Bio Natur - Der Weblog

17.12.2010

Das Gemüse macht die Musik

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 04:20

The Vegetable Orchestra

The Vegetable Orchestra: 100% vegetarische Musik

Bildquelle: The Village Voice Blogs 

Keine Frage: Der Ton macht die Musik. Doch wie in vielen Bereichen unseres Lebens ist eben auch wiederum hierbei einiges Schall und Rauch. Töne verflüchtigen sich, Oktaven kommen in den Stimmbruch, Symphonien verblassen unter den Taktstöcken. Oder anders ausgedrückt: Je älter das Gemüse, desto niedriger deren Vitamingehalt. Doch weil ein Ton alleine selten aus einer Plattitüde eine Attitüde macht, hat es sich ”The Vegetable Orchestra” zur Aufgabe gemacht, die Flüchtigkeit des tonalen Moments durch entsprechende kurzlebige Tongeber zu verstärken.   

Dieses Prinzip der Verflüchtigung und Auflösung hat sich die 1998 gegründete Wiener Künstlergruppe “The Vegetable Orchestra“ zu Herzen genommen. Doch nicht die Töne verlieren hierbei an Intensität, sondern die vorab designten und benutzten Instrumente im Verlauf und besonders am Ende der Konzerte neben ihrer Funktion auch ihre Vitamine. Wenn der Begriff “gehaltvolle und nahrhafte Musik” im wahrsten Sinne der Worte irgendwo seine Berechtigung hat, dann sicherlich bei dieser Art von Musik. Und wer sich an frischen Tönen erfreuen kann, darf bei der Gemüse-Kombo sicher sein, dass diese Gelüste auch mit dem letzten gespielten Ton befriedigt werden. Wobei die Zubereitung der Instrumente schon eine Sache für sich ist. Denn alles, was abgeschnitten, ausgehöhlt und weggeraspelt wird, wird nicht weggeworfen. Ganz im Gegenteil!

Die Wiener Künstergruppe The Vegetable Orchestra. 

Vor einem Konzert wird frisches Gemüse gekauft, dieses wird zu den Instrumenten transformiert, der Rest zu einer Gemüsesuppe verarbeitet und nach dem Auftritt werden die bissfesten Vitamin- und Tönespender an das Publikum verschenkt, nebst einer kräftigen Gemüsesuppe natürlich. Getreu dem Motto: Vorbereiten, aufbereiten, zubereiten.

Die Instrumente der Wiener Künstlergruppe The Vegetable Orchestra.Wer sich also vorstellen kann, zu pfeifenden Karotten, quietschenden Paprika, rasselnden Rettichen oder trommelnden Kürbissen zu jammen und swingen, sollte sich unbedingt einmal das Ensemble anhören. Und nicht vergessen: Vor dem Konzert nichts essen! Schließlich warten am Schluss der Konzerte die Reste von Gurkophon, Lauchgeige und Karottenflöte darauf, den notwendigen Vitaminschub zu verabreichen.

Und wer nachher sagt, dass war so gar nicht nach meinem Geschmack, muss wirklich völlig den fleischlichen Gelüsten verfallen sein. Aber vielleicht bringt ja diese Art von Kunst endlich einmal Veganer und Fleischfresser an einen gemeinsamen Tisch. Und sei es auch nur, um über A-Dur und C-Moll zu fachsimpeln. Wäre doch zu schön, wenn es mehr Anhänger von (ökologisch) wertvoller Musik gäbe.

Wer nun neugierig geworden ist, welche Töne und Stimmungen “The Vegetable Orchestra” ihren handgefertigten Instrumenten entlocken, möge sich das folgende Video ansehen. Hier läuft einem beim Wort ”Kunstgenuss” doch gleich das Wasser im Munde zusammen.

    


16.12.2010

Geo-Engineering und Nathan Myhrvold

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 19:32

Geo-Engineering und Nathan Myhrvold

Schließen wir also wieder unseren Kreis zum Thema Geo-Engineering, welchen wir mit “Jack and the Beanstalk” begonnen haben, anhand des Artikels “Geo-Engineering, das Märchen geht weiter“ fortführten und im dritten Teil unter dem Titel “Geo-Engineering - eine unendliche Geschichte” schließlich bis zum heutigen vorläufigen Schluss beschreiten.

Nathan Myhrvold hat seine Laufbahn unter dem weltbekannten Physiker Stephen Hawking begonnen, bevor er in die Software-Schmiede von Microsoft wechselte und dort seinen bis heute ungebremsten Aufstieg vollzog und sich mit seiner Firma ”Intellectual Ventures” seinen Traum der Selbständigkeit erfüllte. Doch bleiben wir bei der von Myhrvold vorgeschlagenen Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels.  

Das Konzept von Myhrvold sieht vor, giftiges Schwefeldioxid an den beiden Polen durch 25 Kilometer lange Schläuche, welche mithilfe von Heliumballons in den Himmel gezogen werden, in die Atmosphäre zu pumpen. Zwei riesige Gartenschläuche, welche an Nord- und Südpol in den Himmel ragen und dort kontinuierlich ihre zerstörerische Ladung zu Mr. Spock hinaufbefördern. Ken Caldeira, welcher im Auftrag von Myhrvold eine Nutzenanalyse aufgestellt hat, spricht davon, dass eine einzige Anlage reichen könnte, um das Abschmelzen der Pole und des arktischen Eises auf Dauer zu verhindern.

Myhrvold geht von der Tatsache aus, dass Kohlekraftwerke Schwefeldioxid ausstoßen. Schwefel wiederum könnte in Höhen jenseits von 20 Kilometern als Reflektor für das aus dem Weltall einfallende Sonnenlicht dienen und aufgrund dieser Eigenschaft das Klima abkühlen. Anders als der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen, welcher den Schwefelgehalt in der Stratosphäre durch Spezialflugzeuge künstlich anheben will, sieht Myhrvold im natürlichen Vorkommen von Schwefel in der Luft die Chance für eine ausreichende Klimaregulierung.

Denkt man über den Vorschlag von Crutzen etwas nach, stellen sich einige bisher ungelöste Probleme. Eine interessante englischsprachige Zusammenfassung dazu bietet Scilogs: “Paul Crutzen´s Other Big Idea“). Wenn man der Idee von Crutzen oder dem kanadischen Unternehmer Keith folgt, welche ein Experiment in Gang setzen wollen, welches vorsieht, dass ein Spezialflugzeug der NASA eine Tonne Schwefelteilchen in Form feinster Aerosol-Partikel in einer Höhe von etwa 20 Kilometern ausbringen wollen, muss man auch die Konsequenzen bedenken.
Der Meteorologe Alan Robock von der Rutgers State University of New Jersey rechnet vor, dass für ein erfolgreiches Intervenieren mithilfe von Schwefelpartikeln 3 Gramm Schwefel eine Tonne Kohlendioxid kompensieren können. Um nun eine ausreichende Kühlung unseres Klimas zu erreichen, also genügend Sonnenlicht wieder zurückzuwerfen, wird eine Million Tonnen kleinster Schwefel-Aerosole vonnöten sein. Und um diese Menge an Schwefel nach oben zu transportieren, lassen sich Träger wie Heißluftballons oder ballistische Geschosse verwenden. Doch diese Methode verschlingt Unsummen an amerikanischen Dollars. Erste Rechnungen gehen dabei von ca. 30 Milliarden aus. Um diese Kosten drastisch zu senken, wäre es ebenfalls denkbar, militärische Flugzeuge einzusetzen. Ein Tankflugzeug vom Typ KC-135 könnte dabei eine Nutzlast von 91 Tonnen in die oberen Luftschichten befördern. Dies würde nach Rechnung der Forscher bedeuten, dass an insgesamt 250 Tagen des Jahres jedes Mal 15 dieser Flugzeuge aufsteigen müssten, um die geforderte Menge Schwefel in der Stratosphäre zu verteilen. Einmal am Tag? Nein, dreimal pro Tag müssten sich die Flieger in Geo-Engineering: Ein Flugzeug macht noch kein neues Klima.die Lüfte erheben. Dies macht weit mehr als 11 000 Flugzeuge pro Jahr, welche durch ihre Abgase die Luft zusätzlich belasten. In meinen Augen wohl eine mehr als kontraproduktive Art, der Klimaerwärmung Herr (und Frau) zu werden. Siehe dazu auch Michael Odenwald Geo-Engineering Großtechnik gegen die Erderwärmung Seite 3.

