Geo-Engineering und Nathan Myhrvold 1


Geo-Engineering und Nathan Myhrvold

Schließen wir also wieder unseren Kreis zum Thema Geo-Engineering, welchen wir mit „Jack and the Beanstalk“ begonnen haben, anhand des Artikels „Geo-Engineering, das Märchen geht weiter“ fortführten und im dritten Teil unter dem Titel „Geo-Engineering – eine unendliche Geschichte“ schließlich bis zum heutigen vorläufigen Schluss beschreiten.

Nathan Myhrvold hat seine Laufbahn unter dem weltbekannten Physiker Stephen Hawking begonnen, bevor er in die Software-Schmiede von Microsoft wechselte und dort seinen bis heute ungebremsten Aufstieg vollzog und sich mit seiner Firma „Intellectual Ventures“ seinen Traum der Selbständigkeit erfüllte. Doch bleiben wir bei der von Myhrvold vorgeschlagenen Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels.  

Das Konzept von Myhrvold sieht vor, giftiges Schwefeldioxid an den beiden Polen durch 25 Kilometer lange Schläuche, welche mithilfe von Heliumballons in den Himmel gezogen werden, in die Atmosphäre zu pumpen. Zwei riesige Gartenschläuche, welche an Nord- und Südpol in den Himmel ragen und dort kontinuierlich ihre zerstörerische Ladung zu Mr. Spock hinaufbefördern. Ken Caldeira, welcher im Auftrag von Myhrvold eine Nutzenanalyse aufgestellt hat, spricht davon, dass eine einzige Anlage reichen könnte, um das Abschmelzen der Pole und des arktischen Eises auf Dauer zu verhindern.

Myhrvold geht von der Tatsache aus, dass Kohlekraftwerke Schwefeldioxid ausstoßen. Schwefel wiederum könnte in Höhen jenseits von 20 Kilometern als Reflektor für das aus dem Weltall einfallende Sonnenlicht dienen und aufgrund dieser Eigenschaft das Klima abkühlen. Anders als der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen, welcher den Schwefelgehalt in der Stratosphäre durch Spezialflugzeuge künstlich anheben will, sieht Myhrvold im natürlichen Vorkommen von Schwefel in der Luft die Chance für eine ausreichende Klimaregulierung.

Denkt man über den Vorschlag von Crutzen etwas nach, stellen sich einige bisher ungelöste Probleme. Eine interessante englischsprachige Zusammenfassung dazu bietet Scilogs: „Paul Crutzen´s Other Big Idea„). Wenn man der Idee von Crutzen oder dem kanadischen Unternehmer Keith folgt, welche ein Experiment in Gang setzen wollen, welches vorsieht, dass ein Spezialflugzeug der NASA eine Tonne Schwefelteilchen in Form feinster Aerosol-Partikel in einer Höhe von etwa 20 Kilometern ausbringen wollen, muss man auch die Konsequenzen bedenken.
Der Meteorologe Alan Robock von der Rutgers State University of New Jersey rechnet vor, dass für ein erfolgreiches Intervenieren mithilfe von Schwefelpartikeln 3 Gramm Schwefel eine Tonne Kohlendioxid kompensieren können. Um nun eine ausreichende Kühlung unseres Klimas zu erreichen, also genügend Sonnenlicht wieder zurückzuwerfen, wird eine Million Tonnen kleinster Schwefel-Aerosole vonnöten sein. Und um diese Menge an Schwefel nach oben zu transportieren, lassen sich Träger wie Heißluftballons oder ballistische Geschosse verwenden. Doch diese Methode verschlingt Unsummen an amerikanischen Dollars. Erste Rechnungen gehen dabei von ca. 30 Milliarden aus. Um diese Kosten drastisch zu senken, wäre es ebenfalls denkbar, militärische Flugzeuge einzusetzen. Ein Tankflugzeug vom Typ KC-135 könnte dabei eine Nutzlast von 91 Tonnen in die oberen Luftschichten befördern. Dies würde nach Rechnung der Forscher bedeuten, dass an insgesamt 250 Tagen des Jahres jedes Mal 15 dieser Flugzeuge aufsteigen müssten, um die geforderte Menge Schwefel in der Stratosphäre zu verteilen. Einmal am Tag? Nein, dreimal pro Tag müssten sich die Flieger in Geo-Engineering: Ein Flugzeug macht noch kein neues Klima.die Lüfte erheben. Dies macht weit mehr als 11 000 Flugzeuge pro Jahr, welche durch ihre Abgase die Luft zusätzlich belasten. In meinen Augen wohl eine mehr als kontraproduktive Art, der Klimaerwärmung Herr (und Frau) zu werden. Siehe dazu auch Michael Odenwald Geo-Engineering Großtechnik gegen die Erderwärmung Seite 3.

