Grüne Vernunft vs. Greenpeace 2


Prof. Klaus Ammann auf den Spuren des Martin Luther

In Hamburg wandelte nun der Schweizer Botaniker und Professor im Ruhestand, Prof. Klaus Ammann, auf den Spuren des Reformators und Ketzers von Gottes Ungnaden Martin Luther schlägt die 95 Thesen an die Türe der Schlosskirche von Wittenberg.oder kurz und knapp Martin Luther. Gemeinsam mit Dr. Uwe Schrader, seines Zeichens Vorsitzender des Forums Grüne Vernunft, nagelte Ammann, so wie anno dazumal (1517) Luther seine 95 Thesen in die altehrwürdige Türe der Schlosskirche zu Wittenberg mit lauten Hammerschlägen trieb, ein Kernpapier an die Türe der Deutschlandzentrale von Greenpeace. Wobei diese Hammerschlag-Geschichte wohl mehr eine Hypothese ist denn ein wirkliches Ereignis unserer Geschichte (siehe dazu Legenden um Luther: Der Thesenanschlag).

Inhalt des mit dem Gummihammer plakatierten Schreibens: „Zwölf Thesen zur Grünen Gentechnik“ und die damit verbundene Einladung an die Greenpeaece-Verantwortlichen, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, um über die Aspekte der modernen Biotechnologie zu sprechen. Die Aktion ist nicht einmal von schlechten Eltern, muss sogar ich zugeben, handelt doch Greenpeace immer wieder nach ähnlichen Mustern, um die Öffentlichkeit zu wecken und auf Probleme aufmerksam zu machen.

Auch mit der Grundhaltung der Aktion, nämlich „Klimawandel und Sicherung der Welternährung sind die brennendsten Fragen unserer Zeit“ stimme ich überein. Allerdings finde ich die Aussage, dass durch eine „ideologiegetriebene Blockadehaltung zur Grünen Gentechnik„, welche die Gentechniklobbyisten gegenüber Greenpeace gemeinsam mit diesen zwölf Thesen mit an die Pforte schlagen, dann doch des Guten zuviel. Auch wenn Herr Ammann Papst Benedikt XVI. (siehe dazu die Aussagen im unten bereitgestellten Video) als positiven Faktor und womöglich Befürworter in Sachen Gentechnik vor sich herschiebt, sollte man sich bei aller propagierten Dialogbereitschaft das Geflecht der Plattform „Grüne Vernunft“ genauer anschauen.

Ist doch zufällig Uwe Schrader auch Kontaktperson und darüberhinaus Vorstandsvorsitzender der Agro-Technik Vereinigung InnoPlanta. Und diese InnoPlanta hat auf ihren gentechnisch veränderten und genmanipulierten grünen Fahnen die Autogramme sehr illustrer Gäste. So wird voller Stolz auf der eigenen Webseite berichtet, dass zum ersten InnoPlanta AGIL Feldtag am 06.07.2009 in Üplingen einige Gäste von weither angereist waren. So durfte der Chef höchstpersönlich die Nordeuropa-Chefin der Monsanto AG begrüssen, ein Privileg in den (Dunst)Kreisen der Gentechnik. Und über Monsanto und Freunde wie Syngenta (z.B. Toscanella – Tomaten aus der Toscana) herrschen durchaus andere Meinungen vor als die Selbstdarstellung und Selbstbeweihräucherung der Gentechnik-Anhänger. Und welcher Schauplatz wäre für InnoPlant geeigneter gewesen als der Gentechnik-Schaugarten der Firma BioTech Farm GmbH. Und dieser steht zufälligerweise auch in Üplingen.

Im Streichelzoo für GVO: Gentechnik-Schaugarten der Firma BioTech Farm GmbH.

SchülerInnen, StudentInnen und auch allen anderen Menschen sollen dort die Vorzüge der Gentechnik praxisnah und mundgerecht nahegebracht werden. Einträchtig stehen pralle Felder voller Mais, Zuckerrüben, Weizen und Kartoffeln dort und präsentieren sich den BesucherInnen im schönsten Licht der Gentechnik. Ein wundervoller Garten Eden der Genmanipulation, gehegt und gepflegt im Schutze der neuesten Erkenntnisse und Anwendungstechniken von Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Ein gar lieblicher Streichelzoo für GVO.

Wir könnten graben und graben in diesem Filz und Dickicht aus Wirtschaft, Gentechnik und selbstverständlich auch Politik. Also buddeln wir noch etwas tiefer hinein in diesem Sumpf. Wenn man sich einmal auf der Seite der BioTech Farm GmbH umschaut, wird man entdecken, dass im Impressum eine Frau Kerstin Schmidt als Geschäftsführer, steht so dort, nicht Geschäftsführerin, ich kann es auch nicht ändern (will ich auch gar nicht), aufgeführt ist. Dieser Name besagter Frau Schmidt ist desweiteren auf den Webauftritten der Firmen BioOK, BioMath GmbH und Biovativ zu finden, wie Antje Lorch und Christoph Then im Auftrag der Bündnis90/Die Grünen Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken umfassend in ihrem Bericht Kontrolle oder Kollaboration? Agro-Gentechnik und die Rolle der Behörden recherchiert haben. Besonders sei hierbei der Punkt „4.1.2 Welche Funktion hat der Verein FINAB im Zusammenhang mit dem umstrittenen Montoringplan für MON810-Mais?“ erwähnt.