Bildquelle: The PPJ Gazette 

Doch ganz abgesehen von der technischen Machbarkeit, den finanziellen Aspekten und der zeitlichen Komponente findet Alan Robock in seinem lesenswerten Bericht 20 reasons why geoengineering may be a bad idea 20 weitere gute schlechte Gründe, welche gegen den exzessiven Einsatz von Geo-Engineering Methoden sprechen. Unter Punkt 11 gibt er zu bedenken, dass die Entscheidung, Schwefel in die Luft zu pumpen, niemals mehr rückgängig zu machen ist. Hat der Mensch erst einmal begonnen, diesen Weg zu beschreiten, wird er keine Möglichkeit mehr finden, dies zu irgendeinem Zeitpunkt mehr zu revidieren. In Punkt 15, 16 und 17 führt er aus, dass jegliche Maßnahmen durch Kontrollinstanzen überwacht werden müssen. Doch wer wird sich dieser Aufgabe stellen, ohne dass Militär oder Industrie diese Mechanismen für eigene Zwecke nutzen bzw. welche neuen Abhängigkeitsverhältnisse entstehen durch die “Macher”. Punkt 19 seiner Gründe gegen Geo-Enginering halte ich für besonders erwähnenswert. Die weltweite Klimaerwärmung ist das Resultat einer nicht mehr wandelbaren Veränderung unseres Klimas, welche wir durch den unbedachtsamen Kohlendioxid-Ausstoß zu verantworten haben. Wir nutzen Klimaanlagen, verursachen CO2 für Wachstum, Transport und Zubereitung unserer Speisen, wir reisen, halten unsere Produktionsanlagen am Laufen. Und immer entstehen dabei Treibhausgase, nicht beabsichtigt, aber sie lassen sich nun einmal nicht wegleugnen. Und jetzt gehen wir wieder einen Schritt weiter. Wir erwachen plötzlich aus unserer Lethargie, erfassen jene Folgen unseres vergangenen Tun und Handelns. Aber anstatt Besserung zu geloben, stossen wir weitere Emissionen in die Luft, um mit diesen neuen Gasen die bereits vorhandenen schädlichen Gase zu bekämpfen. Wer gibt uns das Recht dazu?

Lassen wir also 11 000 Tankflugzeuge hinter uns und richten unseren Blick nach vorne, zu Nathan Myhrvold. Er möchte das Problem mithilfe überdimensionierter Fabrikschlote lösen, welche an Heißluftballons in eine Höhe von 25 Kilometern in die Stratosphäre gezogen werden und dort ihr wundersames Werk aufnehmen. Wie er dieses bewerkstelligen möchte, weiss er allerdings ebenso wenig wie ich im Moment weiss, wieviele Artikel ich noch diesem Thema widmen muss, um zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Doch ich hoffe, ich habe Ihnen auch heute wieder einige Dinge zum Geo-Engineering mit auf den Weg gegeben, welche es zu überdenken gilt. Besonders im Hinblick auf die Frage, ob diese Methoden, den fortschreitenden Klimawandel zu bekämpfen, vom moralischen Sandpunkt überhaupt zu rechtfertigen und zu vertreten sind. Die technische Umsetzung dabei einmal außen vor gelassen. Die Finanzierung dabei einmal außer acht gelassen. Den Wettlauf gegen die Zeit dabei einmal außer Betracht gelassen.

So bitte ich Sie zum wiederholten Male, oder um genauer zu sein, zum vierten Male, Rücksicht und vor allem Nachsicht walten und sich mit dem Versprechen vertrösten zu lassen, dass der nächste Artikel mit Sicherheit, also fast mit Sicherheit, so ziemlich sicher jedenfalls, also möglicherweise mit leichten Unsicherheiten, der letzte sein wird, mit welchem ich Sie quälen werde. Bleiben Sie mir also bis dahin gewogen, wenn es heißt: Geo-Engineering, ein Himmelfahrtskommando. 

15.12.2010

Kleines Missgeschick beim Nerz-Kommerz

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 20:47

Fell über beide Ohren gezogen

Zu einem Versehen, andere sprechen von einem Faux-pas, kam es nun im Zuge der letzten Tötungswelle von Nerzen und besonders von Robben für die Winterkollektionen der verschiedenen Modehäuser und Handelsketten, welche kuschelige Pelzmäntel für die modebewusste Frau und den Mann von Welt im gut sortierten Angebot führen.

Bildquelle: Gegen Pelze aus tierquälerischer Haltung.Tote Nerze in einer Farm im weissrussischen Sosnowy Bor. (Bild: Reuters) 

Frau Ludmilla, welche bereits seit längerer Zeit an einer Sehschwäche leidet, aber trotz dieser Behinderung den Worten ihrer Auftraggeber nach einen “Super-Job” macht, ging wie jeden Tag ihrer Arbeit nach, als sie plötzlich bemerkte, dass die Qualität der neuen Lieferung nicht den vorgegebenen Standards entsprach. “Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere“, sagt Frau Ludmilla, während sie weiterhin fachfräuisch mit weissen Handschuhen in blütenreiner Optik die kleinen Tierkadaver sortiert. Nur ein winziger unangenehm roter Fleck am Rand des Handschuhs stört die Idylle. ”Natürlich passiert es manchmal, dass sich ein richtig dicker Brocken unter den toten Tieren befindet, aber der wandert dann sowieso auf die Laufstege von Paris oder Mailand. Also er wandert nicht selber, weil das kann er ja nicht mehr, weil er ja schon tot ist“, erklärt uns die sympathische Frau. “Aber dieses Mal waren die Kadaver schon sehr gross. So richtig dicke Dinger waren das. Und fast keiner war behaart. Also so viele flauschige Haare meine ich, wie ich das sonst von diesen putzigen kleinen Tierchen gewohnt bin. Das waren schon mehr Sauborsten. Merkwürdig, habe ich mir gedacht und sofort meinen Chef angerufen. Und der ist dann auch gleich gekommen und hat sich die ganze Sauerei angeschaut. Und dann hat er gesagt, dass da wohl ein Missgeschick passiert sein muss. Aber ich solle ruhig weiter meine Arbeit machen und denen das Fell über die Ohren ziehen. Die kann man dann eben für die billigen Pelzmäntel hernehmen.”

