Bedeutung, schließlich wollen wir alle gemeinsam keine Kriege führen und schon gar nicht mobil zu jenen Kriegsschauplätzen gebracht werden.

Und so glühen dementsprechend die Drähte zwischen China und dem Rest der Welt. Die einen haben die Seltenen Metalle, die anderen benötigen diese dringend. Und was Begehrlichkeiten weckt, hat eben seinen Preis. Und je weniger auf den Märkten zu bekommen ist, desto höher steigen die Preise. So ist dies eben in modernen Volkswirtschaften. Die Nachfrage bestimmt den Preis. Ein Postulat der Mikroökonomie. Nicht neu, aber immer noch effektiv. Sozusagen „ceteris paribus„, in den meisten Fällen zumindest. Und je seltener die ohnehin schon Seltenen Metalle, desto astronomischer die Summen, die dafür hingeblättert werden. Egal ob nun japanischer Yen, europäischer EURO oder amerikanischer Dollar. Hauptsache, der Rubel rollt.

Dass allerdings China nun diese künstliche Verknappung der Ressourcen, immerhin kontrolliert das Land mehr als 90 Prozent des Weltmarktes, im Zusammenhang mit strengeren Umweltschutzauflagen in Verbindung bringt, ist natürlich in den Augen eines grünen Bloggers eine löbliche Maßnahme. Sollte Peking doch tatsächlich sein grünes Herz im Sinne der Umwelt entdeckt haben und sich nach der UN-Klimakonferenz von Tianjin auf zu neuen Ufern machen?

Was höchst seltsam klingt, erklärt Chao Ning, der Sektionschef des chinesischen Handelsministeriums damit, dass sich aufgrund der übermäßigen Ausbeutung in der Vergangenheit und dem damit verbundenen Raubbau an der Natur, den bisher unkontrollierten Grenzwerten der in die Flüsse geleiteten Abwässer und natürlich auch in einer begründeten Angst vor dem zu Neige gehen der so kostbaren Rohstoffe und damit dem Versiegen einer fröhlich plätschernden Geldquelle nun China in der Verpflichtung sieht, zukünftig die alleinige Last von den eigenen Schultern zu nehmen (Financial Times Deutschland: China treibt den Preis für seltene Erden). Wenn dann allerdings ein deutscher Wirtschaftsminister Rainer Brüderle anlässlich des Besuchs des chinesischen Vize-Premierministers Li Keqiang dem chinesischen Staat ob dieser neuen Umweltschutzpolitik Vorhaltungen macht und „die Wichtigkeit der Rohstoffe für den technologischen Fortschritt der Industrienationen“ betont, wird wieder einmal mehr als deutlich, welchen Stellenwert manche Politiker dem Umweltschutz beimessen. „China solle seine Haltung zur Einschränkung der Exporte überdenken“ kommt da als sanfte und dezente Aufforderung aus Berlin in Richtung Peking. In diesem Falle sogar völlig ohne heisse Drähte, Smartphone oder iPhone. Umwelt hin, Schutz her. Hauptsache, der Rubel rollt.

Dass am Rande der Stippvisite des hohen Funktionärs aus dem Land des Lächelns Unternehmen wie Daimler oder VW leise schaukelnd in den realen und politischen Abwässern mitschwammen, um milliardenschwere Verträge mit chinesischen Partnern zu unterzeichnen, mag vielleicht dazu beitragen und die Entscheidung Chinas erleichtern, die Sache mit den Exportbeschränkungen jener Seltenen Metalle doch noch einmal zu überdenken. Umweltschutz muss ja nicht sofort sein, wenn die Bürden der Mikroökonomie eihnem fast das Kreuz brechen. Natürlich nicht „ceteris paribus“, denn meine eigenen Annahmen müssen sich nicht unbedingt mit jenen der anderen decken.   

Zum Abschluss noch eines zu jenen Seltenen Metallen. Denn eigentlich ist hierbei der Name nicht unbedingt Programm, weil diese Rohstoffe keine Rarität sind. Beliefert China zwar fast den gesamten Markt, besitzen das Land jedoch nur einen Anteil von 30 Prozent der Bodenschätzen, welcher sich in heimischer Erde versteckt. Die USA selbst könnten 15 Prozent dieser so unerlässlichen Metalle aus dem eigenen amerikanischen Erdreich schürfen. Japan entwickelt nun sogar einen Tauchroboter, welcher vor der eigenen Küste die Rohstoffe an die Oberfläche befördern soll. Und im Vietnam, Südafrika, Kirgistan oder Australien dürfte Ytterium, Scandium oder Lathan auch keine Seltenheit sein. Warum haben sich die führenden Wirtschaftsnationen also bisher auf Gedeih und Verderb in die Abhängigkeit Chinas begeben?

Ganz einfach: Weil dort der Umweltschutz bis zum jetzigen Zeitpunkt bei der Ausbeutung der Seltenen Erden nur von untergeordneter Bedeutung war. Und weil dies eben so war, desto billiger war der Rohstoff zu haben. Irgendwie beisst sich jene ominöse berühmt-berüchtigte Katze wieder einmal selbst in ihren siebenschwänzigen Schwanz.        

     


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen