Fracing: Erdgasförderung mit Chemikalien


Flüssiges Gold Erdgas: Die Chemie macht´s möglich

Ich bin auf einen Artikel mit dem Titel „Achtung in Amerika ermittelt der Staatsschutz gegen Gegner des Hyraulic Fracing!“ gestossen. „Hydraulic Fracing„, der Begriff klingt interessant, doch um was handelt es sich dabei? Und weshalb interventiert die grösste Demokratie, na gut nach China die zweitgrösste Demokratie vielleicht, gegen einen Schauspieler namens Mark Ruffalo, dessen Namen ich bisher weder im Zusammenhang mit Fernsehen, Kino und schon gar nicht in Verbindung mit dem Umweltschutz vernahm. Also blicken wir tiefer und wie sich herausstellen wird, im wahrsten Sinne des Wortes sehr tief.

Besagter Herr Ruffalo wurde also vor nicht allzu langer Zeit vom amerikanischen Ministerium für Heimatschutz oder im Original United States Department of Homeland Security (DHS) als „Gefahr für die nationale Sicherheit“ bezeichnet und in weiterer Folge sogar auf die „terror-advisory watch list“ gesetzt (The Guardian: Mark Ruffalo ‚added to terrorism watchlist‘ over Gasland.). „Ui, ui, ui“ denke ich mir und schnalze mit der Zunge. „Na, ein feiner Herr, dieser Mark Ruffalo. Wahrscheinlich einer der meist gesuchtesten Terroristen dieses Planeten. Der steckt bis zum Hals oder darüberhinaus aber schön in der Sch…e, Sie wissen schon wo.“

Herr Ruffalo steckt jedoch weder in besagten Fäkalien noch sonstwo drin, sondern hat seine Nase nur in Dinge gesteckt, welche ihn und alle anderen Staatsbürger nach Dafürhalten der grössten zweitgrössten Demokratie aller vorübergehender Zeiten scheinbar nichts angehen und er und alle anderen mündigen Bürger deshalb auch besagtes Näschen nicht dorthin zu stecken haben und schon gar nicht sich darüber zu echauffieren haben. Deshalb verweise ich gleich auf das ganz am Ende dieses Artikels stehende Video von Monitor mit dem Titel „Hydraulic Fracking – Einfach mal Gift ins Grundwasser„, welches anschaulich über die Gefahren dieser Art der Erdgasförderung aufklärt. Unbedingt ansehen! Also Fracing oder Fracking (deutsch ausgesprochen) oder Fraccing? Drei Worte für ein und dieselbe Geschichte. Und diese Geschichte hört sich folgendermaßen an.

Fracing, Fracking, Hydraulic fracing: Erdgasförderung mit Chemikalien.

Bildquelle: Celsias 

Erdgas = Bohrloch = Förderung = Geld. Die Gleichung ist Ihnen etwas zu wenig und nicht aussagekräfig genug? Nun, dann machen wir es ausführlicher. In den Eingeweiden unserer Erde lagern neben ehemals unzähligen natürlichen Schätzen bisher unerschlossene riesige Erdgasvorkommen. Und da sich seriöse Unternehmen wie BP oder in diesem Falle Exxon (Tankstellenmarke Esso), BNK Petroleum oder Realm Energy verpflichtet haben, dem Teufel die Hörner aufzubohren und dieser bekanntlich sehr tief im Erdreich seine Höllenzelte aufgeschlagen hat, müssen dementsprechend lange Bohrgestänge dazu dienen, diese Zielsetzung zu erfüllen. Dass sich dabei auf dem Weg nach unten, also zum Höllenfürsten höchstpersönlich, noch zufälligerweise große Erdgasvorkommen befinden, welche die Höllenfürsten dort oben gerne abschöpfen möchten, macht die Sache dementsprechend spannend.

Und weil der Teufel ein höchst unkonventioneller Zeitgenosse ist, werden im Zuge dessen auch höchst unkonventionelle Methoden der Erdgasförderung eingesetzt. Und eine vielversprechende Fördermethode ist eben jenes besagte Fracing. Doch nicht nur die USA selbst haben es auf den Leibhaftigen selbst und seine unterirdischen Schätze abgesehen, sondern da Fra Diavolo ein international tätiges Wesen ist und somit auch verteufelt gut in Deutschland schon seit langer Zeit nicht untätig sitzt und steht, sondern werkelt und hantiert, werden erste Testbohrungen bereits von Exxon und anderen in deutschen Landen durchgeführt. Dabei wird, um das Gas aus abgeschotteten Zwischenräumen ans Tageslicht zu bringen, ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand und zugesetzten Chemikalien unter Hochdruck in die Gesteinsschichten gepresst. Dieses Gemisch, welches in die bis zu mehrere Kilometer tiefen vertikalen und horizontalen Bohrungen injiziert wird, bricht das Gestein durch die Druckverhältnisse und Spannungen auf und durch die entstandenen Risse und Spalten kann das Erdgas entweichen und an die Oberfläche gesaugt werden. So einfach ist Geld verdienen.