Tierschützer protestieren gegen Pelzindustrie

Bildquelle: N24 

Mittlerweile hat sich Herr Dimitri zu uns gesellt. Bedeutungsvoll nickt er zu den Worten der kleinen Frau und erzählt: “Ja, das war schon eine saublöde Geschichte. Ganz abgesehen davon, dass dieses Geschäft für uns einen irrsinnigen Verlust bedeutet hat, waren unsere Kunden mit der Ware überhaupt nicht zufrieden. Aber ich hab denen immer gesagt, wenn sie sich mit ihrem Navigationsgerät nicht auskennen, sollen sie doch nur wirklich das erschlagen, was sie kennen. Aber nein, am Strand von Mallorca müssen sie landen. Und weil dort was von “Ballermann” stand, aber einer “Baller Mann!” gesagt hat, haben sie natürlich auf alles draufgehalten undRobbenjagd in Kanada: Robben-Produkte sollen nicht mehr nach Europa verkauft werden dürfen. Foto: IFAW draufgeschlagen, was ihnen vor die Hände kam. O.k., durch die vielen Blutspritzer haben sie alles vielleicht nicht so genau gesehen, aber trotzdem ist das schon irgendwie peinlich. Und wir müssen jetzt den ganzen Dreck aufräumen. Alleine die Entsorgung, was das wieder kostet. Eine Katastrophe für uns.”

Bildquelle: Badische Zeitung: Kanada verteidigt Robbenjagd.

Das feuchte Glitzern in den Augen des Mannes macht mich ganz betreten. Eine kleine Träne kullert aus dem linken Augenwinkel, während er sich schnell umdreht und sich das Gesicht an einem der zahllosen wunderschönen Felle neben sich abwischt. Langsam und unangenehm berührt vom unsäglichen Leid verschwinde ich langsam, nicht ohne vorher noch ein paar Münzen auf dem blutverschmierten Tisch liegenzulassen. “Eine kleine Spende für Sie. Für ihre Unannehmlichkeiten.“, sage ich noch leise murmelnd, bevor ich diese fleissigen Menschen hinter mir lasse.

Nur ein toter Nerz ist ein guter Nerz(Mantel).

Bildquelle: Pelz ist Mord 

Aus den Augen der toten Nerze strömen währenddessen die kalten Tränen des Todes, rinnen an den gläsernen Spiegeln entlang, tasten sich leise von Haarspitze zu Haarspitze, bis sie sich schließlich auf dem langen Tisch mit dem erstarrten Blut ihrer Körperlosigkeit zu einem tiefen grundlosen unergründlichen blutroten See vereinen.

Deutscher Tierschutzbund: Fühl dich wie ein Nerz!  PETA: Kaya Yanar. So trägt Mann Pelz.


11.12.2010

Landwirtschaftsminister spricht von “Saustall”

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 01:56

Minister Berlakovich lässt die Sau raus

Eine gar köstliche kleine Anekdote spielte sich am Rande des Klimagipfels von Cancun ab. Also, so ganz am Rande nur, eher schon etwas außerhalb. Oder um ganz genau und präzise zu sein, spielte sich das “G´schichtl” eigentlich in Paris ab, sozusagen auf dem Weg nach Cancun. Oder besser gesagt nicht auf dem Weg, denn der blieb dem in seiner Doppelfunktion als österreichischer Umwelt- und Landwirtschaftsminister reisenden Dipl. Ing. Nikolaus Berlakovich verwehrt.

Von Ärger war die Rede. Minister Berlakovich konnte scheinbar (ich war allerdings nicht vor Ort) seine Maschine, welche ihn von Paris nach Cancun hätte fliegen sollen, sehen. Aber er durfte nicht einsteigen. Sämtliche Versuche, den Minister samt seiner gewichtigen Worte zur Rolle Österreichs als Klimaschützer Nummer 1 von Frankreich nach Mexiko zu befördern, scheiterten. Naja, das mit der Nummer 1 stimmt dann doch nicht so ganz im Best of Klimaschutz. Aber wie wäre es denn mit der Nummer 2? Nun ja, auch von diesem Platz ist Österreich samt Herrn Berlakovich doch etwas entfernt, zumindest so weit wie Paris von Cancun. Nummer 3 geht sich leider auch nicht aus. Ich will es kurz machen. Die ersten drei Plätze der von Germanwatch und CAN Europe aufgestellten Rangliste namens Klimaschutz-Index (KSI) 2011 blieben sowieso unbesetzt. Kein Land konnte sich auf diesen für Staaten reservierten Plätzen festsetzen, welche den Klimaschutz so konsequent umsetzen, dass die Vorgaben von einer maximalen globalen Erwärmung von 1,5 Grad erfüllt werden.

Klimaschutzindex 2011

Die kompletten Ergebnisse von Germanwatch finden Sie als Download unter “Der Klimaschutz-Index Ergebnisse 2011“.

Bliebe also noch Platz 4, den hat aber Brasilien inne. Österreich kann trotzdem stolz auf seine Klimabilanz sein: Platz 40 bedeutet bei den 60 grössten CO2-Emittenten auf Grundlage der Emissionen und der vollzogenen Klimapolitik, dass die umgesetzte Umweltpolitik des Landwirtschaftsministeriums, nicht zu vergessen das im gleichen Hause befindliche Umweltministerium, unter Führung von Minister Berlakovich doch für ein ausgezeichnetes Ergebnis verantwortlich ist. In puncto Klimaschutzleistungen ein respektables Ergebnis. Man befindet sich immer noch im zweiten Drittel. Zwar auf dem letzten Platz im zweiten Drittel, aber immerhin nicht auf dem ersten Platz im letzten Drittel, sondern auf dem letzten Platz im zweiten Drittel. Gratulation! Respekt! Hut ab! Weiter so! Da fällt mir doch noch etwas ein. Ist dies nun, wie geschrieben, auf die Umweltpolitik des Landwirtschaftsministeriums zurückzuführen oder doch eher auf die Landwirtschaftspolitik des Umweltministeriums? Ich weiss es nicht, ehrlich gesagt.

Nun, das dürfte dann doch nicht von entscheidender oder möglicherweise sogar existentieller Bedeutung sein. Schließlich haben Bäuerin und Bauer, sofern sie eine eheliche Gemeinschaft führen, in den meisten Fällen auch den Saustall neben dem Misthaufen. Oftmals sogar unter einem Dach, rein bildlich gesprochen natürlich, denn welches Schwein möchte schon im selbst fabrizierten Mist wohnen. Klimawandel hin, Kohlendioxid her.

Aber eigentlich wollte ich Ihnen ja eine kleine Anekdote rund um den Klimagipfel von Cancun erzählen, denn wer interessiert sich denn wirklich noch für den Weltgipfel selbst (siehe Kopenhagen 2009). Außer jene Herrschaften selbstverständlich, welche nicht in ihr Flugzeug einsteigen durften bzw. welches schon Richtung Cancun unterwegs war. Und wo bitteschön kommen wir da hin, wenn ein Minister vom Range eines Dipl. Ing. Nikolaus Berlakovich schon wie ein Normalbürger behandelt wird. “Das war ja kein Ausflug. Es geht um wichtige Gespräche zur Klimakatastrophe. Mir graut davor, was einem Normalbürger auf Reisen passieren kann, wenn unsere Diplomaten schon Ministern so wenig helfen. Das hat Konsequenzen.” (Berlakovich ist in Paris gestrandet) Hoffentlich verschont er zumindest das Klima mit seinen Konsequenzen.

