Geo-Engineering, das Märchen geht weiter


Ich habe meinem ersten Teil zum Thema Geo-Engineering (siehe Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister) damit beendet, dass ich die beiden technisch und wirtschaftlich plausibelsten Lösungsansätze und Methoden kurz um- und anreissen möchte, welche nach derzeitigem Wissensstand als am chancenreichsten angesehen werden. Danach möchte ich mich dann dazu äussern, weshalb ich mich an das Märchen vom Hans und seiner himmelwärts strebenden Bohnenranke erinnert fühle. Ich darf auch eines vor die folgenden Ausführungen stellen. Ich bin weder ein Weltverschwörer noch ein Verweigerer der Ideen des Geo-Engineering. Möglicherweise bieten uns einige Ansätze die Chance, durch die richtige Anwendung bezüglich des Klimaschutzes Zeit zu gewinnen. Vielleicht kann Geo-Engineering dazu beitragen, den unaufhaltsamen Klimawandel zumindest zu bremsen, wenn auch nicht endgültig stoppen. Und eventuell lässt sich durch Geo-Engineering genau jene Zeit gewinnen, welche wir alle benötigen, um den weltweiten CO2-Ausstoss auf die dafür notwendigen Grenzen abzusenken.

Aber ich sehe die Gefahr erfolgreicher Verfahren darin, dass die Menschheit durch diese Anwendungen das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren wird. Das Geo-Engineering darf immer nur als „Begleitschutz“ angesehen werden, aber niemals als Substitution für die dringend notwendige Reduktion der Emissionen betrachtet werden.    

Carbon Dioxide Removal (CDR) Methoden

1. Anbau reflektierender Nutzpflanzen

Allen CDR-Methoden liegt eine Gemeinsamkeit zugrunde. Der Atmosphäre soll CO2 entzogen werden, um dadurch der steigenden Klimaerwärmung entgegenzuwirken. Doch Hauptstreitpunkte dieser bisher nur anhand von Modellen und Computersimulationen existierenden Ideen sind einerseits die technische Umsetzung, welche mit hohen Kosten verbunden sind und auf der anderen Seite fehlende Risiko-Nutzen Analysen. Da Geo- oder auch Climate-Engineering einer jener neuen Forschungszweige und Wissenschaftbereiche ist, welche erst seit kurzer Zeit aus der Erkenntnis des schädlichen und dementsprechend zu bekämpfenden Klimawandels entstanden sind, fehlen notwendige Langzeitstudien und Laufzeitanalysen, um mögliche Risiken und Folgeschäden der zum Einsatz kommenden Methoden abschätzen zu können. 

Meine Bedenken gegenüber dem großflächigen Anbau von Nutzpflanzen mit hohem Reflextionsfaktor habe ich bereits dargelegt. Dr. Joy Singarayer, welche an der Universität von Bristol an einem Forschungsprojekt dieser Art mitarbeitet, sieht die Sache naturgemäß verhalten) optimistisch. In „The Royal Society“ steht unter „Cooling the world with crops“ zu lesen: „Our current studies on crop reflectivity are at an early stage, but our initial results are really encouraging, as they suggest that simply by choosing to plant specific strains of crops, we could alter the reflectivity of vast tracts of land and significantly reduce regional temperatures.  The concept of using increased reflectivity to manipulate our climate is, in fact, an ancient one – humankind has for centuries painted settlements white to reflect the sun and keep cool. We could now realise the opportunities to do this on a much bigger scale via our agricultural plantations.“

