Landwirtschaftsminister spricht von “Saustall”
Minister Berlakovich lässt die Sau raus
Eine gar köstliche kleine Anekdote spielte sich am Rande des Klimagipfels von Cancun ab. Also, so ganz am Rande nur, eher schon etwas außerhalb. Oder um ganz genau und präzise zu sein, spielte sich das “G´schichtl” eigentlich in Paris ab, sozusagen auf dem Weg nach Cancun. Oder besser gesagt nicht auf dem Weg, denn der blieb dem in seiner Doppelfunktion als österreichischer Umwelt- und Landwirtschaftsminister reisenden Dipl. Ing. Nikolaus Berlakovich verwehrt.
Von Ärger war die Rede. Minister Berlakovich konnte scheinbar (ich war allerdings nicht vor Ort) seine Maschine, welche ihn von Paris nach Cancun hätte fliegen sollen, sehen. Aber er durfte nicht einsteigen. Sämtliche Versuche, den Minister samt seiner gewichtigen Worte zur Rolle Österreichs als Klimaschützer Nummer 1 von Frankreich nach Mexiko zu befördern, scheiterten. Naja, das mit der Nummer 1 stimmt dann doch nicht so ganz im Best of Klimaschutz. Aber wie wäre es denn mit der Nummer 2? Nun ja, auch von diesem Platz ist Österreich samt Herrn Berlakovich doch etwas entfernt, zumindest so weit wie Paris von Cancun. Nummer 3 geht sich leider auch nicht aus. Ich will es kurz machen. Die ersten drei Plätze der von Germanwatch und CAN Europe aufgestellten Rangliste namens Klimaschutz-Index (KSI) 2011 blieben sowieso unbesetzt. Kein Land konnte sich auf diesen für Staaten reservierten Plätzen festsetzen, welche den Klimaschutz so konsequent umsetzen, dass die Vorgaben von einer maximalen globalen Erwärmung von 1,5 Grad erfüllt werden.
Die kompletten Ergebnisse von Germanwatch finden Sie als Download unter “Der Klimaschutz-Index Ergebnisse 2011“.
Bliebe also noch Platz 4, den hat aber Brasilien inne. Österreich kann trotzdem stolz auf seine Klimabilanz sein: Platz 40 bedeutet bei den 60 grössten CO2-Emittenten auf Grundlage der Emissionen und der vollzogenen Klimapolitik, dass die umgesetzte Umweltpolitik des Landwirtschaftsministeriums, nicht zu vergessen das im gleichen Hause befindliche Umweltministerium, unter Führung von Minister Berlakovich doch für ein ausgezeichnetes Ergebnis verantwortlich ist. In puncto Klimaschutzleistungen ein respektables Ergebnis. Man befindet sich immer noch im zweiten Drittel. Zwar auf dem letzten Platz im zweiten Drittel, aber immerhin nicht auf dem ersten Platz im letzten Drittel, sondern auf dem letzten Platz im zweiten Drittel. Gratulation! Respekt! Hut ab! Weiter so! Da fällt mir doch noch etwas ein. Ist dies nun, wie geschrieben, auf die Umweltpolitik des Landwirtschaftsministeriums zurückzuführen oder doch eher auf die Landwirtschaftspolitik des Umweltministeriums? Ich weiss es nicht, ehrlich gesagt.
Nun, das dürfte dann doch nicht von entscheidender oder möglicherweise sogar existentieller Bedeutung sein. Schließlich haben Bäuerin und Bauer, sofern sie eine eheliche Gemeinschaft führen, in den meisten Fällen auch den Saustall neben dem Misthaufen. Oftmals sogar unter einem Dach, rein bildlich gesprochen natürlich, denn welches Schwein möchte schon im selbst fabrizierten Mist wohnen. Klimawandel hin, Kohlendioxid her.
Aber eigentlich wollte ich Ihnen ja eine kleine Anekdote rund um den Klimagipfel von Cancun erzählen, denn wer interessiert sich denn wirklich noch für den Weltgipfel selbst (siehe Kopenhagen 2009). Außer jene Herrschaften selbstverständlich, welche nicht in ihr Flugzeug einsteigen durften bzw. welches schon Richtung Cancun unterwegs war. Und wo bitteschön kommen wir da hin, wenn ein Minister vom Range eines Dipl. Ing. Nikolaus Berlakovich schon wie ein Normalbürger behandelt wird. “Das war ja kein Ausflug. Es geht um wichtige Gespräche zur Klimakatastrophe. Mir graut davor, was einem Normalbürger auf Reisen passieren kann, wenn unsere Diplomaten schon Ministern so wenig helfen. Das hat Konsequenzen.” (Berlakovich ist in Paris gestrandet) Hoffentlich verschont er zumindest das Klima mit seinen Konsequenzen.
Wenn er dann in der Sprache des Landwirtschaftsministers von einem Saustall spricht, so ist dies doch nur allzu verständlich. Gehören doch irgendwie alle Schweine in sein Ressort und sollten dem obersten Politiker auch den notwendigen Respekt zollen. Dass nach Minister Berlakovich allerdings jetzt ”Köpfe rollen” müssen, werden die armen Schweine überhaupt nicht gerne hören. Wer möchte schon gerne vor der Zeit auf die Schlachtbank geführt werden? Gut, ich muss gestehen, ich hatte schon diesen Gedanken, aber ohne die fremde (diplomatische) Hilfe ist es für einen normalsterblichen normalbürgerlichen Normalmenschen wie mich unheimlich schwierig, den richtigen Messerwetzer zu finden, welcher einen über die Klinge springen lässt. Ja, dieses sprichwörtliche Aus-der-Haut-fahren ist nicht so einfach wie es sich eine arme Sau wie ich vorstellt.
Dass sich übrigens die in Cancun stattfindenden Verhandlungen über ein Waldschutzabkommen mehr im Kreise drehen anstatt sich mit Air France oder welcher Fluggesellschaft auch immer in die Lüfte zu erheben und Österreich dabei bisher eine unrühmliche Rolle spielt (GLOBAL 2000 fordert: BM Berlakovich muss Klimaschutz-Blockade beenden!), dürfte dem Minister vor lauter Blickkontakt-Suche mit dem Piloten des Fliegers weniger interessieren. Aber vielleicht hat Herr Berlakovich nur das falsche Ministerium unter sich. Wenn Global 2000 Klimaschutzexperte Johannes Wahlmüller über diesbezügliche österreichische Bemühungen sagt: “Die Vorschläge Österreichs zur Erfassung von Emissionen aus der Waldnutzung kann man gemeinhin als Bilanzfälschung bezeichnen“, dann wäre doch das Finanzministerium eher der geeignete Ort für die ministerialen Saustall-Proklamationen.
Und das alles nur wegen eines verpassten Anschlussfluges nach Mexiko. Ich habe die leise Befürchtung, unser Weltklima ist aufgrund des Fehlens des österreichischen Umweltministers nun endgültig nicht mehr zu retten. Was für ein Saustall!
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