Wenn er dann in der Sprache des Landwirtschaftsministers von einem Saustall spricht, so ist dies doch nur allzu verständlich. Gehören doch irgendwie alle Schweine in sein Ressort und sollten dem obersten Politiker auch den notwendigen Respekt zollen. Dass nach Minister Berlakovich allerdings jetzt ”Köpfe rollen” müssen, werden die armen Schweine überhaupt nicht gerne hören. Wer möchte schon gerne vor der Zeit auf die Schlachtbank geführt werden? Gut, ich muss gestehen, ich hatte schon diesen Gedanken, aber ohne die fremde (diplomatische) Hilfe ist es für einen normalsterblichen normalbürgerlichen Normalmenschen wie mich unheimlich schwierig, den richtigen Messerwetzer zu finden, welcher einen über die Klinge springen lässt. Ja, dieses sprichwörtliche Aus-der-Haut-fahren ist nicht so einfach wie es sich eine arme Sau wie ich vorstellt.  

Dass sich übrigens die in Cancun stattfindenden Verhandlungen über ein Waldschutzabkommen mehr im Kreise drehen anstatt sich mit Air France oder welcher Fluggesellschaft auch immer in die Lüfte zu erheben und Österreich dabei bisher eine unrühmliche Rolle spielt (GLOBAL 2000 fordert: BM Berlakovich muss Klimaschutz-Blockade beenden!), dürfte dem Minister vor lauter Blickkontakt-Suche mit dem Piloten des Fliegers weniger interessieren. Aber vielleicht hat Herr Berlakovich nur das falsche Ministerium unter sich. Wenn Global 2000 Klimaschutzexperte Johannes Wahlmüller über diesbezügliche österreichische Bemühungen sagt: “Die Vorschläge Österreichs zur Erfassung von Emissionen aus der Waldnutzung kann man gemeinhin als Bilanzfälschung bezeichnen“, dann wäre doch das Finanzministerium eher der geeignete Ort für die ministerialen Saustall-Proklamationen.

Und das alles nur wegen eines verpassten Anschlussfluges nach Mexiko. Ich habe die leise Befürchtung, unser Weltklima ist aufgrund des Fehlens des österreichischen Umweltministers nun endgültig nicht mehr zu retten. Was für ein Saustall!


10.12.2010

Diese Anzeigen sind keine Anzeigen

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 03:45

Adbusting nach Art von Greenpeace 

Sollten Sie vorhaben, die folgenden ”keine Anzeige”-Entwürfe weiterzuverbreiten, welche Greenpeace ganz im Sinne von Culture Jamming oder Adbusting entworfen hat, dann beherzigen Sie bitte wirklich jene Sätze, welche Greenpeace den “keine Anzeige”-Kampagnen vorangestellt hat. Greenpeace schreibt im Wortlaut dazu: 

Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefürchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierungen oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos – denn die Anzeigen sind ja deutlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis „keine Anzeige“ versehen sind!

Die folgenden Anzeigen sind dementsprechend keine Anzeigen. Sämtliche nachfolgenden Fotos entstammen dem Greenpeace Magazin.

1. keine Anzeige … von Henkel:

Grenpeace keine Anzeige von Henkel.Adbusting-Kampagne mit Bezug auf den Artikel “Terra Activ von Henkel: Putzen mit Palmen“.

Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie

Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

Greenpeace Magazin 3.10

 

 

 

 

2. keine Anzeige … von Mc Donald´s

“Ich habe mir fest vorgenommen, nicht mehr auf meine Ernährung zu achten. Auf zu McDonald’s!”

Unsere Normkartoffeln in ordentlich Rapsöl frittiert ergeben 100 % triefende McDonald’s- Pommes. Eine große Portion mit zwei Tütchen Mayo - und schon haben Sie bei uns Ihren Fett-Tagesbedarf (70 Gramm) abgedeckt.

Greenapeace keine Anzeige von Mc Donald´s.Dazu eine Lift-Apfelschorle, im “test”-Magazin (5/2001) “einziges konserviertes Produkt”. Urteil: “Schmeckt unsauber und fremdartig” - “mangelhaft”.

Beim Menü mit einem “Royal TS” reichen schon mittlere Pommes, um übers Fett-Tagesziel hinauszuschießen. Doch in unseren Burgern steckt mehr: E 262, E 300, E 331, E E15, E 452, E471, E 472, E 481, E 516 und Chesteraroma. Mhm!

Der Chefsalat - unser perfektes Fitness-Alibi! Geschmacksfreier Eisbergsalat, Schinken, (Schwein, Wasser, Dextrose, Lactose, Salz, Nitritpökelsalz, Zucker, E 300, Glukosesirp, Aromen) und ein Fabrik-Ei. Ein gutes Gefühl!

Burger und Pommes muss man kaum kauen - da ist man nicht so schnell satt. Und nach fettreichem Essen kommt der Hunger bald wieder. Also: Gönnen Sie sich bei uns ein Käffchen - und futtern Sie weiter!

Greenpeace Magazin 2.04

 

Greenpeace keine Anzeige von BP.3. keine Anzeige … von BP

Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen.

Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko.

Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt.

bp

big problems

Greenpeace Magazin 4.10

 

 

Greenpeace keine Anzeige von der Rügenwalder Mühle.4. keine Anzeige … von der Rügenwalder Mühle

 

Rügenwalder Mühle 4x mit!

Mit Fleisch aus Massentierhaltung

Mit Natriumnitrit (E250)

Mit Zucker

Mit Gensoja im Tierfutter

Natürlichkeit liegt im Trend, also macht die Rügenwalder Mühle jetzt auch mal ein bisschen auf „pur“ und lässt vier überflüssige Zusatzstoffe weg. Aber selbstverständlich liefert ihnen Deutschlands umsatzstärkste Wurstmarke weiter echte Massenware – aus Agrarfabriken, in denen Tausende Schweine industriell gemästet werden.

„Achten Sie doch meinetwegen auf Bio-Qualität. Ich tu’s nicht.“

Jörg Pilawa –

Greenpeace Magazin 4.09

Greenpeace keine Anzeige von RWE Autostrom.5. keine Anzeige … von RWE Autostrom

„WIR DACHTEN, STROM KOMMT AUS DER STECKDOSE!“

Doch mit dreckigem RWE-Strom fahren Autos noch klimaschädlicher als mit Benzin. Da helfen auch ein paar Windräder nichts.

IrRWEege befahren

RWE Dreck-Strom – Volltanken für Vollidioten

www.rwe-autostrom.de

Greenpeace Magazin 6.09

 

Greenpeace keine Anzeige von Informationskreis KernEnergie.6. keine Anzeige … von Informationskreis KernEnergie

Deutschlands ungeliebte Klimaschützer

verursachen jede Menge CO2-Emissionen.

Auch dann, wenn sie gerade nicht in Flammen stehen, wie das AKW Krümmel am 28. Juni.

