Kleines Missgeschick beim Nerz-Kommerz 1


Fell über beide Ohren gezogen

Zu einem Versehen, andere sprechen von einem Faux-pas, kam es nun im Zuge der letzten Tötungswelle von Nerzen und besonders von Robben für die Winterkollektionen der verschiedenen Modehäuser und Handelsketten, welche kuschelige Pelzmäntel für die modebewusste Frau und den Mann von Welt im gut sortierten Angebot führen.

Bildquelle: Gegen Pelze aus tierquälerischer Haltung.Tote Nerze in einer Farm im weissrussischen Sosnowy Bor. (Bild: Reuters) 

Frau Ludmilla, welche bereits seit längerer Zeit an einer Sehschwäche leidet, aber trotz dieser Behinderung den Worten ihrer Auftraggeber nach einen „Super-Job“ macht, ging wie jeden Tag ihrer Arbeit nach, als sie plötzlich bemerkte, dass die Qualität der neuen Lieferung nicht den vorgegebenen Standards entsprach. „Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere„, sagt Frau Ludmilla, während sie weiterhin fachfräuisch mit weissen Handschuhen in blütenreiner Optik die kleinen Tierkadaver sortiert. Nur ein winziger unangenehm roter Fleck am Rand des Handschuhs stört die Idylle. „Natürlich passiert es manchmal, dass sich ein richtig dicker Brocken unter den toten Tieren befindet, aber der wandert dann sowieso auf die Laufstege von Paris oder Mailand. Also er wandert nicht selber, weil das kann er ja nicht mehr, weil er ja schon tot ist„, erklärt uns die sympathische Frau. „Aber dieses Mal waren die Kadaver schon sehr gross. So richtig dicke Dinger waren das. Und fast keiner war behaart. Also so viele flauschige Haare meine ich, wie ich das sonst von diesen putzigen kleinen Tierchen gewohnt bin. Das waren schon mehr Sauborsten. Merkwürdig, habe ich mir gedacht und sofort meinen Chef angerufen. Und der ist dann auch gleich gekommen und hat sich die ganze Sauerei angeschaut. Und dann hat er gesagt, dass da wohl ein Missgeschick passiert sein muss. Aber ich solle ruhig weiter meine Arbeit machen und denen das Fell über die Ohren ziehen. Die kann man dann eben für die billigen Pelzmäntel hernehmen.“

Mittlerweile hat sich Herr Dimitri zu uns gesellt. Bedeutungsvoll nickt er zu den Worten der kleinen Frau und erzählt: „Ja, das war schon eine saublöde Geschichte. Ganz abgesehen davon, dass dieses Geschäft für uns einen irrsinnigen Verlust bedeutet hat, waren unsere Kunden mit der Ware überhaupt nicht zufrieden. Aber ich hab denen immer gesagt, wenn sie sich mit ihrem Navigationsgerät nicht auskennen, sollen sie doch nur wirklich das erschlagen, was sie kennen. Aber nein, am Strand von Mallorca müssen sie landen. Und weil dort was von „Ballermann“ stand, aber einer „Baller Mann!“ gesagt hat, haben sie natürlich auf alles draufgehalten und draufgeschlagen, was ihnen vor die Hände kam. O.k., durch die vielen Blutspritzer haben sie alles vielleicht nicht so genau gesehen, aber trotzdem ist das schon irgendwie peinlich. Und wir müssen jetzt den ganzen Dreck aufräumen. Alleine die Entsorgung, was das wieder kostet. Eine Katastrophe für uns.“

Das feuchte Glitzern in den Augen des Mannes macht mich ganz betreten. Eine kleine Träne kullert aus dem linken Augenwinkel, während er sich schnell umdreht und sich das Gesicht an einem der zahllosen wunderschönen Felle neben sich abwischt. Langsam und unangenehm berührt vom unsäglichen Leid verschwinde ich langsam, nicht ohne vorher noch ein paar Münzen auf dem blutverschmierten Tisch liegenzulassen. „Eine kleine Spende für Sie. Für ihre Unannehmlichkeiten.„, sage ich noch leise murmelnd, bevor ich diese fleissigen Menschen hinter mir lasse.

Nur ein toter Nerz ist ein guter Nerz(Mantel).

Bildquelle: Pelz ist Mord 

Aus den Augen der toten Nerze strömen währenddessen die kalten Tränen des Todes, rinnen an den gläsernen Spiegeln entlang, tasten sich leise von Haarspitze zu Haarspitze, bis sie sich schließlich auf dem langen Tisch mit dem erstarrten Blut ihrer Körperlosigkeit zu einem tiefen grundlosen unergründlichen blutroten See vereinen.

 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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