Es mag zutreffen, dass sich unsere Altvorderen bereits dem Thema der manipulativen Eingriffe in die Erderwärmung näherten und durch die von Singarayer beschriebenen Maßnahmen auch vollzogen. Das Bedürfnis der Menschen war schon immer auch die Ausrichtung ungleicher Machtverhältnisse ausgerichtet, sei es anderen Individuen gegenüber, sei es im Bestreben, sich die Erde untertan machen zu wollen. Dass auch sie stolz auf ihre Erfolge waren, das Wetter zu beherrschen, wenn auch nur im kleinen Kreise, soll nicht abgestritten werden. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass neben den schon angesprochenen Problemen gentechnischer Experimente in Zukunft das Geltungsbedürfnis und das Machtstreben der Menschheit über die primären Ziele die Oberhand gewinnen. Weiterhin sehe ich weitere Probleme in Form riesiger Monokulturen auf uns zukommen, auch wenn dies mit dem Einwand entkräftet wird, dass ein bestimmtes Wechselspiel der angebauten Pflanzen dies verhindern können. Aber dies nur als kleine Randnotiz.Geo-Engineering: Anbau von Nutzpflanzen zur Bekämpfung des Klimawandels.

Und eines sollten wir bei all der Euphorie nicht vergessen. Die Forscher sprechen von klimatischen Verbesserungen in jenen Regionen dieser Welt, welche die dafür notwendigen Ressourcen bereitstellen können. Dazu zählen in erster Linie sicherlich geeignete Anbauflächen, welche die Entwicklungs- und Schwellenländern zur Genüge bereitstellen können. Doch eines wurde nicht zu Ende gedacht. Um diese Anbauflächen zu bewirtschaften, werden Unmengen an Wasser, Düngemittel, technische Gerätschaften und die geeigneten Samen benötigt. Dies ist mit irrsinnigen Investitionen und der notwendigen Finanzierung verbunden. Weshalb sollten aber die Industrienationen dieses Kapital und die Hilfsmittel zur Verfügung stellen, ohne sich dadurch Vorteile zu verschaffen? KritikerInnen dieser Sichtweise werden mir nun entgegnen, dass aus betriebswirtschaftlichen Gründen für beide Parteien Vorteile entstehen werden. Warum glaube ich nicht daran, wenn Wasser bereits in unserer heutigen Zeit schon zu einem umkämpften Gut geworden ist? Und weiterhin habe ich die Befürchtung, dass sich, sollten wirklich solche Hilfestellungen realisiert werden, eben jene Hilfsempfänger in ein noch stärkeres Abhängigkeitsverhältnis gegenüber den Geberländern abgleiten werden.

Doch selbst wenn sich Lösungen finden lassen, technologisches Know-how und Kapital in beiderseitigem Einvernehmen zu tranferieren, stehen andere Länder wieder vor anderen Problemen. Um klimatisch günstige Bedingungen zu schaffen, welche sich die Klima-Architekten durch den Einsatz von Aloe, Roggen oder Weizen versprechen, müssen meines Erachtens in Ländern Mittel- und Südamerikas, aber auch in Regionen wie Malaysia und dem gesamten südostasiatischen Raum diesen Anbauflächen genau jene schützenswerten Wälder weichen. Welche Carbon Dioxide Removal Alternativen bieten uns also die Forscher noch an?

2. Verwitterung von Olivin

Olivin: Der Verwitterungsprozess von Olivin im Dienste von Geo-Engineering.Olivin als Option des gezielten Eingriffs in unser Klima. Olivin ist ein natürlich vorkommendes kohlenstofffreies Minerals, welches bei seiner chemischen Verwitterung der Umgebungsluft über Umwege CO2 entzieht. Durch die Reaktion von Regenwasser mit dem CO2 in der Atmosphäre bildet sich Kohlensäure. Und diese Kohlensäure wiederum greift die Oberfläche des Olivins an und es entsteht unter anderem Bikarbonat, welches die hauptsächliche Form von gelöstem CO2 in unseren Ozeanen ist. Dieses gelöste CO2 wird schließlich mit den Flüssen in die Weltmeere geschwemmt und liegt dort also in gebundener Form vor.