Bildquelle: The PPJ Gazette 

Doch ganz abgesehen von der technischen Machbarkeit, den finanziellen Aspekten und der zeitlichen Komponente findet Alan Robock in seinem lesenswerten Bericht 20 reasons why geoengineering may be a bad idea 20 weitere gute schlechte Gründe, welche gegen den exzessiven Einsatz von Geo-Engineering Methoden sprechen. Unter Punkt 11 gibt er zu bedenken, dass die Entscheidung, Schwefel in die Luft zu pumpen, niemals mehr rückgängig zu machen ist. Hat der Mensch erst einmal begonnen, diesen Weg zu beschreiten, wird er keine Möglichkeit mehr finden, dies zu irgendeinem Zeitpunkt mehr zu revidieren. In Punkt 15, 16 und 17 führt er aus, dass jegliche Maßnahmen durch Kontrollinstanzen überwacht werden müssen. Doch wer wird sich dieser Aufgabe stellen, ohne dass Militär oder Industrie diese Mechanismen für eigene Zwecke nutzen bzw. welche neuen Abhängigkeitsverhältnisse entstehen durch die „Macher“. Punkt 19 seiner Gründe gegen Geo-Enginering halte ich für besonders erwähnenswert. Die weltweite Klimaerwärmung ist das Resultat einer nicht mehr wandelbaren Veränderung unseres Klimas, welche wir durch den unbedachtsamen Kohlendioxid-Ausstoß zu verantworten haben. Wir nutzen Klimaanlagen, verursachen CO2 für Wachstum, Transport und Zubereitung unserer Speisen, wir reisen, halten unsere Produktionsanlagen am Laufen. Und immer entstehen dabei Treibhausgase, nicht beabsichtigt, aber sie lassen sich nun einmal nicht wegleugnen. Und jetzt gehen wir wieder einen Schritt weiter. Wir erwachen plötzlich aus unserer Lethargie, erfassen jene Folgen unseres vergangenen Tun und Handelns. Aber anstatt Besserung zu geloben, stossen wir weitere Emissionen in die Luft, um mit diesen neuen Gasen die bereits vorhandenen schädlichen Gase zu bekämpfen. Wer gibt uns das Recht dazu?

Lassen wir also 11 000 Tankflugzeuge hinter uns und richten unseren Blick nach vorne, zu Nathan Myhrvold. Er möchte das Problem mithilfe überdimensionierter Fabrikschlote lösen, welche an Heißluftballons in eine Höhe von 25 Kilometern in die Stratosphäre gezogen werden und dort ihr wundersames Werk aufnehmen. Wie er dieses bewerkstelligen möchte, weiss er allerdings ebenso wenig wie ich im Moment weiss, wieviele Artikel ich noch diesem Thema widmen muss, um zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Doch ich hoffe, ich habe Ihnen auch heute wieder einige Dinge zum Geo-Engineering mit auf den Weg gegeben, welche es zu überdenken gilt. Besonders im Hinblick auf die Frage, ob diese Methoden, den fortschreitenden Klimawandel zu bekämpfen, vom moralischen Sandpunkt überhaupt zu rechtfertigen und zu vertreten sind. Die technische Umsetzung dabei einmal außen vor gelassen. Die Finanzierung dabei einmal außer acht gelassen. Den Wettlauf gegen die Zeit dabei einmal außer Betracht gelassen.

So bitte ich Sie zum wiederholten Male, oder um genauer zu sein, zum vierten Male, Rücksicht und vor allem Nachsicht walten und sich mit dem Versprechen vertrösten zu lassen, dass der nächste Artikel mit Sicherheit, also fast mit Sicherheit, so ziemlich sicher jedenfalls, also möglicherweise mit leichten Unsicherheiten, der letzte sein wird, mit welchem ich Sie quälen werde. Bleiben Sie mir also bis dahin gewogen, wenn es heißt: Geo-Engineering, ein Himmelfahrtskommando. 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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