Und BioMath wiederum betreibt die Webseite der schon angesprochenen BioTech Farm GmbH. Aber damit nicht genug. BioMath ist auch verantwortlich für den sogenannten Monitoringplan der Firma Monsanto und deren gentechnisch veränderter Maissorte MON 810. Ziel dieses Planes ist die Wiederzulassung dieser gv-Maissorte, deren Verkauf bereits 2007 mit Bescheid des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ohne Vorlage solch eines Monitorings vorläufig verboten wurde (siehe Verwirrung um Auflagen für gentechnisch veränderten Mais).

Die Interessen und Verstrickungen der Firma Biovativ sind dagegen anders gelagert. Selbst preist sich die Firma wie folgt an: „Dienstleistungen rund um die Entwicklung, Analyse und Bewertung von agrobiotechnologischen Produkten und Methoden an. Das Leistungsspektrum reicht von Anbauversuchen im Feld über Gewächshausversuche aller Art bis zu gentechnischen Analysen im Labor.“ Und so ist sie offenbar unter anderem mit der Durchführung von Freilandversuchen mit transgenem Weizen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt betraut, ohne dass dies jedoch aus den Antragsunterlagen hervorgeht (Umweltinstitut München e.V.: Wer ist wer im Gentechnik-Filz?). Dass das Dörfchen Üplingen in der Region Sachsen-Anhalt liegt, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung.

Weiterhin ist Biovativ ein 100%-iges Tochterunternehmen des gemeinnützigen Vereins FINAB. Dieser „Verein zur Förderung innovativer und nachhaltiger AgroBiotechnologie“ hat selbstverständlich auch wieder hehre Ziele, welche den BesucherInnen gleich eingangs auf dem Webauftritt präsentiert werden: „Der gemeinnützige Verein FINAB e.V. wurde 1999 mit dem Ziel der Förderung der Agrobiotechnologie in MV gegründet. Wichtiger Meilenstein hierfür war die Errichtung eines Kompetenz- und Gründerzentrums für Agrobiotechnologie. Das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz konnte im November 2004 eröffnet werden. Zeitnah gründete FINAB Ende 2003 seine 100%ige Tochterfirma biovativ GmbH, die am 01.07.2004 ihre Geschäftstätigkeit aufnahm. FINAB und biovativ nutzen seit Beginn 2005 das AgroBioTechnikum für ihre Forschungs- bzw. Dienstleistungstätigkeiten.“

So weit, so gut. Besonders interessant ist dabei jedoch, dass der Verein FINAB ein Projekt (Laufzeit 23.08.2004 – 31.12.2006) beschreibt, welches der „Entwicklung eines standardisierten Verfahrens zur Minimierung der Auskreuzungsraten von transgenem Raps am Standort Groß Lüsewitz“ dient. Und Sie werden es nicht glauben, das finanzielle Volumen von fast 630 000,– Euro wird zu 80% aus Mitteln des deutschen Staates gefördert. Dass der Verein dabei stark mit der Universität Rostock kooperiert, mag auf den ersten Blick eine lässliche Sünde sein. Dass die FINAB-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Inge Broer heisst, soll uns ebenfalls recht sein. Dass Frau Prof. Broer dabei an der Universität Rostock den Lehrstuhl für Agrobiotechnologie inne hat, wird Sie wahrscheinlich auch nicht mehr verwundern. Und dass auf Umweltinstitut München e.V.: Wer ist wer im Gentechnik-Filz? zu lesen ist, dass Frau Broer nebenbei Gesellschafterin von BioOK und Gesellschaftervorsitzende von Biovativ ist, sollte jetzt auch nicht mehr ins Gewicht fallen.

Und da kommt dann tatsächlich ein Martin Luther der Neuzeit daher, nagelt zwölf Thesen an die grüne Pforte von Greenpeace und freut sich auf konstruktive Gespräche? Irgendwie verstehe ich die Welt nicht mehr. Richtig, bevor ich es nun vergesse! Das Video natürlich. Schließlich will ich nicht alleine das Privileg genießen, mich im Sumpf der Gentechnik zu suhlen.



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “Grüne Vernunft vs. Greenpeace

  • Stephan Becker

    Hallo Paul,
    Danke für Deinen Blog und Deinen Artikel über die Machenschaften der Gentech-Konzerne. Ich finde es aber schade, dass Du den Namen Jörg Bergstedt nicht 1!mal in Deinem Artikel erwähnst.

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Lieber Stephan,
    solch geharnischte Kritik nehme ich selbstverständlich persönlich. Klarerweise, schließlich schreibe ich auf meinem Blog auch alles höchstpersönlich. Aber genau aus diesem Grund freue ich mich genau über solche Anregungen oder in Deinem Fall eben Kritik. Und so nehme ich dies zum Anlass und werde über Jörg einen eigenen Artikel verfassen. Denn Du hast selbstverständlich recht: Aktionismus ohne die dahinterstehenden menschlichen Triebfedern, welche diesen Protest und ihr lautstarkes Veto gegen Unrecht und Ungerechtigkeiten oftmals unbeachtet der Öffentlichkeit (gut, bei Jörg trifft dies natürlich erkennungsdiensttechnisch usw. weniger zu) fortsetzen, ist nur die halbe Wahrheit. Ich danke Dir, wie könnte es auch anders sein, für Dein Interesse an meinem Blog und sende gaaaaanz liebe Grüße aus Wien.
    Paul