Was möglicherweise nicht ganz so einfach ist, sind zukünftige Prognose zu stellen. Kann das mit hochgiftigen Chemikalien versetzte Wasser irgendwann in unser Grundwasser gelangen? Die Betreiber sagen „Nein!“ Nun, was sollen sie auch darauf anderes sagen. Sie argumentieren damit, dass zwischen den auszubeutenden Gesteinsschichten und dem Grundwasser mehrere Hundert Meter undurchdringliches Gestein liegen. Zumindest ist Exxon dieser Meinung. Allerdings stelle ich mir ad 1 die Frage, ob diese „mehrere Hundert Meter“ auch kontinuierlich „mehrere Hundert Meter“ sind und vor allem bleiben oder ob nicht irgendwo auf dieser Strecke plötzlich aus „mehrere Hundert Meter“ nicht auf einmal nur noch „mehrere wenige Meter“ werden und ad 2: Wenn dieses so effiziente Fracing durch Druck und Spannungen die in Frage kommenden Gesteinsschichten aufbrechen kann, warum eigentlich nicht auch die nicht in Frage kommenden Felsformationen? Oder wissen die Chemikalien, wo sie ihr zerstörerisches Werk beginnen dürfen und wenn geschrieben steht „Hier nicht brechen! Hier kommt Ihnen Grundwasser entgegen!„, heißt es auch für die Chemie „Stopp!

Weiterhin stelle ich mir die Frage, wobei ich mich dabei für meine Fragerei bei den USA entschuldigen muss, ob eine Technik, welche eigentlich noch nicht einmal in SerienreifeFracing: Heisses Wasser, kalte Profitgier. gegangen ist, nicht in naher oder ferner Zukunft bisher unkontrollierte Mechanismen in Gang setzen wird, welche aufgrund des heutigen Kenntnisstandes noch nicht in die Planspiele von Exxon und Co einkalkuliert wurden.

Bildquelle: Riskante Gasförderung 

Selbst Exxon sagt, dass von den in den Untergrund gepumpten Millionen Litern an chemisch versetzter Flüssigkeit nur 30 Prozent wieder nach oben gefördert werden können. Und die anderen 70 Prozent? 2008 wurden bei Testbohrungen von Exxon in Niedersachsen an die 12 Millionen Liter Flüssigkeit Richtung Höllenfürst gepumpt. Rein rechnerisch müsste selbst Satan schon jämmerlich ersoffen sein, denn 8,4 Millionen chemisch verseuchtes Wasser hält wohl selbst der grausamste Pferdefuß nicht aus. Apropos Pferdefuß! Wir sprachen bei all unserem Streben nach Profit noch gar nicht von den Substanzen, welche da stillschweigend unser Erdreich kontaminieren.

<><><><><><><><><><><><><><><>Quelle: SPIEGEL-ONLINE-Recherchen

Fracing in Niedersachsen: Diese Chemikalien verwendete Exxon
ChemikalieCAS-Nummer
Tetramethylammonium chloride75-57-0
Petroleum distillate hydrotreated light64742-47-8
Ethoxylated octylphenol9036-19-5
Magnesium chloride7786-30-3
Magnesium nitrate10377-60-3
ein Biozid55965-84-9

Nicht dass ich nun als Laie mit diesen Substanzen und Chemikalien etwas anfangen könnte, aber wenn ich mir Seite 3 des Sicherheitsdatenblattes von AppliChem durchlese, welches die Handhabung von Tetramethylammoniumchloride behandelt und dort geschrieben steht: „Weitere Angaben zur Ökologie: Nicht in Gewässer, Abwasser oder Erdreich gelangen lassen!„, so muss wohl die Frage erlaubt sein, was dann das viele schöne Tetramethylammoniumchlorid genau dort macht, wo es eigentlich nicht hin soll. Mit den anderen Stoffen möchte ich Sie eigentlich nicht weiter belasten, schließlich belasten diese schon ohne mein Zutun in indirekter Weise Sie und das Grundwasser. Auch soll hier mein Bericht enden. Und zwar mit der Feststellung, dass wir auch im Falle von Techniken wie Fracing oder Geo-Engineering unser stetig vor uns herschreitendes Problem der Generationengerechtigkeit wieder ein Stückchen vor uns herschieben.Ich möchte sicherlich nicht den Teufel an die Wand malen und schon gar nicht bei den Hörnern packen. Schließlich ist auch Exxon und andere Teil dieser geschlossenen Gesellschaft. Und zu dieser hat schon Sartre geschrieben: „Die Hölle sind immer die anderen!“ Und nun zum versprochenen Video Hydraulic Fracking – Einfach mal Gift ins Grundwasser.



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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