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung stellten sich die Frage: „Was, wenn sich dieser Verwitterungsprozess künstlich beschleunigen ließe?“ Besteht die Möglichkeit, durch Ausstreuen von feingemahlenem Olivin auf möglichst sauren (niedriger pH-Wert) Böden den Entzug des Treibhausgases aus der Luft zu forcieren? Modellversuche gehen hierbei von verschiedenen Prämissen aus. Je feiner das Olivin gemahlen wird, desto größer ist die Angriffsfläche und umso schneller kann der Verwitterungsprozess einsetzen. Beschleunigt wird dies weiterhin durch feuchte und vor allem warme Böden und Regionen.

Lassen wir doch Pflanzen Pflanzen sein und färben lieber unsere Oberflächen mit dem grünlichen Olivin ein. Leider nein. Die theoretische Studie von Köhler und seinen Mitautoren Prof. Dr. Jens Hartmann (KlimaCampus, Universität Hamburg) und Prof. Dr. Dieter Wolf-Gladrow (Alfred-Wegener-Institut) kommt aus verschiedenen Gründen, welche ich nun nicht weiter ausführen möchte (siehe dazu Wie viel Kohlendioxid kann der Atmosphäre entzogen werden, wenn das Mineral Olivin an Land vermehrt aufgelöst wird?  ) zu der Erkenntnis, dass einige Gründe gegen die Verwirklichung der Methode in naher Zeit führen werden. Besonders die Herstellung von Olivin erfordert durch den Mahlprozess derart viel Energie, dass dies nach derzeitgem Stand der Technik in keinem Verhältnis zum erwarteten Nutzen stünde. Und so versteht sich die Forschergruppe auch mehr als Ideengeber. „Das Alfred-Wegener-Institut hat weder die Absicht noch ein Interesse daran, mit dieser Studie den Weg für den kommerziellen Einsatz von Geoengineering-Maßnahmen zu ebnen. Sie liefert aber einen wichtigen Beitrag, um die wissenschaftliche Informationsbasis zu Geoengineering-Methoden zu verbessern„, erläuterte AWI-Direktorin Prof. Karin Lochte. So müssen wir uns weitermachen auf unserer Suche nach vernünftigen Lösungen des Geo-Engineerings.

Einen weiteren Ansatz des Geo-Engineering, die sogenannte Eisendüngung der Weltmeere, möchte ich aufgrund des Umfanges der Thematik mit den Worten von AWI-Direktorin Lochte ohne weitere Ausführungen zum Selbststudium folgendermaßen wiedergeben: „„Im Rahmen des deutsch-indischen Kooperationsprojekts LOHAFEX wollen wir  wissenschaftliche Fragen lösen, um besser einschätzen zu können, welche Rolle Eisen im Ozeansystem spielt. Wir als Alfred-Wegener-Institut haben ausdrücklich weder die Absicht noch ein Interesse daran, mit unserer Expedition den Weg für einen kommerziellen Einsatz der Eisendüngung zu ebnen. Das Alfred-Wegener-Institut lehnt großskalige Eisendüngung mit dem Ziel der Kohlendioxid-Reduzierung zur Klimaregulierung nach dem jetzigen Stand des Wissens ab.“ Als Einstieg zur Rolle des Eisens als Klimaregulator bietet sich das Handout „Hintergrundinformationen zum Projekt LOHAFEX vom 22.01.2009“ an.

Meine sehr verehrten Leserinnen und treuen Leser. Nachdem ich nun diesen letzten Absatz mit einem Hinweis auf einen Einstieg beendet habe, ist es aufgrund des Umfangs des Themenbereiches Geo-Enginering notwendig, auch diesen Artikel als Open-end und demzufolge mit einem Ausstieg zu beschließen. Es würde in meinen Augen keinen Sinn machen, all jene Informationen und Kernpunkte in komprimierter oder gekürzter Form hineinzupacken, nur um zu einem unversöhnlichen Ende zu kommen. Deshalb bitte ich Sie nun zum dritten Teil: „Geo-Engineering – eine unendliche Geschichte„.  



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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