Der Klimawandel ist uns ein willkommener Anlass für eine Desinformations-Kampagne, die das ramponierte Image unserer Branche aufpolieren soll. Also verbreiten wir intensiv die Lüge, Kernkraftwerke würden “null” CO2-Emissionen verursachen. Und verschweigen einfach, wie viel Kohlendioxid der AKW-Betrieb indirekt bei Uranförderung, Anreicherung, Anlagenbau etc. frei setzt - nämlich rund 31 Gramm pro Kilowattstunde (durchschnittlicher Wert für deutsche Meiler, Öko-Institut 2007). Nicht nur Windräder sind da klimafreundlicher, sondern auch Erdgas-Blockheizkraftwerke. Denn die nutzen auch die anfallende Wärme - die in AKWs einfach verpufft.

www.klimaschuetzer.de

Foto: Kernkraftwerk Krümmel

Jahreserzeugung: 10 Mrd. kWh,

Jahres-CO2-Ausstoß: 310.000 Tonnen

Greenpeace Magazin 5.07

  

 

8.12.2010

Geo-Engineering - eine unendliche Geschichte

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 15:20

Verpressung von Kohlendioxid 

Nachdem ich ursprünglich zum Thema Geo-Engineering einen einzigen Artikel unter dem Titel “Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister” verfassen wollte, sitze ich nun, nach Veröffentlichung des zweiten Teils “Geo-Engineering, das Märchen geht weiter“, bereits vor dem dritten und (vielleicht) letzten Teil. Mag es daran liegen, dass die Materie doch umfangreicher ist als es auf den ersten Blick schien, vielleicht aber auch daran, dass sich mit der Beantwortung einer Frage weitere Abgründe auftun, welche zu erkunden es gilt. Ich habe im angesprochenen zweiten Teil die ersten beiden Lösungsansätze kurz umrissen, mit welchen die Wissenschaft den steigenden CO2-Gehalt durch die bereits angeführten Carbon Dioxide Removal (CDR) Methoden (sehr interessant dazu: Geoengineering? Nur wenn es nicht anders geht!) bekämpfen möchte. Politik und bestimmte Teile der Industrie haben allerdings andere Pläne.       

3. Carbon Capture and Storage (CCS)

Das Einlagern von Kohlendioxid in unterirdischen Speichern wird als sogenanntes CCS-Verfahren auf der großen Spielwiese Geo-Engineering bezeichnet. Hierbei handelt es sich um jene Technologien, welche CO2 in unter der Erde liegende ausgebeutete Eröl- und Erdgas-Lagerstätten pumpen soll, um diese dort dauerhaft unter den Gesteinsschichten zu lagern. Die deutsche Bundesregierung hat sich sogar entschlossen, die Ernsthaftigkeit dieser Möglichkeit durch einen entsprechenden Gesetzesentwurf zu unterstreichen (Brüderle und Röttgen: CCS-Gesetz wichtiger Schritt für eine Zukunftstechnologie).

CCS-Technologie: Abscheidung und Speicherung von CO2. Die CCS-Technologie besteht aus den Prozessschritten Abscheidung, Transport und Speicherung in tiefen geologischen Formationen.

Bildquelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Der deutsche Bundesumweltminister in der Pressemitteilung wörtlich: ”Mit diesem Gesetzentwurf wird ein rechtlicher Rahmen für die Erprobung der CCS-Technologie geschaffen. Dies ist ein wichtiger Beitrag für mehr Klimaschutz am Industriestandort Deutschland. Wir gehen dabei schrittweise vor und nehmen die Sorgen der Bevölkerung äußerst ernst.”

Was er möglicherweise nicht ganz ernst nimmt, sind z.B. die Ausführungen des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH. Das Institut hat im Auftrag des BMU selbst eine Studie namens “Regenerative Energien (RE) im Vergleich mit CO2-Abtrennung und -Ablagerung (CCS): ein Update” (Download des kompletten Endberichts unter Update und Erweiterung der RECCS-Studie) veröffentlicht, welche zu folgenden Kernaussagen kommt:

  • Die großtechnische Verfügbarkeit der Technologiekette ist aufgrund der realen Entwicklungsdynamik möglicherweise erst nach 2025 zu erwarten - ohne schnellere Entwicklungsfortschritte verliert der Einsatz von CCS für Kraftwerke zunehmend die ihm zugeschriebene Brückenfunktion für erneuerbare Energien.

  • Die klimaschutzbedingte Nachfrage nach CCS-Kraftwerken lässt bei einem politisch gewollten, deutlichen Ausbau von erneuerbaren Energien, einer signifikanten Erhöhung der Energieproduktivität und einem stetig steigenden Anteil von Kraft-Wärme-Kopplung in der deutschen Stromversorgung zunehmend nach. Dieser Effekt würde durch eine Laufzeitverlängerung bei Kernkraftwerken verstärkt werden.

  • Die resultierenden Stromgestehungskosten fossiler Kraftwerke unter Einschluss von CCS und Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nähern sich an. Bei weiterem Ausbau von erneuerbaren Energien im Stromsektor und den damit verbundenen Lernkurveneffekten dürften zahlreiche erneuerbare Energietechnologien möglicherweise in 10 bis 15 Jahren bereits kostengünstiger Strom bereitstellen können als CCS-Kraftwerke.

  • Aufgrund der komplexen Prozesskette ist eine ganzheitliche Bewertung der Umweltwirkungen notwendig. Eine Zusammenstellung neuer Ökobilanzen für CCS im Kraftwerkssektor zeigt, dass mit der CO2-Abtrennung ein erheblicher Mehrverbrauch endlicher Ressourcen mit allen damit verbundenen Folgen einhergeht. Dies führt dazu, dass die Treibhausgas(THG)-Emissionen einer Kilowattstunde Strom von CCS-Kraftwerken der ersten Generation um 68 bis 87 Prozent (in Einzelfällen um 95 Prozent) reduziert werden könnten. Eine Vielzahl anderer Umweltwirkungen (z. B. Sommersmog, Eutrophierung oder Partikelausstoß) steigen jedoch zum Teil erheblich an. Erneuerbare Energien dagegen weisen nur einen Bruchteil der THG-Emissionen von CCS-Kraftwerken auf.

  • Wie die Akteursuntersuchung der Studie zeigt, bestimmt insbesondere die Verfügbarkeit langzeit-stabiler Lagerstätten die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz der CCS-Technologie. Als untere Grenze kann für Deutschland als Ergebnis einer Szenarienanalyse eine effektive Ablagerungskapazität von 5 Mrd. t CO2 in salinen Aquiferen und ausgeförderten Erdgaslagerstätten angenommen werden. Diese konservative Abschätzung ist jedoch - wie alle anderen Abschätzungen auch - mit hohen Unsicherheiten verbunden. Die ermittelte Kapazität würde theoretisch eine Lagerung der gesamten CO2-Emissionen deutscher Punktquellen nur über zwölf Jahre ermöglichen. In der Praxis wird jedoch nur ein Teil der Gesamt-Emissionen abgeschieden werden können. Geht man von einem “realistischen” Szenario aus, summieren sich die abgetrennten Emissionen bis zum Jahr 2050 auf 1,2 Mrd. t CO2. Diese könnten vollständig in deutschen Lagerstätten untergebracht werden, ohne über die Landesgrenzen hinweg gehen zu müssen.

  • Ein wesentlicher Faktor für die Geschwindigkeit der Einführung von CCS ist eine entsprechende CCS-Gesetzgebung. Das geltende deutsche Recht ist bisher kaum geeignet, um die verschiedenen Verfahrensschritte der CCS-Prozesskette zu erfassen. Die größten Probleme ergeben sich dabei im Bereich der CO2-Ablagerung mit dem alleinigen Ziel der dauerhaften Beseitigung des CO2. Angesichts der Wissensdefizite und Unsicherheiten sollte ein CCS-Gesetz vorläufig nur FuE- und Demonstrationsvorhaben mit anschließendem Review ermöglichen.

