Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister 2


Hans und die Bohneranke. Ein Märchen neu erzählt

Es ist vielleicht nicht das bekannteste Märchen. Und es stammt auch nicht von den Gebrüdern Grimm, sondern die erste Niederschrift finden wir bei Benjamin Tabart undJack and the Beanstalk: Ein Märchen namens Geo-Engineering. bei diesem Londoner Buchhändler ist sie vermutlich 1807 auch zum ersten Mal unter dem Originaltitel „The History of Jack and the Beanstalk“ erschienen. Aber genug der Märchen. Wenden wir uns dem Tausendsassa Nathan Myhrvold zu, welcher laut New York Times (Turning Patents Into „Invention Capital“) im Laufe seines Lebens schon 30 000 Patente gesammelt haben soll. Dass Nathan Myhrvold zu früheren Zeiten Entwicklungschef bei Bill Gates und Microsoft war, bevor er sich mit fünf Milliarden Dollar (!!!)Risikokapital auf den Weg machte, die eigene Firma Intellectual Ventures zu gründen, soll nur der Vollständigkeit halber im Lebenslauf stehen. (Bildquelle: Laura´s Blog)

Myhrvold befasst sich aber neben vielen anderen Themen mit dem sogenannten „Geo-Engineering“ oder, da ich hauptsächlich für deutschsprachige LeserInnen schreibe, mit den Ingenieurswissenschaften zur Rettung unseres Klimas. Seit der nun von mir bereits zur Genüge erwähnte UN-Artenschutzgipfel von Nagoya den verschiedenen (meist utopischen) Konzepten dieser neuen Ingenieurskunst aber einen erhöhten Stellenwert einräumt und dementsprechend auch das Geo-Engineering dezidiert in den Abschlussbericht aufnahm, sollten wir uns die verschiedenen Pläne zumindest auch einmal ansehen.

Geo-Engineering – Utopie und Wirklichkeit

Über die dramatischen Entwicklungen und daraus entstehenden Folgen und Konsequenzen des Klimawandels zu schreiben hieße eigentlich Eulen nach Athen tragen. Also belasse ich es bei diesem Eingangssatz. Das Geo-Engineering verfolgt im Moment zwei verschiedene Wege und Lösungsansätze, um das Klima der Erde abzukühlen.

Zum einen befassen sich die Ingenieure mit der Möglichkeit, dass bereits freigesetzte und also real existierende Kohlendioxid wieder aus unserer Erdatmosphäre zu entfernen, der Carbon Dioxide Removal (CDR) Methode. Diese Maßnahmen zur Klimakontrolle dient der Entsorgung der ausgestossenen Kohlendioxidmengen, wobei Speicher wie etwa Holzkohle in den Böden, tief in der Erde liegende Grundwasserschichten oder die Injektion in bereits ausgebeutete Öl- und Erdgaslagerstätten den überschüssigen Klimakiller beseitigen sollen.  

Ich glaube allerdings, dass diese Methode, sollte sie sich denn umsetzen lassen, einige Risiken birgt, von denen der Wegfall eines Anreizsystems zur Reduzierung der schädlichen Emissionen wohl geradezu in den Vordergrund drängt. Sollte es uns tatsächlich gelingen, technische Möglichkeiten zu entwickeln, um das natürliche Erdthermostat zukünftig zu regeln, werden sich Industrieländer mit dieser Methode möglicherweise so anfreunden, dass sie vor lauter In-die-Atmosphäre-pumpen auf das eigentliche Ziel der Schadstoffvermeidung einfach „vergessen“.

Und weiterhin sollten wir uns die Frage stellen, ob wir aufgrund unserer moralischen Verpflichtung gegenüber unseren Nachfahren, welchen wir durch unser heutiges Handeln keine Rechenschaft schuldig bleiben (können), überhaupt eine Berechtigung haben, derart unkontrolliert in das Weltklima einzugreifen. Ich verweise hierbei noch einmal auf meinen Artikel „Klimawandel und Generationengerechtigkeit„, welcher der Frage nachgeht, ob die aus philosophischer Sicht bestehende Problematik der Machtasymmetrie zwischen Lebenden und erst nach unserem Tode Geborenen ein derartiges Tun überhaupt gestattet. Genau diese Divergenzen von Kooperationsbeziehungen haben letztendlich zum heutigen Klimawandel geführt, wenngleich wir, wie schon ausgeführt, größtenteils Nutznießer vergangener Handlungen sind. Haben wir also nicht schon weitreichend als menschgewordene Götter die Atmosphäre so verändert, dass diesem Treiben nicht endlich Einhalt geboten werden sollte? Nein, anstatt neue Klimaschutzziele zu definieren und dafür Sorge zu tragen, durch entsprechende Maßnahmen jene „von unseren Kindern angemietete“ Welt wieder ordnungsgemäß zurückzugeben, klammern wir uns in unserer Verzweiflung an jeden nur in Reichweite befindlichen Strohhalm.

