Placebo: Allheilmittel mit Heilwirkung 1


Placebo: Effekt ohne Effekte.Der Placeboeffekt: Gut, aber billig

Es ist doch immer wieder erstaunlich. Da frisst sich die Menschheit „deppert“ an all jenen Heilsverkündern moderner Medizin, welche Arzt und Apotheker ungefragt über den Tisch wandern lassen. Der Homo sapiens wirft sich alles an bunten Tabletten, weissen sprudelnden Pulvern und narkotisierenden Säften greifbar und nicht greifbar, niet- und nicht nagelfest, dreh- und für Kinderhände nicht aufschraubbar ist, in seinen dauerentzündeten Hals und was ist das Ende vom Hohelied der wohlgepflegten Hypochondrie? Sie und er stirbt gleichberechtigterweise trotz dieser intensiven Bemühungen im Laufe jenes Lebens ganz am Ende jenes Lebens für den Rest des Lebens. Da kann ich nur gratulieren und „Lebewohl!“ sagen. 

Bildquelle: Mind triumphs over matter

Glaubten PsychosomatikerInnen und andere zwischen Gesundheit und Krankheitsbildern hin- und herinterpretierende, herum experimentierende und nach oben und unten forschende Forscherinnen und Wissenschaftler, dass der sogenannte Placeboeffekt nur dann wirkungsvoll funktioniert, wenn er auf der Grundlage von Tarnen und Täuschen aufgebaut ist, so finde ich nun folgende Meldung, welche mich und mein körperliches Unwohlsein sowie das perfekt darauf abgestimmte seelische Ungleichgewicht völlig aus der Bahn wirft: „Placebo wirkt auch ohne Täuschung.

Hatten die Menschen also früher noch die Hoffnung, an die Wirkung von Scheinmedikamenten zu glauben, obwohl diese keine Wirkung hatten, Hauptsache die Betroffenen wussten nicht, dass sie von dieser Nicht-Wirkung nichts wissen durften, wird ihnen jetzt dieser letzte Rest an glaubhafter Glaubwürdigkeit infolge der Erkenntnis, zu wissen, was man früher nicht wissen durfte, genommen. Sie haben verstanden? Nein, haben Sie natürlich nicht. Also noch einmal von vorne.

80 Patienten wurden in einer dreiwöchigen Studie (siehe PLoS ONE: Placebos without Deception: A Randomized Controlled Trial in Irritable Bowel Syndrome) unter Führung von Ted Kaptchuk in zwei Gruppen aufgeteilt. Alle litten unter Symptomen eines Reizdarmsyndroms. Während die einen Probanden weiterhin still vor sich hin leiden mussten und ohne entsprechende medikamentöse Behandlung ihrem Schicksal überlassen blieben, bekamen die anderen Zuckerpillen. Und das Schöne an der ganzen Studie: Den Teilnehmern wurde nicht einmal verschwiegen, dass sie Placebos einnahmen. Ganz im Gegenteil! Dreist wurde sogar auf die einzunehmende heilversprechende Substanz das Wort „Placebo“ draufgeschrieben.

Und um dem Ganzen die Krone der Schein-Heiligkeit oder sollte ich schreiben garantierten Wirkungslosigkeit aufzusetzen, erzählten die Wissenschaftler den Probanden sogar explizit, dass sie in keinster Weise dazu verpflichtet seien, an den sogenannten Placeboeffekt glauben zu müssen. Einfach die bunten Smarties runterschlucken und fertig!

Erstaunlicherweis kamen die Forscher nach dieser, allerdings sehr kleinen und demzufolge nicht aussagekräftigen, Studie zu dem verblüffenden Ergebnis, dass sich bei 59 Prozent (im Gegensatz zu 35 Prozent bei der unbehandelten Gruppe) die Beschwerden signifikant gebessert hatten. Dies lässt nun den Schluss zu, dass neben dem positiven Denken schon alleine ein medizinisches Ritual wie die Einnahme von vollkommen nutzlosen Tabletten eine gewünschte Wirkung hinsichtlich der erfolgreichen Behandlung von Krankheiten zeigen kann. Deshalb stellen sich die Forscher die Frage: „Was wäre gewesen, wenn wir den Probanden die Nutzlosigkeit der Placebos verschwiegen hätten?“ Möglicherweise hätte dies sogar zu einem noch grösseren Erfolg geführt.

Vielleicht sollten wir, ich eingeschlossen, doch nicht andauernd kopfschüttelnd über indigene Stämme und den letzten verschwindend geringen Rest an Urvölkern lächeln, wenn deren Medizinmann mit Knochen um die zu heilende Person tanzt und dabei markerschütternde Rufe ausstösst.

Placeboeffekt: Tarnung und Täuschung oder echte Hilfe?

Bildquelle: Vorarlberg online 

Oder wie heisst es so schön: Der Glaube versetzt Berge. Was ich jetzt allerdings mit den Bergen von Medikamenten mache, welche sich im Laufe der Zeit zuhause angesammelt haben, weiss ich trotzdem nicht. Vielleicht sollte ich warten, bis diese nach ihrem Ablaufdatum ihre versprochene medizinische Wirkung nebst den Nebenwirkungen verlieren. Und wenn sie völlig wirkungslos sind, dann schlucke ich sie herunter, träufle sie mir auf das kleine Löffelchen und löse sie im Gläschen Wasser auf. Mal sehen, ob sie dann noch besser oder endlich wirken. Schließlich weiss ich ja dann, dass sie eigentlich überhaupt nicht mehr wirken können.

Nein, bevor Sie nun voreilig sämtliche Errungenschaften moderner Medizin verdammen, möchte ich Ihnen noch den Artikel Placeboeffekt ohne Täuschung des Patienten? an Ihr (hoffentlich) gesundes Herz legen. Wenn es denn so einfach wäre, hätten wir einen riesigen Schritt Richtung Unsterblichkeit getan. Aber wer möchte denn schon ewig leben? 

              



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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