Der gesamte Text findet sich unter Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH: RECCS plus Projektdetails. Es mutet irgendwie seltsam an, wenn eine in Auftrag gegebene Studie zu den fatalen Schlüssen kommt, dass CCS eigentlich keine Zukunftsperspektiven besitzt, aber der Auftraggeber dennoch beschließt, wider aller Vernunft zu handeln. Es muss deshalb die Frage erlaubt sein, ob die Verpressung von Kohlendioxid in geeignete Bodenschichten im Vordergrund steht oder womöglich die Erpressung von Kohlekraftwerken in geeignete Kapitalschichten?

Ich sage kurz und bündig: Nein danke! Wollen wir neue Mittel und Wege finden, um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen oder wollen wir den ursprünglichen Weg der Nutzung fossiler Brennstoffe so weiter gehen wie bisher? Mit diesem CCS-Gesetzentwurf hofiert die deutsche Bundesregierung genau jene Energielieferanten, welche letztendlich für einen Großteil der heutigen Probleme verantwortlich sind.

Braun- und Steinkohle sind in Deutschland auch mittelfristig für die Stromerzeugung unverzichtbar.” Dieser Satz vom Mittwoch, den 14.07.2010 stammt von der deutschen Bundesregierung. “Für eine sichere, bezahlbare und umweltverträgliche Stromerzeugung wird Kohle in Deutschland weiterhin gebraucht.” Dieser Satz stammt von Herrn Dr. Heinz Scholtholt, Mitglied des Vorstands der Steag AG, deren Kerngeschäft die Stromerzeugung mit Kohlekraftwerken ist (Kohle ist unverzichtbar). “Es läuft bisher sehr gut. Die Großkraftwerke nehmen weiterhin sehr viel Kohle ab. Die industrielle Erholung bemerken wir beispielsweise beim Absatz von Braunkohlenstaub.” Dr. Joachim Geisler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft mbH auf die Frage: “2010 wird ein gute Jahr für Ihr Braunkohlenunternehmen?” (Geisler: “Wenn wir abschalten, gehen die Lichter aus“). Drei Aussagen dreier verschiedener Herren dreier verschiedener Interessensgemeinschaften, aber ein gemeinsamer Tenor. Politik und Wirtschaft bewegen sich auf dem gleichen dünnen Eis, aber dies Hand in Hand und mit traumwandlerischer Sicherheit.

Geo-Engineering auf Grundlage dieses CCS-Gesetz bedeutet in meinen Augen nichts anderes als sich ohne Wenn und Aber unter das Diktat einer Energiepolitik zu stellen, deren Ablaufdatum schon lange erreicht ist. Doch es impliziert auch ein kräftiges “Weiter so!” der deutschen Bundesregierung in Richtung dieser Dinosaurier, welche förmlich zum Abbau der Kohlelager aufgefordert werden, um diese dann für die CO2-Verpressung nutzen zu können. Der BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen spricht in dem von der Bundesregierung geplanten CCS-Gesetz von einem ökologischen Feigenblatt. Und besonders drastisch bewertet das “Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim deutschen Bundestag (TAB)” die derzeitigen Erfolgschancen. Im Bericht von Reinhard Grünwald “CO2-Abscheidung und -Lagerung bei Kraftwerken” finden sich die folgenden unmißverständlichen Worte unter VII. Handlungsbedarf auf Seite 115: “Beim derzeitigen Wissensstand, wie er in den vorstehenden Kapiteln dargestellt wurde, und bevor die technische und wirtschaftliche Machbarkeit der sicheren geologischen Lagerung von CO2 nachgewiesen ist, ist diese Einschätzung notwendigerweise mit Unsicherheiten behaftet. Daher sollten gezielte Anstrengungen unternommen werden, die Wissensbasis zu verbreitern und kritische Wissenslücken zu schließen, um die Bewertung der Potenziale und Risiken der CCS-Technologie auf eine solidere Grundlage zu stellen.” 

Seite 10 der Zusammenfassung bringt die primären Gründe für eine Forcierung von CCS auf den Punkt: “Die CCS-Technologie könnte besonders attraktiv für Länder sein, die Klimaschutzmaßnahmen bislang skeptisch gegenüberstanden (z. B. USA) und/oder ihre heimische fossile Primärenergiebasis (v. a. Kohle) weiter nutzen wollen (z. B. China, Indien).” Der Klimaschutz als Ergebnis einer knallharten Kosten-Nutzen Analyse. Welche Rolle dabei den einzelnen Staaten zukommt, welche CCS als Allheilmittel gegen den stetigen Klimawandel sehen und welche Motive und Beweggründe hinter den Aktivitäten stecken, CCS in den Vordergrund zu stellen, anstatt die Reduktion von Emissionen anzustreben, zeigt das folgende Schaubild recht deutlich.

Globale Treiber der CCS-Technologien: Motive und Beweggründe für CCS.

Bildquelle: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH “Carbon Capture and Storage”

Ich hatte wohlweislich zu Anfang dieses Artikels geschrieben, dass es sich “vielleicht” um den dritten und letzten Teil zum Thema Geo-Engineering handeln möge. Diesem Versprechen kann ich nun definitiv nicht nachkommen. Und so bleibt mir zum Ende nur zu sagen, dass es einen vierten Teil und (vielleicht) letzten Teil unter der Überschrift “Geo-Engineering und Nathan Myhrvold” geben wird. Bis zur Fertigstellung wandle ich weiter auf den architektonischen Ruinen unserer Zeit und hoffe inständig, nicht von den Verschiebungen der virtuellen Kontinentalplatten verschlungen zu werden. 

Weitere Beiträge zu CCS: klima-media: Unsicheres CCS-Gesetz soll schmutzigem Kohlestrom sauberes Image verschaffen, Geo-Engineering: Keine Ausflüchte mehr


6.12.2010

Biodeals: Geldmaschine Öko

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 18:31

Bio: Für Suchmaschinen optimiert. Und für Menschen?

Eine neue Plattform macht sich auf den Weg, am allgemeinen Trend “Bio”, “Öko” und selbstverständlich auch “LOHAS” zu partizipieren. Bevor wir uns die Seite näher betrachten, ein Wort zur richtigen Suchmaschinenoptimierung, wobei ich weiss, dass dieses Thema nicht unbedingt auf diesem Blog Eingang finden sollte. Doch in diesem Fall bitte ich Sie um Verständnis, dass ich es trotzdem mache.

Die vorzustellende Seite trägt also den schönen Namen Biodeals. Und im untersten Bereich der Seite finden wir folgende Erklärung über Sinn und Zweck des Projektes: “Bio online günstig testen Biodeals.de ist deutschlands erste Internetseite für Bio-Rabatte, Fairtrade-Rabatte, Energiesparen-Rabatte für jeden. Biodeals bietet tägliche Angebote auch zum Lohas-Trend und zum Lohas Livestyle. Bio Angebote und Fairtrade Angebote sind besonders günstig, preiswert bzw. billig. Unsere Produkte besitzen häufig das Bio-Logo oder andere Bio-Zertifikate, Bio-Zertifizierungen oder Öko-Zertifizierungen. Ökologische Waren billiger kaufen wollen wir möglich machen. Wenn Sie Bio in Berlin oder Bioladen in Berlin finden möchten, dann können Sie auch bei uns die teilnehmenen Bio-Shops ansehen. Auch Bio in Hamburg oder ein Bioladen in Hamburg finden Sie.”