Thomas Leisner und Stefan Müller-Klieser schreiben in „Aerosolbasierte Methoden des Climate Engineering“ unter 1 Einleitung: Macht über die natürlichen Kräfte von Wetter und Klima zu erlangen, zählt zu den urzeitlichen Träumen der Menschheit, die entsprechende Fähigkeit wurde allerdings nur Gottheiten oder deren Günstlingen zugestanden. Mit der Entdeckung und Beherrschung der nuklearen Kräfte schien dieser Traum in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts erstmals in erreichbare Nähe zu kommen. Visionen einer menschengeformten Umwelt aus den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts beinhalteten dabei nicht nur die Kontrolle über das Klima, sondern strebten eine Umgestaltung des Erdsystems zum Nutzen seiner menschlichen Bewohner an …“ (dazu: Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis 19. Jg., Heft 2, Juli 2010 Seite 25).  

Geo-Engineering, ein brodelnder Vulkan 

Und dieser andere Strohhalm, der andere Weg, Geo-Engineering erfolgreich in die Bekämpfung des Klimawandels einzubinden, besteht darin, dass direkt in den Strahlenhaushalt der Erde eingegriffen wird. Und hierbei soll, zumindest wenn es nach den Klima-Architekten geht, die Solar Radiation Management (SRM) Methode gute Umweltdienste leisten. Was uns z.B. der Vulkan Eyjafjalla auf Island vorgemacht hat, dient als Ideenschmiede für den Homo sapiens. Schwefel wird in die Luft geblasen, reflektiert in den oberen Regionen die Sonneneinstrahlung und der Planet kühlt sich ab. Diese kleinsten Aerosol-Partikel in der Stratosphäre übernehmen die Funktion unzähliger Spiegel, welche die unerwünschte Energie in Form von Wärme erst gar nicht auf die Erde weiterleiten, sondern postwendend mit „Unbekannter Absender“ zurückschicken. Klingt doch einfach!

Eine andere (verblüffend) unkomplizierte Lösung, zumindest auf dem geduldigen Reißbrett unendlich grauer Theorie, wäre der Anbau von Nutzpflanzen, welche das gleiche Prinzip der Reflektion nutzen würden. Pflanzen werfen durch glänzende Blätter und feine Härchen die einfallende Sonneneinstrahlung zumindest zum Teil wieder dorthin zurück, wo sie herkam, in die Weiten des Weltalls. Was ist demnach die Konklusion dieser Idee? Britische Forscher der Universität Bristol empfehlen, zukünftig verstärkt jene Arten Weizen, Roggen oder Aloe Vera einzusetzen, welche durch ihre Oberfläche der Klimaerwärmung entgegenwirken. Durch diese Rückstrahlung prognostizieren die Forscher eine Abkühlung des Erdklimas von durchschnittlich mehr als ein Grad. Zumindest dort, wo solche reflektierenden Pflanzen zum Einsatz kommen.

Ich habe mir den Artikel „Reflektierende Pflanzen könnten Erde kühlen“ durchgelesen. Wissen Sie, wann meine Alarmglocken ohrenbetäubenden Lärm schlugen? Als ich den ersten Satz im dritten Abschnitt und dort besonders die Worte „… dass der großflächige Anbau geeigneter Pflanzen …“ las. Gentechnik, war mein erster Gedanke. Wer sich auf die Suche nach geeigneten Pflanzen begibt, wird unweigerlich auch vor der Gentechnik nicht Halt machen. Und auch hierzu darf ich Sie wieder auf einen meiner Artikel verweisen, welchen ich unter dem Titel „Grüne Vernunft vs. Greenpeace“ veröffentlicht habe. Geo-Engineering oder auch Climate Engineering als Spielwiese für genmanipulierte und staatlich sanktionierte Nutzpflanzen ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.

Das Märchen von Hans und seinem Streben in ungeahnte Höhen geht weiter. Ich hoffe, dass Sie dann auch den Kontext zu Hans und seiner Bohnenranke verstehen. Unter dem Titel „Geo-Engineering, das Märchen geht weiter“ werden wir uns den beiden verschiedenen Methoden kurz widmen und dann besonders der Frage nachgehen, ob und inwieweit Nathan Myhrvold, dessen Konzept mich so fatal an das Märchen erinnert, sein Geo-Engineering mit wirtschaftlichen Interessen verbindet und verknüpft. Ich darf Sie dabei jetzt schon auf seine Verflechtungen zu seinem „Mentor“ Bill Gates vorbereiten. Und wir werden der Frage nachgehen, was ein Kampfflugzeug mit dem schönen Namen F-35 mit der ganzen Sache zu tun hat.

Bis dahin bastle ich weiterhin an meinem Weblog „Bio Natur, der Weblog rund um unsere (noch) schöne Welt“, sozusagen als kleiner Architekt in einer Welt voller grosser globaler Ruinenbaumeister.



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Lieber „Hans Dampf“, natürlich freut einen Blogger immer, mit den eigenen Recherchen, Gedanken und auch Informationen das Interesse der LeserInnen zu wecken. Und in diesem Zusammenhang möchte ich mich für die Verzögerung der Fortsetzung „Geo-Engineering, das Märchen geht weiter“ entschuldigen, welche ich bereits so vollmundig angekündigt habe. Aber die Recherchen dazu sind doch sehr zeitaufwändig und arbeitsintensiv, so dass ich noch um etwas Geduld bitte. Doch ich hoffe, Du kannst bereits meine virtuelle Axt und deren Schläge hören, welche eifrig am Werkeln ist. Bis dahin sage ich lieben Dank und grüsse aus dem weissen winterlichen Wien.
    Paul