Ich habe also nun diese Sätze mithilfe eines Online-Tools, welche die Wörter zählt (Wörter zählen) analysieren lassen und bekam folgendes Ergebnis geliefert: Der Text besteht aus 90 Wörtern. Ich muss gestehen, dass ich die Wörter nicht händisch nachgezählt habe, sondern dass ich mich dabei voll und ganz auf die Technik verlassen habe. Selbständig habe ich allerdings all jene Wörter herausgefiltert, welche im direkten Kontext mit der augenscheinlichen Intention des Projektes stehen. Wir hätten also dreimal den Begriff “Rabatte” und ebenso viele “Angebote“. Desweiteren finden wir im Text zweimal “Lohas“, dreimal “Zertifizierungen” oder “Zertifikate” und zwei Wörter im Zusammenhang mit “Öko“. Doch da sich die Seite “Biodeals”, wie der Name schon impliziert, mit den Themenbereichen “Bio” beschäftigt und dementsprechend auch in den Suchmaschinen gaaaaaaaaaaaaaaaaaanz weit oben stehen möchte, finden sich insgesamt dreizehn verschiedene Begriffe, welche sich dieser Thematik verschrieben haben.

Im Sinne der Suchmaschinenoptimierung wurde sicherlich ganze Arbeit geleistet, das möchte ich keineswegs in Abrede stellen. Die Schlüsselwörter haben in Relation zum gesamten Text einen Anteil von 14 Prozent, das liegt zwar am oberen Limit, aber sicher ist sicher. Dass dabei das Wort “deutschlands” klein geschrieben wurde, soll uns hierbei nicht weiter stören, denn vielleicht lässt sich dies im Nachhinein durch ein wohlgeformtes und vorangestelltes “Bio” in “Bio-deutschlands” umfunktionieren.

Über Sinn und Zweck des Projektes möchte ich mich nun vor lauter Suchmaschinenoptimierung gar nicht weiter auslassen, obwohl ich zu Anfang dieses Artikels schrieb: “Bevor wir uns die Seite näher betrachten …”. Aber ich lasse Sie nun bei Ihren Betrachtungen doch alleine. Schließlich wurde in jenen 90 Wörtern (vielleicht zähle ich vorsichtshalber doch noch einmal selbst nach) bereits all das hineingepackt, was der grüne Markt hergeben soll. Bis auf ein Wort, welches geflissentlich umgangen, unerwähnt und verschwiegen wurde: “Geldverdienen”. Deshalb leite ich galant und schweigend zu Det Mueller weiter, welcher in seinem Artikel Geschäftsidee: Schaumschlägerei auf Kosten der Lohas-Werte? all jene Dinge und Gedanken explizit ausspricht, welche ich mir bei meinem Besuch der Webseite dachte.


4.12.2010

Geo-Engineering, das Märchen geht weiter

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 05:36

Ich habe meinem ersten Teil zum Thema Geo-Engineering (siehe Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister) damit beendet, dass ich die beiden technisch und wirtschaftlich plausibelsten Lösungsansätze und Methoden kurz um- und anreissen möchte, welche nach derzeitigem Wissensstand als am chancenreichsten angesehen werden. Danach möchte ich mich dann dazu äussern, weshalb ich mich an das Märchen vom Hans und seiner himmelwärts strebenden Bohnenranke erinnert fühle. Ich darf auch eines vor die folgenden Ausführungen stellen. Ich bin weder ein Weltverschwörer noch ein Verweigerer der Ideen des Geo-Engineering. Möglicherweise bieten uns einige Ansätze die Chance, durch die richtige Anwendung bezüglich des Klimaschutzes Zeit zu gewinnen. Vielleicht kann Geo-Engineering dazu beitragen, den unaufhaltsamen Klimawandel zumindest zu bremsen, wenn auch nicht endgültig stoppen. Und eventuell lässt sich durch Geo-Engineering genau jene Zeit gewinnen, welche wir alle benötigen, um den weltweiten CO2-Ausstoss auf die dafür notwendigen Grenzen abzusenken.

Aber ich sehe die Gefahr erfolgreicher Verfahren darin, dass die Menschheit durch diese Anwendungen das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren wird. Das Geo-Engineering darf immer nur als ”Begleitschutz” angesehen werden, aber niemals als Substitution für die dringend notwendige Reduktion der Emissionen betrachtet werden.    

Carbon Dioxide Removal (CDR) Methoden

1. Anbau reflektierender Nutzpflanzen

Allen CDR-Methoden liegt eine Gemeinsamkeit zugrunde. Der Atmosphäre soll CO2 entzogen werden, um dadurch der steigenden Klimaerwärmung entgegenzuwirken. Doch Hauptstreitpunkte dieser bisher nur anhand von Modellen und Computersimulationen existierenden Ideen sind einerseits die technische Umsetzung, welche mit hohen Kosten verbunden sind und auf der anderen Seite fehlende Risiko-Nutzen Analysen. Da Geo- oder auch Climate-Engineering einer jener neuen Forschungszweige und Wissenschaftbereiche ist, welche erst seit kurzer Zeit aus der Erkenntnis des schädlichen und dementsprechend zu bekämpfenden Klimawandels entstanden sind, fehlen notwendige Langzeitstudien und Laufzeitanalysen, um mögliche Risiken und Folgeschäden der zum Einsatz kommenden Methoden abschätzen zu können. 

Meine Bedenken gegenüber dem großflächigen Anbau von Nutzpflanzen mit hohem Reflextionsfaktor habe ich bereits dargelegt. Dr. Joy Singarayer, welche an der Universität von Bristol an einem Forschungsprojekt dieser Art mitarbeitet, sieht die Sache naturgemäß verhalten) optimistisch. In “The Royal Society” steht unter “Cooling the world with crops” zu lesen: “Our current studies on crop reflectivity are at an early stage, but our initial results are really encouraging, as they suggest that simply by choosing to plant specific strains of crops, we could alter the reflectivity of vast tracts of land and significantly reduce regional temperatures.  The concept of using increased reflectivity to manipulate our climate is, in fact, an ancient one - humankind has for centuries painted settlements white to reflect the sun and keep cool. We could now realise the opportunities to do this on a much bigger scale via our agricultural plantations.”

Es mag zutreffen, dass sich unsere Altvorderen bereits dem Thema der manipulativen Eingriffe in die Erderwärmung näherten und durch die von Singarayer beschriebenen Maßnahmen auch vollzogen. Das Bedürfnis der Menschen war schon immer auch die Ausrichtung ungleicher Machtverhältnisse ausgerichtet, sei es anderen Individuen gegenüber, sei es im Bestreben, sich die Erde untertan machen zu wollen. Dass auch sie stolz auf ihre Erfolge waren, das Wetter zu beherrschen, wenn auch nur im kleinen Kreise, soll nicht abgestritten werden. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass neben den schon angesprochenen Problemen gentechnischer Experimente in Zukunft das Geltungsbedürfnis und das Machtstreben der Menschheit über die primären Ziele die Oberhand gewinnen. Weiterhin sehe ich weitere Probleme in Form riesiger Monokulturen auf uns zukommen, auch wenn dies mit dem Einwand entkräftet wird, dass ein bestimmtes Wechselspiel der angebauten Pflanzen dies verhindern können. Aber dies nur als kleine Randnotiz.Geo-Engineering: Anbau von Nutzpflanzen zur Bekämpfung des Klimawandels.

Und eines sollten wir bei all der Euphorie nicht vergessen. Die Forscher sprechen von klimatischen Verbesserungen in jenen Regionen dieser Welt, welche die dafür notwendigen Ressourcen bereitstellen können. Dazu zählen in erster Linie sicherlich geeignete Anbauflächen, welche die Entwicklungs- und Schwellenländern zur Genüge bereitstellen können. Doch eines wurde nicht zu Ende gedacht. Um diese Anbauflächen zu bewirtschaften, werden Unmengen an Wasser, Düngemittel, technische Gerätschaften und die geeigneten Samen benötigt. Dies ist mit irrsinnigen Investitionen und der notwendigen Finanzierung verbunden. Weshalb sollten aber die Industrienationen dieses Kapital und die Hilfsmittel zur Verfügung stellen, ohne sich dadurch Vorteile zu verschaffen? KritikerInnen dieser Sichtweise werden mir nun entgegnen, dass aus betriebswirtschaftlichen Gründen für beide Parteien Vorteile entstehen werden. Warum glaube ich nicht daran, wenn Wasser bereits in unserer heutigen Zeit schon zu einem umkämpften Gut geworden ist? Und weiterhin habe ich die Befürchtung, dass sich, sollten wirklich solche Hilfestellungen realisiert werden, eben jene Hilfsempfänger in ein noch stärkeres Abhängigkeitsverhältnis gegenüber den Geberländern abgleiten werden.

Doch selbst wenn sich Lösungen finden lassen, technologisches Know-how und Kapital in beiderseitigem Einvernehmen zu tranferieren, stehen andere Länder wieder vor anderen Problemen. Um klimatisch günstige Bedingungen zu schaffen, welche sich die Klima-Architekten durch den Einsatz von Aloe, Roggen oder Weizen versprechen, müssen meines Erachtens in Ländern Mittel- und Südamerikas, aber auch in Regionen wie Malaysia und dem gesamten südostasiatischen Raum diesen Anbauflächen genau jene schützenswerten Wälder weichen. Welche Carbon Dioxide Removal Alternativen bieten uns also die Forscher noch an?

2. Verwitterung von Olivin

Olivin: Der Verwitterungsprozess von Olivin im Dienste von Geo-Engineering.Olivin als Option des gezielten Eingriffs in unser Klima. Olivin ist ein natürlich vorkommendes kohlenstofffreies Minerals, welches bei seiner chemischen Verwitterung der Umgebungsluft über Umwege CO2 entzieht. Durch die Reaktion von Regenwasser mit dem CO2 in der Atmosphäre bildet sich Kohlensäure. Und diese Kohlensäure wiederum greift die Oberfläche des Olivins an und es entsteht unter anderem Bikarbonat, welches die hauptsächliche Form von gelöstem CO2 in unseren Ozeanen ist. Dieses gelöste CO2 wird schließlich mit den Flüssen in die Weltmeere geschwemmt und liegt dort also in gebundener Form vor.

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung stellten sich die Frage: ”Was, wenn sich dieser Verwitterungsprozess künstlich beschleunigen ließe?” Besteht die Möglichkeit, durch Ausstreuen von feingemahlenem Olivin auf möglichst sauren (niedriger pH-Wert) Böden den Entzug des Treibhausgases aus der Luft zu forcieren? Modellversuche gehen hierbei von verschiedenen Prämissen aus. Je feiner das Olivin gemahlen wird, desto größer ist die Angriffsfläche und umso schneller kann der Verwitterungsprozess einsetzen. Beschleunigt wird dies weiterhin durch feuchte und vor allem warme Böden und Regionen.

Lassen wir doch Pflanzen Pflanzen sein und färben lieber unsere Oberflächen mit dem grünlichen Olivin ein. Leider nein. Die theoretische Studie von Köhler und seinen Mitautoren Prof. Dr. Jens Hartmann (KlimaCampus, Universität Hamburg) und Prof. Dr. Dieter Wolf-Gladrow (Alfred-Wegener-Institut) kommt aus verschiedenen Gründen, welche ich nun nicht weiter ausführen möchte (siehe dazu Wie viel Kohlendioxid kann der Atmosphäre entzogen werden, wenn das Mineral Olivin an Land vermehrt aufgelöst wird?  ) zu der Erkenntnis, dass einige Gründe gegen die Verwirklichung der Methode in naher Zeit führen werden. Besonders die Herstellung von Olivin erfordert durch den Mahlprozess derart viel Energie, dass dies nach derzeitgem Stand der Technik in keinem Verhältnis zum erwarteten Nutzen stünde. Und so versteht sich die Forschergruppe auch mehr als Ideengeber. “Das Alfred-Wegener-Institut hat weder die Absicht noch ein Interesse daran, mit dieser Studie den Weg für den kommerziellen Einsatz von Geoengineering-Maßnahmen zu ebnen. Sie liefert aber einen wichtigen Beitrag, um die wissenschaftliche Informationsbasis zu Geoengineering-Methoden zu verbessern“, erläuterte AWI-Direktorin Prof. Karin Lochte. So müssen wir uns weitermachen auf unserer Suche nach vernünftigen Lösungen des Geo-Engineerings.

Einen weiteren Ansatz des Geo-Engineering, die sogenannte Eisendüngung der Weltmeere, möchte ich aufgrund des Umfanges der Thematik mit den Worten von AWI-Direktorin Lochte ohne weitere Ausführungen zum Selbststudium folgendermaßen wiedergeben: ““Im Rahmen des deutsch-indischen Kooperationsprojekts LOHAFEX wollen wir  wissenschaftliche Fragen lösen, um besser einschätzen zu können, welche Rolle Eisen im Ozeansystem spielt. Wir als Alfred-Wegener-Institut haben ausdrücklich weder die Absicht noch ein Interesse daran, mit unserer Expedition den Weg für einen kommerziellen Einsatz der Eisendüngung zu ebnen. Das Alfred-Wegener-Institut lehnt großskalige Eisendüngung mit dem Ziel der Kohlendioxid-Reduzierung zur Klimaregulierung nach dem jetzigen Stand des Wissens ab.” Als Einstieg zur Rolle des Eisens als Klimaregulator bietet sich das Handout “Hintergrundinformationen zum Projekt LOHAFEX vom 22.01.2009” an.

Meine sehr verehrten Leserinnen und treuen Leser. Nachdem ich nun diesen letzten Absatz mit einem Hinweis auf einen Einstieg beendet habe, ist es aufgrund des Umfangs des Themenbereiches Geo-Enginering notwendig, auch diesen Artikel als Open-end und demzufolge mit einem Ausstieg zu beschließen. Es würde in meinen Augen keinen Sinn machen, all jene Informationen und Kernpunkte in komprimierter oder gekürzter Form hineinzupacken, nur um zu einem unversöhnlichen Ende zu kommen. Deshalb bitte ich Sie nun zum dritten Teil: “Geo-Engineering - eine unendliche Geschichte“.  


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